Jesaja 25, 8-9 | Ostermontag

01.04.2013 | 02:00

H. Plank

Liebe österliche Gemeinde,
die Texte, die wir lesen, wollen alle mit ihren Möglichkeiten etwas sagen von dem Grund unseres Glaubens
und die Frage stellt sich uns
Was bedeutet denn das Reden von Ostern, von Auferweckung, Auferstehung für uns - ganz konkret in unserem Alltag?
Es gibt sicher nicht die schnellen Antworten.
aber einen ersten Anfang, einen weiteren Versuch kann es geben.
einen Ostermontag-Anfang

Am liebsten würde ich einen Zettel verteilen – einen Stift – (tun wir nicht)
und würden Sie bitten: Schreiben Sie doch einmal den einen Satz zu Ende,
nur ein Satz – oder zwei Sätze:
Auferweckung, oder Ostern - bedeutet heute für mein Leben……

Ich mache jetzt ein paar mehr Sätze
hätte ich nur zwei
würde ich – ganz mutig und ohne meine Alltagszweifel zu vergessen - den Propheten Jesaja zitieren:

Auferweckung bedeutet für mich, dass Gott, der das Leben ist, den Tod verschlingt.
und ein zweiter:
Weil ich mit meinem Leben und meinem Tod so bei Gott geborgen bin, will - und soll ich auch - dem Tod in allen seinen Spielarten jetzt schon Paroli bieten.


Bei Jesaja steht:
8 Gott wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der HERR wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der HERR hat's gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

 

Gott wird den Tod verschlingen.
Das ist bei Jesaja ein ganz kühner Satz.
Für Juden konnte es schwer sein – Gott als einen zu sehen, der den Toten nahe war.
Er war doch ein Gott des Lebens. Ein lebendiger Gott.
Und man sah ihn von den Toten weit entfernt.
Hier das Leben – da der Tod.

Jesaja spricht von Gott als einem „verschlingenden Gott“
Er verschlingt den Tod
für immer.

Es gibt solche Bibelstellen, wo indirekt dieses Wort von Gott gebraucht wird, wenn z.B. eine Strafe vollzogen wird und die Erde einen Sünder verschlingt
Bei Jona wird es ähnlich beschrieben – mit dem Fisch, der den Jona verschlingt.

Und bei„Tod“ dachte man nicht nur das Ende des Lebens,
sondern auch all das Tödliche
- das, was unser Leben einengt,
- die Perspektiven raubt,
- uns versinken lässt,
- was uns kaputt macht – Schuld - mitten im Leben
 „Tod“.


Das gleiche Wort, das gleiche Bild nimmt der Jesaja auf.
Und er überwindet damit die Trennung
 hier Gott – da der Tod, jeder Tod.
Er macht Gott zum Verschlinger des sonst alles Verschlingenden.
Gott spricht nicht nur – von ferne - ein Urteil über den Tod – und dann ist der Tod nicht mehr,
sondern
Gott nimmt in sich auf, verschlingt ihn.

Er lässt sich den Tod, den Tod in jeder Gestalt -  nahe gehen –
so hat es  jemand beschrieben

Da ist nicht der alte gedachte Abstand mehr.
sondern „im Strudel göttlicher Vitalität geht der Tod unter.“

Kein Abstand mehr.
Nicht hier der Gott des Lebens – wo alles i.O. ist –
und auf der anderen Seite das Leid, das Geschrei, der Schmerz, die Probleme, die Nöte, der Tod.
Sondern:
Gott lässt sich es sich nahe gehen
Da wo das Leid ist – ist auch Gott
Er kommt nahe – ist nicht weit weg – darüber.
Wo meine Not ist – da ist Gott
Er lässt sich meine Not – meinen Tod – nahe gehen.

Manchmal haben wir die Vorstellung – ja wenn es Gott gäbe, dann müsste er all die Nöte verhindern – zumindest bei denen, die ihm glauben.
Wenn man das zu Ende denkt, dann wäre wir unser Menschsein los –
dann wären wir fremdbestimmt,
alles wäre vorher abgeklärt,
für gut befunden –
klar wäre, was uns denn begegnen darf
und was nicht, wir würden ja in jeder Situation richtig handeln –
So würde man Roboter beschreiben – aber nicht Menschen.

Zum Menschsein gehören Freude und Leid,
Schmach, Glück, Fehler gehören dazu,
Gelingen, Schuld, Versagen, Liebe, Würde – die ganze Palette - und auch der Tod, das Kreuz –
Menschsein eben
Wie sind keine Roboter und Gott: Er ist nicht fern.

Einmal – so der Prophet – und er spricht wie von Ostern - wird es so sein, dass Gott die Tränen von unseren Augen abwischen wird.
die Tränen der vom Leid und Sorgen und Ängsten und Tod Verschlungenen.
Heißt:
Den Menschen gilt Gottes ganze Solidarität
mehr als das:
Er zeigt sich als selbst - betroffen.

Ein neues, mutiges Bild, von Jesaja
Gott nicht oben – um uns herum - nahe
und das Bild wird im NT weitergemalt – mit Jesus.

So wie er selber zu den Kranken, Ausgestoßenen, Sündern gegangen ist –
keinen Bogen um den Tod gemacht hat,
so hat er Gott vorgestellt.

Das haben die Menschen auch aus seinem Leben abgelesen.

Wie die Geschichte weiterging – wissen wir:
Den einen war das die Frohe Botschaft,
den anderen der Grund für das Kreuzigungsurteil.
Diese wollten nicht akzeptieren, dass hier jemand das eingespielte Bild
von dem strafenden Gott, der die Guten belohnt, das Böse vernichtet
gegen ein Bild eines liebenden Gottes tauscht.
Eines vorbehaltlos liebenden Gottes.

Und dann kommt die Kreuzigung – und der Dritte Tag – Ostern
Der Dritte Tag
kein historisches Datum – sondern eine heilige Zahl
Ein Tag des Heils.

Am Dritten Tag aber – da ging den Freunden Jesu ein Licht auf.

Sie fühlten den Schmerz über den Tod Jesu,
spürten aber auch die Kraft seiner Botschaft von dem liebenden Gott
– hörten sicher den Jesaja neu
und hielten – ungeachtet all dessen, was vor ihren Augen war –
an dem Gott Jesu fest – auch über die Grenzen hinweg.
Auch über den Tod hinweg.

Sie hatten doch ein tragfähiges Versprechen aus dem Leben Jesu.
Jetzt wollten sie mit diesem Versprechen Gottes nicht auf halbem Wege stehen bleiben.
Sie wollten Gott auch das Allerletzte zutrauen
den Sieg über den Tod – das Verschlingen des Todes.
So wie Jesus es ihnen vorgelebt hatte.

Damit war das Versprechen des Jesaja nicht Zukunft
Es ist ihnen: Gegenwart:
Gott hat den Tod verschlungen - auf ewig.

Gott lässt sich den Tod nahe gehen
Er verschlingt den Tod
Die Leidensgeschichte hebt Gott auf –
Er nimmt das Leiden in sich selbst auf

Das Vergängliche wird von Gott verschlungen –
… Siehe, ich mache alles neu.

Wenn ich das noch einmal nachzeichne:
Das Leben Jesu, mein Leben – in den Tod;
und der Tod – ins Leben – in das GottesLeben
Der Tod Jesu - verschlungen von Gott
Er ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstehen – triumphiert der Glaube.
„Auferstehung“ ist unser österliches Wort dafür.

Wir gehören mit unserem Leben zu Gott – und im Tod bleiben wir bei ihm – in Gott – im Leben.
In Ewigkeit.
nicht im Sinne von einer Dauer ohne Ende –
sondern anders, tiefer:
Bei Gott.
Ewig.
Nähe – im Leben Gottes aufgehoben.
Er wischt die Tränen ab – In Liebe aufgehoben.

Der Tod am Ende
– aber es geht hier auch um den Tod – mitten im Leben
um Enge und Not und Zerstörung, das Kaputte

Und das ist auch Ostern:
Wir gehören mit unserem Leben zu Gott
– auch mit dem Tödlichen, mit all den Nöten, Scheitern, Freude und Leid bleiben wir bei ihm – in Gott – im Leben.
Niemand kann uns diese Bergung nehmen
diese Würdigung
Er hat den Tod verschlungen ….!
All das, was mich betrifft – betrifft – ganz innen – auch ihn.
Er lässt sich unseren Tod - in allen Variationen - nahe gehen.

Wo das erahnt – verstanden – geglaubt wird,
dann beginnt auch der Lobgesang, den der Prophet anstimmt
und den ich ins Präsens hole:

»Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hoffen,
Er ist unser Helfer – allein mit seiner Nähe.
Das ist der HERR, auf den wir hoffen;
lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.«

Es ist Ostern
Auferstehung.

Das ist die Grundlage unseres Vertrauens.

Und auf der beginnt jetzt unsere Lebensaufgabe
die Ostermontag-Aufgabe:

Ich bin überzeugt: Wenn das Herz brennt, dann öffnet sich auch ein Weg in den Alltag.
kein Katalog von Vorschriften
was man jetzt als Christ, als Getaufter alles so tun müsste
Liebe will sich öffnen.
Selber unendlich beschenkt, will der Alltag Ort des Weitergebens sein.
Mit dem Vertrauen bekommt doch das Leben einen neuen österlichen Schwung.

Wenn Gott sich das Leben nahe gehen lässt
muss es nicht auch uns – nahe gehen?
das Leben?
das Leben mit all den Nöten und Sorgen und dem Quälenden und dem Kaputten…?

Wenn der Tod Endgültigkeit vermittelt will, können wir ihn entlarven
Gott hat den Tod verschlungen auf ewig. – Denkt an Jesus.

Wir müssen nicht klein beigeben, wenn der Tod sein Spiel treibt.
Auferweckungshoffnung ist Protest gegen den Tod
Gegen alles was – Ende – Aus – Vorbei – Sinnlos heißt.

Der Weg Jesu führt ins Leid – aber dann beschreibt das Kreuz diesen Durchgang und wird so zu einem Zeichen von neuer Freiheit

Einer Freiheit, mit der wir Partei sein können - und sollen - für das Leben.

Wir gehen hier aus der Kirche eigentlich immer mit dem Zuspruch dieser Freiheit
und wir gehen mit der Herausforderung, sie auch zu leben
gerade da, wo Leben verletzt wird
Das ist ein mächtiger Anspruch – aber auch ein mächtiger Zuspruch.

Ich kenne es von mir, dass ich mir den Zuspruch gern gefallen lasse.
Aber den Anspruch…??
Der beginnt schon bei dem Ungeliebten, dem Fremden und er muss nicht bei dem Fernen Nächsten aufhören.

Ich denke an den kommenden Kirchentag:
Unsere Versuche eines Miteinanders mit den Religionen, vor allem mit Moslems und Juden stecken noch in den Kinderschuhen.
Auch hier kann sich die Freiheit bewähren – frei – auch ohne religiöse Scheuklappen, weg von Vorurteilen und ohne Überheblichkeit –
Die würde Gott treffen, den Schöpfer und Liebhaber aller Menschen.

Die Herausforderung: Ich kann mich aus dem Fenster lehnen für andere -
Die Zusage: - weil ich von ihm gehalten bin.
Tue ich es nicht – wird der Glaube zur Privatsache und verkommt, verliert seine Kraft

Aber wer bin ich schon – könnte man sagen
Ich weiß gar nicht so genau, wer ich bin,
ich habe meine Schwächen
bin mit Fehlern angefüllt.
Aber ER weiß doch, ER, der Himmel kennt mich – liebt mich – so wie ich bin
Vor ihm scheitere ich nicht, wenn ich versage.
Von allen Seiten umgibt mich diese himmlische Dimension.

Wenn das nicht die Freiheit zum Handeln ist - ein österliches Aufatmen

Paulus sagt:
Der Tod ist verschlungen in den Sieg.
Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?"
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat
eröffnet – offenbar gemacht - durch Jesus Christus.
Also::
Geht hin als Protestleute Gottes gegen allen Tod
Denn
Gott hat den Tod verschlungen auf ewig. – Denkt an Jesus.
Der ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden.
AMEN

Zurück

#WirschickeneinSchiff - Spendenaktion gestartet!

05.12.2019

Mit Beteiligung der EKD hat das Bündnis „United4Rescue“ die Spendensammlung für ein weiteres Seenotrettungsschiff gestartet, das Flüchtlinge im Mittelmeer aufnehmen soll. Es sei „ein Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm bei der Pressekonferenz zum Start der Spendenkampagne in Hamburg.

weiter...

Spirituelle Fortbildung im Jahr 2020 

05.12.2019

Kirchenkreis. Das neue Programm der Spirituellen Angebote für das Jahr 2020 ist erschienen. Alle Angebote, zum Beispiel zu christlicher Meditation, Achtsamkeit und Selbstfürsorge, geistlicher Neuorientierung oder Gewaltfreier Kommunikation finden sich auf der Website: www.spirituelle-angebote.de
Das erste Angebot ist ein Tag für Besinnung und Begegnung am Montag, 27. Januar 2020 im Kloster Nütschau: https://spirituelle-angebote.de/event/k01-klostertag/
 Quelle: Newsletter Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein

Haushaltssynode

05.12.2019

Niendorf. Bei der Synode am 9. November 2019 stand das Thema Haushalt im Mittelpunkt. Propst Melzer sagte, der Kirchenkreis partizipiere im Moment an der guten gesamtwirtschaftlichen Lage sowie von Wanderungsbewegungen innerhalb der Nordkirche. Mittelfristig sei allerdings nicht absehbar, wie sich die Kirchensteuern entwickeln. Klar sei jedoch, dass ein höherer Betrag als bisher für die Pfarrbesoldung aufgewendet werden müsse.

weiter...

EKD-Synoden-Präses: Die Kirche wird in 20 Jahren sehr anders sein

15.11.2019

Dresden (epd). Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, hat Haupt- und Ehrenamtliche zu mehr Mut bei Reformen der Institution aufgerufen. „Unsere Kirche wird in 20 oder 40 Jahren sehr anders sein“, sagte sie in ihrem Bericht vor der EKD-Synode in Dresden. Es werde „auf keinen Fall eine kleinere Version der Kirche von heute sein“, ergänzte sie. Vielmehr müssten Veränderung gestaltet und richtige Weichenstellungen vorgenommen werden.

weiter...