Lilly Kübler

Liebe Lilly Kübler, Du bist 39 Jahre alt mit drei kleinen Jungs im Alter von 7 , 4 und 1 Jahr. Und seit 5 Jahren seid Ihr Mitglied in dieser Gemeinde. Was verstehst Du als Mutter unter christlicher Erziehung und wie gestaltest Du sie in der Praxis?

Ich möchte ihnen das Gefühl geben, im Glauben geborgen zu sein. Ich möchte ihnen Halt geben. Was den Umgang mit anderen angeht, scheint es mir gerade bei Jungs „hoch“ her zu gehen, weshalb wir oft darüber sprechen. Oft verfallen sie in Rollen, in denen sie sich eigentlich gar nicht wohl fühlen, nur um anderen zu imponieren. Manchmal denke ich, dass gerade Jungs besonders viel Liebe benötigen.

Wie vermittelst Du Deinen Kinder so etwas Abstraktes wie Gott?

Ich versuche das Thema nicht zu strapazieren und ihnen den Raum für ihr eigenes Empfinden zu lassen. Wenn man die Vorstellung nicht so sehr vorfertigt, finden die Kinder ihren eigenen Ausdruck. So ist Gott manchmal auf den Wolken, oder sie meinen, ihn einzuatmen. Sie spüren ihn auf ihre Art und Weise.

Du bist ja auch regelmäßig mit ihnen im FaGo und somit spüren sie auch Deine Beziehung zu einem Gottesdienst.

Es ist mir wichtig, dass Gott auch eine Räumlichkeit haben kann. Uns bedeutet diese wiederkehrende, regelmäßige Feierlichkeit einer Begegnung mit Gott in einem Gotteshaus mit einem Pastor im Talar viel. Meine Kinder verbindet ebenso viel mit Jesus. Es ist leichter, weil er eine Person ist. Für mich ist er zwar keine irdische Gestalt in dem Sinne. Er konnte sich auf wundersame Weise unter die Menschen mischen. Es mag sein, dass er ein Mensch mit besonderen Gotteserfahrungen ist, ich tendiere jedoch dahin, dass er die Nähe einer göttlichen Gestalt annimmt. Es wird mir ein Rätsel bleiben, welches mich mein Leben lang begleitet und es muss nicht jedes Rätsel aufgelöst sein. Jesus ist für mich ein „link“ Gottes zu uns Menschen.

Wie findest Du die Idee einer „Schule unter dem Kirchturm“?

Es ist eine schöne Idee. Ich halte sehr viel von dem Ansatz der Reformpädagogik und habe mir dazu viele Vorträge angehört. Anfangs sträubte ich mich gegen diese Idee, da wir in einer Gegend leben, die mit Schulen sehr gut ausgestattet ist und wir geradezu einen Luxus der Wahl haben. Aber vielleicht ist es gerade in dieser Gegend wichtig, dass die Kinder mit wirtschaftlich gut ausgestattetem Hintergrund mehr soziale Kompetenz und ein soziales Sendungsbewusstsein erlernen. Das mag am Ende einer Gesellschaft sehr zugute kommen. Für die Entwicklung unserer Gesellschaft wäre eine „Bodenseeschule“ ein Segen.

Warum nehmt ihr, Dein Mann und Du, das Angebot der GEMEINDEAKADEMIE nicht an?

Dieses Angebot ist großartig, wie viele andere in Hamburg auch. Nun, mein Mann reist in der Woche viel, meine Kinder können noch nicht alleine bleiben und wir haben kein Aupair-Mädchen. Ein Mal mehr in der Woche einen Babysitter zu bezahlen, können wir leider nicht unbedingt leisten.

Wie fühlt Ihr Euch mit den Kindern in dieser Gemeinde aufgehoben?

Gut. Die Kinder mögen gerne in den FaGo gehen und wir fühlen uns als Familie beheimatet. Das entspricht auch meiner Kindheit, obwohl auf dem Lande, wo ich aufgewachsen bin, die Kirche im Ort in unseren Leben noch viel unmittelbarer war. Die Kirche war ein räumliches Zentrum des örtlichen Lebens, der Kirchhof – auch Friedhof – war der Ort, wo wir unsere Lieben besuchten. In der mKirche musizierten wir Kinder, ich war z.B. im Posaunenchor, mit dem ich dann regelmäßig auch im Gottesdienst auftrat. So waren wir als Kinder ein Teil dieses Gottesdienstes und hatten unseren Anteil an den Gottesdienstfeiern. Einen speziellen Kindergottesdienst gab es nicht. Wir wurden behutsam in den Gottesdienst aller eingeführt. Kirchenmusik von Kindern und Jugendlichen trägt viel dazu bei und ich finde es schade, dass wir hier so etwas nicht haben. Aber die Kinder haben so viel häuslich arrangiertes Programm, das dafür wohl kein Platz mehr ist.

Hoffentlich mit einer Schule „Unter dem Kirchturm“.


Stefanie Hempel

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