Dr. Dagmar Messerschmidt

Wie hat Sie Ihr Weg hierher geführt?

Als ich aus Berlin nach Hamburg kam, sah ich natürlich die Schönheit dieser Stadt. Aber meine Liebe galt noch Berlin mit seinen vielen Brüchen und Verletzungen. So wollte ich auch in Hamburg zuerst in einen Stadtteil, der mich an Berlin erinnerte. An Blankenese nun gefällt mir besonders, dass die Häuser - sinnbildlich für die Menschen - einander zugewandt und um den Marktplatz und die Kirche herum gruppiert sind; das drückt für mich eine gesunde, wohltuende Struktur aus. Hier treffen sich Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen. Bemerkenswert finde ich, dass in unserer Gemeinde auch die Generationen in den Gottesdienst kommen, die die Gesellschaft von heute aktiv gestalten. Den Machbarkeitswahn abzustreifen und sich in Demut zu üben, ist gerade in unserer Zeit wichtig, um die Verantwortung für das Gemeinwohl richtig wahrzunehmen.

Und wenn Sie jemand fragt, wie denn diese Gemeinde sei, was wäre Ihre Antwort?

Ich wurde mal gefragt, was ich zu Weihnachten mache und ich erwähnte meinen Küsterdienst hier. Es entstand Schweigen, Befremden und Distanz. Es schien mir, dass dieses Gemeindeleben als eine abgeschottete Welt wahrgenommen würde. Aber diese fixe Vorstellung stimmt so nicht. Ich empfinde es als bunte und gemischte und sehr lebendige Gemeinde. Die Menschen hier bemühen sich, offen für den Anderen und das Fremde zu sein. Zudem sind sie sozial engagiert.

Was bedeutet sie Ihnen?

Viele sind behutsam im Umgang miteinander und sie beeindrucken mich damit. Sie sind bestrebt, den anderen zur Entfaltung zu bringen und nicht nur sich selbst. Ich „küstere“ und empfinde das auch als ein Sich-Einüben mit Menschen und mit der Liturgie.

Was entspricht Ihnen von dem „Angebot“ der Gemeinde?

Wohl ein Mitwirken in der GemeindeAkademie. Ich bin eher „kopflastig“ und finde die Themen im Grenzbereich von Philosophie, Theologie und Politik spannend. Das geriet etwas in den Hintergrund in der Phase des beruflichen Aufbaus. Als ich hierher kam, habe ich den Faden wieder aufgenommen und suchte auch den Austausch mit Menschen unterschiedlicher Profession und Prägung.

Sie erwähnten den Stand der Hirnforschung - „alles ist angelegt“; wo ist da der Raum für Glauben?

Verkürzt gesagt bin ich angesichts der heutigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse ein Anhänger der These, dass es einen freien Willen nicht gibt. Und dann gibt es doch eigentlich auch keine Schuld. Wir Menschen fallen und fehlen aber in unserer Unvollkommenheit immer wieder und verletzen dabei den anderen. Zu menschlicher Größe gelangen wir da, wo wir schuldlos schuldig die Verantwortung für unser Tun dennoch übernehmen und wo wir umgekehrt unserem Mitmenschen vergeben im Wissen um eben diese auch seine Bedingtheit. Das verbindet und versöhnt uns zutiefst. Ist das nicht im Grunde auch mit der christlichen Tradition vereinbar? Mir ist dabei durchaus bewusst, dass ich den letzten Schritt womöglich noch nicht gehe. Denn was den Glauben anbetrifft: Da ist für mich das Schönste im Gottesdienst ein Satz im Gebet nach dem Abendmahl: „Es ist gut mit Menschen zusammen zu kommen, die fragen und suchen wie wir…“.

Und wie ist Ihr Gottesbild?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Wissen Sie, es ist so unterschiedlich und entspricht den unterschiedlichen Phasen meines Lebens. Mal ist es mehr „das Göttliche“, mal eine Vaterfigur. Es gab auch Zeiten, in denen ich wohl im Sinne Hiobs gerungen habe und mich dann wieder in einsamen Momenten darin fand, dass es trotzdem ein Gegenüber gab – jemanden, mit dem ich sprach.

Im April 2015 wird Pastor Plank in den Ruhestand gehen. Welche seiner Eigenschaften wünschen Sie sich „herübergerettet“?

Was so herrlich ist, ist sein großes „Spektrum“. Das merken wir auch daran, dass er unterschiedlichste Menschen für die Gemeinde gewinnen konnte. Ich mag auch die Leichtigkeit, die er hat. Er hat keine Strenge und ist nicht dogmatisch. Und seine Fröhlichkeit. Er ist wie so eine Feder, die immer schwebt....!

 

Dr. Dagmar Messerschmidt
Geboren am 3. Januar 1965 in Hamburg | Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Sozialmedizin | lebt seit 2008 in Blankenese und engagiert sich seit 2011 als ehrenamtliche Küsterin in der Blankeneser Kirche

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