Iris Apitz

Eine Gemeindeschwester stelle ich mir mit Häubchen und einem Alter von mindestens 60 Jahren vor. Sie haben weder das eine, noch das andere:

Richtig, aber ein dezentes Erkennungszeichen wäre sicherlich sehr schön. Haben sie nicht eine Idee? Ich bin 35 Jahre alte und  bin mit meinem Mann vor 7 Jahren nach Blankenese gezogen. Wir haben Kinder im Alter von 6 und 3 Jahren. In meiner Heimatgemeinde in Uelzen wurde meine Große getauft, aber mein Sohn ist hier getauft worden.

Kindheit und Jugend habe ich in einer sehr lebhaften Gemeinde verbracht. Beides, Jugend- und Altenarbeit wurde gleichermaßen „großgeschrieben“.  Das hat mich sicherlich geprägt.

Was bedeutet die Brosche mit dem Kreuz, die Sie am Pullover tragen…..

Ich erhielt sie von meiner Schulschwester zum Examen meiner Krankenpflegerausbildung bei den Waldbreitbacher Franzikanerinnen. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Viele haben ein Klischee von Nonnen, ich kann dieses gar nicht bestätigen. Diese Franzikanerinen waren wirklich „kernig“ und sehr, sehr weltoffen.  Aber mehr als alles andere haben sie uns Schülerinnen den höchsten Respekt vor der Würde eines Menschen vermittelt. Selbst  in größter Zeitnot war es letztendlich das Wichtigste, mit dem Menschen in einen liebevollen Kontakt zu treten.

Wo führte Sie der Weg dann weiter?

Ich wanderte auf den Spuren Liliane Juchlis. Sie schrieb die Standardbücher für die Pflegeausbildung.  Ich ging nach Zürich an das Universitätsspital , später nach Hannover, wo ich auf einer onkologischen Abteilung arbeitete, hier in Hamburg habe ich in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen in der Altenpflege sammeln können.

Und nun sind sie Blankeneses neue Gemeindeschwester, was ist Ihre Aufgabe ?

Meine Aufgabe beginnt dort, wo die professionelle Hilfe leider oft aufhört. Es geht um die menschliche Fürsorge. Ich suche das Gespräch mit Menschen, die einsam sind und betreue pflegende Angehörige. Ich helfe auch Menschen bei  alltäglichen Tätigkeiten wie Einkaufen, stehe in schwierigen Lebenssituationen beratend zur Seite, oder bin einfach nur da. Viele Aufgaben koordiniere ich, sie werden von ehrenamtlichen Helfern des Diakonischen Netzwerkes unserer Gemeinde ausgeführt,
Wenn ich Menschen besuche versuche ich herauszufinden, welche Hilfe nötig ist und nehme den Kontakt mit den Einrichtungen der Kirche auf, die diese Hilfe leisten können.
Mein Traum ist die Umsetzung eines christlichen Miteinanders – einer christlichen Zuwendung an den Schwächeren durch der ehrenamtlichen Infrastruktur dieser Gemeinde.

Welchen Gottesdienst besuchen Sie?

Wenn wir es einrichten können, gehen wir gemeinsam mit unseren Kindern zum Fago, wir mögen den lockeren, familienfreundlichen Gottesdienst und der Kleine den Kuchen hinterher.

Sie sind in vieler Hinsicht ein „verlängerter“ Arm der Pastoren – Sie gehen in die Häuser. Treffen Sie Menschen, die ein Gespräch über ihren Glauben suchen?

Wenn ich Hausbesuche mache, sind viele froh, über ihren Glauben sprechen zu können. Diejenigen, die darüber sprechen, haben einen festen Halt darin und empfinden Freude, das mitteilen zu können.
Aber auch ein Gespräch über die alltäglichen Kleinigkeiten kann sehr ermunternd und aufbauend sein.

Ihre Stelle ist von einer Stifterin eingerichtet worden. Kennen Sie sie ?

Nein, aber freue mich sehr darauf, sie bald kennen zu lernen .                                    
Sie ermöglicht es , eine Lücke schließen zu können die die klassische Pflege inzwischen offen lässt und die für ein liebenswertes Leben oft so wichtig ist: eine kleine Geste, etwas Zeit und Aufmerksamkeit eine helfende Hand zur rechten Zeit.

Ich danke Ihnen für dieses Gespräch und wir alle, die es lesen, danken vor allem der Stifterin.
Das Interview mit Iris Apitz führte Stefanie Hempel (11.2004)

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