Buchbesprechung: Hubertus Halbfas „Glaubensverlust“

01.02.2019 | 11:16
Hubertus Halbfas

Die Kirchenaustritte hielten auch im vergangenen Jahr unvermindert an. Gründe dafür gibt es viele, der wichtigste wird sein, dass die Menschen ihren Glauben verloren haben. Da bietet sich zu diesem Thema das Büchlein „Glaubensverlust“ von Hubertus Halbfas an. Halbfas, über 20 Jahre Professor für katholische Theologie und Religionspädagogik, dem dann aber die Bischofskonferenz die kirchliche Lehrerlaubnis entzog, sieht als Grund das Festhalten der verfassten Kirche an ihren traditionellen Lehrsätzen ohne Rücksicht vor allem auf die inzwischen 200 Jahre alten Erkenntnisse der theologischen Wissenschaft. Er meint damit das heutige Wissen über den historischen Jesus, über dessen Botschaft. Diese ergibt sich nicht aus Lehrsätzen, sondern aus seinem Leben in der Welt der Menschen, aus der Art und Weise seines Umgangs mit ihnen.

Jesus ist zu allen freundlich und redet in Gleichnissen, in Geschichten aus dem Leben der Menschen, die es den Gesprächspartnern ermöglichen, selber zu erkennen, was gemeint ist. Er spricht von Gott als unserem Vater und seiner vorbehaltslosen Liebe zu den Menschen, die keine Erbsünde kennt und kein Sühneopfer braucht. Im Diesseits ist das Reich Gottes zu finden. In ihm sind alle Menschen gleich, in seinen Tischgemeinschaften bereitet Jesus keinen Kult für die Zeit nach seinem Tod vor, sondern er lebt einen radikalen Egalitarismus. Ebenso radikal versteht Jesus die gebotene Nächstenliebe, die vor dem Feind nicht haltmachen darf.

Diese vom historischen Jesus vorgelebte und verkündete Botschaft muss nicht bewiesen oder verteidigt, sie muss lediglich angenommen werden. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn reicht es aus, dass dieser sich entschließt, zu seinem Vater zurückzukehren. Halbfas ist davon überzeugt, dass viele Menschen die Kirche nicht verlassen würden, wenn sie diese Botschaft in ihren Mauern wenigstens duldete.

Es ist mir klar, dass ein Glaube mit diesen Inhalten vieles nicht enthält, was traditionell zum christlichen Glauben dazugehört, vor allem die Gottessohnschaft und der Opfertod Jesu und die durch ihn bewirkte Erlösung der Gläubigen von der Erbsünde und vieles andere mehr. Dennoch ist es für mich keine Frage, dass auch der ein Christ ist, der lediglich die Botschaft des historischen Jesus angenommen hat und versucht, nach ihr zu leben.

Die Frage ist nur, wie unsere Gemeinde das sieht. Ich wünschte mir, dass sich ein Kreis bildet, der sich in geschwisterlicher Liebe befasst mit dem, was die moderne theologische Wissenschaft über den historischen Jesus herausgefunden hat und was dies für den christlichen Glauben bedeuten könnte.

 

Dr. Wolf-Dieter Hauenschild

Hubertus Halbfas „Glaubensverlust“, 121 S., Patmos-Verlag, 2011

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