Osterfrühgottesdienst: 1 Thess 4,13.14

01.04.2018 | 07:00

Diese Woche war es wieder soweit, liebe Gemeinde, dass ich die Konfis zum Schweigen bringen konnte. Das gelingt nur für eine kurze Zeit, sozusagen eine Sekundenstille, aber doch eine Stille, die sich aus dem Glauben heraus ergibt. Das geht so:

Wir sprechen über das Apostolische Glaubensbekenntnis. Alle sind gebeten, nur die einzelnen Worte oder Sätze zu unterstreichen, die sie laut und überzeugt mitsprechen können, weil sie so auch glauben. Und was nicht verstanden wird, was vielleicht auch trotz allen Verstehens nicht geglaubt werden kann, das soll in Klammern gesetzt werden.

Nun wird das Glaubensbekenntnis gesprochen. Aber es soll nur das mitgesprochen werden, was unterstrichen ist, und wo Klammern gesetzt wurden, da soll Schweigen herrschen. Es wird ein Auf und Ab der Lautstärke geben während dieser Aktion, aber einmal wurde es ganz still. Dann, wenn es heißen soll: … "am dritten Tage auferstanden von den Toten".

Es ist ein ehrliches Schweigen, das sich da für diese kurze Zeit, in der die Wörter von der Auferstehung Jesu hätten erklingen können, ausbreitet.
Zu wenig haben wir in der Hand, wenn wir "Auferstehung" ausmalen, beschreiben sollten; die Bibel selbst bleibt hängen an diesem einen Begriff und malt nur das Drumherum aus.
Visionen von Sehen und doch nicht Erkennen, von Erkennen und nicht Sehen-Können stellt sie uns vor; Engel werden bemüht, um das ganz andere sagen zu können, das was auf der hinteren Seite des Todes uns Lebenden verborgen ist, das, was mit Furcht und mit Freude, mit Zweifel von Anfang an und mit Glauben beantwortet wird von denen, die mit "Auferstehung" konfrontiert sind.

Ehrliches Schweigen ist sicher eine angemessene Reaktion – und sie kommt nicht nur von Konfis, sondern von vielen unter uns.

Das Geheimnis und die Schönheit des Lebens bringen meinen Verstand an seine Grenzen zum Staunen hin: da gab es einen Urknall, den keiner gehört hat und mit ihm erst entstanden Zeit, Raum und die Gesetze unseres Kosmos, durch ihn wurden Sonnensysteme, wurde die Welt, wurden Meere und Land und Pflanzen und Tiere.
Da finden Zellen zusammen, nehmen Form an und irgendwann wird aus Materie Geist, aus Zellklumpen ein Bewusstsein, sogar ein Ich. Vertrauen, Freundschaft, Liebe und Hoffnung werden. Unsere Enkeltochter hat in den letzten zwei Wochen das Lächeln gelernt und in der S-Bahn eine alte Frau vor Rührung zum Weinen gebracht. Wie schön ist all das. Wie geht all das?

Nichts davon weist eindeutig und unmissverständlich auf einen Gott.
Es aber als selbstverständlich hinzunehmen, macht alles kaputt, nimmt allem Gewordenen seine Würde und Einmaligkeit. Nein, ich kann Gott nicht in seinem Dasein ablesen aus dem, was mich umgibt, so wunderbar und schön es ist.

Aber nichts von dem, was ist, kann sein Nichtsein beweisen, so schrecklich und lebensverneinend es auch ist.
Ich weiß nicht, liebe Gemeinde, wie oft ich nun schon in ein Grab hineinsehen musste, auf einen Sarg mit Blumen, einen kleinen oder großen, auf dem schon Erde liegt. So wie der Urknall am Anfang allen Werdens und Seins das Nichts erschüttert hat, so erschüttert nun die Macht des Todes alles Leben.
Und nicht gegen alle Vernunft und nicht gegen meinen Verstand, aber auch nicht auf Grund meines Verstandes spreche ich von ewiger Herrlichkeit und einem Frieden bei Gott in dieses Grab hinein. Weil ich am Anfang wie am Ende auf einen Gott vertrauen möchte, der die Kraft hat, aus dem Nichts ins Leben zu rufen. Weil ich Gott zutraue, dass er stärker ist als der Tod. Sein Name ist, so ist die Bibel überzeugt, "Ich bin da".

Mit dem Glauben an ihn blicke ich auf die Ereignisse, die uns in den letzten Tagen vorgestellt wurden. Ein grausamer, schwerer Weg vom Gründonnerstag bis zum Karfreitag tut sich auf. Das letzte Mahl mit den Freunden, das letzte Gebet in Freiheit im Garten Gethsemane, die letzten Versuche der Jünger, zu ihm zu stehen, zu ihrem Freund und Meister, Lehrer und Messias, der letzte Kuss, ausgerechnet von Judas, die letzten Argumente, die letzten Ausflüchte, die letzten Qualen, und dann endlich das letzte Wort, der letzte Schrei.

Jesus ist tot und vorher waren schon Gemeinschaft, Freundschaft, Hoffnung und Mitmenschlichkeit gestorben. Ein ungeheures Geschehen, das uns am Gründonnerstag und Karfreitag vor Augen gestellt wurde.

In ihm bildet sich ab, wie gemein es zugeht, wie leidvoll. Aber nicht nur, weil es das Leiden der Menschen auf- und ernst nehmen will, steht es in der Bibel, wird es erinnert in unseren Gottesdiensten vor Ostern.
Nicht nur, weil wir nicht wegsehen dürfen heute,
nicht nur, weil die Opfer heute uns auf ihre Seite ziehen wollen, uns an ihrer Seite brauchen,
nicht nur weil Gott so parteiisch ist, so eindeutig auf der Seite derer, die sich auch heute als die geringsten Schwestern und Brüder Jesu fühlen dürfen.

Sondern weil vor Augen gestellt wird, krass und grell, voller Lärm und Blut, Geschrei und Wehklagen, was passiert, wenn Gott hinausgedrängt wird aus dieser unserer Welt.

"Welt ohne Gott" hieß der Film, der da ablief vor unseren Augen. Er beginnt im Garten Gethsemane mit dem Schlafen der Jünger, während da einer in Todesangst ist, und er endet am Kreuz von Golgatha.
Denn das ist der Versuch: der Gott Jesu muss weg, nicht nur Jesus selbst. Und so passiert es denn auch: Gott lässt sich herausdrängen, wehrt sich nicht, ist ohnmächtig und schwach. Er fügt sich der Gewalt, dem Hass, er geht jeden Schritt mit, den Er, Jesus, gehen muss.
Gott leidet an der gottlosen Welt, lässt sie sich austoben, lässt sie ihn so welten-los sein, wie sie gott-los ist.

Schärfer kann die Kluft nicht sein: eine gottlose Welt und ein weltloser Gott. Und ich denke oft: es lässt sich leben in dieser gottlosen Welt. Ich habe mich ja darin eingerichtet und sehe kaum, wo Gott denn noch eine Rolle spielen sollte.
Denn ist der Rückzug des Glaubens ins Private, ja mehr noch: ins Intime, und dann in die Sprachlosigkeit oder Beliebigkeit: ist dieser Rückzug nicht auch Beweis dafür, dass diese Welt möglichst gott-los oder gott-frei zu sein habe – so denn dieser alles segnenden Gott der Juden, der allbarmherzige Gott der Muslime und der Gott der Liebe der Christen gemeint ist?

"Wo ist nun dein Gott?" Das ist die uralte Frage schon in den Psalmen der Spötter und Gottverdränger.
Die Antwort des hinausgedrängten Gottes kommt von daher, wo sich Liebe unzweifelbar als Liebe erweist. Als eine Liebe, die nichts weiter will als das Leben des geliebten Menschen. Die Antwort Gottes kommt aus dem Tod. Sie ist nicht Gegengewalt. Gott drängt den Menschen nicht aus dieser Welt hinaus. Aber niemand kann mit Jesus auf seiner Seite behaupten wollen, Gott wolle welt-los sein. Gott ruft ins Leben, nicht nur mich persönlich: die ganze Welt.

Nein, er ließ sich wohl nicht wirklich hinausdrängen: er drängte hinein in das Leid, in den Tod. Auch dort ist Gott und ruft ins Leben. Von Gott her habe ich eine Liebe und eine Hoffnung, die mich in ein Grab hinein-lieben lässt – ohne Grund, ohne Halt, nur weil sie Liebe ist. Und aus dem Tod kommt mir Liebe entgegen. Sie treffen sich für uns in Jesus. Sein Name bedeutet übersetzt: "Der 'Ich bin da' rettet".

Wir wollen euch aber, Brüder und Schwestern, nicht im Ungewissen lassen über die, die da schlafen, damit ihr nicht traurig seid wie die andern, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die, die da entschlafen sind, durch Jesus mit ihm führen.

Das ist österliche Hoffnung aus dem 1. Brief an die Thessaloniker. Durch Jesus führt Gott unsere Toten, führt er uns, ins Leben.
Wir leben von Liebe her und auf Liebe hin; denn von ihr ist die Welt umfangen. Gott ist die Liebe.
Das ist Ostern; das stärkste und schönste Fest der Christenheit. Feiert es, liebe Schwestern und Brüder, feiert das Lebens, das schön ist und schwer, und feiert den, der es schuf, es trägt und vollendet. Amen.

Für das Osterlachen noch ein Witz auf meine Kosten: Ein Pastor und ein Omnibusfahrer werden im Himmel beurteilt. Der Pastor ist darüber erschrocken, dass ihm der Zutritt zum Himmel verwehrt wird, während der Busfahrer ohne Probleme geöffnete Türen vorfindet. – Der Pastor beschwert sich und bekommt zur Antwort: "Wenn der Busfahrer gefahren ist, haben die Leute gebetet. Aber wenn Du gepredigt hast, haben sie geschlafen!"

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Das Programm: ndkh.de/kirchen  - Quelle: Kirchenkreis Newsletter

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Am Montag, 30. September, 11 Uhr wird der Militärdekan Dr. Hartwig von Schubert in der Führungsakademie der Bundeswehr im Rahmen eines Gottesdienstes verabschiedet. Der 65-Jährige ist seit 2004 in dieser Position. Seine berufliche Vita war vielfältig: zwei Jahre in der Evangelischen Akademie Nordelbien, davor zehn Jahre im Vorstand des Diakonischen Werks Hamburg, davor fünf Jahre in Heidelberg an der Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft und davor ebenfalls fünf Jahre Gemeindepastor in Hamburg St. Georg. Was er seiner Kirche mitgeben möchte? „Mehr Mut und Realismus in Fragen der politischen Ethik.“ -  Ort: Manteuffelstraße 20, 22587 Hamburg  - Quelle: Kirchenkreis Newsletter