13. Dezember

... Warum nicht!?!?!?! Bild im Bunten Haus

Wollen wir in Frieden leben,

muß der Friede

aus uns selbst kommen.

 

Jean-Jacques Rousseau

12. Dezember

Ein Schiff, das auf dem Fluss groß ist, ist winzig auf dem Meer.

Lucius Annaeus Seneca

11. Dezember

zu der unten zu sehenden Kopfbedeckung...

Zerlumptes Kleid bringt kleinen Fehl ans Licht, Talar und Pelz birgt alles.

William Shakespeare

10. Dezember

Schweißarbeiten: Damit es gut wird - mit dem Schiff

Ein neuer Imperativ

Handle so,
dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind
mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.

Hans Jonas

9. Dezember

Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können
Und doch sein wie ein Baum
Als bliebe die Wurzel im Boden
Als zöge die Landschaft und wir stünden fest
Man muss den Atem anhalten
Bis der Wind nachlässt
Und die fremde Luft
Um uns zu kreisen beginnt.
Bis das Spiel von Licht und Schatten
Von Grün und Blau
Die alten Muster zeigt
Und wir zu Hause sind
Wo es auch sei
Und niedersitzen können und uns anlehnen
Als sei es an das Grab unsrer Mutter

Hilde Domin

8. Dezember

soviel zum Stichwort "Askese"

Vielleicht müssen wir einem alten Wort neue Ehre geben, dem Wort „Askese“, Askese oder Bescheidenheit als politische Tugenden. Es ist hier nicht eine Opferaskese gemeint, die dem Menschen befiehlt, das Beste von seinem Leben einem hungrigen Gott zu gehen. Mit dem Begriff Askese war immer der Gedanke der Freiheit verbunden. Der freiwillige Verzicht sollte die Menschen davor bewahren, Sklave der Welt zu werden: Sklave des Geldes, des Essens und Trinkens, seiner Sexualität. Zugegeben, das alte asketische Denken war prinzipiell misstrauisch gegen die Freude am Leben. Es gibt aber eine Askese, die der Freiheit und der Lust am Leben dient. Diese Askese lehrt uns, neue Fragen zu stellen: Welchen Ort muss ich nicht sehen, damit ich andere Orte mit offenen Augen sehen kann? Welches Buch muss ich nicht lesen, damit ich andere Bücher mit wachem Geist lesen kann? Was muss ich nicht haben, damit meine Lust an den Dingen wächst, die ich habe? Welchen Lebenskuchen muss ich nicht essen, damit meine Lust am Lebensbrot wächst? „Überflüssige Dinge machen das Leben überflüssig“, sagt Pasolini. Wir brauchen eine Askese, die die Sinnenhaftigkeit des Lebens erhöht. Man kann Askese und Sinnlichkeit zusammendenken. Sinn und Sinnlichkeit hängen nicht nur im Wortstamm zusammen. Es gibt keinen Lebenssinn ohne die Erfahrung der Sinnlichkeit des Lebens.

Fulbert Steffensky

7. Dezember

gemeinsam warten

Wer sich heute freuen kann,

der soll nicht bis morgen warten.

 

 

Johann Heinrich Pestalozzi

6. Dezember

auch ein Nikolaus kommt selten allein...

statt "Nikolaus" - Doppelspitze als Thema

Wer an die Spitze will,

muss es auf die Spitze treiben.

 

Heimito Nollé

5. Dezember

neue Antworten z.B. mit "malen" bekommen

Über die Unfruchtbarkeit

Der Obstbaum, der kein Obst bringt
Wird unfruchtbar gescholten. Wer
Untersucht den Boden?

Der Ast, der zusammenbricht
Wird faul gescholten, aber
Hat nicht Schnee auf ihm gelegen?

Berthold Brecht

4. Dezember

Der Baum

Zu fällen einen schönen Baum, 
braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert, 
braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert.

Eugen Roth

3. Dezember

oder mit Geduld

Der Radwechsel

Ich sitze am Straßenrand.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel 
Mit Ungeduld

Berthold Brecht

2. Dezember

Bei manchen hängen schon die Weihnachtsbäume...

Gebet eines älter werdenden Menschen (Old Nun's Prayer)

O Gott, Du weißt besser als ich, daß ich von Tag zu Tag älter und eines Tages alt sein werde.
Bewahre mich vor der Einbildung bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich, aber nicht grüblerisch, hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.
Bei meiner ungeheuren Ansammlung von  Weisheit erscheint es mir ja schade, sie nicht weiterzugeben – aber Du verstehst, o Gott, daß ich mir ein paar Freundinnen erhalten möchte.

Bewahre mich vor Aufzählung endloser Einzelheiten und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,  mir die Krankheitsschilderungen anderer mit Freuden anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen. Lehre mich die wunderbare Weisheit, daß ich mich irren kann.

Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte keine Heilige sein – mit ihnen lebt
es sich so schwer – aber eine alte Griesgrämin ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken, und verleihe mir,
o Gott, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

Stammt aus dem englischen Sprachraum des 17. Jhs., ist als »Old Nun's Prayer« bekannt;
wird jedoch auch Teresa von Avila zugeschrieben

1. Dezember - 1. Advent

den Blick heben

Für eine nachdenkliche Adventzeit: 

Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen;
mein sind die Jahre nicht,
die etwa mögen kommen;
der Augenblick ist mein,
und nehm ich den in acht,
so ist der mein,
der Zeit und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius
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mit einer Lichtquelle aus dem Museum für Kunst und Gewerbe

Ilsabe H.