Blankeneser diskutieren über Kunst, Nachhaltigkeit und Mobilität

12.09.2013 | 02:00

Die innovationserprobten Blankeneser reagieren verblüfft. Die Blankeneser Kirche ist voller Kunst: aus Plastik, rostigem Eisen bis zu Second-Hand-Textilien. Nebenan im evangelischen Gemeindehaus steht links ein funktionierendes Wasserstoff-Auto, rechts ein originalgroßes eisernes Pferd mit Pedalen, das als Fortbewegungsmittel im Straßenverkehr genutzt wird, mittendrin diskutieren Experten mit dem Publikum über Kunst. "Arte susteMobile" heißt die UNESCO-geförderte Ausstellung der Blankeneser Kirche, die den Rahmen gab für die" Blankeneser Gespräche" über zeitgenössische Kunst und ökologische Nachhaltigkeit. Über 100 Exponate aus Natur- und Abfallprodukten von über 70 Künstlern aus 17 Ländern sind hier ausgestellt. Sie machen Nachhaltigkeit auf besondere Weise erlebbar, erheitern die Gemüter und provozieren heftige Diskussionen. Alte Kanister aus Plastik, Nägel, Holz und gebrauchte Kleidung werden zu edlem Design, festlichem Mobiliar, zu Scheinillusion und falscher Idylle.

"Die Kunst gibt den Menschen Visionen, in welche Richtung sie ihre Zukunft gestalten sollen", erklärte Thomas Sello in Blankenese. Der emeritierte Kunstpädagoge der Hamburger Kunsthalle und der Kurator von Arte susteMobile, Samuel J. Fleiner, diskutierten die Frage, wie die Kunst ein öffentliches Nachdenken darüber, wie Mobilität umweltfreundlich und gerecht gestaltet werden kann, befördert. "Die Kunst stellt Fragen und gibt Denkanstöße. manchmal erst auf den zweiten Blick", sagte Sello, "die Antworten müssen wir selber finden."

Originelle Ideen gebe es zuhauf, sagte der Kurator von Arte susteMobile, das sich an den italienischen Begriff: arte sustenibile (Nachhaltigkeit) anlehnt. Manche Künstler hätten sich auf ein Material der Recycling-Wirtschaft spezialisiert, zum Beispiel Plastik. "Manchmal ist dies in der Not entstanden, weil anderes Material zu teuer war. Im Laufe der Jahre wurde daraus eine sinnvolle Recourcennutzung.

Dann deutete Fleiner auf das Exponat direkt neben ihm hin, ein verkehrstaugliches Wasserstoffauto: "Es ist im Straßenverkehr zugelassen und darf mit seinen 80 km/h sogar auf der Autobahn fahren." Studenten hätten es in ihrer Freizeit gebaut, sagte der Konzeptkünstler aus Wiesbaden und zeigte großen Respekt: "Es verursacht nichts weiter als Wasserdampf und hat auf seiner Jungfernfahrt Berlin-Barcelona nur 3,3 Liter Wasserstoff verbraucht." In Blankenese hat der studierte Landschaftsgestalter kunstvolle Fahrwerke aus Naturmaterialien ausgestellt, die ohne Strom, Benzin oder umweltschädigende Batterien betrieben werden.

Die Ausstellung mit Anregungen zu umweltfreundlicher Mobilität steht in Hamburg gleich unter zweifacher prominenter Schirmherrschaft. Die Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, Jutta Blankau, freut sich über künstlerische Anregungen für nachhaltige Stadtentwicklung in der Freien und Hansestadt. Die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, Kirsten Fehrs, unterstützt die künstlerischen Anregungen zur Bewahrung der Schöpfung. Sie zitierte zur Eröffnung ein Dichterwort von André Maurois: "Kunst ist das Bemühen, neben der wirklichen Welt eine menschlichere zu schaffen."

Bis zum 30. Oktober gibt die Ausstellung über Kunst, Nachhaltigkeit und Mobilität weiteren Besuchern Denkanstöße für die Welt von morgen. Thomas Sello empfiehlt sogar, mehrmals die Ausstellung aufzusuchen: "Aufgabe der Kunst ist es, unsere Grenzen  des Handelns auszuloten. Die Beispiele machen uns bei jedem Besuch nachdenklicher. Sie machen uns Mut, unsere eigenen Gedanken zu entwickeln."

Cornelia Strauß

Zurück

#WirschickeneinSchiff - Spendenaktion gestartet!

05.12.2019

Mit Beteiligung der EKD hat das Bündnis „United4Rescue“ die Spendensammlung für ein weiteres Seenotrettungsschiff gestartet, das Flüchtlinge im Mittelmeer aufnehmen soll. Es sei „ein Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bei der Pressekonferenz zum Start der Spendenkampagne in Hamburg.

weiter...

Spirituelle Fortbildung im Jahr 2020 

05.12.2019

Kirchenkreis. Das neue Programm der Spirituellen Angebote für das Jahr 2020 ist erschienen. Alle Angebote, zum Beispiel zu christlicher Meditation, Achtsamkeit und Selbstfürsorge, geistlicher Neuorientierung oder Gewaltfreier Kommunikation finden sich auf der Website: www.spirituelle-angebote.de
Das erste Angebot ist ein Tag für Besinnung und Begegnung am Montag, 27. Januar 2020 im Kloster Nütschau: https://spirituelle-angebote.de/event/k01-klostertag/
 Quelle: Newsletter Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein

Haushaltssynode

05.12.2019

Niendorf. Bei der Synode am 9. November 2019 stand das Thema Haushalt im Mittelpunkt. Propst Melzer sagte, der Kirchenkreis partizipiere im Moment an der guten gesamtwirtschaftlichen Lage sowie von Wanderungsbewegungen innerhalb der Nordkirche. Mittelfristig sei allerdings nicht absehbar, wie sich die Kirchensteuern entwickeln. Klar sei jedoch, dass ein höherer Betrag als bisher für die Pfarrbesoldung aufgewendet werden müsse.

weiter...

EKD-Synoden-Präses: Die Kirche wird in 20 Jahren sehr anders sein

15.11.2019

Dresden (epd). Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, hat Haupt- und Ehrenamtliche zu mehr Mut bei Reformen der Institution aufgerufen. „Unsere Kirche wird in 20 oder 40 Jahren sehr anders sein“, sagte sie in ihrem Bericht vor der EKD-Synode in Dresden. Es werde „auf keinen Fall eine kleinere Version der Kirche von heute sein“, ergänzte sie. Vielmehr müssten Veränderung gestaltet und richtige Weichenstellungen vorgenommen werden.

weiter...