Lore Oldenburg

Liebe Lore Oldenburg, Sie haben eine sehr liebevolle, ruhige, aber auch bestimmte Ausstrahlung. Sie verbinden nicht nur Ihr Alter mit einer  jugendlichen Kraft und Gestik, Sie verbinden für mich auch Kulturen und Religionen. Es ist der Buddhismus, der Sie seit vielen Jahren fasziniert.  Sie sind auf Ihren vielen Reisen in den Osten Asiens ja nie auf der Flucht, sondern immer auf der Suche nach Bereicherung gewesen.

Mein Lebensreiseziel war immer der Osten. Früher habe ich mich auch für China interessiert, aber das Land wurde mir politisch unsympathisch. Ich reiste durch Ladakh, Bhutan und Tibet.  Mich fasziniert das, was im Zen-Buddhismus „Die Leere“ genannt wird. Es ist der Zustand, in dem wir nicht mehr denken, nicht mehr als uns selbst spüren und über unsere körperlichen Grenzen hinauswachsen. In diesen Momenten spüre ich eine göttliche Berührung.

In Ihrem Christsein ist auch dies Ihre Berührung mit Gott ?

Buddhismus und Christentum sind sich in vielem so ähnlich. Im Buddhismus gibt es auch die „Kleinen Götter für das Tägliche“ und auch wir finden im Christentum viele Elemente, die wir aus dem Germanischen übernommen haben, so z.B. Feste der Sonnenwende, Weihnachtsbäume, Osterschmuck. Es ist im Zusammenhang mit dem Buddhismus die Form der Meditation, die in meiner Berührung mit Gott auch im Christentum zu finden ist.

Vielen erscheint die Meditation „importiert“ und ein Erlernen als „Fremdgehen“ im Sinne „unserer“ christlichen Rituale. 

Warum eigentlich? Es ist doch etwas Urchristliches. Denken wir doch an die Mystiker.  Meister Ekkehard ist doch wieder „in“. Wir haben so viele unserer christlichen Wurzeln verschüttet und sollten sie wieder beleben. Unsere Zeit braucht diese Einkehr sehr und mir scheint es oft, dass der, wie Sie sagen, Import  gerade deshalb so viel Aufmerksamkeit erhält. Über die Jahre wurde mir deutlich, dass jeder Mensch ein tiefe Stille in sich birgt. Darüber türmt sich so viel. Wir sind doch alle von außen gesteuert, wer kann denn wirklich noch aus dem Innersten entscheiden.

Ist der Zustand der Meditation Freiheit?

Ja, das ist die Freiheit. Man fühlt sich an nichts mehr gebunden, wir sind in der Berührung mit unserem Selbst nicht mehr eingeordnet, wir sind frei und diese bewusst  erlebte Freiheit erfüllt uns mit Glück. Freiheit ist der Zustand des Loslassens; der Weg dorthin bedeutet jedoch regelmäßig Übung und Rituale.  Wir haben auch im Christentum diese Rituale und Mantras der östlichen Religionen. Wir können das „Kyrie Eleison“ verinnerlichen, wir können ein Kreuz auf unseren Körper zeichnen, auf die Stirn zeichnen, es gibt so vieles. Ich reagiere heute mehr auf Rituale als früher. In der St. Anschar-Gemeinde in Eppendorf erfuhr ich die innere Befreiung durch die Rituale der Tages- und Stundengebete und freue mich, auch in dieser Gemeinde ein Wachsen der Bedeutung von Liturgie zu sehen. Ich fühle mich darin beheimatet.

Lebten Sie eine Nähe zur Kirche, als Ihre beiden Töchter klein waren?

Ich selber habe immer eine Beziehung zur Kirche gehabt, meine Eltern dagegen nicht. In Berlin wohnten wir in unmittelbarer Nachbarschaft einer Kirche und wenn meine Eltern sonntags langsam den Tag begannen, ging ich eben mal in die Kirche, da war was los, da gab es vor allem auch schöne Bilder.

Mit meinen Kindern habe ich versucht, das fortzuführen. Oft kam uns dabei auch ein Spiel zu Hilfe: Sie hatten eine Menge heiratswilliger Stofftiere und die führten wir in Körbchen in die Kirche, um sie somit „standesgemäß“ zu verheiraten. Aber regelmäßig sind wir nicht dorthin gegangen. Wir waren Segler und im Sommer oft unterwegs. Oft gingen mein Mann und ich später in den Häfen Dänemarks oder Schwedens in die örtliche Kirche.

„ Aller Wandlung Anfang ist die Sehnsucht“ ist ein Satz, den ich auch von Ihnen gelesen habe.

Ja, die Sehnsucht ist doch das, was uns treibt. Wenn ich sie spüre, möchte ich doch sehen, was sich dahinter verbirgt.

Ist nicht die Tragik vieler Menschen, dass sie Sehnsucht spüren, aber nicht für sich artikulieren können ?

Auch da hilft die Stille. Wenn der Mensch „bei sich“ ankommt, kann er erkennen, was er entbehrt und was er haben möchte. In der Stille sitzen ist ein großer Gewinn. Oft habe ich das Gefühl, ich möchte nie aufhören so zu verharren – es ist ein glückseliger Zustand.  Wir sind ja alle auf dem Weg zu unserem inneren Selbst, ob es uns bewusst ist, oder nicht.  Das Paradies kann auch jetzt sein. In seinem Selbst anzukommen, ist in meinen Augen unser Lebensziel und unsere Bestimmung. Wir sind dann bei Gott.

 

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