Blankenese miteinander

eine aktuelle Notiz und die Historie des Fischerhauses

Fischerhaus anno 1967
Fischerhaus anno 1967

Die Spinkenhof GmbH teilte mit, dass sie im Oktober das Fischerhaus einhausen wird, um während des Winters, das Reetdach neu zu decken.

Außerdem soll jetzt damit begonnen werden, die schädliche Latexfarbe vom Mauerwerk zu entfernen.

Endlich soll es losgehen, damit dieses alte Haus wieder wie ein Zuhause für viele Blankeneser werden kann.

Nachricht von Ronald Holst (7.10.2020)

Die Geschichte des Fischerhauses

(verfaßt von Ronald Holst – 2006)

Am 6. Dezember 1927 erwarb der Magistrat der Stadt Altona das Dreehus, Elbterrasse 6, als Blankeneser Heimatmuseum. Sollte dies eine Versöhnungsgeste sein? Vorausgegangen waren im Sommer 1927 Wellen der Empörung wegen Altonas „feindlicher Übernahme“ von Blankenese – und wegen des ungenierten Ausweidens der frisch erworbenen Gemeinde. Denn stante pede verkaufte Altona Teile der Blankeneser Parks als Bauland, um mit den außerordentlichen Erträgen Altschulden der Stadt zu tilgen.

Mit dem Museums-Projekt wurde den Blankenesern tatsächlich ein lang gehegter Herzenswunsch erfüllt. Schon das Blankeneser Adressbuch von 1889 gibt eine Museumsadresse in Krögers Hotel an. Buchhändler Carl Roth hatte diese Altertümer-Sammlung aufgebaut, die bei einem Brand 1910 vernichtet wurde.

Nach 1910 nahm sich Gustav Kirsten (1846 – 1933) der Sammlung an. Er hatte einen phantastischen Dreh gefunden, die skeptischen Blankeneser zu überzeugen, ihm Exponate zuzusagen. „Geschenklisten“ wurden ausgelegt, in die man eintrug, was man dem Museum spenden wollte. Nach 10 Wochen waren schon 580 Exponate angekündigt worden. Bis Ende der 20er Jahre hatte Kirsten sogar über 1.000 Exponate physisch beisammen. Doch das geplante Museum wurde weiter als Wohnhaus vermietet. Als Kirsten sein Ende nahen sah, übergab er die aus ca. 1.050 Stücken bestehende Sammlung 1933 dem Altonaer Museum mit der Bitte, alle Exponate bei Fertigstellung des Museums nach Blankenese zurückzugeben. Noch im gleichen Jahr starb er.

Es sollten 40 Jahre vergehen, ohne dass sich etwas tat. Da entdeckte Karl-Heinz Krahn, Blankeneser Ortsamtsleiter, den Magistratsbeschluss von 1927. Sofort versuchte er, den Faden aufzudröseln. Doch die Stadt, jetzt war es Hamburg, hatte selbst für eine kleine Außenstelle des Altonaer Museums kein Geld. Zu dieser Zeit plante die Arbeits- und Sozialbehörde ein Netz von Altentagesstätten. Man kam auf die Idee, beide Nutzungen unter einen Hut zu bringen: im stadteigenen Fischerhaus eine Altentagesstätte und ein Museumszimmer einzurichten. Da es allerdings auch dafür kein Budget gab, musste die Realisierung von neun privaten Spendern bezahlt werden. Die Grundausstattung des Blankeneser Zimmers in Form von 5 Exponaten stellte das Altonaer Museum – leihweise – zur Verfügung. Hamburgs Erster Bürgermeister a. D. Max Brauer eröffnete die Einrichtung am 30. Juni 1967.

Inzwischen ist aus der Altentagestätte der „Treffpunkt Fischerhaus“ geworden. Mit Computer-, Literatur-, Sprach- und Männer-Kochkursen, wo Bridge gespielt, Gymnastik betrieben sowie gemalt wird und wo „Zeitzeugen“ ihren nächsten Auftritt vor Schulklassen planen.

Geleitet wird der Treffpunkt von der Blankeneser „Kirche am Markt“, für den Unterhalt des Gebäudes sorgt die Sozialbehörde. 

(Foto: Die Smutjes vor dem Fischerhaus – April 2006)

Das Museumszimmer wurde seit 1967 durch zahlreiche private Spenden ergänzt. Seit 2003 hat sich der Förderkreis „700 Jahre Blankenese“ (nach 2001:: „Förderkreis Historisches Blankenese“) des Zimmers und seiner Schätze angenommen. Alle Stücke wurden von ihm auf einer Datenbank archiviert, einiges restauriert, die Sammlung ausgebaut und der Part des Förderkreises versichert. Der Förderkreis änderte für das Museum seine Satzung, machte den Blankeneser Bürger-Verein zum Begünstigten für den Fall, dass der Förderkreis aufhören sollte zu existieren. Auch wurde die Kollektion neu strukturiert, die Exponate mit erklärenden Texten versehen. Im Museumszimmer baute der Förderkreis vorhandene Möglichkeiten zu Vitrinen um und auch in anderen Räumen des Fischerhauses schuf er Präsentationsmöglichkeiten, um die teils wertvollen, teils skurrilen oder einfach nur typischen Gegenstände aus Blankenese angemessen und gesichert zu präsentieren. Dass dabei die Nutzungsmöglichkeiten des Treffpunkts in keiner Weise eingeschränkt werden, ist ein besonderes Anliegen des Förderkreises, der im Fischerhaus Ausstellungen, Vorträge und Publikationen zu Geschichte, Brauchtum und Kunst organisiert. So ist eine optimale Nutzung entstanden, die von beinahe 10.000 Menschen jährlich besucht wird.

Ronald Holst

Thema: Sanierung

2017 wurde das Fischerhaus, traditioneller Ort für einen Großteil der Seniorenarbeit der Kirchengemeinde Blankenese, geräumt und für die Sanierung vorbereitet. Seitdem finden alle Kurs- und Begegnungsangebote an verschiedenen Orten auf dem Kirchenareal am Mühlenberger Weg statt.

Die Analyse der Bausubstanz hat ergeben, dass das Reetdachhaus an der Elbterrasse 6 zu den ältesten Wohngebäuden in ganz Hamburg zählt – entsprechend aufwändig und langwierig wird sich die Instandsetzung hinziehen.

Der Kirchengemeinderat (KGR) hat sich gegenüber dem Bezirksamt Altona als Vermieter klar dazu bekannt, das Fischerhaus auch künftig im bisherigen Rahmen nutzen zu wollen.

Bilder aus alter Zeit

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