Blankenese im Gespräch

Das Schmilinsky Stift in blankenese

Wohnen im Alter – selbständig, aber nicht allein

Susanne Schroeder, Dr. Ilka Braunschweig-Kühl Foto: Vera Klischan

Ein Stift für „unversorgte ältere Damen“ – das ist die Wohnanlage der Schmilinsky-Stiftung längst nicht mehr. Ein kleines Juwel mitten in Blankenese gegründet von Heinrich Schmilinsky im Jahr 1895. Nicht mehr nur ältere Damen finden ein behagliches Zuhause in den Häusern der Stiftung, auch Herren haben mittlerweile Zugang zum Stift in der Frahmstraße. 

Vera Klischan hat sich mit Susanne Schroeder, der Geschäftsführerin der Stiftung, und Dr. Ilka Braunschweig-Kühl, Vorsitzende des Vorstands, unterhalten.

Liebe Frau Schroeder, Sie sind die Geschäftsführerin der Schmilinsky Stiftung. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Per Zufall! Eigentlich bin ich Juristin. Hier im Schmilinsky-Stift arbeite ich seit 2013, nachdem eine Dame aus dem Vorstand mich darauf angesprochen hatte. Zunächst habe ich mich um die Hausverwaltung und Vermietung gekümmert.  Als die Hausleitung und soziale Betreuung ausfiel, habe ich diese Stelle mit übernommen

Die Geschäftsführung ist eine Vollzeitstelle mit vielfältigen Aufgaben, wie z.B.  die Haus- und Grundstücksverwaltung, Finanzen, die soziale Betreuung, sowie die Gestaltung des Kultur- und Weiterbildungsprogramms und auch die Begleitung bei Kulturausflügen. Der Kontakt und die persönliche Beziehung zu den Bewohnern sind sehr wichtig. 

Die Aufgabe im Stift ist vielseitig. Vor allem die Betreuung der Senioren und Seniorinnen macht sehr viel Freude. Man kann viel von den Damen und Herren lernen. Es ist geballte Lebenserfahrung, die uns hier begegnet.

Das Haus an der Frahmstraße

Das Schmilinsky Stift verdankt seine Existenz Carl Heinrich Schmilinsky, der 1889 sein großes Vermögen der Stadt Hamburg für eine Stiftung vermachte, um „unversorgten Frauen“ ein Zuhause zu geben? Wirkt der Geist dieses vorausschauenden Mannes nach?

Das alte Schmilinsky Stift entstand von 1894 bis 1895 in der Schmilinskystraße in St. Georg, entworfen vom Architekten Emil Meerwein, der auch Architekt der Laeiszhalle in Hamburg ist. Dort nahm alles seinen Anfang. Alte Damen sollten im Alter abgesichert sein und jungen Mädchen ohne familiären Schutz Hilfe bei der Berufswahl gegeben werden. Im Dezember 1953 wurde der erste Spatenstich für die heutige Wohnanlage in der Frahmstraße gesetzt. Es war ein Damenstift und bis vor kurzem beharrten tatsächlich einige Damen auf der Beibehaltung dieses Zustandes. Im Rahmen der Emanzipation gibt es jetzt auch Herren. Das gestaltet sich etwas schwieriger, weil die Herren sich oft nicht so gut versorgen können. 

Was für ein Haus ist das Schmilinsky Stift?

Normalerweise wohnen hier 70 Seniorinnen und Senioren. Zurzeit sind es wegen des Umbaus nur 50. Alle Bewohner und Bewohnerinnen leben in abgeschlossenen Wohnungen. Sie gehen einkaufen und versorgen sich selbständig. Bemerkenswert ist auch, dass die Bewohnerinnen zu einem großen Teil länger als 10 Jahre hier wohnen, viele leben hier seit 20 Jahren.

Wir organisieren ein Kultur- und Freizeitprogramm, was von der langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Astrid von Beckerath ins Leben gerufen wurde. Vor Corona haben wir viermal im Jahr Konzerte des Vereins „Yehudi Menuhin Live Music Now“ im Haus haben dürfen. Darüber hinaus gab es auch kleinere Konzerte und Aufführungen von Musiklehrern, Studenten oder auch Verwandten von Bewohnerinnen und Bewohnern. Dazu gibt es jahreszeitenbezogene Essen vom Freundeskreis organisiert, z.B. einen Osterbrunch, Matjesessen, am Reformationstag traditionell Kürbissuppenessen, Oktoberfest und ein Bratapfelessen mit Flötenkonzert und Lesung. Die Stiftung selbst lädt zum Neujahrskonzert, zum Sommerfest und zu einer Weihnachtsfeier ein. Es wird ein Kulturprogramm angeboten, das regelmäßig wahrgenommen wird. Auch private Treffen in der Wohnanlage finden statt. Einigen gelingt es, neue Freundschaften zu schließen und gemeinsam etwas zu unternehmen.  Wir sind Ansprechpartner für diverse Fragen, z.B. gesundheitliche Tipps. Oft geht aber einfach um Zuwendung und Unterstützung. 

Eine wichtige Rolle spielt auch der Hausmeister, der täglich im Stift ist. Zweimal pro Woche fährt er die Bewohnerinnen zum Einkaufen. Seine Hilfe geht weit über die Instandhaltung des Gebäudes hinaus. Alle Bewohner und Bewohnerinnen sind durch einen Hausnotruf bei den Johannitern in ihren Wohnungen abgesichert.

So fing es 1895 in St. Georg an

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um hier Aufnahme zu finden? Gibt es Wartelisten?

Das ideale Eintrittsalter liegt zwischen 60 und 70 Jahren. Die Nachfrage ist so groß, dass es eine Warteliste gibt. Aber in der Regel wird in absehbarer Zeit eine geeignete Wohnung frei. Die Bewerber und Bewerberinnen müssen gesund genug sein, um sich selbst zu versorgen. Darüber hinaus müssen sie bereit für eine gute Zusammenarbeit im Schmilinsky Stift sein. 

     „Man kann viel von den Damen und Herren lernen.
Es ist geballte Lebenserfahrung.“

Welche Angebote machen Sie den Bewohnern?

Vom Haus gibt es ein Kunst- und Kulturprogramm, das Führungen in nahezu jede Ausstellung umfasst. Zweimal im Jahr wird eine Tagesfahrt, z.B. ins Nolde Museum oder nach Lübeck angeboten.  Diese kleinen Reisen für einen Tag werden finanziell vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und vom Freundeskreis der Stiftung unterstützt. Für einige Bewohner und Bewohnerinnen ist diese Unterstützung die Voraussetzung für die Teilnahme, da sie von Grundsicherung nahe der Armutsgrenze leben.  Wir freuen uns über Unterstützung von anderen Stiftungen und der Niederländischen Armenkasse, die kulturelle Veranstaltungen mitfinanzieren. Auch der Freundeskreis der Schmilinsky Stiftung, in dem auch viele Bewohner und Bewohnerinnen selbst Mitglied sind, ermöglicht viele Unternehmungen.   

Ein wöchentliches Fitnesstraining, Qigong, ein englischsprachiger Literaturkurs, Gedächtnistraining, Chorgesang mit Karin Klose – all das sind Angebote, die die Bewohner wahrnehmen können. Die Kurse werden von der Stiftung subventioniert. Auch Auswärtige können mitmachen, die dadurch ebenfalls zur Finanzierung beitragen. Konzerte, Museen, Stadtteilanbindung, Anregung durch „Menschen von außen“, jahreszeitliche Feste machen den abwechslungsreichen Alltag in der Wohnanlage aus. Bewohner und Bewohnerinnen, die gesund und fit sind, können auch Aufgaben übernehmen, z.B. Blumendienst oder die Organisation von Lesungen oder Filmabenden. Die Gemeinschaftsräume werden gern für Feiern genutzt, genau wie die Bibliothek, in der gemeinsam ferngesehen wird. 

Wie hat sich Corona auf die Situation im Haus ausgewirkt?

Glücklicherweise hatten und haben wir keinen Coronafall im Haus. Während des Lockdowns gab es auch bei uns eine Besuchersperre. Man konnte den Besuch draußen empfangen.  Ein neues Phänomen war die hohe Zahl an Paketen, die uns täglich erreichte. Es waren bis zu 50 Bestellungen pro Tag. Gelegentlich hatten wir mit Uneinsichtigkeit bezüglich der Regeln zu kämpfen. Das Tragen der Maske war bedingt durch Hörgeräte für einige Bewohner problematisch. Alle Aktivitäten wurden soweit möglich nach draußen verlagert. 

Was ist am schwierigsten, was am schönsten an Ihrer Arbeit?

Die Einsamkeit vieler Bewohner und Bewohnerinnen! Man fühlt sich verantwortlich, ist in manche einsame Situation involviert. Da ist Abgrenzung wichtig, um nicht in eine persönliche Verantwortung für einzelne Menschen zu rutschen. Die Neutralität zu allen Bewohnern und Bewohnerinnen ist eine wichtige professionelle Voraussetzung unserer Arbeit.

Beglückend ist die Freude über Zuwendung, die wir ihnen schenken, interessante Gespräche über Privat- und Berufsleben, tolle Ideen von Bewohnern, die sie in die Programmgestaltung einbringen. Eigeninitiative und kreativer Input freuen uns und erleichtern die Arbeit.

Aber vor allem – die Dankbarkeit vieler Bewohner und Bewohnerinnen! 

Wie sieht die Zukunft für Ihr Haus aus?

Wir bekommen einen Neubau und verfügen dann über insgesamt 139 Wohnungen. Unsere Kapazität wird verdoppelt. Die Wohnungen sind barrierefrei und haben größere Bäder als bisher. Der gesamte Altbestand wird abgerissen. Das ganze Bauprojekt entsteht in Kooperation mit der Erna Bauer-Stiftung, insgesamt 88 Sozialwohnungen und 51 frei finanzierte.  

In zwei Jahren soll der erste Bauabschnitt fertiggestellt sein.

Liebe Frau Schröder, liebe Frau Dr. Ilka Braunschweig- Kühl, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch! 

ein Blick auf den geplanten Neubau:

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