1. Korinther 12, 21-27 | Die Glieder des Körpers brauchen einander

24.02.2013 | 01:00

Friedrich Eckart Marwedel

Gnade sei mit uns und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

viele von Ihnen haben vor dreißig, vierzig, fünfundvierzig Jahren ihren Kindern sicher die Bilderbücher von Leo Lionni vorgelesen, z.B. Swimmy. Swimmy ist ein kleiner schwarzer Fisch, der in die weite Meereswelt mit ihren vielen Wundern hinausschwamm, nachdem sein Schwarm von kleinen roten Fischen von einem großen Thunfisch verschlungen worden war. Eines Tages glaubte Swimmy seinen Augen nicht zu trauen: Er sah einen Schwarm kleiner roter Fische. Hätte er nicht gewusst, dass sein eigener Schwarm verschlungen und verschwunden war: Er hätte die Fische für seine Schwestern und Brüder gehalten. „Kommt mit ins große Meer!“, rief er ihnen munter zu. „Ich will euch viele Wunder zeigen!“ „Geht nicht“, antworteten die kleinen roten Fische ängstlich. „Dort würden uns die großen Fische fressen! Wir müssen uns im sicheren Felsenschatten halten.“ Die Antwort machte Swimmy nachdenklich. Er überlegte und überlegte. Und endlich hatte er einen Einfall. „Ich hab´s!“, rief er fröhlich. „Lasst uns etwas ausprobieren!“ Sie bildeten einen Schwarm in einer ganz bestimmten Form. Jedes Fischchen bekam darin seinen Platz zugewiesen. So wurde aus vielen kleinen Fischen ein Fisch aus Fischen, ein Riesenfisch. Und Swimmy, der kleine schwarze Fisch, spielte das Auge. Nun traute sich der Schwarm endlich hinaus ins offene Meer, hinaus in die große Welt der Wunder.

Was ich so faszinierend finde, ist die Tatsache, dass auch in Wirklichkeit Fische zu Schwärmen zusammenrücken, um vor Angriffen größerer Fische geschützt zu sein.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte? Sie hat viel gemeinsam mit  dem Predigttext. 

Paulus schreibt in seinem 1. Brief an die Korinther im 12. Kapitel [21-27]:

Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten; und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und bei den unanständigen achten wir besonders auf Anstand; denn die anständigen brauchen's nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied.

Ein starkes Bild, was Paulus hier zeichnet. Es ist ein Lehrstück einmal für die Überheblichen in der Gemeinde von Korinth, die gern auf die vermeintlich Schwachen herabblicken, zum andern für diejenigen, die unter den Starken leiden und deshalb Minderwertigkeitsgefühle entwickeln. Paulus mahnt, dass alle in der Gemeinde auf einander angewiesen sind, so wie die Glieder des Leibes einander bedingen und keins dem anderen überlegen ist. Die Starken haben keinen Grund, hochmütig zu sein, und die Schwachen brauchen keine Minderwertigkeitsgefühle zu haben, denn alle Glieder eines Leibes sind gleichberechtigt, auch wenn sie unterschiedliche Funktionen haben. Die Vielfalt macht gerade die Lebendigkeit des Organismus sichtbar.

Wir leben in einem Geflecht von Beziehungen, ob wir wollen oder nicht. Das schafft Abhängigkeiten, Abhängigkeiten, die dann fruchtbar genutzt werden können, wenn sie von einer Gemeinschaft getragen werden. 

Und damit bin ich bei der Kernaussage des Paulus: Der Leib und die Glieder bilden eine organische Gemeinschaft, in der idealtypisch die Glieder dem Leib zugeordnet sind mit vielfältigen Aufgaben, die nur sie verrichten können. Mit einem Fuß muss man hinken, mit einem Auge lässt sich leicht etwas übersehen. Ich brauche zwei Hände, die eine zum Handeln, die andere, um jemandem die Hand zu reichen.

Eine Idealgemeinschaft ist die Familie, auch wenn sie zunehmend zerbricht, aus welchen Gründen auch immer. Die Folge ist vielfach die Einsamkeit, besonders im Alter. Da ist es Aufgabe z. B. dieser Gemeinde einzuspringen und Geborgenheit und ein Zuhause zu bieten.  Wir alle gehören zu diese Gemeinschaft. Als Glieder sollten wir auf einander achten und Verantwortung übernehmen, so wie Swimmy Verantwortung übernommen hat. Das Schlimmste, was wir bewusst oder unbewusst dulden oder aktiv befördern, ist die Ausgrenzung. Dadurch wird der Organismus beschädigt und es kommt zu Störungen. Wenn ein Glied leidet, sagt Paulus, so leiden alle Glieder mit. Dann sollten wir mit den Weinenden weinen, wie es im Brief an die Römer [12, 15] heißt. Alle gehören in unsere Gemeinschaft: der Bettler vor der Kirchentür genauso wie eine Funktionsträgerin im Kirchengemeinderat, die Bewohner der Kirchenkaten ebenso wie die Kinder des Kindergartens, die Besucher dieses Gottesdienstes wie auch die Besucher des Familiengottesdienstes. Beglückend finde ich, dass es so mannigfache Gemeinschaften in unserer Gemeinde gibt: Hauskreise, Bibelstunde, Sonntagskreis, Besuchsdienst, um nur einige zu nennen. Sie alle sind Glieder, die dem Leib Gemeinde zugeordnet sind. Und die Gemeinde selbst ist Glied am Leibe Jesu Christi.

Vom 1. bis 5. Mai ist Kirchentag in Hamburg. Seine Losung lautet: Soviel du brauchst. Wenn die Losung auch eher als Bescheidenheit interpretiert werden kann und muss, bedeutet sie für mich in Bezug auf die Gemeinschaft und auf die Zusammengehörigkeit: Davon kann es nicht genug geben. Und im Römerbrief heißt es nicht nur, mit den Weinenden zu weinen, also solidarisch zu sein, sondern auch sich mit den Fröhlichen zu freuen. Auch das ist Solidarität. Und darum freue ich mich, dass wir gemeinsam Gottesdienst feiern und Gemeinschaft am Tisch des Herrn haben.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Friedrich Eckart Marwedel

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