Helmut Hartmann

Lieber Herr Hartmann, Sie kommen gerade aus Tansania zurück, wo Sie die vier Partnerdörfer unserer Gemeinde besucht haben. Mit 75 Jahren haben Sie eine weite Reise in den Süden Tansanias unternommen, um die Bedürfnisse der Menschen dort zu unterstützen. In den letzten Jahren konnten Sie viele Patenschaften für tansanische Waisenkinder vermitteln und Spendengelder für den Bau einer Wasserleitung initiieren. Welche Stimme ruft Sie?

Ich fühle mich berufen, weil mich Gott durch meinen Lebenslauf Fähigkeiten hat erwerben lassen, mit denen ich mich verpflichtet fühle, sie jenen zu vermitteln, die diesen Vorzug nicht haben. Ich muss das weitergeben.

Ist das eine Nachfolge Christi?

Jesus hat uns Christen vorgelebt, was es bedeutet, anderen Menschen auch in scheinbar aussichtslosen Situationen zu helfen, und jeder muss die Verpflichtung in sich spüren, in diesem Sinne ein ganz klein wenig wie Jesus jenes nachzuleben.

Wer ist Jesus für Sie – begleitet er Sie in Ihren Gedanken

Nein, nicht wie ein gedanklicher Gefährte. Er ist für mich historisch außergewöhnlich in seiner Zeit gewesen. Er hat die Liebe in einer bedingungslosen Form gelehrt und gelebt. Eher als dass ich mich fragen würde, was „würde Jesus jetzt dazu sagen“, würde ich mich fragen „was würde Gott jetzt dazu sagen“. Jesus ist für mich ein Mensch, der in einer für mich nicht überbietbaren Weise Liebe zu Menschen gelehrt und vorgelebt hat. Der wörtlichen Annahme, er sei der Sohn Gottes, kann ich nicht folgen und deshalb ist es für mich leichter zu sagen „ Im Namen des Vaters, durch den Sohn, im Heiligen Geist“.

Ein Sinn Ihres Lebens?

Das hat etwas mit der Berufung im ersten Abschnitt zu tun. Mein Leben ist geprägt von dem Versuch, dem Vorbild Jesus so mangelhaft und inkonsequent, wie man es eben kann, nachzustreben. Nur das kann für mich überhaupt Sinn machen.

Sprechen Sie mit anderen Menschen über ihren Glauben?

Eigentlich nicht. Es ist die Frage, ob das etwas mit unserer Religion zu tun hat. In meinem Austausch mit Muslimen habe ich erlebt, wie Glaube sehr durch regelmäßige Gebetsriten sichtbar gemacht wird. Sie beten ja in einer wesentlich größeren Gemeinschaft. Vielleicht stärkt das auch den Austausch.

Sie engagieren sich auch in dem Arbeitskreis Weltethos. Was bedeutet Ihnen der interreligiöse Dialog?

 

Vordergründig fordert mich der christliche Glauben dazu auf. Jesus erwartet von uns, dass wir Frieden stiften. Deshalb möchte ich nicht nur in Büchern, sondern in der Begegnung den Islam kennen lernen.

Möchten jene auch Sie kennen lernen?

Ich habe immer festgestellt, dass mir Muslime nicht anders und nicht unfreundlicher begegnen als Christen. Diese Erfahrung machen wir doch alle. Der eine geht zum Änderungsschneider und macht diese Erfahrung und der andere zum Gemüsehändler. Nur die Religion kannte ich zu wenig und konnte nicht reagieren, wenn einige verrückte Fanatiker Koranstellen für ihren Kampf zitieren. Mit dem Hinduismus würde ich mich genauso beschäftigen, wenn hier 1 Million Inder leben würden. Und die muslimischen Gemeinden, mit denen wir Kontakt haben, suchen auch dringend das Gespräch mit uns. Sie haben auch engen Anschluss an die Kirchen in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Was ist für Sie eine Gemeinde und wie empfinden Sie diese?

Die Blankeneser Gemeinde ist in meinen Augen die großartigste Gemeinde, die ich je erlebt habe. Das Engagement so vieler Menschen für karitative Zwecke ist für mich ohne Beispiel. Auch freue ich mich hier sehr über eine lebendige Ökumene. Das hat etwas mit meiner Kindheit in Osnabrück zu tun, wo ich als Lutheraner unter mehrheitlich katholischen Freunden lebte. Nun zur Gemeinde als solche: Jeder braucht andere Menschen, deshalb ist Gemeinschaft wichtig. Im Umfeld der Kirche haben wir das Erlebnis, Gott näher zu kommen, was einem in der Rastlosigkeit des täglichen Lebens häufig abhanden kommt. Der Kirchgang ist eine Konzentration auf etwas, was der Mensch eigentlich sucht.

 

Das Gespräch führte Stefanie Hempel

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