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	<title>Historisch Archive - blankenese.de</title>
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	<description>Aktuelles aus Blankenese</description>
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	<title>Historisch Archive - blankenese.de</title>
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	<item>
		<title>Gesa von Ehren, geb. Meier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 08:30:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Mittagsstündchen vor Brandts Weg 3 &#8211; Wir fanden nur dieses eine Bild von ihr Kapitänswitwe und Vermieterin, 1805 &#8211; 1866 Text von Maike und Ronald Holst –&#160;in ihrem Buch „Blankeneser [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Mittagsstündchen vor Brandts Weg 3  &#8211; <em>Wir fanden nur dieses eine Bild von ihr</em></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kapitänswitwe und Vermieterin, 1805 &#8211; 1866</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-c2fa5c5512d4fd0081fe1e10a4d9220d wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst –&nbsp;<br>in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war es eine Flucht. Und das an seinem 30. Geburtstag! Johannes Brahms hatte sich vorgestellt, mit Eltern und Geschwistern einen netten Tag zu verleben. Deshalb war er extra nach Hamburg gekommen. Aber dann dieses Fiasko! Nicht nur, dass die Eltern kaum Notiz von seinem Kommen nahmen. Nur kurz unterbrachen sie ihre lautstarken Auseinandersetzungen, in die dann auch noch die Geschwister einfielen. Brahms hielt es nicht länger aus. An seinem 30. Geburtstag, am 7. Mai 1863, packte er seine Sachen und nahm kurzerhand den Dampfer nach Blankenese.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie nun ein Quartier finden? Der Blankeneser Brückenwärter wusste Rat, war er doch in letzter Zeit schon häufig nach einer Sommerwohnung gefragt worden. Aber ein Piano sollte zur Verfügung stehen? Da kam nur Gesa von Ehren, genannt Geesche in Frage. Er könne sich ja mal erkundigen. <br>Ein Junge führte ihn zum Privatweg C 139 (heute Brandts Weg 3).</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:39% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img decoding="async" width="984" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/JohannesBrahms-984x1024.jpg" alt="JohannesBrahms" class="wp-image-49409 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Die Kapitänsfrau von Ehren schien überrascht, aber nicht abgeneigt. <br>Komponist sei er. <br>Mehrere Monate wolle der Gast bleiben. <br>Ob er denn auch über das nötige Geld verfüge? <br>Mit warmem Rasierwasser am Morgen und Frühstück käme da schon einiges zusammen. <br>Übrigens könne sie auch die übrigen Mahlzeiten anbieten, fiel der geschäftstüchtigen Geesche schnell ein. <br>Nachdem Brahms eine Anzahlung angeboten hatte, wurde man sich handelseinig. Aber der junge Mann müsse sich ein wenig gedulden, sich vielleicht den Ort ansehen. Sie müsse noch die Zimmer herrichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Glück gab es das Waschhaus an der hinteren Gartenmauer! Geesche wird ein paar Nachbarinnen zusammengetrommelt haben, die ihr halfen, aus Stube und Schlafzimmer ins Waschhaus zu räumen, was sie in nächster Zeit brauchen würde. Natürlich wäre es dort beengt und etwas ungemütlich, aber das Geld konnte die Witwe sehr gut gebrauchen.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">Brahms genoss seine Ruhe, den romantischen Blick durch den Garten auf die Elbe, auf das Auf und Ab der Tide mit ihren versinkenden und wieder auftauchenden Sänden, auf gleitende Großsegler und Rauchfahnen erster Dampfschiffe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem abgelegenen Refugium, in dem er die Kantate „Rinaldo“ zu Texten von Johann Wolfgang von Goethe schuf, erhielt er einen Monat später schon das folgenschwere Telegramm, das ihn zum Chorleiter der Wiener Singakademie berief. <br>Er musste vorzeitig abreisen – sehr zum Bedauern seiner Vermieterin Geesche von Ehren.</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-81db4880b97ef0a48530faade5fda61d wp-block-paragraph"><strong>Quellenangabe:<br>Maike und Ronald Holst „Stille Häuser – stürmische Geschichten“, S. 30 f, Klaus-Schümann-Verlag, 2010</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Johanna Maria Raupert, geb. Elmenhorst, 1850 -1923</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2026 12:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Wohnen auf &#160;den Treppenstufen Johanna Maria Raupert geb. Elmenhorst, 1850 – 1923 Text von Maike und Ronald Holst –&#160;in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013 Bismarckstein Von 1883 bis [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wohnen auf &nbsp;den Treppenstufen</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Johanna Maria Raupert geb. Elmenhorst</strong>, 1850 – 1923</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-882d8e41fdcb64ba45f531342519615a wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst –&nbsp;<br>in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bismarckstein</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von 1883 bis 1890 „wohnte“ der Eisenbahner Johann Wilhelm Raupert (1845 &#8211; 1917) im Turm auf dem Bismarckstein. Zusammen mit seiner Frau Johanna und nach und nach fünf Kindern. Da ihr „Wohnbereich“ fast nur aus Treppenstufen bestand, war das eine entsetzliche Bleibe. Man konnte&nbsp; weder Bett, Tisch noch Stühle stellen, keinen Ofen anschließen und nicht heizen. Gekocht wurde unter einem Schutzdach vor der Tür, daneben&nbsp; stand ein Herzhäuschen.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:42% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="707" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.Rupert01-707x1024.jpg" alt="BF.Rupert01" class="wp-image-50749 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Da der Verdienst des Reichsbahners nicht ausreichte, die immer größer werdende&nbsp; Familie zu ernähren, <br>machte seine Frau Johanna eine kleine Milchwirtschaft vor dem Turm auf, <br>denn im Sommer kamen viele Gäste, <br>die die herrliche Aussicht vom Turm aus über das Elbtal ins Alte Land genießen wollten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Besucher mussten dabei durch den „Wohnbereich“ der Rauperts auf die Aussichtsplattform stiefeln. <br><br>Und da sie&nbsp;nach dem „langen Marsch“ vom Bahnhof <br>und der Atemnot hervorrufenden Turmbesteigung <br>Durst hatten, <br>verkaufte ihnen Frau Raupert frische Milch.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr größtes Problem aber war, dass es auf dem Bismarckstein kein Wasser gab. Das musste die arme Frau mit Eimern von der Pumpe aus dem Kahlkamp holen und den steilen Weg bergan schleppen. Später machten das ihre Kinder.</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-a388da8a764830581a96df379182f64e wp-block-paragraph">Quellenangabe:</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-119b6692476c5fe7e51222b4aa31e110 wp-block-paragraph">Interview mit Helmut Wichmann</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Maria von Ehren geb. Struwe, 1876 &#8211; 1964</title>
		<link>https://blankenese.de/maria-von-ehren-geb-struwe-1876-1964/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jun 2026 16:42:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Jürgen und Maria von Ehren &#124; 
zarte Frau buckelt Kohlensäcke]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Foto: Jürgen und Maria von Ehren&nbsp;</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><em>Zarte Frau buckelt Kohlensäcke</em></p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-c2fa5c5512d4fd0081fe1e10a4d9220d wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst –&nbsp;<br>in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Tod des Fischers</p>



<p class="wp-block-paragraph">Maria Struwe, heiratete mit 22 Jahren den Fischer Jürgen von Ehren, wurde aber schon mit 39 Jahren Witwe, als ihr Mann <strong>(</strong>1867 – 1913), Miteigner des Ewers SB 11b <em>Metta</em>,&nbsp; an offener TB verstarb. Vorausgegangen war ein langes Krankenlager.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine letzten Jahre hatte Jürgen auf dem Sofa zubringen müssen, sich manchmal die Lunge aus dem Leib gehustet und immer wieder Blut, Blut, Blut gespuckt. Da er tagsüber seinen jüngsten Sohn Herbert hüten musste, ließ er ihn vor seinem Sofa im Wohnzimmer spielen. So konnte er den Kleinen die ganze Zeit über im Auge behalten. Doch weil ihn immer wieder schreckliche Hustenanfälle übermannten, schaffte er es nicht immer, den Jungen vor Kontakt mit seinem Auswurf zu schützen. Zum Glück blieb der Kleine von der Krankheit verschont.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jürgens Frau Maria hatte neun Geburten hinter sich. Ihre jüngste Tochter Ernawurde geboren, als Jürgen bereits auf dem Sterbebett lag. Zwei Wochen vor Ableben ihres Mannes verstarb der älteste Sohn in einem Kieler Krankenhaus. Er war gerade einmal 15 Jahre alt und hatte&nbsp; als Moses an Bord eines Schiffs gearbeitet. Nun stand die kleine zierliche Frau mit sieben hungrigen Kindern allein da. Doch wegen ihrer liebenswerten Art halfen ihr die&nbsp; Nachbarn.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="652" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF-v.Ehren02.jpg" alt="BF v.Ehren02" class="wp-image-50719" style="aspect-ratio:1.5337790878807487;width:621px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Jürgen und Maria von Ehren<br>sowie Jürgen, Georg und Ernst (von rechts)</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich dann aber herausstellte, dass sich Maria bei ihrem Mann angesteckt hatte und ebenfalls an TBC erkrankt war, muss die Verzweiflung grenzenlos gewesen sein. Gottlob konnte die Krankheit bei ihr auskuriert werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kohlenträgerin</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Todesjahr ihres Mannes &#8211; von 1913 bis 1920 &#8211;&nbsp; trug die kleine zarte Person Kohlen im Treppenviertel aus.&nbsp; Treppauf, treppab buckelte sie schwere Säcke voller Brikett und Klobenholz. Aufwärts schleppte sie einen halben Zentner, abwärts sogar einen ganzen. Wo immer es möglich war, nutzte sie bei Schnee die Kreek , den Lastschlitten der Blankeneser, ansonsten einen Blockwagen zum Transport des Heizmaterials. Zwar nützte der Standort ihrer Wohnung in Strandnähe, denn die meisten Kohlenhöker hatten dort&nbsp; ihre Betriebe, weil sie per Schiff beliefert wurden. Doch die schwere und schmutzige&nbsp; Arbeit wäre eigentlich eine typische Männeraufgabe. Aber was blieb ihr anderes übrig?</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="694" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF-v.Ehren04.jpg" alt="BF v.Ehren04" class="wp-image-50721" style="aspect-ratio:1.4409546324439941;width:626px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Ehepaar von Ehren</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann sich vorstellen, dass sie für ihre Dienstleistung nur einen erbärmlich geringen Lohn erhielt. Doch ihre hungrigen Kinder Jürgen, Ernst, Georg, Jonny, Maria, Erna und Herbert mussten irgendwie satt werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wieder schlägt das Schicksal zu</p>



<p class="wp-block-paragraph">1918 erlitt Maria von Ehren einen weiteren schweren Schicksalsschlag: Ihr geliebtes Mariechen, ihr blondlockiger Sonnenschein, verstarb mit 10 Jahren an Diphtherie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr Sohn Ernst trug in dieser Zeit die Seestiefel seines verstorbenen Vaters für den Schulweg auf, nachmittags musste er barfuss laufen. Anderes Schuhwerk hatte er nicht. Er erbte auch Vaters Fischerhose, die lange Zeit seine einzigen Beinkleider waren. Gingen sie mal kaputt, kam er so lange ins Bett, bis Maria sie repariert hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Ableben ihres Schwiegervaters Jacob von Ehren im Jahr 1920 übernahm Maria die winzige Hökerei in der Hauptstraße 10, für die der Segelmacher Peter von Ehren schon 1855 die königlich-dänische Konzession erhalten hatte. (Das dänische Dokument&nbsp; wird immer noch in der Familie von Ehren aufbewahrt und ist in deutscher Sprache abgefasst, vielleicht auch, weil die Hauptsprache am dänischen Hof das Deutsche war.)&nbsp; Sohn Georg&nbsp; half immer mal im Laden, wenn eine zusätzliche Hand gebraucht wurde. Doch seine Hilfen eröffneten keine neuen Geschäftsfelder. Es waren nach wie vor harte Jahre für Maria. Sie besaß nur zwei Kleider, Kleidungstücke sollte man besser sagen, die sie abwechselnd trug. Zu mehr reichte es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die gesamtwirtschaftliche Situation Deutschlands war in den 1920er Jahren alles andere als rosig. Hinzu kam, dass der von Ehren´sche Laden viel zu klein war, um der Nachbarschaft ein breites Warenangebot bieten zu können. Es dauerte deshalb immer sehr lange, bis ein Sack Mehl verkauft war. Und der Erlös war äußerst gering.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann starb bei Kriegsende &#8211; im Mai ´45 &#8211; der jüngste Sohn Herbert, der Frau und drei Kinder hinterließ. 1954 fiel ihr&nbsp; zweitältester Sohn Georg beim Birnenpflücken vom Baum und brach sich das Rückgrat. Drei Jahre später kam Marias Enkel&nbsp; bei einem Kopfsprung von der Grömitzer Schiffsbrücke mit 25 Jahren ums Leben.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Stolz auf Kinder und Kindeskinder</p>



<p class="wp-block-paragraph">Voller Stolz hatte sie die Reiserouten ihres Sohnes Ernst, einem Handelsschiff-Kapitän, im Atlas verfolgt. Sie wusste immer genau, in welchem Teil der Welt er sich gerade befand. Ähnliches tat sie bei ihrem Enkel Ernst. Besonderer Stolz erfüllte sie, als Enkel Ernst zum Elblotsen gewählt wurde. Davon hatte sie immer geträumt.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:23% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="649" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF-v.Ehren03-649x1024.jpg" alt="BF v.Ehren03" class="wp-image-50720 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Maria war zeitlebens eine blitzsaubere Frau. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und obwohl die TB längst auskuriert war und sie niemanden mehr anstecken konnte, passte sie zeitlebens auf, dass Lebensmittel nicht von ihr berührt wurden, bevor sie die Enkel erhielten. So gab es in ihrem Küchenschrank ein Süßigkeiten-Fach, das für Familienangehörige und Freunde vorgesehen war. Sie selbst griff dort nie hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1942 ist Maria in Rente gegangen und hat den kleinen Laden aufgegeben. <br>Ihr Leben hat sich danach still und leise – zusammen mit Sohn und Schwiegertochter im ererbten Haus&nbsp; &#8211; vollendet. <br>Bis zum Schluss konnte sie in ihren vertrauten vier Wänden bleiben.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Trotz ihres harten Schicksals und der schweren körperlichen Arbeit verstarb sie erst 1964 im gesegneten Alter von 88 Jahren.</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-2ae42388ee93317073c169bdeca972b6 wp-block-paragraph">_____________<br>Quellenangabe:</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-27cb19c49d9c485159ce32128b56f5c2 wp-block-paragraph">Interviews mit Ernst und Hans-Jürgen von Ehren</p>
]]></content:encoded>
					
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		<item>
		<title>Paula Rahloff geb. Schröter</title>
		<link>https://blankenese.de/paula-rahloff-geb-schroeter/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 15:21:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Deutschlands erste Blumenbindemeisterin]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Deutschlands erste Blumenbindemeisterin, 1897 bis 1980</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-c2fa5c5512d4fd0081fe1e10a4d9220d wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst –&nbsp;<br>in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mit 15 Jahren Unternehmerin</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:36% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="540" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.Rahloff.Paula_.S_091628-540x1024.jpg" alt="BF.Rahloff.Paula.S_091628" class="wp-image-50829 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">„Ham Se jedient?“ <br>lautete im kaiserlichen Deutschland die Begrüßungsformel unter Männern. <br>„Wenn ja, bei welchem Regiment?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hatte man „nicht gedient“, was auf&nbsp; Frauen immer zutraf, war man auch kein „Mensch“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgerechnet in dieser Gesellschaft wurde Paula Schröter Unternehmerin, <br>und das &#8211; mit 15 Jahren, <br>obwohl sie außer „Frau“ <br>obendrein noch „grün hinter den Ohren“, <br>also noch lange nicht mündig war. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie konnte am Anfang ihres Berufslebens noch kein Bankgeschäft tätigen, <br>keinen Mitarbeiter ein- oder ausstellen. <br>Durfte eigentlich überhaupt keine kaufmännischen Entscheidungen treffen.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">Und trotzdem leitete Paula den Blumenbindebetrieb ihres Vaters ab 1912 über Jahrzehnte. Höchst erfolgreich übrigens!</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ihre Vorfahren:<br>ein Opernsänger und ein Gartenkünstler</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um zu wissen, wie es dazu kam, müssen wir ein wenig ausholen:</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;J.W.O. (Johann Wilhelm Oskar) Meyer war Paulas Großvater und Leiter des „Theater Dilettanten-Vereins der Blankeneser Bürger von 1879“, in dem sich die kunstinteressierte Blankeneser Prominenz ein Stelldichein gab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meyer war Opernsänger und Schauspieler gewesen und hatte sich mit seinen Künsten ein ansehnliches Vermögen ersungen. Mit 50 Jahren setzte er sich als Hausbesitzer und Gastwirt der „Friedenseiche“ in der Bahnhofstraße 34 zur Ruhe. Den Eckteil seines großen Grundstücks stiftete er der Gemeinde Blankenese, die darauf eine Friedenseiche pflanzte und einen Gedenkstein für den Krieg 1870/71 setzte.&nbsp; Beides ist noch heute zu bewundern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meyers Tochter Susanne heiratete den aus Sachsen zugewanderten Paul Schröter, der 1895 im Parterre des schwiegerväterlichen Hauses ein Blumengeschäft eröffnete. Schröter war ein geschickter Gartenkünstler. Er hatte Geschmack, war geschäftstüchtig und wurde im Laufe der Jahre ein weit über Blankenese hinaus beachteter Blumen- und Gartenkünstler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übrigens auch sein Bruder, der gleichzeitig mit ihm die sächsische Heimat verlassen hatte, aber in Zürich gelandet war, eröffnete ein Blumengeschäft, das noch heute, mehr als 100 Jahre später, in der bekannten Zürcher Bahnhofstraße zu finden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Leider kam Paul Schröter schon 1912 bei einem Fahrradunfall ums Leben, als er die von Schlaglöchern übersäte Norderstraße (heute Oesterleystraße) abwärts fuhr, stürzte und sich das Genick brach.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="693" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF-Rahloff.Bindestube.jpg" alt="BF Rahloff.Bindestube" class="wp-image-50697"/><figcaption class="wp-element-caption">Bindestube</figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Arme Suanne</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun musste Frau Susanne das ganz auf ihren Mann zugeschnittene Geschäft übernehmen. Doch Susanne wurde seit Kindesbeinen verwöhnt. Deshalb fielen ihr die täglichen Pflichten einer Geschäftsfrau und Handwerkerin schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie oft waren vier und mehr Kränze mit der Vorortsbahn zum Ohlsdorfer Friedhof zu bringen. Über jedem Arm hingen mindestens zwei der stacheligen schweren Gebinde. Und während der langen Bahnfahrt musste man aufpassen, dass Blumen und Schleifen nicht zerdrückt wurden!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann war Susanne abergläubisch. Und sie hatte Angst vor Gewittern. Da sie häufig auf Friedhöfe und in Gartenanlagen bestellt wurde, die bei einem Donnerwetter keinen Schutz boten, versuchte sie, diese Wege zu meiden. Sehr zum Nachteil des Geschäfts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, das Gärtner- und Blumenbinderleben war nichts für sie. Deshalb übernahm ihre Tochter, die 1897 geborene Paula, das Unternehmen und trat in die Fußspuren ihres erfolgreichen Vaters.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paula war zu dem Zeitpunkt gerade 15 Jahre alt und hatte frisch die Schule beendet. <br></p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="831" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF-Rahloff.Paula091659-831x1024.jpg" alt="BF Rahloff.Paula091659" class="wp-image-50830" style="aspect-ratio:0.8115205615320058;width:422px;height:auto"/></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine einjährige Lehre vermittelte ihr das notwendigste Fachwissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mutter Susanne, der der Ruf einer „lustigen Witwe“ vorausging, gab derweil kleinere, oft aber auch aufwendige Gesellschaften. Zu ihrem Jour fixe, zu einem festen Tag in der Woche, konnten Gäste auch ohne spezielle Einladung kommen. In den Blumenladen wohlgemerkt. Den Gästen wurde zum Abschied stets ein Blumenbukett geschenkt.&nbsp; Nach jeder Party war der Verkaufsraum leer geräumt!</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Paula greift durch</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die tüchtige Paula setzte dem Treiben bald ein Ende. Schnell war aus dem ebenfalls sehr verwöhnten Backfisch eine Geschäftsfrau geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kunden waren außer Reeder- und Kaufmannsfamilien auch Handwerker und Fischer aus dem Blankeneser Hanggebiet. Sie ließen an Feiertagen und zu Jubiläen die Dielen ihrer Häuser schmücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um 1910 waren Blumen eigentlich immer noch Luxus. Denn sie konnten nicht das ganze Jahr über gezüchtet werden. Doch Kunden sollten auch in den Wintermonaten mit frischem Grün bedient werden. Deshalb lieferten Schröters Kübelpflanzen, wie Palmen, die in beheizten Gewächshäusern gezüchtet und auf Wunsch üppig dekoriert wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann begann der Erste Weltkrieg. Und mit ihm entstanden neue Schwierigkeiten. Man fand keine Arbeitskräfte mehr. Die wurden entweder in der Kriegswirtschaft eingesetzt oder mussten ins Feld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Blumengroßmarkt, auf dem Paula vor Tau und Tag Waren beschaffte, bot kriegsbedingt nur wenige Blumen, denn Gartenbaubetriebe mussten sich auf die Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse konzentrieren. Wie sollte man unter solchen Umständen ein Blumengeschäft weiterführen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gelang der jungen Paula, indem sie ihre wenigen Blumen gegen Zigaretten und Wurstwaren tauschte, die sie dann unterm Ladentisch weiter verkaufte. Außerdem pflegte sie gute Beziehungen zu Gartenbaubetrieben im nahen Dockenhuden, was sich prompt auszahlte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem der Weltkrieg mit bitterem Resultat beendet war, tauchten neue, beinahe noch größere&nbsp; Schwierigkeiten auf: Die wirtschaftliche Depression, verbunden mit politischen Unruhen und der Hyper-Inflation ließ das deutsche Bürgertum total verarmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blumenschmuck konnte sich kaum einer leisten.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="684" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.Rahloffvor1937.jpg" alt="BF.Rahloff vor 1937" class="wp-image-50699" style="aspect-ratio:1.4619729777868247;width:728px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Blumen Rahloff vor1937</figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Heirat in schlechten Zeiten</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gottlob war Paula inzwischen mit Hermann Fritz Rahloff verlobt, der Prokurist einer niederländischen Bankfiliale in Hamburg war. Ein Teil ihrer Familie war gegen Paulas Beziehung zu diesem Fitz Rahloff. Doch Mutter Susanne und Großmutter Catharina Kühn aus dem Bückelgang stimmten für Paulas Partnerwahl. Oma Kühn ließ sich sogar zu einer Äußerung gegenüber Fritz hinreißen: „Kumm man ruhig to uns, du büst ´en gooden Kirl!“ Diese Einschätzung kam von einer erfahrenen Frau, die ihren alkoholkranken Mann 40 Jahre zuvor aus dem Haus geworfen hatte.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="585" data-id="50825" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.Rahloff.Paula_.mit-Mann.091713.jpg" alt="BF.Rahloff.Paula.mit Mann.091713" class="wp-image-50825"/><figcaption class="wp-element-caption">1923 Verlobung von Paula und Hermann-Fritz</figcaption></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="678" data-id="50826" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.Rahloff1953-Verlobung.jpg" alt="BF.Rahloff1953 Verlobung" class="wp-image-50826"/><figcaption class="wp-element-caption">1953 die Verlobung von Oscar und Gisela Rahloff</figcaption></figure>
</figure>



<p class="wp-block-paragraph">Fritz erhielt seinen Lohn in wertstabilen holländischen Gulden. Ein Glücksfall in jenen Tagen, denn Paulas Mutter Susanne hatte ihr ganzes Vermögen durch die Inflation verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hermann Fritz Rahloff , Sohn des Blankeneser Malermeisters Hermann Friedrich Rahloff, heiratete Paula am 16. Mai 1923. Rahloffs Gulden-Gehalt erleichterte es nicht nur, das Unternehmen über die depressive Zeit zu manövrieren. Paula konnte 1923 sogar das von ihrem Großvater IWO Meyer 1903 verkaufte Nachbarhaus zurückkaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem die Reichsregierung den im Versailler Vertrag festgelegten Reparationszahlungen endlich nachkam, ging es langsam bergauf mit der deutschen Wirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Blumengeschäft Rahloff gedieh wieder. 1930 beschäftigte Paula schon sechs Mitarbeiter. Für Hermann Rahloff&nbsp; war das der Moment, als kaufmännischer Leiter ins Geschäft seiner Frau einzusteigen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">&#8222;Nebenbei&#8220; noch siebenfache Mutter</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen war das junge Paar mit reicher Kinderschar gesegnet, die die tüchtige Paula fast nebenbei großzog: Hermann (1924- 1944), Oskar (1925), Gustav (1928 – 1975), Christel (1930 – 1979), Martha (1937 – 1937), Hans-Jürgen (1939) und Peter (1943 – 2002).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz ihres Einsatzes als Geschäftsfrau, Hausfrau und Mutter machte Paula 1937 mit 40 Jahren als erste Frau Deutschlands ihre Blumenbindemeister-Prüfung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine einsame Leistung!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im gleichen Jahr gebar sie die kleine Martha, die sieben Monate später verstarb. In dieser Zeit höchster Belastungen half ihre Mutter Susanne bei der Kinderbetreuung. Großmutter Susanne war bei der Jungmannschaft äußerst beliebt, weil sie die Kleinen verwöhnte und verzog, wo es nur ging. Meist gegen den Willen der Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ende der 1930er Jahre, die Wirtschaft wie auch Rahloffs Blumengeschäft prosperierten, wurde der Laden auf eine Größe erweitert, die für ein Blumengeschäft der damaligen Zeit überdimensioniert war. Doch das gut gehende Unternehmen gab das her.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nicht ganz dicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Großmutter Susanne genoss nach wie vor ihre abendlichen Besuche im „Sängerheim“ (Dormienstraße) bei Bier mit Köm. Jedes Mal brachte sie ihrer Freundin Anna, der Frau des Sängerheim-Wirts, kleine Blumensträuße mit. Im Ärmel geschmuggelt, damit es Paula nicht sah. Im Gegenzug erhielt Susanne das Gedeck gratis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends tagte im Sängerheim ein SA-Sturm als „Geschlossene Gesellschaft“. Susanne registrierte, dass für diesen Abend auch ihr Platz&nbsp; vergeben war, deshalb schimpfte sie lauthals: „Diese verdammte Nazi-Scheiße!“ und wollte gehen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die aufgebrachten SA-Männer wussten das zu verhindern. Einsperren würde man sie. Sofort. Ins KZ wohlmöglich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war die Stunde des „schönen Willy“, der mit seiner Wirts-Autorität beschwichtigend in den Raum warf: „Die Frau ist nicht ganz dicht im Schädel!“ Um die braune Gesellschaft noch weiter zu beruhigen gab er eine Runde Bier aus. Das wirkte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Blumen-Transporte per Viehwagen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als dann der Zweite Weltkrieg ausbrach, entstanden die schon einmal erlebten geschäftlichen Schwierigkeiten neu. Zuerst war es das dürftiger werdende Blumenangebot auf dem Großmarkt. Hinzu kam, dass die Betriebsautos für den Kriegseinsatz beschlagnahmt und Mitarbeiter zur Wehrmacht und in die Kriegswirtschaft eingezogen wurden. Ware musste mit der S-Bahn nach Blankenese geholt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Friedhöfen befördert werden. Doch die Reichsbahn wollte nicht zulassen, dass Vorortszüge zum Warentransport genutzt wurden. Sie waren doch einzig zur Personen-Beförderung da. Es entstanden heftige Konflikte. Schließlich durften Gewerbetreibende ihre Waren weiter mit der S-Bahn transportieren – aber nur im „Viehwagen“, wie das Abteil für sperrige Güter im Volksmund hieß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der schwierigen Blumenbeschaffung halfen Paula abermals „gute Drähte“ zu benachbarten Dockenhudener Gärtnereien, aber auch zu hohen Vertretern der Behörde und der Partei. Außerdem tauschte sie abermals Blumen gegen Zigaretten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Luftalarme in den westlichen Gauen des Reichs nahmen zu. Im März 1943 heulten einmal wieder die Sirenen. „Hamburg ist wieder dran!“ dachte Paula mitfühlend, als sie mit Kind und Kegel in den Luftschutzkeller stürzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die RAF-Piloten warfen ihre todbringende Last auf Wedel, Rissen und Blankenese. Eine schwere Luftmine, so groß wie eine Litfaßsäule,&nbsp; zerstörte das Standesamt (heute Martiniblock) in der Bahnhofstraße, die alte Post, sowie eine Reihe umliegender Wohnhäuser. Es gab Tote und Verletzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Luftdruck der Mine war so groß, dass das Dach des Rahloffschen Hauses auf der gegenüber liegenden Straßenseite weggefegt, alle Fenster und Türen herausgedrückt, quer zur Druckwelle stehende Innenwände umgeworfen wurden. Natürlich waren Mobiliar und der gesamte Hausrat zerstört. Vom Blumengeschäft ganz zu schweigen.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paula stand allein vor diesen gigantischen Problemen, denn ihr Mann, wie auch ihr Ältester, Hermann, waren längst zur Wehrmacht eingezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort nach dem Bombenschaden sorgte sie dafür, dass die Fenster eines halbwegs intakten Raums mit Brettern zugenagelt wurden und die kinderreiche Familie in diesem dunklen Verlies Unterschlupf fand. (Es war März und deshalb noch empfindlich kalt.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zwischenzeit besorgte sie Mobiliar und Hausrat. (Die NSDAP hatte aus den besetzten Gebieten tausende von Güterzügen mit geraubten Einrichtungsgegenständen herschaffen lassen, die ausgebombten „Volksgenossen“ zu Spottpreisen verkauft wurden.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem ließ Paula wieder einmal ihre Drähte zu hohen und höchsten Parteistellen spielen. So schaffte sie es, dass nur Tage später Reparaturtrupps anrückten und das Haus auf Staatskosten instand setzten, wenn auch nicht immer ganz professionell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paula baute parallel zum Wohnbereich Geschäft und Binderei, die Existenzgrundlage der Familie, wieder auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vier Monate später, nach der Gomorrha-Katastrophe vom Juli ´43, wurden Bombenschäden nicht mehr auf Staatskosten repariert. Es gab auch gar keine Handwerker, die das hätten machen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Blumenhandel war durch die immer bedrückender werdende  Kriegslage beinahe zum Erliegen gekommen, doch die deutsche Administration funktionierte nach wie vor:<br>Am 27. Juli 1944 erhielten alle Hamburger Blumenhändler ein Schreiben mit folgendem Inhalt:<br>Blumengeschäfte müssen werktäglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet sein, dürfen jedoch erst ab 11 Uhr verkaufen.<br>Die für den Verkauf bestimmte Ware muss mindesten ½ Stunde vor Verkaufsbeginn, nach Art und Sorten aufbereitet, sichtbar ausgestellt und mit Preisschildern versehen sein.<br>Bestellungen von Schnittblumen und Topfpflanzen sind in einem Bestellbuch mit Adresse der Käufer festzuhalten und dürfen 50% des Tagesumsatzes nicht überschreiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese und weitere Vorschriften machten es Gewerbetreibenden in Zeiten höchster Warenknappheit und fehlenden Personals zusätzlich schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kam bei den Rahloffs, dass die zwei verbliebenen Binderinnen peinlich genau auf Einhaltung aller behördlichen Anweisungen achteten und immer wieder drohten, Fehlverhalten anzuzeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesen Wochen erreichte Paula Rahloff eine traurige Nachricht: Ihr ältester Sohn Hermann wurde in Rumänien vermisst. Hermann, der immer ein sehr guter Schüler gewesen war, wurde nach dem Abitur Organist an der Blankeneser Kirche anstelle des zum Militär eingezogenen Herrn Jückstock. 1942 erhielt er sogar einen Studienplatz an der Musikhochschule Leipzig. Einer seiner Lehrer war der berühmte Thomas-Kantor Prof. Straube. Doch im Herbst 1942 wurde auch er eingezogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oskar, der zweite Sohn, kam zur Marine und tat bei einer Minensuchflotille in Brest Dienst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paula zog die verbliebene Kinderschar allein auf, betrieb das Geschäft so gut es ging und hoffte, dass alle Lieben heil aus diesem furchtbaren Krieg zurückkehrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="645" data-id="50833" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.Rahloff_091509.jpg" alt="BF.Rahloff_091509" class="wp-image-50833"/></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="796" height="1024" data-id="50832" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.Rahloff.Paula091557-796x1024.jpg" alt="BF.Rahloff.Paula091557" class="wp-image-50832"/></figure>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="692" data-id="50834" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/BF.1958-Rahloff.Paula-im-Laden.jpg" alt="BF.1958 Rahloff.Paula im Laden" class="wp-image-50834"/><figcaption class="wp-element-caption">Paula Rahloff im Laden</figcaption></figure>
</figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Nachkriegszeit</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühjahr 1945 &#8211; noch vor der Kapitulation &#8211; wurde die Commerz- und Privatbank, deren Gebäude heute noch an der Ecke Godeffroystr. /Bahnhofstraße steht, von der NSDAP aus ihren Räumen gewiesen und in Rahloffs Blumenladen einquartiert. Dreieinhalb Jahre mussten sich Blumengeschäft und Bank den Verkaufsraum teilen. Das war in der Schlussphase des Krieges und der Nachkriegszeit nichts Ungewöhnliches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der vermisste Sohn Hermann kam nicht wieder. Vater Hermann Fritz war als Major nach abenteuerlicher Flucht vom Balkan in amerikanische Gefangenschaft geraten. Als er dort an Typhus erkrankte, wurde er vorzeitig entlassen. Erst nach längerem Aufenthalt im Blankeneser Tabea-Krankenhaus konnte er als geheilt entlassen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1948 kam Sohn Oskar aus französischer Gefangenschaft. Doch der Tag seiner Heimkehr sollte kein Freudentag werden, denn die Wirtschaftsbehörde hatte den Rahloffschen Verkaufsraum-Anteil einer jüdischen Familie vermittelt, die die Shoa überlebt hatte. Sie kam mit Zollstock und Papier, um die Räumlichkeiten für ihre Zwecke auszumessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paula war in heller Aufregung und rief ihren Mann im Tabea-Krankenhaus an. Trotz seiner Erkrankung solle er sofort in die Oesterleystraße kommen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Gelungener Generationswechsel</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oskar, der kaum seinen Rucksack abgestellt hatte, wollte den Familien-Besitz mit bloßen Fäusten verteidigen. Doch Paula schob sich vor ihren Sohn und siegte mit kühler Vernunft: Sie beschwerte sich zunächst bei der (deutschen) Wirtschaftsbehörde. Später ging sie zur übergeordneten Schiedsstelle der britischen Administration. Dort hatte sie Erfolg. Wegen ihrer drei noch schulpflichtigen Kinder und&nbsp; ihres schwerkranken Mannes durfte sie ihren Ladenteil behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oskar wuchs in den nächsten Jahren in den Betrieb. Ein wichtiges Standbein wurde für das Unternehmen der internationale Blumenversand „Fleurop“, zu deren frühesten Geschäftspartnern sich Rahloff in Blankenese entwickelte. Langsam konnten sich Paula und Hermann Fritz, der von 1934 bis 1945 auch Vorsitzender des BSC war, ins Privatleben zurückziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehepaar Rahloff legte ihr Geschäft in geschickte Hände, denn Oskar wurde nicht nur erfolgreicher Geschäftsmann, sondern ab 1958 für 12 Jahre Europa-Präsident der&nbsp; „Fleurop“ und für weitere 6 Jahre deren Weltpräsident.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gustav hatte einen Herzfehler und verstarb bald nach dem Krieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christel studierte Höheres Lehramt, um Lehrerin am Gymnasium Willhöden zu werden. Leider wurde auch sie schwer krank, musste vorzeitig pensioniert werden und verstarb. Während ihrer letzten Lebensphase wohnte sie im „Bückelgang“, zwischen Hauptstraße und Pilippstrom, im Haus ihrer Urgroßmutter Catharina Kröger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paula Rahloff geborene Schroeter verstarb am 19. Oktober 1980 nach einem erfüllten Leben mit 83 Jahren.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-3aca40ce630b9d2e2063cb33fe53003d wp-block-paragraph"><strong>Quellenangabe</strong>:</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-e1766bd0ff7cc815f9b8e60ad3650a8b wp-block-paragraph">Interview mit Oskar Rahloff<br>Maike und Ronald Holst „Anno Tobak“; Klaus-Schümann-Verlag, 2007,</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<item>
		<title>Felicitas Kukuck, geb. Cohnheim, Komponistin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2026 19:20:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Komponistin, Flötistin, Chorleiterin, Klavierlehrerin &#8211; 1914 bis 2001 &#124; Text von Maike und Ronald Holst in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013 Es war in den 1960er-Jahren, als wir [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Komponistin, Flötistin, Chorleiterin, Klavierlehrerin &#8211; 1914 bis 2001 |</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-10bc6760aa9562afef40f57873440635 wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst </strong><br><strong>in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war in den 1960er-Jahren, als wir wieder einmal durchs Blankeneser Treppenviertel bummelten. Plötzlich hielten wir inne. Nicht etwa wegen des steilen Anstiegs. Nein, aus einem der Häuser tönte ein so wunderbarer vielstimmiger Gesang, dass wir&nbsp; bleiben und lauschen mussten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute wissen wir, dass sich Familie Kukuck in der Adventszeit zur abendlichen Hausmusik traf. Unter Leitung von Mutter Felicitas wurde mit dem Vater und den vier Kindern gesungen. Bis zu sechsstimmige Sätze &#8211; wie in der Motette „Kommet ihr Hirten“ – sang die sechsköpfige Familie.&nbsp; Als später auch noch Partner der Kinder und Enkelkinder hinzukamen, bildete die Familie ein Ensemble, mit dem Frau Kukuck Musik von den alten Meistern bis zu Eigenkompositionen einstudierte. Aus dieser Urzelle entstand der Singkreis, zu dem auch Freunde und Bekannte gehörten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Werdegang</p>



<p class="wp-block-paragraph">Felicitas wurde 1914 &#8211; kurz nach Ausbruch des 1. Weltkrieges &#8211; in Hamburg geboren. Ihr Vater,&nbsp; der Arzt und Physiologe Prof. Dr. med. Otto Cohnheim, änderte auf Wunsch seiner Mutter 1916 seinen jüdischen Namen in Kestner, sodass das kleine Mädchen als Felicitas Kestner aufwuchs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Eltern förderten ihre künstlerische Begabung von Kindheit an und ermöglichten ihr den Besuch von Schulen, in denen Musik einen hohen Stellenwert besaß. So ging sie auf die reformpädagogische Hamburger Lichtwarkschule, die bis 1933 für Erziehung zur Weltoffenheit, zum selbstständigen Denken und Handeln eingetreten war. Seit ihrem 13. Lebensjahr erhielt sie neben den privaten Klavierstunden Unterricht in Harmonielehre, die für Felicitas´ spätere Berufswahl von großer Wichtigkeit werden sollte. Schon als Schülerin komponierte Felicitas eine Revue, die in ihrer Schule aufgeführt wurde. Einer ihrer Mitschüler &#8211; in der fortschrittlichen Lichtwarkschule wurde damals schon Koedukation praktiziert – war ihr späterer Mann Dietrich Kukuck. Dessen Eltern besaßen ein Haus im Blankeneser Treppenviertel.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Couragiert im Nationalsozialismus</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Fackelzüge der SA am Abend des Tages der Machtergreifung durch Hamburg zogen, das Horst-Wessel-Lied grölten und&nbsp; „Ohne Jud´ noch mal so gut“ oder „Judas verrecke“ skandierten, als Schlapphüte der Gestapo mit ersten Verhaftungswellen begannen, war das ein besonders tiefer Einschnitt in Felicitas´ Leben. Nicht nur, dass sie zum ersten Mal von ihren jüdischen Wurzeln erfuhr, sondern nach Gleichschaltung der Lichtwarkschule entschieden Felicitas´ Eltern, dass sie die jetzt gänzlich veränderte Anstalt besser verlasse. Sie wechselte zunächst an ein musisch orientiertes Landschulheim, die „Schule am Meer“ auf Juist. Doch auch hier bewirkte der nationalsozialistische Ungeist, dass die Schule – sogar von Lokalpolitikern &#8211; als „Jöödenschool“ verunglimpft wurde. Daraufhin meldeten zahlreiche jüdische Eltern ihre Kinder ab. Sicherlich spielten auch geplante Emigrationen eine Rolle. Die Schule verlor damit nicht nur ihre Schüler, sondern auch die wichtigsten Förderer. Als sie 1934 geschlossen werden musste, wechselte Felicitas notgedrungen auf die Odenwaldschule, an der sie 1935 das Abitur ablegte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Diskriminierung konnte sie an der Berliner Musikhochschule Klavier, Flöte und bei Paul Hindemith Komposition studieren, um zwei Jahre später die Privatmusiklehrerprüfung abzulegen. Eigentlich hätte sie Schulmusik studieren wollen, hätte wegen ihrer Herkunft jedoch keine Unterrichtserlaubnis erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1939 schloss Felicitas ihr Musikstudium mit der künstlerischen Reifeprüfung für Klavier ab. Obgleich sie als „Nicht-Arierin“ auch hier keine Unterrichtserlaubnis erhielt, gab sie unerlaubt Klavierstunden und Blockflötenunterricht.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="898" height="824" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.kuckuck.Fam_.jpg" alt="BF.kuckuck.Fam" class="wp-image-50510" style="width:700px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">1937 mit Paul Hindemith in Berlin</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang 1939 emigrierten Felicitas’ Eltern auf Drängen der Familie und guter Freunde endlich nach England. Im gleichen Jahr heiratete Felicitas ihren langjährigen Freund Dietrich Kukuck, mit dem sie schon seit 1936 zusammen gelebt hatte, ein für die damalige Zeit unerhörtes Tun.&nbsp; Die beiden jungen Menschen hatten sich schon auf der Lichtwarkschule in Hamburg von kommunistischen, genauer gesagt von den liberaleren trotzkistischen Ideen angezogen gefühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Heirat eines Ariers mit einer Dreiachteljüdin war in dieser Zeit zumindest problematisch. Wie es gelang, dass ein neuer Geburtsschein auf den Namen Felicitas Kestner vom Standesbeamten anerkannt wurde, ist nicht ganz geklärt. Es mag eine Rolle gespielt haben, dass Dietrich Kukuck zu den von den Nazis gefragten jungen Naturwissenschaftlern und Ingenieuren gehörte, die man wegen des frisch begonnenen Krieges dringend bei Wehrmacht und Marine benötigte. Er wurde ohne Grundausbildung im Rang eines Offiziers zur Marine gezogen. „Silberlinge“ nannte man diese technischen Offiziere. Ihm oblag es während des Krieges, Wetterbojen für den U-Boot-Krieg zu fertigen, die im Meer ausgesetzt Wetterereignisse meldeten.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="772" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Kuckuck.Dietrich-772x1024.jpg" alt="BF.Kuckuck.Dietrich" class="wp-image-50518" style="width:467px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Dietrich Kukuck, 1937</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schon ein Jahr später wurde Sohn Jan geboren. In dieser Zeit fand auch Felicitas’ Aufnahme als Komponistin in die Reichsmusikkammer unter aberwitzigen Auflagen statt. Gleichzeitig mit der Aufnahme wurde ihr nämlich verboten, „schöpferisch tätig“ zu werden, also zu komponieren. Außerdem durfte sie nicht bei NSDAP-Veranstaltungen auftreten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Schöpferisch tätig</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz der Verbote gab sie 1941 einen Kompositionsabend. Dabei wurde ihre Sonate für Querflöte und Klavier in Berlin uraufgeführt. Bei all ihren Kompositionen ist der Einfluss ihres 1939 emigrierten Kompositionslehrers Paul Hindemith deutlich erkennbar. Das zeigt sich vor allem in dem Bemühen um die Melodie. Die einstimmige Melodie an sich in ihrer melodischen, harmonischen und formal-rhythmischen Gestalt war nach Hindemith die Grundvoraussetzung für eine gelungene Komposition.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die couragierte Felicitas war also trotz aller Verbote weiter „schöpferisch tätig“. Zum Beispiel erschienen 1942 drei Instrumentalwerke von ihr im Schott-Verlag. In einer Tanzschule gab sie Blockflötenkurse und organisierte Hausmusikabende. Sie trat weiterhin öffentlich auf, was Menschen mit jüdischen Wurzeln absolut verboten war.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Flüchtige Jüdin aufgenommen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obendrein gewährte Felicitas einer Jüdin Unterschlupf in ihrer Wohnung. Es war die vormalige Lehrerin der Hamburger Talmud-Tora-Schule Elisabeth (Jakobus) Feilchenfeld, die sich zur Tarnung Anna Pastor nannte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon Felicitas selbst war aufs Äußerste gefährdet, denn nach den Nürnberger Rassegesetzen&nbsp; stammte sie aus einer Mischehe, gehörte eigentlich zu den Dreiachtel-Juden, die in der zweiten Hälfte des Krieges ebenfalls verfolgt und in Todeslager deportiert wurden. Einem flüchtigen Juden Unterschlupf zu gewähren, hätte ihr sofortiges Todesurteil bedeuten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kam die mit fortschreitendem Krieg immer schwieriger werdende Versorgungslage. Doch Felicitas gelang es, über eine Ärztin „unbegrenzte“ Mengen des streng rationierten Lebertrans für ihren jüdischen Schützling zu erhalten. Brot bekam Frau Feilchenfeld als Entgelt von einem russischen Kriegsgefangenen, dem sie Deutschunterricht erteilte. Er war in einer benachbarten Bäckerei beschäftigt und wurde von der Bäckerfamilie wie ein Sohn behandelt, konnte deshalb Brot ohne Marken abzweigen. Der Lebertran wurde in einer Pfanne erhitzt, wodurch er seinen eigenwilligen Geschmack verlor. Die Brotscheiben briet Frau Feilchenfeld in dem nahrhaften Fett. Über lange Zeit war dies ihre Hauptnahrung.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">&#8222;Nein, als heroisch würde ich unsere Mutter nicht bezeichnen!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, als heroisch würde ich unsere Mutter nicht bezeichnen!“ meint Tochter Margret Johannsen. „Aber als anständig und couragiert!“ Mit Umsicht und Pragmatismus hat sie sich durch die äußerst gefahrvolle faschistische Zeit lavieren können. Ihr Mann Dietrich Kukuck hingegen fiel Anfang ´45 bei einem neuen Kommandeur wegen seiner Ehe mit einer Nicht-Arierin in Ungnade, wurde degradiert und vom Schiff „geworfen“. Er müsse sich an der Ostfront als Infanterist „bewähren“, hatte sein Vorgesetzter befohlen. Stattdessen desertierte Kukuck und schlug sich die letzten Kriegsmonate als Knecht getarnt bei einem Bauern durch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 3. Mai 1945 gab es nur noch vereinzelte Kämpfe im Zentrum der Reichshauptstadt, zum Beispiel um den Führerbunker und beim Reichstag. Ausgerechnet in diesen letzten Stunden der Kampfhandlungen wurde das Haus mit Felicitas’ Wohnung von Rotarmisten in Brand gesteckt, vermutlich um eventuell dort versteckte deutsche Soldaten zum Herauskommen zu zwingen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihren kostbarsten Schatz, die Aktentasche mit ihren Partituren nahm Felicitas immer mit in den Luftschutzkeller. Sie wurden gerettet, doch die Wohnung mit allem Inventar ging verloren. Trotzdem war Felicitas froh. Der Krieg war zu Ende, das Nazi-Regime lag am Boden. Sie waren dem braunen Terror entkommen! Und mit ihnen Elisabeth Feilchenfeld, die Felicitas Kukuck über Jahre verborgen hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Verlust ihrer Wohnung nahm Felicitas den kleinen Jan an die Hand und schleppte sich 14 Stunden durch die in Trümmern liegende Stadt nach Berlin-Heiligensee. Unterwegs half ihr ein russischer Soldat mit einem Blockwagen, der Jan beim Abschied in die Höhe hob und Felicitas einen Kuss gab. In Heiligensee kamen Mutter und Sohn bei einer Bekannten unter und Felicitas bekam die Chance, in der dortigen Volkshochschule Musikunterricht zu erteilen. Für Jan ergriff sie die Gelegenheit, ihn über die „Aktion Storch“ ins Oldenburger Land zu verschicken, wo er viele Monate bleiben konnte, zu essen bekam und plattdeutsch sprechen lernte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Zurück nach Hamburg</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im November 1945 treckte Felicitas von Berlin nach Hamburg. Welche Schwierigkeiten damit verbunden waren, können nur Zeitgenossen&nbsp; nachvollziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vom Hunger ausgezehrt erreichte sie schließlich ihr Ziel. Später erzählte sie, der Hunger habe sie so gezeichnet, dass ein englischer Offizier anlässlich eines Gesprächs notiert habe „Konzentrationsschwäche aufgrund schwerer Unterernährung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald nach ihrer Rückkehr trafen sich die Eheleute in Hamburg wieder. 1946 wurden die Zwillinge Margret und Irene geboren, 1948 Sohn Thomas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Felicitas´ Eltern hatten die Nazizeit in England überstanden und kamen Anfang der fünfziger Jahre nach Hamburg zurück.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Blankeneser Jahre</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="592" height="776" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Kuckuck.jpg" alt="BF.Kuckuck" class="wp-image-50512 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Von 1948 bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 lebte Felicitas Kukuck im Geburtshaus ihres Mannes im Treppenviertel von Blankenese. Hier wuchsen ihre vier Kinder heran und wurden liebevoll von ihr umsorgt. Sie hatte sich immer viele Kinder gewünscht. Felicitas war aber nicht nur eine liebevolle, sondern&nbsp; auch eine pragmatische Mutter. Wenn sie komponierte, was ständig und hingebungsvoll geschah, hängte sie eine Laubsäge-Arbeit ihres ältesten Sohnes mit der Botschaft „Mutti komponiert“ an ihre Zimmertür. Sie durfte nicht gestört werden. Die Kinder waren dann sich selbst überlassen. Nur manchmal hatte eine Nachbarin ein Auge auf sie. Sie liefen meist an den Strand, spielten mit Altersgenossen, trafen Freunde oder prügelten sich mit „Feinden“. Tausend Abenteuer genossen sie in den Treppen, Winkeln und Gängen von Alt-Blankenese, in fremden Gärten oder auf schaukelnden Bootsplanken im Elbestrom. Sie genossen eine freie Kindheit, fast ein wenig wild, wie sich ihre Tochter Margret erinnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derweil komponierte Felicitas Kukuck zunächst auch viele Kinderlieder, die sie mit ihrem Nachwuchs probte. Überhaupt sang oder summte sie fast ständig Melodien, gab ihren Kindern Blockflöten-, Fidel- und Klavierunterricht. Und war dabei durchaus anders als andere Blankeneser Mütter. Auf Äußeres legte sie wenig Wert. Vater Dietrich mit Vollbart trug das ganze Jahr über Sandalen und weiträumige Pullover. Weißbrot war tabu, die Ernährung&nbsp; „alternativ“. Viele Lebensmittel wurden im Reformhaus gekauft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">(Bild: ca. 1950)</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">Als Tochter Margret bei einer Rauferei einem Kind das Nasenbein brach und die Polizei die Übeltäterin zu vernehmen wünschte, wurde das Mädchen unterm Bett nicht verraten. Nein, gegenüber der Polizei war Felicitas mit ihrer Tochter solidarisch!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal war es den Kukuck-Kindern etwas peinlich, dass ihr Zuhause so anders war. Besonders auf dem Gymnasium Willhöden wurde Margret bewusst, wie aufwändig Klassenkameradinnen aus betuchten Häusern gekleidet waren, wie anders deren Familien lebten. Doch mit zunehmendem Alter erkannte sie, welche herausragende Leistung ihre Mutter vollbrachte, was für ein großartiges Werk sie schuf und war stolz auf sie.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Unermüdlich komponierend</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Felicitas Kukuck war es wichtig, dass ihre Musik tatsächlich erklang, dass sie immer wieder aufgeführt wurde. 1947 lernte sie Gottfried Wolters kennen, den Leiter des legendären Norddeutschen Singkreises und Lektor des Möseler-Musikverlages. Unter seinem Einfluss wandte sich Felicitas Kukuck verstärkt der Vokalmusik zu. Sie komponierte zahlreiche Lieder- und Liedsätze für die Edition „Das singende Jahr“. Diese Lieder, aber auch von ihr geschaffene Motetten und Oratorien führte Wolters mit seinem Chor auf.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="878" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Kuckuck1962-878x1024.jpg" alt="BF.Kuckuck1962" class="wp-image-50517" style="width:496px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Felicitas Kukuck ca. 1962</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Komponistin hat in über sechs Jahrzehnten neben Instrumentalstücken ein reiches Werk weltlicher und geistlicher Vokalmusik mit einem sehr eigenen und unverwechselbaren Stil geschaffen. Sie engagierte sich in der Laienmusik und der Musikerziehung. Dabei entstand auch ihr bekanntestes Lied „Es führt über den Main“ für eine Sendereihe des Bremer Schulfunks. Die enge Zusammenarbeit mit Musikern und Musikerinnen, Chorleitern und Sängern, Instrumentalisten, Kantoren und Schulmusikern erwies sich als starke inspirative Quelle&nbsp; für ihr Schaffen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Großzügig und liberal</p>



<p class="wp-block-paragraph">So kompromisslos sie in ihrem musikalischen Werk war, so liberal war sie auf zwischenmenschlichem Gebiet. Sie sah ihrem Mann manche Eskapade mit dem weiblichen Geschlecht nach. Felicitas erlaubte auch, dass ihre Töchter schon als Oberschülerinnen Herrenbesuche bei sich übernachten ließen. Als dies nicht ohne Folgen blieb und Tochter Irene mit 15 Jahren schwanger wurde, richtete sie den jungen Eltern in ihrem Haus eine Wohnung mit separatem Eingang ein. Sie sollten für einander sorgen, im Alter von 21 Jahren könnten sie heiraten. So geschah es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kleine Christoph hatte die Musikalität seiner beiden Großmütter &#8211; Felicitas Kukuck und Lya Bendorff &#8211; geerbt. Besonders das Schlagzeug hatte es dem Burschen angetan. Weil aber seine ersten Rhythmik-Übungen mit Kochtopf- und löffeln durch das ganze Haus dröhnten, setzte Felicitas den Kleinen neben sich, stattete ihn mit einem Kissen auf dem Schoß und Stöcken aus, so dass er den Takt lautlos zu ihrem Klavierspiel schlagen konnte. Mit sechs Jahren bekam er sein erstes Kinderschlagzeug, mit neun spielte er in der Pause eines James Last-Konzerts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Felicitas’ Chorsängerinnen gehörte über viele Jahre neben der Familie eine Gemeindeschwester, genannt Lolo. Irgendwann entwickelte sich zwischen Lolo und Dietrich Kukuck eine Beziehung, von der Felicitas lange nichts ahnte. Als sich Dietrich schließlich von seiner Frau trennen wollte, war das ein gewaltiger Schock für seine Frau. Sie liebte ihren Mann und wollte ihn nicht hergeben. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages brachte Tochter Margret einen Freund ins Haus. Dieser junge Mann gefiel Felicitas so umwerfend gut, dass sie eine Liebesbeziehung mit ihm begann. Doch nicht nur das: Als der Jüngling wegen Schwänzens nicht zum Abitur zugelassen werden sollte, erschien die Kukuck in seiner Schule und setzte sich energisch – und schließlich erfolgreich &#8211; für den begabten jungen Mann ein.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Liebesverhältnis ermöglichte Felicitas schließlich, sich emotional von Dietrich zu lösen. Man trennte sich einvernehmlich. 1967 wurde ihre Ehe mit Dietrich Kukuck geschieden. Allmählich konnte Felicitas zu Lolo eine enge, fast innige Beziehung aufbauen und dankbar feststellen, dass Lolo für ihre beiden erwachsenen Töchter fast so etwas wie eine zweite Mutter war.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Komponieren mit religiösen oder pazifistischen Bezügen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am liebsten komponierte Felicitas im Freien. Dafür setzte sie sich in den Garten, schrieb dort ihre Noten, nur um zwischendurch die Tonfolgen am Klavier zu überprüfen. Einmal am Tag musste sie den kurzen Weg zum Anleger gehen, um sich den Schiffsverkehr auf der Elbe anzugucken. „Blankenese ist ein Paradies!“ war ihre Überzeugung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1967 machte Felicitas aus ihrem Singkreis den Kammerchor Blankenese, mit dem sie bis ins hohe Alter viele ihrer Kompositionen (ur)aufführte. Der Raum für ihre künstlerische Arbeit war die Kirche. Mehr als zehn Jahre arbeitete sie mit Pastor Sievert Brandt zusammen, dem Pastor ihrer Blankeneser Gemeinde. Passend zu seinen Predigten komponierte Frau Kukuck&nbsp; jeweils zu den Gottesdiensten Lieder, unterlegt mit den entsprechenden biblischen Texten. Oft war auch ein Kanon dabei, den sie während des Gottesdienstes mit der Gemeinde einübte. Außerdem war sie aktives Mitglied der Blankeneser Kantorei und half bei Konzertproben tatkräftig mit.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrem Spätwerk setzte sich die Komponistin mit den existenziellen Fragen unserer Zeit &#8211; wie Krieg und Frieden, Auschwitz, Hiroshima und Tschernobyl &#8211; auseinander.&nbsp; Im Rahmen der Weltfriedenswoche und dem Gedenken an die Vernichtung von Hiroshima und Nagasaki wurde ihre Kantate: „Und es ward: Hiroshima. Eine Collage über Anfang und Ende der Schöpfung!“&nbsp; in der Hamburger Nikolai-Kirchenruine &#8211; selbst Mahnmal gegen den Krieg &#8211; 1995 uraufgeführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im gleichen Jahr entstand&nbsp; &#8211; für die 800-Jahr-Feier der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai – die szenische Kantate „Wer war Nikolaus von Myra?“ Darin wird geschildert, wie ein Bischof seine Stadt aus Hungersnot rettet und vor einem Krieg bewahrt.&nbsp; Die Schlussworte der Kantate sind Aussagen, die die Überzeugung der Komponistin&nbsp; deutlich widerspiegeln: „Möge Nikolaus behüten/ unsere Freunde in der Fremde/ und die Fremden in der Stadt.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="612" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Kuckuck.Noten_-1024x612.jpg" alt="BF.Kuckuck.Noten" class="wp-image-50514"/><figcaption class="wp-element-caption">&#8222;Es führt über den Main&#8220;, ihr bekanntestes Lied</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Verfolgung und Krieg sind im Spätwerk immer wieder ihre Themen gewesen, so wie die Lieder „Und kein Soldat mehr sein“, die anlässlich des Antikriegstages am 1. September 1996 uraufgeführt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich bin in Sehnsucht eingehüllt“&nbsp; heißt das Motto von sieben Klavierliedern auf Gedichte des jüdischen Mädchens Selma Meerbaum-Eisinger an ihren Freund. Sie starb 18-jährig in einem Konzentrationslager.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Mehr als 1.000 Kompositionen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Freie und Hansestadt Hamburg ehrte Felicitas Kukuck 1989&nbsp; mit der Biermann-Rathjen-Medaille für ihre Verdienste um das Hamburger Musikleben und verlieh ihr fünf Jahre später für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Musik die Johannes-Brahms-Medaille.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst im hohen Alter komponierte Felicitas Kukuck noch täglich. Um dafür Inspirationen zu erlangen, suchte sie immer wieder neue Texte, fahndete nach Worten, die sie entzündeten, um darauf ein Musikwerk zu setzen. Tochter Margret Johannsen erzählt, dass die Mutter ihr viele Texte förmlich aus der Hand gerissen habe. So entstanden – in Zusammenarbeit von Mutter und Tochter – „Der Mann Mose“ und „Ecce Homo“, einige Kantaten und zwei Liederzyklen.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:51% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="570" height="860" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Kuckuck.2.jpg" alt="BF.Kuckuck.2" class="wp-image-50509 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Sie starb 2001. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Doch ihr aus mehr als 1.000 Kompositionen bestehendes Werk lebt. <br>Es gibt ein Riesen-Archiv, denn <br>&#8211; beginnend mit ihren ersten Aufführungen &#8211; <br>hat Dietrich Kukuck, ihr Ehemann, Ingenieur und Tontechniker, alles aufgenommen, was von Felicitas Kukucks Werken gespielt wurde. <br>Diese alten Tonaufnahmen hat ihr jüngster Sohn Thomas digitalisiert und die Aufnahmen-Sammlung des Vaters nach dessen Tod weiter vervollständigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überhaupt waren und sind die Kukuck-Nachfahren höchst engagiert, das Andenken an die Komponisten-Mutter und ihr Werk lebendig zu halten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu ihrem 90. Geburtstag 2004 wurde wieder ein <br><strong>„Singkreis Felicitas Kukuck“ </strong><br>gegründet, der aus Familienmitgliedern und Freunden besteht und nur Werke der Namensgeberin singt &#8211; unter der Leitung eines ihrer Enkel, Christoph Leis-Bendorff.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">(Bild: Im Garten in Blankenese, 1999)</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sohn Thomas im alten Haus am Hang an den Werkaufnahmen seiner Mutter arbeitet, dringt leider kein Ton mehr nach außen. Denn als Tontechniker trägt er fast immer Kopfhörer. Doch wer weiß, vielleicht probt der Singkreis wieder einmal dort. Zur Freude und zum Staunen zufälliger Passanten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sollten Ihre Neugierde jetzt geweckt sein, können Sie sich im Internet – unter „Felicitas Kukuck, YouTube“ &#8211; einen Eindruck von der Musik dieser großartigen Komponistin verschaffen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellenangabe</strong>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Felicitas Kukuck, Wikipedia<br>Felicitas Kukuck, MuGi, lexartikel (mugi.hfmt-hamburg.de)<br>MUGI Musik und Gender im Internet,<br>Felicitaskukuck.de<br>Interview mit Dr. Margret Johannsen</p>
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		<title>Kurzbesuch: Die Oldtimer- Bergziege</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 15:35:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
		<category><![CDATA[Leben im Ort]]></category>
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					<description><![CDATA[Die rosa Bergziege kommt nach Blankenese]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">100 Jahre Busbetrieb der VHH &#8211; Die rosa Bergziege kommt nach Blankenese</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hamburg 9. Juni 2026 * Seit Mitte Mai sind die Oldtimer-Busse von vhh.mobility an Sonnabenden als rollende Botschafter im Liniennetz unterwegs. Anlass ist der 100-jährige Geburtstag des Busbetriebs. Am Sonnabend, 13. Juni, wird es in Blankenese historisch. Dann kehrt die rosa Bergziege von 1981 noch mal in ihr damaliges Einsatzgebiet, das Blankeneser Treppenviertel zurück.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was damals noch die Schnellbus-Linie 48 war, ist heute die Linie 488. <br>Hier verstärkt der Daimler Benz O 309 D zu folgenden Abfahrtszeiten:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>ab S Blankenese:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">10:05, 10:25, 11:05, 11:25, 12:05, 12:25, 13:05, 13:25, 14:05, 14:25, 15:05 und 15:25.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>ab Blankenese Fähre</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">10:13, 10:33, 11:13, 11:33, 12:13, 12:33, 13:13, 13:33, 14:13, 14:33, 15:13 und 15:33.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eine Mitfahrt ist zum hvv Tarif möglich.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="550" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/06/Historische_Bergziege_vhh_mobility2.jpeg" alt="Historische_Bergziege_vhh_mobility2" class="wp-image-50766"/><figcaption class="wp-element-caption">Am 29.September 1990 wurden die „Bergziegen“ von der Hochbahn an die PVG übergeben, <br>wo sie in der Schenefelder Werkstatt für ihren Einsatz auf der Linie 48 noch einmal durchgecheckt wurde. <br>Foto: Lutz Achilles/HOV</figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Die Rosa Bergziege, ein Daimler Benz O 309 D</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 1973 setzte die Hochbahn auf den damaligen Schnellbus-Linien 48 und 49 Kleinbusse vom Typ O 309 D ein. Die historische Bergziege wurde 1982 als Wagen „6310“ für die Hochbahn zugelassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1990 übernahm die Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) die Buslinien durchs Blankeneser Treppenviertel, womit auch die dort eingesetzten Kleinbusse den Eigentümer wechselten und nach Schenefeld versetzt wurden. Nun hörte der Wagen auf die Betriebsnummer „249“ und trug eine Pinneberger Zulassung.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rosa Lackierung des Busses steht für die Produktfarbe der damaligen HVV-Schnellbusse. 2018 wurden die Linien in die StadtBus-Linien 488 und 588 umgewandelt, womit der Schnellbus-Zuschlag entfiel. Das Rosa, eine Farbe, welche zur Einführung in den frühen 1960er Jahren mit seinen Pastellfarben hochmodern war, verschwand bereits in den 1990er Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit 1999 ist der Bus offizielles Museumsfahrzeug, zunächst bei der PVG, heute bei vhh.mobility.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>100 Jahre VHH Bus &#8211; die nächsten Termine</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die historischen Busfahrten sind Teil einer Jubiläumsreihe, die in den kommenden Wochen auf weiteren Linien im hvv Gebiet fortgesetzt wird:</p>



<p class="wp-block-paragraph">•&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 20.06.2026 – Linie 32: Bahnhof Bergedorf – U Billstedt</p>



<p class="wp-block-paragraph">•&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 27.06.2026 – Linie 225/227: Bahnhof Bergedorf – Grundschule Kirchwerder/Achterdeich</p>



<p class="wp-block-paragraph">•&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 04.07.2026 – Linie 285: S Iserbrook – Bahnhof Pinneberg</p>



<p class="wp-block-paragraph">•&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 11.07.2026 – Linie 189: S Blankenese – S Wedel</p>



<p class="wp-block-paragraph">•&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 18.07.2026 – Linie 269: Stadtverkehr Ahrensburg</p>



<p class="wp-block-paragraph">•&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 03.10.2026 – Linie 135: Ringlinie 135</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die genauen Abfahrtszeiten der weiteren Einsätze werden wieder jeweils kurz vorher bekannt gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-pullquote has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color has-small-font-size wp-elements-1ae81982e8910d5c8f1c4a591b9dbbe2"><blockquote><p><strong>Über vhh.mobility</strong><br>vhh.mobility (Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein) ist mit rund 3.000 Mitarbeitenden und ca. 800 Bussen an 18 Standorten die drittgrößte kommunale Busbetreiberin Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg befördert heute etwa 105,5 Millionen Fahrgäste pro Jahr. vhh.mobility ist Partnerin im Hamburger Verkehrsverbund (hvv) und auf 181 Linien in der Metropolregion Hamburg unterwegs.<br>vhh.mobility ist Treiberin der wichtigen Zukunftsthemen Elektromobilität und Digitale Mobilität. 2014 nahm vhh.mobility den ersten E-Bus Hamburgs in Betrieb, seit 2020 beschafft das Unternehmen für Hamburg ausschließlich Elektrobusse. vhh.mobility ist bundesweite Vorreiterin bei digital bedarfsgesteuerten On-Demand-Verkehren und hat mit hvv hop 2018 Deutschlands ersten On-Demand-Verkehr im ÖPNV erfolgreich in Betrieb genommen. Aktuell erprobt vhh.mobility im Projekt ahoi das autonome Fahren innerhalb der hvv hop Flotte im Bediengebiet Hamburg-Harburg.<br>In der Metropolregion Hamburg zählt vhh.mobility zu den größten Arbeitgebern. Die rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus 60 Nationen. vhh.mobility ist eine der frühen Unterzeichnenden der &#8222;Charta der Vielfalt&#8220;. Die Umsetzung dieser Charta hat zum Ziel, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist.<br>Weitere Information zu vhh.mobility: <a href="https://vhh-mobility.de/">vhh.mobility | Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH</a></p></blockquote></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Blankeneser Schulen nach 1945</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jun 2026 13:45:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Historische Sprechstunde im Markthaus]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Bernd Keller wird seine Forschungen zu den Blankeneser Schulen mit ihren vielen Sorgen und Nöten präsentieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war auch in Blankenese geprägt durch viele Schwierigkeiten und Mängel. <br>Auch die verschiedenen Schulen machten hier keine Ausnahme und es sollte Jahre dauern, bis sich die Verhältnisse langsam besserten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bernhard Keller nimmt die Zuhörer mit in die Zeit, als es noch das Hilfskrankenhaus Blankenese gab, Schülerinnen und Schüler ohne Schuhe in den Unterricht kamen und dieser zum Teil auch gleich in Ruinen stattfinden musste. </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Zeit: 03.06.2026, 17:00 – 19:00 Uhr<br>Ort: Markthaus Blankenese<br>Eintritt frei, Spenden erbeten</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Erna Schaper geb. Heberling, 1889 &#8211; 1972</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2026 08:43:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Kreistagsabgeordnete, Unternehmerin – künstlerisch und sozial engagiert]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-c5cbfc03e87bd845b936fd9aacbe45e8 wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst – </strong><br><strong>in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013</strong><br><strong>und Stille Häuser | Stürmische Geschichten <strong>–</strong></strong> <strong>erschienen 2009<br></strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Höhere Tochter</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich war Erna Schaper geborene Heberling eine „höhere Tochter aus gutem Haus“, wie es viele um 1900 gab. Vater Heberling besaß eine gut gehende Maschinenfabrik in der Langen Reihe,&nbsp; obendrein die Wohn-, Laden- und Fabrikations-Immobilie, in der der Betrieb untergebracht war, so dass&nbsp; die Familie sehr gut von den Einnahmen leben konnte. Auch durch den Tod&nbsp; des Vaters wurde das Familieneinkommen nicht geschmälert.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="619" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Schaper-4-ca-1930-1024x619.jpg" alt="BF.Schaper 4 ca 1930" class="wp-image-50393" style="aspect-ratio:1.654297614539947;width:822px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">1909 &#8211; links :Alma Heberling mit Familie</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Alma Heberling, Erna Schapers Mutter, erwarb 1908 die südliche Hälfte des Fischerhauses Elbterrasse 7 als Sommerhaus. Erna war die älteste der sechs Heberling-Kinder, die alle kulturell höchst interessiert waren, ins Theater gingen, in die Oper, zu Vorträgen und Lesungen. Mutter Heberling und ihre Töchter spielten Klavier, Tochter Erna hervorragend Geige. Man ging gern auswärts Essen, machte weite Reisen, gab Gesellschaften. Ständig waren Besucher im Haus, wurden Feste arrangiert und Freunde bewirtet.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">1939</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als der II. Weltkrieg ausbricht ist Alma Heberling schon 82 Jahre alt, doch immer noch aktiv. Wieder fällt ein Richard am zweiten Tag seines Kriegseinsatzes. Den Tod ihres geliebten Enkels hat Mutter Heberling nicht lange überlebt. Sie stirbt im Dezember 1941 im Alter von 84 Jahren.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Seele des Hauses: Erna Schaper</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon eine ganz Weile hatte die Heberling-Tochter Erna Schaper ganz selbstverständlich die Rolle des treu-sorgenden Familien-Oberhaupts, der gastfreien Hausmutter übernommen. Erna spielt Klavier, hat Gesangsunterricht sowie eine Ausbildung in Harmonielehre genossen. Sie musizierte lange Zeit mit ihrer Geige im Orchesterverein. Sie kann kochen, schneidern, spinnen und weben. Als Vorbereitung ihrer politischen Tätigkeit hat sie noch einen Rednerkurs absolviert. Sie muss ungeheuer einsatzfreudig, fleißig, warmherzig und gastfreundlich gewesen sein. Unterstützt wurde sie schon bald von ihrer Nicht Gotlinde Jäger, die als Webmeisterin die Leitung der „Eigene Hand“ übernahm.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="679" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.SchaperLebensformtag.jpg" alt="BF.SchaperLebensformtag" class="wp-image-50426" style="aspect-ratio:1.4727879415487286;width:638px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Lebensformtagung 1948 im Garten</figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wiener Sängerknaben im Fischerhaus</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gästebücher und Fotoalben zeugen auch nach dem Krieg von vielen Geselligkeiten und Veranstaltungen in der Elbterrasse: Webwochen, eine Backmodel-Ausstellung, die große Lebensreform-Tagung. Der Jugendbund traf sich hier. In den 1950er Jahren besuchten sogar die Wiener Sängerknaben das Haus in der Elbterrasse und ließen ihre Lieder weit über die Elbe klingen.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="540" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Wiener-1024x540.jpg" alt="BF.Wiener" class="wp-image-50423" style="aspect-ratio:1.8963222315460517;width:802px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Wiener Sängerknaben an der Elbe</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Weil öfter mehr Gäste kamen als erwartet, war die stehende Redensart der alten Frau Heberling: „Schütt Waser in die Suppe, Besuch kommt!“ geflügeltes Wort bei den nachfolgenden Heberling-Generationen, die inzwischen – im Jahr 2010 – Tempel heißen. Welch sinniger Familienname für Bewohner dieses romantischen Hauses mit einer atemberaubenden Lage.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kaum Braut &#8211; schon Witwe</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer 1914 heiratete Erna den Kapitän Hans Schaper und zog mit ihm nach Kiel. Zwei Wochen nach Kriegsausbruch fiel ihr Bruder Richard in Frankreich. Ein Jahr später verunglückte Ernas Ehemann Hans Schaper mit einem Luftschiff in der Nähe von Stolp, Hinterpommern. Durch die Aufregungen erlitt Erna eine Fehlgeburt. Neben dem Verlust des geliebten Ehepartners, musste sie auch die verlorene Hoffnung auf ein gemeinsames Kind verkraften. Sie kehrte aus Kiel zurück in die Elbterrasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein paar Monate später lernte die junge Witwe Erna die 10-jährige Kriegswaise Lina kennen und bot ihr an, sie in Pflege zu nehmen. Lina &#8211; und bald auch ihr älterer Bruder &#8211; gehörten von da an zur großen Heberling-Familie. Erna sorgte dafür, dass die Kinder den Lernanschluss in der Schule fanden, half bei den Aufgaben, bot Klavierunterricht an.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="775" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.3-Schaper-Klavierspiel-Erna-Heberling-im-Gartenhaus-1909.jpg" alt="BF.3 Schaper Klavierspiel Erna Heberling im Gartenhaus 1909" class="wp-image-50394" style="aspect-ratio:1.2903412574075335;width:656px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Klavierspielende Helene Heberling im Gartenhaus. 1909</figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Abgeordnete</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war eine kleine Sensation, dass Erna sich bei den Reichstagswahlen 1921 um ein Mandat der (konservativen) Deutschnationalen Partei bewarb. Erst seit zwei Jahren gab es ein Wahlrecht für Frauen. Obwohl sie von Natur aus redegewandt war, hatte sie vorher einen Rednerkurs absolviert, so dass sie eloquent ihre politischen Überzeugungen vertreten konnte. Tatsächlich wurde sie für vier Jahre in den Kreistag Pinneberg gewählt.&nbsp;<br>Und wir können davon ausgehen, dass sie sich zum Wohle der Frauen tatkräftig eingesetzt hat.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Familienoberhaupt</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erna war inzwischen Familienoberhaupt der Heberlings geworden,&nbsp; sorgte für Firma, Immobilien und Familie.&nbsp; 1922 entschied sie, eine Freundin&nbsp; aus Brasilien mit ihren fünf Kindern in der Elbterrasse aufzunehmen, eine andere Bekannte hatte vorher ihren Lungenkatarrh bei den Heberlings kuriert. Die Brasilianerin und ihre Kinder durften übrigens volle zwei Jahre gegen einen geringen Unkostenbeitrag als Gäste des Hauses bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Inflation zehrte das Vermögen auch dieser Familie auf. Außerdem starb Ernas ältester Bruder Walter, der Frau und Kinder mittellos hinterließ. Mutter Alma und Erna überlegten gemeinsam, über welche Fähigkeiten und Möglichkeiten sie verfügten, mit deren Hilfe sie für sich und möglichst auch für andere eine Existenzgrundlage aufbauen könnten. Als ersten Schritt bewarb sich Erna beim Blankeneser Konservatorium als Geigenlehrerin und wurde engagiert.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Unternehmerin</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bald darauf gründeten Mutter und Tochter die „Werkgemeinschaft eigene Hand“ mit einer Webwerkstatt im familieneigenen Haus in der Langen Reihe. 1930 gehörten ein Maskeraden- und Kostümgeschäft, eine Schneiderwerkstatt und der Verkauf von Kunstgewerbe, Schmuck und Webarbeiten zum Firmenkonglomerat. Mit diesem Unternehmenspaket wollten sie nicht nur Geld verdienen. Ihr Hauptanliegen war, arbeitslose junge Frauen von der Straße zu holen, sie anzulernen und ihnen eine dauerhafte Erwerbsmöglichkeit zu beschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Angebot war hoch willkommen &#8211; nicht nur in der kritischen Phase der Weimarer Republik, auch während der Weltwirtschaftskrise und ihrer Folgezeit, als die Arbeitslosenzahlen immer dramatischer in die Höhe stiegen, als sich Rotfront und Nazis Saalschlachten lieferten, die Auseinandersetzungen auch immer wieder in Schießereien mit Toten und Verwundeten mündeten und die demokratischen Parteien nicht mehr wussten, wie sie die Situation noch in den Griff bekommen konnten –&nbsp; außer mit weiteren Spar-Erlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Werkstätten der beiden Damen wurden später um eine gewinnbringende Hemdennäherei und Ernas Hand-Weberei ergänzt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Musikerin</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:40% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="783" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.5-Erna-Schaper-783x1024.jpg" alt="BF.5 Erna Schaper" class="wp-image-50396 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Erna war nicht nur Geschäftsfrau, sondern auch treu sorgende Hausmutter, spielte viel Klavier, nahm Gesangsunterricht, sowie eine Ausbildung in Harmonielehre. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Obendrein musizierte sie mit ihrer Geige im Orchesterverein. Kurz: Sie war ungeheuer fleißig, einsatzfreudig, warmherzig und gastfrei. <br>Unterstützt wurde sie bald von ihrer Nichte Gotlinde Jäger, die als Webmeisterin die Leitung der „Eigenen Hand“ übernahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erna schaffte es, die Familie durch die Wirren des 2. Weltkriegs &nbsp;und der Nachkriegszeit zu bringen. <br><br>Schon bald nach der Kapitulation kamen wieder Gäste ins Haus, Ausstellungen und Tagungen wurden in den winzigen Fischerhausräumen angeboten und hatten eine große Strahlkraft.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<br><em>Quellenangabe</em>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blankeneser Frauen </p>



<p class="wp-block-paragraph">Maike und Ronald Holst „Stille Häuser &#8211; stürmische Geschichten“, S. 50 ff, Klaus Schümann-Verlag, 2010,</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Stille Häuser S. 59 &#8211; </p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wiener Sängerknapen &#8230; nach dem Krieg &#8230; &#8211; Webwochen &#8211; &#8230; Lebensformtagung&#8230;. Heberling&#8230;  &#8230;. Tempel &#8230;..</p>
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		<item>
		<title>Lore Feldberg-Eber, Künstlerin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 09:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Selbstbildnis, Öl]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">1895 bis 1966</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color wp-elements-25197cc4490bc5503ac790d7c1545e48 wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst – in ihrem Buch „Blankeneser Frauen“ – erschienen 2013</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei einer Vielzahl von Künstlerinnen ihrer Zeit bedeutete die Heirat das Ende ihrer künstlerischen Laufbahn. Nicht so bei Lore Feldberg, die 1921 den Hamburger Exportkaufmann Moritz Eber heiratete. Einmal wohl, weil Eber selbst ein kunstsinniger Mensch war, der die Arbeiten seiner Frau zu schätzen wusste, der gern las und Violine spielte. Dann aber auch, weil Lore schon vor ihrer Eheschließung in der Hamburger Kunstszene und darüber hinaus große Anerkennung mit ihren Landschaften, Stillleben und Portraits gefunden hatte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Kinder waren kein Hinderungsgrund</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst als sich beim Ehepaar Eber zwischen 1921 und 1928 drei Töchter einstellten (Dora Helene, Anna Sophie und Antonia), ließ Lore nicht von der Malerei ab. </p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="669" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Kaffeegarten.jpg" alt="" class="wp-image-50081"/><figcaption class="wp-element-caption">Feldberg-Eber; Kaffeegarten an der Elbe</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenteil: Ihr Mann Moritz förderte und unterstützte sie in allen künstlerischen Anliegen, ließ vom Hamburger Avantgarde-Architekten Karl Schneider auf der Rückseite des parkartigen Grundstücks Schenefelder Landstraße, in der Mörickestraße ein Atelierhaus (Haus Eber) bauen. Architekt Schneider hatte vorher schon die alte Bauernkate an der Schenefelder Landstraße 5 zum Wohnhaus für die Familie umgebaut. Ein Gemüse- und ein Blumengarten rundeten das Anwesen ab. Schließlich war man wohlsituiert.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:34% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="740" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Feldberg.1936-740x1024.jpg" alt="" class="wp-image-50077 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Lore lebte und arbeitete von morgens bis abends im&nbsp; Atelierhaus. Denn sie wollte bei ihrer Arbeit nicht gestört werden. <br>Derweil wurden ihre Kinder und der Haushalt vom Personal versorgt, das reichlich vorhanden war. <br>Beispielsweise gab es Gärtner Koeppen, der mit seiner Familie im Parterre des Atelierhauses wohnte, außerdem die Köchin Anna Hirsch, eine Erzieherin für die Kinder usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebers gehörten zu den säkularisierten Juden, die&nbsp; zwar jüdische Feiertage einhielten, ihren jüdischen Glauben aber nicht mehr praktizierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Moritz Eber betrieb im Thaliahof&nbsp; der Mönckebergstraße die Firma A. Eber &amp; Sohn, die sich mit dem Handel von Rohgummi und Afrikaartikeln beschäftigte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu Anfang ihrer Ehe hatten Ebers „Am Bismarckstein 2“ gewohnt, waren danach in die „Allee 5“ nach Altona gezogen. Doch Lore wollte unbedingt zurück ins ländliche Blankenese oder Dockenhuden, wo ihr Mann 1927 das Grundstück Schenefelder Landstraße erwarb, direkt neben der vier Jahre später erbauten katholischen Kirche Maria Grün. (Heute steht dort das Gemeindehaus).</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Durch und durch Hanseatin</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lore Feldberg wurde 1895 in Hamburg geboren. Ihr aus Stettin stammender Vater Daniel Feldberg ließ das Hanse-Haus in der Mönckebergstraße als Bekleidungskaufhaus errichten, während er mit seiner Familie aufs Land zum Lütjensee zog, wo Lore aufwuchs und erste Erfahrungen im Zeichnen sammelte. Zum Erstaunen ihrer Familie (sie hatte noch zwei jüngere Brüder) zog sie sich schon als Backfisch gern in ein abgelegenes Häuschen zurück, um konzentriert arbeiten zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1914 begann sie ihre künstlerische Ausbildung in der privaten Kunstschule von Gerda Koppel bei Friedrich Ahlers-Hestermann, Franz Nölken und dem in Blankenese lebenden Paul Kayser.&nbsp; Während der beiden letzten Kriegsjahre des Weltkrieges setzte sie ihr Studium in München an der Schule für „Freie und angewandte Kunst“ fort. Danach trieb es sie 1920 nach Berlin, wo sie Privatunterricht bei Dora Hitz nahm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1922, also nach ihrer Heirat, kehrte sie endgültig nach Hamburg zurück, um als freischaffende Künstlerin zu arbeiten. Schon im Gründungsjahr 1919 war die Malerin der „Hamburgischen Sezession“&nbsp; beigetreten. Die erfolgreiche Künstlervereinigung war von ihrem Lehrer Ahlers-Hestermann mit ins Leben gerufenen. Ende der 1920er Jahre wurde sie außerdem Mitglied in der von Ida Dehmel gegründeten GEDOK (Gemeinschaft Deutscher und Österreichischer Künstlerinnen).</p>



<div class="wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile"><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Das Atelierhaus&nbsp; Eber wurde bald zum kulturellen Treffpunkt von Künstlerkollegen und -freunden. Hier gab der Pianist Richard Goldschmidt beeindruckende Konzerte. Zu abendlicher Stunde erschienen Friedrich Ahlers-Hestermann,&nbsp; Paul Kayser, Alma del Banco, Willem Grimm, Gretchen Wohlwill, Gabriele Schweizer, Kurt Löwengard, Erich Hartmann und Ivo Hauptmann zum gemeinsamen Aktzeichnen &#8211; bei einem aus Rotwein und Butterbroten bestehenden Imbiss. <br>Die Treffen setzten sich &#8211; gegen alle Verbote &#8211; auch nach der Machtübernahme von 1933 fort.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Anerkannt als bedeutende Künsterlin</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lore Feldberg-Eber</strong> (* <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/4._Mai">4. Mai</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/1895">1895</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg">Hamburg</a>; † <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/27._September">27. September</a> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/1966">1966</a> in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/London">London</a>) zählte vor dem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Weltkrieg">Zweiten Weltkrieg</a> zu den bedeutendsten Malerinnen Hamburgs.<br> unternahm 1930 eine Studienreise nach Ungarn, wo ihre Zigeunerbilder entstanden. 1935 reiste sie an die Adria nach Italien, ein Jahr später nach Jugoslawien. Sie wählte die beiden letztgenannten Ziele nicht etwa nur aus künstlerischen Erwägungen, sondern reiste notgedrungen dorthin. Denn deutsche Ferienorte strebten an, „judenfrei“ zu sein. Dorthin konnte ihre Familie wie auch sie also nicht mehr fahren. Die Arbeiten der inspirierenden Auslands-Aufenthalte wurden in Einzelausstellungen gezeigt, so 1932 im Kunstsalon von Maria Kunde und 1938 im Jüdischen Kulturbund, Hamburg. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Foto: Lore Feldberg-Eber, links vor ihrem Atelierhaus</em></p>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="808" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Atelierhaus.Feldberg-808x1024.jpg" alt="" class="wp-image-50076 size-full"/></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sie ist den wenigen Malerinnen zuzurechnen, die es mit der Kunst männlich ernst nehmen. Ihr Talent, das zeitweise dem von Dora Hitz nahestand, ist mit kluger Kenntnis der eigenen Kräfte durch die Lehre der neueren französischen Malerei gegangen. Das Resultat kann manchen Maler beschämen (…) Diese Frauenkunst ist das Gegenteil vom Amateurhaftem.“ schrieb Karl Scheffler 1925/26 in „Kunst und Künstler“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Hamburger „8-Uhr-Abendblatt“ meinte am 22. Januar 1927 zu ihren Bildern: „Sie kommt von allen Damen dem Friedrichschen Ideal wirklicher Malerei am nächsten.“</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="548" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Wohnhaus.Feldberg-1024x548.jpg" alt="" class="wp-image-50083"/><figcaption class="wp-element-caption">Wohnhaus, Schenefelder Landstraße 5</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Abermals in „Kunst und Künstler“ hieß es 1930: „ &#8230; Dieses ist einmal Frauenkunst von der guten Art. Die Begabung ist klug: in ihrer Selbstbeschränkung, in dem, was sie von den besten Meistern lernt und in ihrem frischen, unverdorbenen Verhältnis zur Natur. Lore Feldberg-Eber kann malen, sie hat Handwerk, ihr Pinselstrich lebt, ihr Auge sieht entscheidende Richtigkeiten, ihre künstlerische Arbeit ist von Grund auf redlich, sie versteht ihre innere Welt zu realisieren – gleich gut in Landschaften, Stillleben und Bildnissen &#8230; “</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ich will mit dir leben, nicht sterben</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Machtübernahme durfte Lore wegen ihrer jüdischen Abstammung nicht mehr ausstellen. Unverkaufte und nicht gezeigte Bilder stapelten sich in ihrem Atelier. Den Kindern war es nicht mehr erlaubt, öffentliche Blankeneser Schulen zu besuchen, sie durften noch nicht einmal mehr am Elbe-Strand spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre allseits beliebten Silvesterfeste setzten Ebers zwar weiter fort. Doch kamen in den Jahren nach 1933 immer weniger „arische“, dafür immer mehr jüdische Gäste. Viele Emigranten nutzten das großzügige Eber-Anwesen zu einer letzten Anlaufadresse, bevor sie über den Hamburger Hafen emigrierten. Ebers erteilten den vielen Flüchtenden Ratschläge, boten ihnen bis zur Abfahrt eine Bleibe.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="574" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Feldberg.Park_-1024x574.jpg" alt="" class="wp-image-50080" style="aspect-ratio:1.7839934667211106;width:607px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Park ihres Hauses</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Schon lange vorher waren die Restriktionen und Belästigungen durch die Nazis immer beklemmender geworden. Die Immobilien der Familie, wie die Firma Eber und das Haus „Hanse“ in der Mönckebergstraße, waren längst „arisiert“, will sagen enteignet, die Familie nach und nach des gesamten Besitzes beraubt<br>Lore litt deshalb zunehmend unter Ängsten, während ihr Mann&nbsp; von der immer stärkeren Verfolgung fast unbeeindruckt blieb. Im Gegensatz zu seiner Frau dachte er überhaupt nicht ans Auswandern,&nbsp; mochte sich nicht von seinem herrlichen Anwesen in Dockenhuden trennen. Er ging spazieren, spielte Geige und las, während sich seine Frau erst spät, heimlich aber sehr intensiv um Ausreisevisa für die Familie bemühte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Abends wurde Moritz von einem Freund vor anrückenden SA-Leuten gewarnt, die ihn wohl verhaften oder drangsalieren wollten. Eber schwang sich geistesgegenwärtig aufs Rad und fuhr durch den Garten am Atelierhaus vorbei durch die Mörickestraße zu Freunden nach Rissen.&nbsp;<br>Lores&nbsp; Kommentar nach dem aufregenden Abend mit den pöbelnden SA-Männern: „Moritz, ich will mit dir leben, nicht mit dir sterben!“ Dieser Satz wurde später zum immer wieder zitierten Familienspruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Zusammenhang ergibt sich die Frage, was Lore Feldberg-Eber für ein Mensch war.&nbsp;<br>Sie war klug und kritisch. Aber auch sanft und tolerant, großzügig, liebenswürdig und unkonventionell. Sie liebte Reisen, mochte gute Gesellschaften, Antiquitäten und Porzellan, gutes Essen und stilvolle Kleidung. Sie war humorvoll, las gern Kunstbücher und Biographien. Eines aber war ihr immer besonders wichtig: ihre künstlerische Unabhängigkeit.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Flucht</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 31.12.38 &#8211; kurz nach den reichsweiten November-Progromen &#8211; gelang Lore Feldberg-Eber die Flucht mit zwei Töchtern, obwohl sie persönlich nicht hätte ausreisen dürfen. Doch sie hatte einen rettenden Einfall, indem sie ein „Begleitbesuchsvisum“ für nur wenige Tage beantragte, um angeblich beide Töchter zu ihrem Bruder Dr. Wilhelm Feldberg nach London zu bringen. Er lebte schon seit 1933 in der britischen Hauptstadt und hatte seine Nichten auf einer Schule in Cambridge angemeldet. Tatsächlich wurde Lores Visum genehmigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Wochen später gelang es&nbsp; ihrem Mann, bei einer vorgetäuschten „Geschäftsreise“ nach Dänemark zu fliehen, um von dort nach England zu reisen. Ähnlich abenteuerlich war der Weg der dritten Tochter, die auf eigene Faust aus ihrem Schweizer Internat zu Eltern und Geschwistern nach Großbritannien gelangte. Außer winzigen Koffern hatte kein Mitglied der Familie die Möglichkeit gehabt, Persönliches mitzunehmen.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Emigrantenlos</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück blieben auch 365 von Lores Arbeiten, darunter 100 Gemälde. Diese wurden von den Nazis aufgelistet, als die Ebers im August 1940 offiziell ausgebürgert wurden. „Zwei Jahre später wurde das Atelier der Malerin behördlich ausgeräumt und die Bilder, Zeichnungen, Mappen, usw. in schonungsloser Weise verladen“ gab Nachbar und Malerfreund Johannes Ridder nach dem Krieg zu Protokoll. Er machte den Gestapo-Schergen Vorhaltungen wegen des Kunstwertes der Gegenstände, die sie brutal auf die Ladefläche eines LKWs warfen. Daraufhin bekam er patzig zur Antwort: „Das ist ja doch alles nur Feuerholz“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Polizei bemächtigte sich der wertvollen Möbel des Haushalts, der vielen Kunstgegenstände und der Bibliothek und ließ alles veräußern. Hinzu kam die bedeutende Graphik-Sammlung der Malerin mit 80 Lithographien von Honoré Daumier, zwei Mappen von Käthe Kollwitz und Radierungen von Max Liebermann.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Köchin Anna Hirsch und Gärtner Koeppen waren die Dockenhudener Häuser „anvertraut“, was wohl im Klartext hieß, sie waren ihnen „scheinverkauft“ worden.&nbsp; Koeppen soll „prosemitisch“ gewesen sein oder einfach nur menschlich. Er hatte schon früher junge Juden vor ihrer Auswanderung nach Palästina in Ebers Gärtnerei unterrichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest das Atelierhaus stand bis Kriegsende leer. Wahrscheinlich weil dessen Dach inzwischen undicht&nbsp; geworden war. Gleich nach der Kapitulation wurde es trotzdem von Malern wie Volker Detlev Heidorn als Atelierhaus genutzt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Arm, aber glücklich</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ihr Mann als deutscher Staatsbürger auf der Isle of Man interniert war, zogen Lore Feldberg-Eber und ihre Töchter nach ihrer Flucht zunächst&nbsp; nach Cambridge, wo sie fürs Erste in einem Gasthaus wohnten, danach in einem winzigen Appartement über einem Zigarettenladen. Sie lebten ohne jedes geregelte Einkommen. Trotzdem liebten die Kinder diese Zeit, in der sie endlich ganz eng mit ihrer Mutter zusammen sein durften, nachdem sie in Dockenhuden für die Kinder unerreichbar in ihrem Atelier gearbeitet hatte.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:46% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="869" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Koechin.Feldberg-869x1024.jpg" alt="" class="wp-image-50085 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Auch Lore behielt diese Jahre als relativ glücklich in Erinnerung. Sie malte am Küchentisch. Zum Modellsitzen kamen Freunde und Bekannte, die vor dem Bombenkrieg aus London geflohen waren oder aber Uni-Professoren und ihre Frauen, die sich portraitieren ließen. Die Mittel für ihr Malmaterial verdiente sie mit dieser Portraitmalerei. Außerdem erteilte sie ab 1943 Sprach- und Kunstunterricht an der „Cambridge School of Architecture“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den beiden letzten Kriegsjahren gelang es ihrem Mann, einen kleinen Unterhalt für seine Familie mit Fabrikarbeit zu verdienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1944 beteiligte sich Lore an der bemerkenswerten Ausstellung „Free German Artists“ im „Charlotte Street Centre“ von London. Ab 1947 durfte sie &#8211; inzwischen eingebürgert &#8211; endlich ihrem Malberuf offiziell nachgehen, den sie inoffiziell die ganze Zeit über betrieben hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Bild: Köchin Anna Hirsch, undatiert (30er Jahre)  &#8211; Öl auf Leinwand</em></p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wirschaftliche Wiedergutmachung</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Krieg besserten, konnte Moritz eine Firma in London gründen. Inzwischen waren die Häuser und das Grundstück in Dockenhuden zurückgegeben und von Ebers verkauft worden. Das Hanse-Gebäude in der Mönckebergstraße behielten sie aber. Nach 1950 traf&nbsp; sich der&nbsp; inzwischen aus 40 Personen bestehende Eber-Clan jährlich zur Eigentümerversammlung in Hamburg,&nbsp; wobei man im Hotel Atlantik wohnte. Lore nutzte die Gelegenheiten, sich mit alten Malerfreunden zu treffen, soweit sie noch am Leben waren.<br>1952 erwarb die Familie ein Haus in London Highgate, dessen Lage dem von Dockenhuden ähnelte.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Es war etwasa in ihr zerstört durch das Verbrechen an den Bildern!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die hohe künstlerische Leistung von Lore Feldberg-Eber fand nach dem Krieg endlich auch in Hamburg wieder eine angemessene Würdigung. So äußerte sich Kunstreferent Harry Reuss-Löwenstein 1957 gegenüber dem „Amt für Wiedergutmachung“: „&#8230;Frau Feldberg-Eber gehörte zu einer kleinen Gruppe ernster Künstlerinnen, die hier in Hamburg Namen und Bedeutung hatten.“&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rudolf Kluthmann, Kunstkritiker,&nbsp; konstatierte: „Es besteht für mich kein Zweifel, dass Frau Eber in den letzten Jahrzehnten, schon lange vor Hitler, zu den stärksten und echtesten Hamburger schaffenden Künstlern gehörte und dass die Hitlerzeit ihre künstlerische Arbeit auf eine schwerwiegende Weise unterbrochen hat. Der dadurch entstandene Schaden ist nicht nur materieller, sondern auch ideeller Art&#8230;“.</p>



<div class="wp-block-media-text has-media-on-the-right is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:auto 40%"><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Trotz kontinuierlicher künstlerischer Tätigkeit konnte Lore Feldberg-Eber nie mehr an ihre Erfolge in Deutschland knüpfen. Der Verlust ihrer Hamburger Bilder hatte sie zu tief entmutigt. Er lähmte ihre Kreativität. „Es war etwas in ihr geknackt durch das Verbrechen an den Bildern!“ bemerkte ihre Tochter Hela 1989.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Krieg führte sie eine engagierte Korrespondenz mit ihren alten Hamburger Kunstfreunden. Über die deutsche Schuldfrage setzte sie sich dabei regelmäßig aber versöhnlich auseinander. Ihr politischer Standort war liberal. Sie wählte Labour, ohne sich jedoch in der Partei zu engagieren. Sozialismus interessierte sie zwar. Extremes, wie den Nationalsozialismus lehnte sie ab. Auch dem Zionismus gegenüber hatte sie Bedenken. Zeitlebens bekannte sie sich aber zu&nbsp; ihren deutschjüdischen Wurzeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-text-align-right wp-block-paragraph"><em>Foto: Lore Feldberg-Eber um 1960</em></p>
</div><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="905" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/BF.Feldberg.1960-905x1024.jpg" alt="" class="wp-image-50084 size-full"/></figure></div>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Rheuma und ein Schlaganfall hinterließen 1963 eine Gehbehinderung. Trotzdem hat sie rastlos bis zu ihrem Ende an Bildern gearbeitet. Nach einem dritten Schlaganfall starb Lore Feldberg-Eber im September 1966 in London.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Bildnis von Dora Hitz (aus dem beschlagnahmten Besitz von Lore Feldberg-Eber) fand eine Eber-Tochter lange nach dem Krieg bei einem Hamburger Antiquariat wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Ende des 20. Jahrhunderts tauchten ein paar der 1943 abtransportierten Werke auf. Ein Flohmarktgänger aus Fuhlsbüttel hatte zwei ihrer Gemälde für unter 100 Mark erworben. Eine Tochter der Malerin, die in Amerika lebt, kaufte ihm eines davon ab, ließ es restaurieren und überließ es dem Altonaer Museum.<br>Ein Winterbild entdeckte man auf einem süddeutschen Flohmarkt. Es gelangte durch Vermittlung der Kunsthistorikerin Dr. Maike Bruhns ins Jüdische Museum nach Rendsburg.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellenangabe</strong>:<br>Karl Scheffler in „Kunst und Künstler“ 1925/26 und 1930<br>„Eine Malerin in Blankenese und Großbritannien“ Katalog der Lore-Feldberg-Eber-Ausstellung im Gemeindehaus der Blankeneser Kirche am Markt 2006<br>Gespräch mit der Kunsthistorikerin Dr. Maike Bruhns</p>
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		<title>Monika Lühmann</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Helmut Plank]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 08:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Historisch]]></category>
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					<description><![CDATA[Streitbare Bürgerin mit Teestube, Geb. 1940 &#8211; Foto Kurt W Hamann &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; Wer Monika Lühman &#8222;original&#8220; lesen möchte, dem sei ihr Buch empfohlen: Ach was Paris &#8230;: Einblicke in ein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Streitbare Bürgerin mit Teestube, Geb. 1940 &#8211; Foto Kurt W Hamann</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:15% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="506" height="740" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/05/Ach-was-Paris.png" alt="" class="wp-image-50160 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Wer Monika Lühman &#8222;original&#8220; lesen möchte, <br>dem sei ihr Buch empfohlen: <br><br>Ach was Paris &#8230;: <br>Einblicke in ein buntes Leben <br><br>(Edition Fischerhaus: Hg. von Klaas Jarchow)<br>April 2019</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>



<p class="has-vivid-purple-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-8a70c8c3788e8459237ad8a41f551d06 wp-block-paragraph"><strong>Text von Maike und Ronald Holst &#8211; in ihrem Buch &#8222;Blankeneser Frauen&#8220; &#8211; erschienen 2013</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>&#8222;JOHANNA VOM SÜLLBERG&#8220;</strong><br>Überall auf der Welt konnten Spekulanten ihr Unwesen treiben, nur in dem kleinen Fischer- und Fährort Blankenese kamen Baulöwen und Investoren mit ihren Vorhaben nicht voran, denn hier gab es eine streitbare Kämpferin wider Milieuzerstörung, Spekulantentum und schiere Gewinnsucht.<br>Diese „Johanna vom Süllberg“ wurde 1940 im fernen Hamburger Stadtteil Hamm geboren, hörte auf den Namen Monika und kam durch die Nachkriegswirren im Jahr 1949 in die Altonaer Haubachstraße.<br>Nach beruflichen Aufenthalten in der Schweiz und in England lernte sie bei einer Betriebsfeier ihres Arbeitgebers, der Münchmeier-Bank, ihren Uwe kennen und zog nach der Hochzeit zu ihm nach Blankenese.&nbsp;</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="526" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BF-Luehmann07.jpg" alt="" class="wp-image-49774"/><figcaption class="wp-element-caption">Monika und Uwe Lühmann &#8211; 1964 vor dem Standesamt</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Hier betrieb Monikas Schwiegervater seit 1931 einen Großhandel für Rohwolle, Textilien und ungegerbte Fellen, der sich bis in die Nachkriegszeit sehr positiv entwickelte.Als er 1964 verstarb, musste Sohn Uwe das Unternehmen weiter führen. Doch die Märkte änderten sich. Deshalb entschieden sich die Lühmanns eines Tages, ihre Waren im Direktverkauf zu vertreiben und eröffneten ein Geschäft im ehemaligen „Büro“ des Kohlenhändlers Silberbauer in der Bahnhofstrasse. Und da passierte es 1979:&nbsp;</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Sanierungsprojekt Schmiedeviertel</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der kleine Lühmann-Laden lag in dem Anfang des 19. Jahrhunderts entstandenen „Schmiedeviertel“, einem Ensemble kleiner Backsteinbauten, zu dem die ehemalige Dorfschmiede gehörte und das sich von der Bahnhofstraße in den Kiekeberg zog.&nbsp; Die meisten Nachbarhäuser hatte ein Wedeler Bauunternehmer nach und nach aufgekauft. Er ließ sie leer stehen, mit offenen Türen und Fenster, mit herausgerissenen Gasleitungen, defekten Wasserrohren und zerstörten Treppenhäusern. Ziel des Unternehmers war es, die „entmieteten“ Häuser abbrechen zu lassen, um dann auf dem Gesamtgelände eine überdimensionierte sechsstöckige Überbauung zu errichten. Das Kellergeschoß allein sollte zwei Stockwerke umfassen, mit Rolltreppen für einen geplanten&nbsp; PRO-Markt.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="820" height="646" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BF-Luehmann05.jpg" alt="" class="wp-image-49772" style="aspect-ratio:1.2693805480976224;width:622px;height:auto"/></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Für Monika Lühmann war unfassbar, dass die vorsätzliche Zerstörung des letzten Handwerker-Viertels in Blankenese von den Behörden wohlwollend gefördert wurde. Sie setzte sich an die Spitze einer Bürgerbewegung, wurde deren Sprecherin, befasste sich mit dem Hamburger Baurecht, studierte Anträge und Genehmigungen. Bei ihren Recherchen deckte ihre Bürgerinitiative auf, dass es in der Bauprüfabteilung wie auch bei der Stadtplanung in Altona eine merkwürdige Nähe zu besagtem Bauunternehmer Kuhrt gab. Sie fanden zudem heraus, dass viele Rechtsungereimtheiten ausschließlich zum wirtschaftlichen Vorteil des Bauunternehmers existierten. Strafanzeigen wurden gestellt. Auch Ortsamtsleiter Ploen war in die Affäre verstrickt. Die Angelegenheit wurde immer merkwürdiger, als an ein und demselben Tag zwei Gutachten zum gleichen Thema und von der gleichen Behörde&nbsp; &#8211; mit unterschiedlichen Schlussfolgerungen &#8211; auftauchten!&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Unterstützung der politischen Parteien erreichte die Bürgerinitiative 1980, dass zumindest der Milieuschutz, der das Hanggebiet umfasst, bis zum Schmiedeviertel ausgedehnt wurde. Aber was besagt schon Milieuschutz?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Bezirksversammlung Altona 1982 dem Bau des massigen Geschäftshauses mit 2600 Quadratmetern Nutzfläche zustimmte und die Stadt die letzten 197 qm an den Wedeler Bauunternehmer zu verkaufen drohte, zog Monika Lühmann an der Spitze der Bürgerinitiative alle Register: Unter dem Motto „Jetzt ist Schluss. Wir wollen kein zweites Rissen!“ formulierte sie mit ihren Mitstreitern einen Aufruf an alle Blankeneser, sich mit ihrer Unterschrift dem Abriss- und Bauvorhaben zu widersetzen. Sie forderten, dass das städtische Grundstück von 197 Quadratmetern unter keinen Umständen an Wilhelm Kuhrt verkauft werden solle. Das Pamphlet enthielt auch den Appell von 20 namhaften Architekten,&nbsp; die die streitbare Monika für den Erhalt des Quartiers gewonnen hatte.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="687" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BFLuehmann.Fabro_.jpg" alt="" class="wp-image-49776" style="aspect-ratio:1.4556371824322787;width:622px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Dal Fabro (Zur Schmiede) 1987</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am 6. Mai 1982 zeichneten die Altonaer Nachrichten ein zutreffendes Bild von Frau Lühmann in der Rubrik `Zur Person´. Hier ein Auszug:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Vor zwei Jahren hatte sie noch vage Vorstellungen über Baustufenpläne, Flächennutzungspläne und Milieuschutzverordnungen. Heute ist Monika Lühmann, die ein Woll- und Fellgeschäft in Blankenese führt, eine Expertin für Baurecht, speziell für den Bereich Blankeneser Bahnhofstrasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist schlank, blond, hat blaue Augen, ist Seglerin. Wenn es ihr um die Sache geht, gibt es keinen Zickzack-Kurs. Behördenvertreter und Kommunalpolitiker haben diese `mündige Bürgerin´ zur genüge kennengelernt. Wenn Monika Lühmann strahlend ihre Gesprächspartner im Gosslerhaus anlächelt, wird es gefährlich. Wer sich in Rechtspositionen einigelt, wird durch sie bald ausgeigelt. Nach Feierabend studiert sie, um argumentieren zu können, baurechtliche Vorschriften.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen brannte es schon mal in den leer stehenden Häusern.</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="569" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BF-Luehmann01.jpg" alt="" class="wp-image-49768" style="aspect-ratio:1.7575175065220376;width:700px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Parolen gegen den Investor am Bauzaun</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Schmunzeln dagegen sorgte der Auftritt eines Paares, das vor dem Bauzaun einer weißen Stretchlimousine entstieg. Sie, jung, platinblond mit riesigem Ohrgehänge. Im hautengen Minirock wollte sie auf roten hochhackigen Schuhen über die Baustelle trippeln, während er einen Kopf kleiner und dreißig Jahre älter war. Der Homburger ging noch, der Pelzmantel schleppte leicht durch die Pfützen. In seiner Rechten qualmte eine dicke Havanna, seine Lackschuhe wirkten geckenhaft. Kurz: Was wollte dieses stadtbekannte Paar auf der Baustelle? Sind das etwa die zukünftigen Nachbarn von Bielenbergs Kolonialwarengeschäft?&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine andere Episode: Vor den beiden Lühmanns&nbsp; bauten sich eines Tages zwei südländische Kerle in Schrankformat auf&nbsp; und wollten sie bedrohen. Doch die Lühmanns und ihre Mitstreiter ließen sich weder einschüchtern, noch entmutigen. Nach beinahe 10 Jahren Kampf hatten sie es dann endlich – halbwegs – geschafft. Das „Schmiedeviertel“&nbsp; haben sie gerettet, die Blankeneser Bahnhofstraße vor einer gesichtslosen 08/15 Bebauung bewahrt.<br><br>Der Neubau fiel sehr viel kleiner und niedriger aus als ursprünglich geplant. Doch obwohl beantragt und als Wohnungsbau (in einem Milieu-geschützten Wohnviertel) genehmigt, wurden – durch Abnicken des gesamten Senats &#8211; aus geplanten Wohnungen Amtsstuben des Finanzamtes. Damit gewann Kuhrt für 30 Jahre einen solventen und großzügigen Mieter, dem naturgemäß das Geld nie ausgeht.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Lühmanns Teestube&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während einer Wanderung durch Irland traf ein Hamburger Ehepaar zwei englische Wanderer. Man hielt ein Schwätzchen. „Where are you from?“ „Oh! From Hamburg? Then you must know Lühmanns tearoom! Isn’t it wonderful….?“ Eine wahre Geschichte!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fällt heute der Name „Lühmann“ in Hamburg, New York oder sonst&nbsp; wo auf der Welt, verbindet man damit die Teestube gleichen Namens &#8211; obwohl sie&nbsp; sich unspektakulär präsentiert.</p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile" style="grid-template-columns:45% auto"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="752" height="1024" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BF-Luehmann02-752x1024.jpg" alt="" class="wp-image-49769 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">Monika Lühmann und ihr Mann beschlossen nach den Aufregungen mit dem Schmiedeviertel (1988), ihrer Handelsfirma mit dem dazugehörigen Laden eine Teestube anzugliedern, wie das in England üblich ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Handel mit Wollartikeln und Fellen gibt es inzwischen nicht mehr, aber die Teestube, die längst zu einem Restaurant geworden ist, ist nicht mehr wegzudenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br>Lühmanns Teestube ist berühmt für Cream Tea, den selbst echte Briten rühmen.&nbsp; <br>Auch deshalb kommen Besucher aus der ganzen Welt. <br>Die gemütlich eingerichteten Stuben, die handgetöpferten Becher, die selbst gebackenen Obsttorten und Kuchen … </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind das Ambiente und die Leistung, die Lühmanns Teestube so einmalig machen. <br>Deshalb erhält sie immer wieder überschwängliche Artikel in der Presse und Empfehlungen in internationalen Reiseführern. Und auch das Gästebuch beweist es:</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">`Es schmeckt wie die Erinnerung an Kindheitstage, die man nie vergisst` hat einer hinein geschrieben&nbsp; Ein anderer kam noch deutlicher auf den Punkt: `Es ist, als ob man in eine andere Zeit hineintaucht`.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen hat die Teestube ein weiteres Standbein bekommen, das in Blankenese schon lange fehlte: Ein b&amp;b-Angebot. Für Uneingeweihte sei gesagt, dass es sich um drei geschmackvoll eingerichtete Wohnungen handelt,&nbsp; die als „bed &amp; breakfast“ offeriert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun sollte man meinen, Monika Lühmann sei mit ihrer gut laufenden Teestube und dem b&amp;b&nbsp; ausgelastet, hätte keine Zeit für weitere Aktivitäten. Weit gefehlt.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon bevor sie die Teestube hatten, führten Monika und Uwe (seit 1964 verheiratet) ein sehr gastfreies Haus, luden nicht nur Nachbarn, Freunde und Verwandte ein, sondern auch die Klassenkameraden ihrer Kinder und deren Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich setzte sich Monika Lühmann immer für andere ein. Das scheint ihre unerschöpfliche&nbsp; Batterie zu sein, denn sie selbst meint dazu: „Mein Gerechtigkeitsempfinden war wohl schon immer etwas stärker ausgeprägt, als bei anderen. Ich war Klassensprecherin, später Elternvertreterin!“ so die Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="590" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BFLuehmann.Roehr_.jpg" alt="" class="wp-image-49777"/><figcaption class="wp-element-caption">Röhr, Vorgänger von &#8222;Lühmanns Teestube&#8220;</figcaption></figure>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Deutsch-deutsche Patenschaft</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">1990 war das Jahr der deutschen Wiedervereinigung. Monika gehörte zu der Gruppe, die aus Blankeneser Bürgerverein, der Trachtengruppe des BMTV und dem Club der Sachsen in Hamburg bestand und Partnerschaft mit dem Dresdner Vorort Loschwitz suchte. Denn das ehemalige Fischerdorf am hohen Elbhang weist eine ähnliche Lage wie Blankenese auf und ist noch heute Besuchermagnet und bevorzugter Wohnort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es begann damit, dass die Loschwitzer nach der Wende um den Erhalt wertvoller Bausubstanz kämpfen mussten. Über einen Fernsehbeitrag erfuhren sie von Frau Lühmann, der Blankeneser Bürgerinitiative und ihrem erfolgreichen Widerstand und holten sich Rat in Blankenese. Bald trafen sich regelmäßig Gruppen aus den 600 km voneinander entfernt liegenden Vororten, um sich kennen zu lernen und auszutauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frau Lühmann war auch dabei eine der herausragenden Personen. Sie lud die Loschwitzer in ihre Teestube ein. Als die Partnerschaft nach Jahrzehnten zu versanden drohte, war sie mit dabei, die Kontakte&nbsp; zu reanimieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Blankeneser Bürgerverein schrieb über den Besuch der Loschwitzer im Mai 2011:&nbsp; <em>„Kaum, dass unsere Gäste aus Loschwitz ihre Zimmer im Hotel Behrmann bezogen hatten, traf man sich in der Teestube von Monika Lühmann. Das Wetter war angenehm und so saß ein Teil der Gäste draußen, was den Vorteil hatte, dass man ungestörte Gespräche führen konnte. ( &#8230; ) Heinz Lieven hatte Mühe, seine&nbsp; Gedichte und Geschichten von Hans Leip und anderen zu Gehör zu bringen. (&#8230;) Das Ehepaar Lühmann hatte dankenswerter Weise Getränke und Essen gesponsert. Unmengen von köstlicher Tomatensuppe wurden von Frau Lühmann gekocht und von Pastor Plank serviert. Ausreichend für eine Kaserne voller Soldaten, wie Monika Lühmann stolz bemerkte.“</em></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Rettet den Süllberg&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="572" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BFLuehmann.Suellberg-1024x572.jpg" alt="" class="wp-image-49778"/><figcaption class="wp-element-caption">Bürgerprotest mit Fackelzug am 29.3.1996</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 1990er Jahre verkaufte die Süllberg-Besitzerin Magrit Schulte-Haubrock Restaurant samt Grund und Boden an den Großinvestor Roland Ernst.&nbsp; Der Aufschrei der Hamburger, besonders aber der Blankeneser, war groß, als bekannt wurde, dass das von allen geliebte&nbsp; Restaurant-Ensemble abgerissen und statt dessen sechs Wohntürme im toskanischen Stil mit Eigentumswohnungen die höchste Anhöhe der Hansestadt zieren sollten. An der Spitze des Widerstandes stand Monika Lühmann, die wiederum nichts unversucht ließ, den Baufrevel zu stoppen. Höhepunkt der Proteste waren 25.000 gesammelte Unterschriften und ein Fackelumzug um den Süllberg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1995 platzten dann – auch aufgrund der Bürgerproteste – die Bebauungspläne. Im März 2000 kam es zur Verhaftung des Großinvestors Ernst aus Heidelberg. Zwei Monate später musste seine überschuldete Firma Insolvenz beantragen. Am 30.11. des gleichen Jahres begann sich die Kempinski-Gruppe für&nbsp; das noch immer existente historische Restaurant-Ensemble zu interessieren, bis dann die Dresdner Bank (sie finanzierte die Immobilie) Sternekoch Karl-Heinz Hauser&nbsp; für den Süllberg interessieren konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zur Einweihung des in altem Glanz wiedererstandenen Süllberg-Restaurants organisierte Monika Lühmann eine viel beachtete Ausstellung historischer Postkarten vom Süllberg und seiner Umgebung, die im großen Saal des Hauses präsentiert wurde. Gewissermaßen als Abschluss ihrer Aktivitäten, als Dankeschön an die Mitstreiter, aber auch als Einladung für alle zukünftigen Gäste.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>700-Jahrfeier</strong></p>



<div class="wp-block-media-text is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="1000" height="613" src="https://blankenese.de/wp-content/uploads/2026/04/BF-Luehmann4.jpg" alt="" class="wp-image-49771 size-full"/></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p class="wp-block-paragraph">2001 jährte sich die Ausstellung einer Pfandurkunde der Blankenese Fähre zum 700. Mal. Grund genug für&nbsp; eine Reihe engagierter Blankeneser, dies zum Anlass eines riesengroßen Festes zu nehmen. 10 Tage wurde die siebenhundert Jahre gefeiert. 250.000 Mark und viele geldwerte Leistungen waren für das Fest eingeworben worden. Über 70 Konzerte präsentierte man in Parks und sonstigen Gegebenheiten von Blankenese. <br>Monika Lühmanns Idee war es, den ehemaligen Hamburg-Süd-Frachter „Cap San Diego“ nach Blankenese zu holen. <br>Auch ein Zerstörer sowie ein Minensuchgeschwader machten während der Festtage am Bulln fest. <br>Natürlich war Frau Lühmann eine der herausragenden Persönlichkeiten, die zum Gelingen dieser großen Feier beitrugen.</p>
</div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Erinnern für die Zukunft&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Anschluss an die 700-Jahrfeier wurde einigen Blankenesern&nbsp; schmerzhaft bewusst, dass eines wichtigen Abschnitts der Blankeneser Vergangenheit gar nicht gedacht worden war, nämlich der unseligen Nazizeit mit der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung auch von Blankeneser Bürgern. Vier Frauen und vier Männer gründeten daraufhin den „Verein zur Erforschung der Geschichte der Blankeneser Juden“. Eine der Frauen war – natürlich &#8211; Monika Lühmann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon 2004 konnte mit Hilfe zahlreicher Sponsoren die Ausstellung „Viermalleben – Jüdisches Schicksal in Blankenese“ realisiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Text einer Gedenktafel in der Blankenese Kirche „Erinnern für die Zukunft“ war auch das Motto der Ausstellung Genau darum ging es den Initiatoren: „an das Kapitel jüdischer Geschichte in Blankenese zu erinnern, das zwar zeitlich in der Vergangenheit liegt, dessen Wichtigkeit für die Gegenwart jedoch nicht zu unterschätzen ist.“ Deshalb hatten die Mitglieder der Gruppe das Schicksal von vier geachteten Blankeneser Bürgern ausführlich dokumentiert, die von heute auf morgen ausgegrenzt, verfolgt und in den Tod getrieben oder umgebracht wurden, nur weil sie Juden waren. Die Ausstellung konfrontierte zusätzlich mit 150 weiteren jüdischen Schicksalen. Sie war konzipiert vom bekannten Historiker Johannes Heer (Wehrmachtsausstellung) und gestaltet von Stardesigner Peter Schmidt. Sehr treffend wurde sie charakterisiert als „makellos in der Form und verstörend in der Wirkung“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die sechswöchige Ausstellung im Gemeindesaal der Blankeneser Kirche und im Jahr darauf in der Handelskammer Hamburg sorgte für weltweites Echo. Es meldeten sich auch zahlreiche Überlebende der Shoa aus aller Welt, die als Kinder oder Jugendliche zwischen 1946 und 1948 auf dem Warburg-Gelände liebevolle Betreuung und Vorbereitung auf ein Leben in Israel erfahren hatten. Sie standen zum Großteil noch immer in Kontakt zu einander und bezeichneten sich als „Kinder von Blankenese“. Wer hatte die Idee, diese Menschen 60 Jahre später noch einmal nach Blankenese einzuladen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um es kurz zu machen: <em>Der Verein zur Erforschung der Geschichte der Blankeneser Juden</em>&nbsp; gemeinsam mit der <em>Deutsch-Israelischen Gesellschaft</em> sorgte für Sponsoren, lud die „Kinder von Blankenese“ für eine Herbstwoche des Jahres 2005 ein und stellte ein so attraktives Programm zusammen, dass sich zu viele Betroffene meldeten. So plante man eine zusätzliche Einladung für 2006. Neben offiziellen Empfängen und Essen, Museumsbesuchen, Rundfahrten zu Wasser und zu Lande, neben einem Besuch in Bergen-Belsen, Vorträgen der Gäste in Blankeneser Schulen usw. lud Monika Lühmann die jeweils über 50 Gäste zu einem Abendessen in ihre Teestube. Mit ihrem warmherzigen Empfang und der großzügigen Gastfreundschaft haben Monika Lühmann und ihre Mitstreiter den „Kindern von Blankenese“&nbsp; eine beeindruckende Woche geboten.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Bewahrt das Mühlenberger Loch</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Jahren 2001 bis 2004 ließ die Stadt Hamburg 170 ha des Mühlenberger Lochs als Erweiterungsareal für Airbus-Industries (EADS) aufschütten. Da es sich um eine seltene und naturgeschützte Süßwasser-Wattregion handelte, gab es heftige Proteste gegen das Bauvorhaben, besonders am südlichen Elbufer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Monika Lühmann versuchte, die Gegner der gigantischen Erweiterung am nördlichen Elbufer zu sammeln und mit den Aktivitäten der Cranzer und Neuenfelder zu koordinieren.&nbsp; Sie erwarb vom Neuenfelder Bauern Quast &#8211; wie neunundneunzig andere Gegner auch &#8211; ein symbolisches Grundstücksteil von einem Quadratmeter, das im Bereich der geplanten Startbahnerweiterung lag. Es hat das Bauvorhaben nicht stoppen können. Nach der Enteignung wurde&nbsp; Frau Lühmann mit 26,50 €&nbsp; vom Hamburger Staat entschädigt.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Bahnhofsbebauung&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die geplante Bahnhofsbebauung, die eine unendliche Geschichte hinter sich hatte, auf dem Kulminationspunkt angelangt war, versuchte die Baugesellschaft Monika Lühmann als Vermittlerin zwischen sich und den Protestgruppen zu gewinnen. 5.000 DM Aufwandsentschädigung sollte sie monatlich für ihre Bemühungen erhalten, was die aufrechte Monika jedoch ablehnte.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei waren die für Blankenese geplanten Räumlichkeiten ausgesprochen verlockend: Das Konservatorium sollte hier seine Heimat finden, ein 1.000 Quadratmeter großer Konzertsaal entstehen,&nbsp; der Verband der Pianisten wollte nach Blankenese ziehen , genau so wie die Audio School of Ingeneering aus Australien. Alles wegen des großen Saals. Doch dann löste sich dieser Teil der Planung auf, weil sich die Audio School zurückzog und sich dadurch der Bau des großen Saals für Mieter nicht mehr rechnete.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">Quellenangabe:<br>Interview mit Monika Lühmann<br>Mehrere Handzettel der Bürgerinitiative Blankeneser Bahnhofstraße (1985)<br>Hamburger Kloenschnack, Januar 1985</p>
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