15. August

Schönheit oder?

Nur jemand, der weiß, was Schönheit ist, blickt einen Baum oder die Sterne oder das funkelnde Wasser eines Flusses mit völliger Hingabe an, und wenn wir wirklich sehen, befinden wir uns im Zustand der Liebe.

Jiddu Krishnamurti

14. August

Deutsche Ballade

Das hohe alter der mutter sei
kein Grund, zu ihr zu reisen

Gehirnschlag sei
kein Grund

Nun durfte er reisen, er hat
einen grund ganz aus tod

Reiner Kunze - „eines jeden einziges leben“

13. August

Nicht die Katastrophen sind die Katastrophe. Die wahre Katastrophe besteht darin, dass es trotz der Katastrophen einfach immer so weiter geht, dass man einfach immer so weitermacht, dass man so tut, als könne man nicht anders, als sei die Zukunft unabwendbares Schicksal. Das Wort Zukunft wird so vom Frohwort zum Drohwort. Und der Fortschritt scheint in fortschreitender Lethargie, in fortschreitendem Stumpfsinn, in fortschreitender Gleichgültigkeit zu bestehen.

Prof. Dr. Dr. h. c. Heribert Prantl, Chefredaktion Süddeutsche Zeitung

7 Uhr: Sea Cloud II

12. August

entbehrliche Neuigkeiten 

Ein Mensch, der Zeitung liest, erfährt
„Die Lage völlig ungeklärt“.
Weil dies seit Adam so gewesen,
wozu denn da noch Zeitung lesen?

Eugen Roth

11. August

und ein offener Himmel

Hoher Sommer

Eine trockenheit,
dass nachts in der ohrmuschel plötzlich
der regen rauscht

Barfuß läufst du vor das haus: 

Das federgras weiß von nichts,
und der himmel ist

dicht von sternen

Reiner Kunze - „eines jeden einziges leben“

10. August

Wunder

Unter sterbenden Bäumen

Wir haben die erde gekränkt, sie nimmt
ihre wunder zurück

Wir, der wunder
eines

Reiner Kunze - „eines jeden einziges leben“

 

9. August

Angelhaken Trachtentanz

über das gemeinsame Singen:

...Wenn man seine Stimme unter andere mischt,
ist man wie mit einem Angelhaken gefangen.

Franz Kaffka "Betrachtung"

8. August

Park der Gärten - Bad Zwischenahn

Das Semester ist eine unangenehme Unterbrechung der Ferien.

Johann Jakob Nöggerath

-----------------------------
unten: Ferien-Erinnungsbilder  

 

7. August

schwerer

»Take it easy!«

Tehk it ih-si, sagen sie dir.
Noch dazu auf englisch.
„Nimm’s auf die leichte Schulter!“

Doch, du hast zwei.
Nimm’s auf die leichte.

Ich folgte diesem populären
Humanitären Imperativ.
Und wurde schief.
Weil es die andre Schulter
Auch noch gibt.

Man muß sich also leider doch bequemen,
Es manchmal auf die schwerere zu nehmen.
 
Mascha Kaléko

6. August

Der Abend vor dem Morgen

Chanson für Morgen


Wir wissen nicht, was morgen wird.
Wir sind keine klugen Leute.
Der Spaten klirrt, und die Sense sirrt,
Wir wissen nicht, was morgen wird.
Wir ackern und pflügen das Heute.

Wir wissen wohl, was gestern war,
Und wir hoffen, es nie zu vergessen.
Wir wissen wohl, was gestern war,
Und wir säen das Brot, und das Brot ist rar,
Und wir hoffen, es auch noch zu essen.

Wir wissen nicht, was morgen wird,
Ob der Kampf unserer harrt oder Frieden,
Ob hier Sense sirrt oder Säbel klirrt -
Wir wissen nur, dass es Morgen wird,
Wenn wir Schwerter zu Pflügen schmieden.

Mascha Kaléko

5. August

Es wohnen drei in meinem Haus -
das Ich, das Mich, das Mein.
Und will von draußen wer herein,
so stoßen Ich und Mich und Mein
ihn grob zur Tür hinaus.

Stockfinster ist es in dem Haus,
trüb flackert Kerzenschein,
Herr, lass dein Sonnenlicht herein!
Dann geht dem Ich, dem Mich, dem Mein
das fahle Flämmchen aus.

Mascha Kaléko

4. August

Sonntag, der tödlichste Tag für Gefangene und Einsame.

Rosa Luxemburg

3. August

Von der Humanität durch Nationalität zur Bestialität

Franz Grillparzer 1849

2. August

Zwei Schuhverkäufer werden von ihrer Zentrale mit dem Auftrag Schuhe zu verkaufen nach Afrika geschickt.

Der eine kommt am Ziel an, schaut sich um und meldet dann seiner Zentrale: „Komme morgen zurück. Hier können wir kein Geschäft machen, kein Mensch trägt Schuhe.“

Der andere Schuhverkäufer schaut sich ebenfalls um, stutzt und strahlt dann von einem Ohr zum anderen. Auch er greift dann zum Telefon und ruft in seiner Zentrale an, um folgende Nachricht abzusetzen: „Wow, das wird hier das Geschäft unseres Lebens, kein Mensch trägt hier Schuhe!!! Bitte schickt sofort mehr.

1. August

Kein Mensch ist so reich, daß er nicht seinen Nachbarn brauchte.

aus Ungarn

Ilsabe H.