Petra Winheller

Die Blankeneser Kirche nimmt an einem so genannten Zukunfts­prozess teil. Dabei sollen Wege gefunden werden, die den Gemeinden angesichts gesellschaftlicher Veränderungen ein lebendiges Weiterleben ermöglichen. Sie arbeiten als freie Beraterin in diesem Prozess mit.

Ja, das ist richtig, ich berate allerdings zwei andere Gemeinden.

Und was raten Sie ihnen?

Als Beraterin bin ich nicht dafür da, Antworten vorzuge­ben, dazu sind die jeweiligen Voraussetzungen der einzelnen Gemeinden des Kirchenkreises viel zu unterschiedlich. Die Experten sind die Gemeinden selber. Ich begleite sie dabei, eigene Antworten zu finden. Es geht darum, über die Zukunft ins Gespräch zu kommen, einen Arbeitsprozess zu ermöglichen und gemeinsam Lösungen zu suchen.

Und Sie stiften unserer Gemeinde Zeit – als Zeitstifterin.

Ja, darüber führte mein Weg in diese Kirchengemeinde. Ich finde das eine wunderbare Sache: Menschen Zeit zu schenken. Das habe ich auch früher in München gemacht. Und nun bin ich froh, hier schon seit über zwei Jahren eine Dame zu beglei­ten, die mittlerweile im Schilling-Stift lebt.

Sie sind in einer evangelischen Gemeinde engagiert, im Herzen katholisch, aus der Kirche ausgetreten. Ökumene vom Feinsten?

Ich bin auf eine sehr herzliche und offene Art in meiner Kind­heit von meiner katholischen Mutter geprägt worden. Sie ist immer in die Kirche gegangen, um „Raum zu haben“, so mache ich es auch. Ich komme dort mit mir selbst ins Gespräch. Mir ist die katholische Messe kindheitliche „Heimat“. Den evange­lischen Gottesdienst empfinde ich heute als lebensbezogener. Ich höre gerne die evangelische Predigt und bin von der katho­lischen Messe berührt. Ich bin aus der Katholischen Kirche ausgetreten, weil ich mich in dem, wie ich lebe, nicht ange­nommen fühlte. Mein damaliger Pfarrer hat das verstanden, mich trotzdem Taufpatin bei meinem Neffen werden lassen.

Die Welt ist nicht schwarz und weiß, ein Glück!

Ja, der Glaube ist mir wichtig – sogar so weit, dass mir die Religionszugehörigkeit anderer nicht so wichtig ist. Das, was mir etwas bedeutet, ist das liebevolle Zusammenkommen in einem Glauben. Eine friedliche Gemeinschaft von Menschen, die füreinander da sind.

Ist die Kirche für Sie ein wichtiges „Tool“?

Ja, als Wertekompass. Zumindest ist der Glaube für mich eine Kompassnadel, nach der ich mein Leben ausrichte. Kirche ist für mich ein Ort, sich mit diesen Werten auseinanderzuset­zen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob es dazu wirklich einer Religiosität bedarf, die sich primär institutionell festmacht. Meine katholische Großmutter durfte in ihrer Kindheit noch nicht einmal mit protestantischen Kindern spielen. Und heute: Meine Mutter ist katholisch, mein Bruder bezeichnet sich als Atheist, seine Tochter ist muslimisch, und wir alle können am Tisch sitzen und finden eine gemeinsame Werte-Basis. Das ist es, worauf es mir ankommt und was mir Hoffnung gibt.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Das Füreinander-Denken, füreinander da zu sein. Einander wertschätzen, trotz aller Differenzen. Den anderen im Blick haben. Die Schöpfung erhalten wollen. Ich habe zwölf Jahre für Greenpeace gearbeitet, da geht es auch darum, die Schöp­fung zu bewahren, Natur wertzuschätzen.

Mein erstes Gemeindebrief-Interview durfte ich mit Marion Grä­fin Dönhoff führen. Sie sagte, für sie sei es vor allem wichtig, dass der Mensch sich nicht als letzte Instanz begreift.

Das ist gut formuliert. Es gibt heute so viel Narzissmus: Was man isst, wie man aussieht, der Sport, der Lifestyle. Und gleich­zeitig vereinsamen so viele Menschen. Es ist so viel Gerede in der Welt, das verdeckt, worum es eigentlich geht. Die Verbin­dung zu dem Wesentlichen liegt in der Stille – sowohl zu den Menschen als auch zur Natur.

Wenn Sie von Gott sprechen, an was denken Sie dabei?

Das hat sich im Laufe meines Lebens gewandelt. Vom „Lieben Gott“, zu dem ich als Kind gebetet habe, hin zu etwas Univer­sellerem. Ich habe das Gefühl, das Göttliche als Energie in so vielem um mich herum zu erkennen. Es ist diese Lebenskraft. In anderen Menschen, in der Natur, diese Kraft, die in allem wirkt. Und die Würde alles Lebens, egal ob Mensch, Tier oder Natur.

Ich habe schon ein bisschen Angst vor dem, was dieser Klima- und Epochenwechsel für die Zukunft bringt, und Sie?

Ich empfinde auch, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben und es schwer abzusehen ist, wie sich die Dinge entwickeln. Klimawandel, Bevölkerungsbewegungen, Abschottung. Aber ich versuche, mich nicht in diese Angst hineinzubegeben. Ich wünsche mir im Umgang damit von uns allen mehr Beson­nenheit. Es bedarf mehr Ruhe in der Betrachtung und Fragen anstelle der Lautstärke, der Katastrophen-Szenarien und abso­luten Antworten, die keine Alternativen zulassen.

Aber ich muss doch auch wagen, einen Standpunkt zu beziehen?

Ja, natürlich, und den kann und muss ich auch benennen. Dennoch brauche ich nicht an dieser Kakophonie teilzuneh­men und kann dem anderen auch einmal zuhören.

Also in Ruhe auf die innere Stimme achten, aber dann auch im Sinne der eigenen Überzeugung handeln?

Genau, und da halte ich ja den Glauben für so wichtig: Ich bin Teil einer positiven göttlichen Kraft und habe die Verantwor­tung, zu gestalten.

Wird diese Gemeinde dieser Verantwortung gerecht?

Ich empfinde sie als sehr positiv präsent. Wie gesagt, ich bin ja nicht ihr Mitglied, aber ich nehme die Kirchengemeinde als vielfältig engagiert wahr, als nah bei den Menschen, die hier leben. So ist meine Wahrnehmung, wenn ich mit Nachbarn spreche, die Gemeindeangebote sehe und, nicht zu vergessen, ich bin ihr ja auch in der Aktion „Zeitstifter“ nahegekommen.

Nun tragen Sie diese Nähe ins Schilling-Stift. Danke!

Stefanie Hempel

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