17. Dezember

abends
Eine WunschlistenIdee

16. Dezember

Meditation

Ich bin keine religiöse Natur.
Aber an Gott, an Christus muß ich immerfort denken, an Echtheit, an Leben, an Freiheit und Barmherzigkeit liegt mir sehr viel.
Nur sind mir die religiösen Einkleidungen so unbehaglich.

Dietrich Bonhoeffer
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winterlich - in Deutschland

15. Dezember

Kein Mann sollte heiraten, ehe er nicht Anatomie studiert und mindestens eine Frau seziert hat.

Honoré de Balzac

14. Dezember

Rosen

Der Engel der Langsamkeit

Ein Engel hat immer für dich Zeit, | das ist der Engel der Langsamkeit.
Der Hüter der Hühner, Beschützer der Schnecken, | hilft beim Verstehen und beim Entdecken,
schenkt die Geduld, die Achtsamkeit, | das Wartenkönnen, das Lang und das Breit.

Er streichelt die Katzen, bis sie schnurren, | reiht Perlen zu Ketten, ohne zu murren.
Und wenn die Leute über dich lachen | und sagen, das musst du doch schneller machen,
dann lächelt der Engel der Langsamkeit | und flüstert leise: Lass dir Zeit!
Die Schnellen kommen nicht schneller ans Ziel. | Lass den doch rennen, der rennen will!

Ein Engel hat immer für dich Zeit, | das ist der Engel der Langsamkeit.
Der Hüter der Hühner, Beschützer der Schnecken, | hilft beim Verstehen und beim Entdecken,
schenkt die Geduld, die Achtsamkeit, | das Wartenkönnen, das Lang und das Breit.

Er sitzt in den Ästen von uralten Bäumen, | lehrt uns den Wolken nachzuträumen,
erzählt vom Anbeginn der Zeit, | von Sommer, von Winter, von Ewigkeit.
Und sind wir müde und atemlos, | nimmt er unsern Kopf in seinen Schoß.
Er wiegt uns, er redet von Muscheln und Sand, | Von Meeren, von Möwen und Land.

Ein Engel hat immer für dich Zeit, | das ist der Engel der Langsamkeit.
Der Hüter der Hühner, Beschützer der Schnecken, | hilft beim Verstehen und beim Entdecken,
schenkt die Geduld und Achtsamkeit, | das Wartenkönnen, das Lang und das Breit.

Jutta Richter

13. Dezember

Geräusche

Gespräch mit einem Engel

Ein Geräusch in der Luft, wie von großen Maschinen:
‚Sagen Sie mal – lässt sich das nicht abstellen?‘
‚Damit kann ich leider nicht dienen.
Das ist das Stöhnen Gottes beim Betrachten seiner Welten.
Das heißt: Manchmal lacht er auch über sie. Aber selten.‘

Robert Gernhardt

12. Dezember

Charakterbildung

Qualität ist der stärkste Feind jeder Art von Vermassung. Gesellschaftlich bedeutet das den Verzicht auf die Jagd nach Positionen, den Bruch mit allem Starkult, den freien Blick nach oben und nach unten, besonders was die Wahl des engeren Freundeskreises angeht.

Dietrich Bonhoeffer

11. Dezember

unscharf eben

Du kannst dich nicht auf deine Augen verlassen,
wenn deine Vorstellungen
unscharf sind.

Mark Twain

 

10. Dezember

Rückblick

Ich breche die Brücken hinter mir ab. Man verliert dann keine Zeit mit Rückblicken, wo es schon genug Mühe macht, die Augen nach vorn zu richten. Es gibt also keine andere Wahl, als vorwärts zu gehen.

Fridtjof Nansen

9. Dezember

in manchen Kirchen: Weihnachten im Advent

Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation, sondern er ist eine Lebenskraft,
eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignierten, eine Kraft, den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint, eine Kraft, Rückschläge zu ertragen, eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner läßt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.
Es gibt gewiß auch einen dummen, feigen Optimismus, der verpönt werden muß. Aber den Optimismus als Willen zur Zukunft soll niemand verächtlich machen, auch wenn er hundertmal irrt. Er ist die Gesundheit des Lebens, die der Kranke nicht anstecken soll.

Es gibt Menschen, die es für unernst, Christen, die es für unfromm halten, auf eine bessere irdische Zukunft zu hoffen und sich auf sie vorzubereiten. Sie glauben an das Chaos, die Unordnung, die Katastrophe als den Sinn des gegenwärtigen Geschehens und entziehen sich in Resignation oder frommer Weltflucht der Verantwortung für das Weiterleben für den neuen Aufbau, für die kommenden Geschlechter.

Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.

Dietrich Bonhoeffer

 

8. Dezember

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Antoine de Saint-Exupéry

7. Dezember

Es gibt noch eine andere Sicht auf die Wetterlage....

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke

6. Dezember

Eine Geschichte über den Bischof Nikolaus
Vor mehr als 1500 Jahren gab es in der Hafenstadt Myra eine herrliche Kirche. Täglich kam hier eine große Gemeinde zusammen, um mit Bischof Nikolaus den Gottesdienst zu feiern. Die Leute hatten ihren Bischof gern. Es war freundlich und gut zu ihnen, hörte sich ihren Kummer an und half, wo er konnte.
Eines Tages waren besonders viele Menschen in das reichgeschmückte Gotteshaus gekommen. Sie waren sehr bedrückt, denn seit Wochen schon herrschte bittere Hungersnot im ganzen Land. Die heiße Sonne Kleinasiens hatte die Ernte verbrannt, noch ehe man sie einbringen konnte. Man wartete auf Getreideschiffe, die eine Ladung Weizen bringen sollten. Jetzt, wo ihre Not am größten war, beteten die Leute für eine sichere Ankunft der Schiffe.
Ein paar Kinder standen am Kai und sahen angestrengt in die Ferne. Ein dunkler Punkt war am Horizont sichtbar, und je mehr die Kinder dorthin starrten, um so größer schien er zu werden. Sollten das etwa die Getreideschiffe sein?
Die ersten Gläubigen kamen aus der Kirche. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht, dass Schiffe auf den Hafen zusteuerten. Endlich die ersehnte Rettung.
Plötzlich machte sich Unruhe breit: Einige Jungen hatten entdeckt, dass sich vor die schwerbeladenen Segler kleine, schnellere Schiffe schoben. Sie kamen rasch näher und bildeten fast eine Kette in der Hafeneinfahrt. "Die Seeräuber! Piraten!" Der Schrei verhallte und ließ die Menschen erstarren.
Ein Boot aus der Reihe steuerte auf den Kai zu. Verzweifelt standen die Menschen da und warteten auf die Bedingungen des Kapitäns: "Eure Schiffe werden gekapert! Es sei denn, ihr bezahlt mit Gold. Aber ein Boot, voll bis an den Rand, versteht ihr?"
Erschrecktes Raunen ging durch die Menge. Gold gab es schon lange nicht mehr in Myra. Fast alles hatte man ausgegeben für Brot. Alle eilten, um ihre letzten Ersparnisse und Schmuckstücke zu holen. Doch nicht einmal den Boden eines Bootes konnte man damit bedecken.
Mütter riefen: "Seid doch barmherzig, denkt an unsere Kinder. Wir haben nichts mehr zu essen. Laßt wenigstens ein Schiff durch!" "Kinder? Das ist eine Idee!" lachte der Seeräuber höhnisch. "Dann bringt die Kinder! Gesunde kräftige Burschen kann man gut als Sklaven verkaufen. Für jedes Pfund Gold, das fehlt, nehmen wir ein Kind mit. Dann lassen wir die Schiffe rein."
Starr vor Schreck sahen sich die Leute an. Manche fingen an zu weinen, und die Frauen hielten ihre Kinder fest an der Hand. "Na, was ist? In einer Stunde sind die Jungen da. Wir haben keine Zeit zu verlieren.!"
Keiner rührte sich. Verzweifelt drehten sich die Leute zu ihrem Beschützer, dem Bischof Nikolaus um. Aber der war verschwunden.

Doch da sahen einige, wie er zurückkam. Er zog einen Karren hinter sich her. Und darauf lag alles, was die Kirche an Schätzen besaß: die goldenen Kelche, die Leuchter, die Kreuze mit Edelsteinen. Was er an wertvollen heiligen Geräten finden konnte, hatte Nikolaus in Eile zusammengerafft. Er bot sein Gut den Räubern an. Schnell war man einig - keine Kinder, keine Sklaven, das reichte.
Arm und kahl war nun die Kirche. Aber die Bewohnner von Myra konnten bald ihre Getreidesäcke ausladen. Nun war wieder Korn da zum Brotbacken, und keiner mußte mehr Hunger leiden.
So war Nikolaus:
Er hat die Kirche arm gemacht und die Menschen glücklich.

5. Dezember

nicht egal

Eigentlich

könnte es uns egal sein
dass einst der bischof
einer hungernden hafenstadt
kinder mit essen versorgte
aber es ist die erinnerung an
ängste und träume
schiffe und sehnsucht
beten und wunder
die uns diese geschichte
gerade im advent
nächtens und liebevoll 
vor die tür und 
in die schuhe schiebt

Hinrich C. G. Westphal

4. Dezember

... jetzt, wo es um Geschenke geht ...

Kinderzeichnung

Du hattest ein viereck gemalt, 
darüber ein dreieck, 
darauf (an die seite) zwei striche mit rauch - 
fertig war
DAS HAUS

Man glaubt gar nicht, 
was man alles 
nicht braucht.

Reiner Kunze

3. Dezember

Angenehme Vorstellung von Dingen,
die noch nicht sind, aber sein werden,
zum Beispiel im März,
wenn wieder mal keine einzige Knospe zu sehen ist,
während doch am Abend der Amselsturm sich erhebt.
Blüten aus Terzen, Blätter aus Quinten, Sonne aus Trillern,
ganze Landschaften aus Tönen aufgebaut.
Frühlingslandschaften,
rosa-weiße Apfelbäume vor blauen Gewitterwolken,
Sumpfdotterbäche talabwärts,
rötlicher Schleier über den Buchenwäldern,
Sonne auf den Lidern, Sonne auf der ausgestreckten Hand.
Lauter Erfreuliches,
was doch auch in anderer Beziehung,
zum Beispiel in der Beziehung der Menschen zueinander,
eintreten könnte,
Freude, Erkennen.
Amselsturm hinter den Regenschleiern,
und wer sagt, dass in dem undurchsichtigen Sack Zukunft
nicht auch ein Entzücken steckt?
 
Marie-Luise Kaschnitz

2. Dezember - 1. Advent

im Oberengadin gesehen - Foto: H. Tiddens

Die alte Kirchenuhr
schlägt schwerfällig
die Augenblicke
aus dem Gefüge
der Zeit
und übergibt sie
der Schatzkammer
der menschlichen Geschichte.

Quelle unbekannt

1. Dezember

Kommunikation

Reichtum und Schnelligkeit ist, was die Welt bewundert und wonach jeder strebt; Eisenbahnen, Schnellposten, Dampfschiffe und alle möglichen Fazilitäten der Kommunikation sind es, worauf die gebildete Welt ausgeht, sich zu überbieten, zu überbilden und dadurch in der Mittelmäßigkeit zu verharren.

Johann Wolfgang von Goethe

 

Zum 1. Advent

Dunkel ist es geworden
die Gewalt feiert neue Exzesse
die Unterdrückung nimmt kein Ende
die Fremdenfeindlichkeit zieht Kreise
Unsere erste Adventskerze
leuchtet hoffnungsvoll in diese Ohnmacht hinein
sie nährt unsere Friedenshoffnung

Kalt ist es geworden
erstarrte und bedrückende Arbeitsbeziehungen
entsetzte und verunsicherte Kinderaugen 
entmündigte und ausgebeutete Menschen 
Unsere erste Adventskerze 
scheint vertrauensvoll in diese Härte hinein
sie verstärkt unsere Friedenskraft
Dein göttliches Licht
scheint durch alle, die Frieden suchen
in jedem Augenblick.

aus: Friedenslichter von Pierre Stutz

 

Ilsabe H.