Friedrich Eckart Marwedel erhält Goldenes Kronenkreuz in Blankenese

04.12.2017

Ein Ehrenamt mit Leitungsfunktion: Das bekleidete mit großem Engagement 18 Jahre lang Friedrich Eckart Marwedel im Vorstand des Diakonievereins Vormundschaften und Betreuungen e.V., vormals: Diakonisches Werk des Kirchenkreises Blankenese. Für seinen Einsatz von 1998 bis 2017 im Dienste erkrankter Menschen übereichte ihm Propst Frie Bräsen am 29. November in der Blankeneser Kirche das Goldene Kronenkreuz der Diakonie.

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Das Plus für Blankenese

04.12.2017

Allein aus Kirchensteuereinnahmen lassen sich die vielfältigen Aktivitäten unserer Gemeinde nicht finanzieren. Sie müssen durch Spenden mitgetragen werden.

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Wasserfilter verteilt und Sehtests durchgeführt

04.12.2017

Zum nunmehr sechsten Mal reiste die Marafiki-Gruppe gemeinsam mit Pastor Klaus-Georg Poehls während der Herbstferien in die Partnergemeinden nach Tansania. Hier folgen Auszüge aus ihrem Bericht:

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Zum Tod des Bildhauers Jan Koblasa

04.12.2017

In Dankbarkeit erinnern wir an den international berühmten Künstler, der einst in der Blankeneser Kirche ausstellte und für unsere Gemeinde zwei monumentale Werke schuf.

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Jochen Engel

Als wir neu in die Gemeinschaft des Treppenviertels zogen, war es die herzliche Begrüßung „unseres Postboten“, die uns Heimat versprach. Dir scheinen Menschen viel zu bedeuten.

Ja, das Anonyme mag ich nicht, ich brauche den Kontakt zu Menschen. Ich gehe gerne auf sie zu, auch als Kind schon. Ich ging dann einfach in die Nachbarschaft und fragte, ob ich etwas helfen kann.

Ist das ein Sinn Deines Lebens?

Ich bin eben so. Du hast doch nie erlebt, dass ich schlechte Laune habe. Andere Menschen können doch nichts dafür, wenn es mir mal schlecht geht. Warum soll ich sie dann dafür strafen? Ich sage also fröhlich „Guten Morgen“. Ich komme auch positiv nach der Arbeit nach Hause, auch wenn der Tag oft so anstrengend ist. Meine Einstellung zum Leben ist eben positiv, ich kenne keine negativen Gefühle. Das, was man erreicht, hat man sich doch selber so eingerichtet, und wenn ich schon mit schlechter Laune irgendwo hingehen würde, dann erreiche ich auch nichts Gutes.

Du bis seit 43 Jahren im Treppenviertel, hat es sich hier sehr verändert?

Nun, der „alte Schlag“ ist weg. Es war auch schön, aber heute genieße ich die vielen Kinder dort, wo es früher weniger lebendig war. Viele liebe Menschen sind hier sehr alt geworden, weil sie anstrengende Wege zum Einkaufen hatten. Das hielt sie fit.

Hat sich die Atmosphäre verändert?

Das liegt doch auch an einem selbst. Ich gehe auf die Menschen zu und sage „Moin, ihr seid die Neuen hier“. Damit komme ich viel weiter als mit ständigem Überlegen.

Hast Du auch Trauriges erlebt in all diesen Jahren?

Vieles geht mir schon sehr nahe. Wenn die Leute von heute auf morgen nicht mehr da sind oder wenn sie dahinsiechen. Es ist ja alles für mich wie eine Familie, das Treppenviertel ist für mich ein Familienzusammenhang. Ich habe kein Problem damit, wenn „Oma“ ankommt und mir noch mal Briefe oder Geld mitgibt, es ist Vertrauenssache. Ich habe doch auch so viele Schlüssel zu Häusern.

Wird die Welt anonymer?

Da, wo ich wohne, stellen sich Neuzugezogene nicht einmal mehr vor. Hier ist es noch nicht so, jedenfalls nicht, wenn man auf die Menschen einfach zugeht. Außerdem ist ein Postbote ja auch „Mädchen für alles“: Psychologe, Psychiater, Seelentröster. Es sind Menschen, zu denen alte Leute sprechen können, wenn sie Probleme haben, obwohl ich mit denen ja eigentlich gar nichts zu tun habe. Aber sie möchten sich einmal etwas von der Seele reden. Das geht nur, wenn sie Vertrauen zu mir haben können, und das muss man sich erarbeiten, es geht nicht von selber.

Du hilfst so vielen, helfen wir Menschen hier Dir auch?

In dem direkten Sinne nicht, aber ich bin nicht böse drum. Das, was ich gebe, ergibt ein „Dankeschön“ oder ein Lächeln oder einen kleinen Klönschnack. Das reicht mir – finde ich.

Aber Du hast es doch sicher auch mal schwer im Leben?

Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Ein Chef von mir sagte einmal: „Deine gute Laune ist pervers“. Aber es ist nunmal so. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich offen und ehrlich durch das Leben gehe. Zumindest versuche ich es. Meine Frau ist manchmal gesundheitlich eingeschränkt, aber ich habe sie bei mir, wenn ich nach Hause komme. Bei anderen hat sich das erledigt, die haben ihre Frau nicht mehr und sind alleine.

Glaubst Du an eine Kraft des Guten in Deinem Leben?

Das beste Beispiel ist meine Frau. Wir sind irgendwie seelenverwandt. Aber so glauben im kirchlichen Sinne kann ich nicht. Ich kann nicht glauben, dass die Welt in sieben Tagen geschaffen wurde.

Und was machst Du nach dem 30. Juni 2018, wenn Dein Dienst aufhört?

Ich werde den Kontakt zu Euch behalten, vielleicht einmal durch Vertretungen. Ich lass’ das auf mich zukommen und mache erst einmal wieder Urlaub mit meiner Süßen im Alten Land. Wir sind dann an der Este.

Was wünschst Du Dir für diese Welt?

Dass wir alle miteinander gut umgehen und uns respektieren, so, wie wir sind. Und nicht immer nur an uns selber denken. Es gibt natürlich solche schrägen Typen, die vorne und hinten „schludern“, die werden wir nicht ändern können. Das sieht man aber schon daran, wie sie einen angucken: Sie sehen vorbei. Manche grinsen Dich an und lügen trotzdem.

Was war schön in 43 Jahren Treppenviertel?

Hier zu arbeiten und die Jahreszeiten zu erleben. Ich mag auch die Touristen, die nicht immer nur ans Wasser wollen, sondern wachen Blickes durch den Ort gehen. Man muss den Blick für die Welt behalten. Ich liebe es dort, wo Kinder und Unordnung sind, da ist es herrlich. Oder die Tiere: Da rennen Hasen rum und Meerschweinchen. Mit den Hunden komme ich auch prima klar, ihre Köpfe hängen immer in meiner Tasche. Nur Frieda und Bruno, die mögen niemanden.

Zu Weihnachten ist die Posttasche noch voller. Welche Gedanken hast Du?

Ich denke an manche Kinder. Sie haben keine Wünsche mehr, bekommen alles. Was würden sie sein, ohne das Geld der Eltern? Wenn man alles kaufen kann und keine Überraschungsgeschenke mehr da sind, dann ist auch keine Freude mehr da. In dieser Zeit denken die Menschen so kommerziell und wir sollten doch daran denken, was wir anders machen können.

Liebster Postbote Jochen Engel! Frohe Weihnacht und ein gesegnetes, gesundes 2018. Wir mögen einfach nicht an den 30. Juni denken. Vielleicht kommst Du ja mal in die Kirche zu uns. Nur so...

Stefanie Hempel

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