Predigt zur Goldenen Konfirmation

10.05.2018 | 12:00

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,

Ich muss Ihnen gestehen: ich kann mich überhaupt nicht und kein kleines bisschen mehr daran erinnern, worüber mein Konfirmator damals bei meiner Konfirmation gepredigt hat. Das liegt sicher nicht daran, dass er sich keine Mühe gegeben hätte oder dass es so banal gewesen wäre, was er gesagt hat. Im Gegenteil: Er wollte uns bestimmt etwas Gutes mit auf den Weg geben, ich mochte ihn und seinen KU.

Und trotzdem: alles weg.

Nein, nicht alles. Ich weiß noch genau, wo wir essen waren, welche Gäste kamen, was ich anhatte, wie peinlich es war, die ganze Zeit so im Mittelpunkt zu stehen, und irgendwie auch wie gut.

Ich weiß noch, über welche Geschenke ich mich besonders gefreut habe (mein erstes Parfüm und ein Tagebuch) und welche ich ziemlich daneben fand: umhäkelte Taschentücher, Handtücher und Bettwäsche für die Aussteuer. Geld gab es damals auch schon, aber nicht so viel wie heute und es war wirklich nicht so wichtig.

Ich weiß noch, wie stolz ich war, jetzt mehr zu den Erwachsenen zu gehören.

Und trotz aller Aufregung, mein Konfirmationsbekenntnis damals in der Kirche, das habe ich ernst genommen. Das wollte ich nicht einfach so dahinsagen, weil man das halt so macht, das habe ich mir gut überlegt. Als ich „Ja“ gesagt habe, da habe ich wirklich etwas versprochen damals. Nicht meinem Pastor gegenüber, nicht gegenüber meiner Gemeinde, meinen Eltern, wem auch immer. Nein, Gott gegenüber.

Und erst viel später habe ich gemerkt: mein Bekenntnis war „nur“ die Antwort auf das, was dieser Gott viel früher schon zu mir gesagt hat, nämlich: „Ja. Ja, ich will und ich meine Dich. Darum bist du hier auf dieser Erde. Vergiss es nicht. So wie du bist, will ich dich und hab dich lieb. So wie du bist, habe ich dir versprochen, dich zu begleiten und mir dir unterwegs zu bleiben. Mit allen deinen Farben. Mit allen deinen Begabungen. Mit deinem Licht und deinem Schatten. Mit deiner Kraft und deiner Angst. So wie du bist, bist du meiner Liebe wert, immer schon genug, gewollt. Daran kannst Du – zum Glück - nichts ändern.“

Das ist ja das eigentlich Atemberaubende an unserem Gott und an unserem Glauben, dass er im Innersten behauptet und es feiert in seinen Sakramenten und in seinen Gottesdiensten und auch heute wieder: Dass du da bist allein, ist schon genug. Dass Du da bist allein, ist schon Grund zur Freude für Gott. Dass Du lebst, ist selbst schon ein Fingerzeig dieses Gottes und seiner Liebe. Da musst du nichts dazutun. Da kannst du nichts dazutun als darauf zu antworten, in dem du es annimmst und darauf vertraust. Du kannst sie dir nicht verdienen, du kannst sie nicht vermasseln, du änderst diese Liebe, die dir gilt, nicht. Verlass dich drauf!

Du kannst dich abwenden von ihr, klar. Du kannst nicht hinhören, natürlich. Du kannst drauf pfeifen und sagen, was soll's. Ändern wirst du nichts daran, dass dieser Gott es mit dir zu tun haben will, deiner wacht, Dein Werden begleitet. Sich freut an deinen Erfolgen, mit dir leidet an deinem Versagen und an den Wunden, an denen du trägst.

„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. Weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch. Ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“, lässt er uns ausrichten im Buch Jesaja, im 41. Kapitel, Vers 10.

Das bleiben schöne Worte, bis Sie es drauf ankommt. Bis Sie es belehnen, belehnen müssen, bis Sie an Punkten in Ihrem Leben standen oder stehen, an denen Ihnen genau darum bange ist und ob das, was sie sind, ausreicht und können und vermögen, ausreicht. Ob Sie genügen. Ob das, was Sie sich erarbeitet haben, das, worauf Sie mit Fug und Recht stolz sein können, ausreicht, um sich getragen und sicher zu fühlen oder ob da nicht noch was anderes da sein müsste, damit Sie Ihres Lebens froh werden. Ob, wenn Sie verwundet sind oder mit etwas Wichtigem gescheitert, mit ihrem Latein am Ende und mit mehr Fragen als Antworten versehen, ob dann noch was bleibt, das hält. Dann „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir!“

Erst dann, wenn Sie dieses Ja herausfordern, werden Sie spüren, was es kann und welchen Schatz es beherbergt, vorher ist es ein Versprechen, im schlimmsten Falle Schall und Rauch. Man braucht eine Menge Leben, eine Menge Lebenserfahrung, um dieses Geschenk überhaupt wertschätzen zu können und dann braucht man auch noch mal eine Menge „Arbeit“, um es glauben zu können und daraus etwas zu machen für das eigene Leben, um innerlich frei zu sein und gleichzeitig fest verwurzelt. Aber Sie sitzen hier ja heute auch nicht mehr wie vor 50 Jahren, sondern als die, die Sie heute sind. Sie haben Ihre Erfahrungen gemacht mit dem Leben im Guten wie im Schlechten, mit der eigenen Kraft und dem eigenen Vermögen, mit dem Glück und mit dem Lachen, mit der Liebe, die dieses Leben tief machen kann und weit, bunt und lebendig und mit all den Verlusten, die es hinzunehmen galt und all den Fragen, die geblieben sind.

Wenn Sie heute zurückblicken, würden Sie sagen, Sie haben dieses „Ja“ des Anfangs belehnt und gespürt, dass es getragen hat ?

Würden Sie sagen, Sie haben sich diesem Ja immer mal wieder anvertraut oder sogar darauf gebaut und davon Ihre Kraft geholt ?

Oder haben Sie es gar nicht versucht?

Wohin hat das Leben Sie geführt ? Welche Antworten haben Sie gefunden bis heute (und wenn auch nur als Zwischenberichte... sind sie das nicht immer bis ganz zum Schluss? Vielleicht mögen Sie sich nachher ein bisschen davon erzählen, was zum Schatz Ihres Lebens gehört)?

Denn dazu lädt ein Tag wie heute ein. Dazu, zurückzuschauen und den eigenen Weg noch einmal anzusehen, sich seine Stationen noch einmal vor Augen zu führen und nach dem Sinn des Ganzen zu fragen, nach dem, was getragen und gehalten hat und dem, was am Ende des Tages doch als zu leicht befunden werden musste. Sie sind nicht mehr 14/15, aber Sie sind noch hier. Sie haben nicht mehr das ganze Leben vor sich, und doch noch einen guten Teil. Und es liegt wie damals an Ihnen, was Sie damit machen, woran Sie sich halten, worauf Sie bauen. Darum werde ich Sie nach der Predigt auch noch einmal fragen nach dem, was Sie trägt, heute an Himmelfahrt.

Auch wenn die, die vom Vatertag reden, etwas anderes damit meinen, ist die Bezeichnung gar nicht so falsch. Denn an Himmelfahrt, da feiern wir, dass Jesus Christus sich auf den Heimweg macht zu seinem Vater im Himmel.

An Himmelfahrt schließt sich der Kreis, Jesus kehrt zurück zu Gott, der die Herkunft und Heimat unserer Seele ist. Jesus hat uns diese Bewegung vor Augen geführt hat und sie eine Liebesbeziehung vorgelebt mit diesem Vater im Himmel. Wir kommen vom Himmel hoch in diese Welt, wandern mit ihm an der Seite durch unsere Tage und wir kehren schließlich wieder heim zu ihm, wenn unsere Zeit gekommen ist. Wir werden heim-ge-sucht, wie es so schön heißt von Gott, wenn unser Tag gekommen ist. Und weil wir nicht die Meister unseres Lebens sind, darum weiß keiner von uns, wie lange uns noch bleibt, um unser Feld zu bestellen, um unsere eigenen Farben auszuspielen, um Gemeinschaft gelingen zu lassen, um diese Welt mit dem, was wir eintragen, zu einem besseren Ort zu machen. Was aber bleibt, ist Gottes Zusage, da zu sein und da zu bleiben an unserer Seite, komme, was wolle.

Pass auf, da kommt noch was !

Wie Luther so treffend gesagt hat: „Unser Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind's noch nicht, wir werden's aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.“

Rezept (Mascha Kaleko)

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

Amen.

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Die Nacht der Kirchen auf Facebook: ndkh.de, auf Twitter und Instagram: #kirchennacht  #ndkh19  #herzauflaut
Das Programm: ndkh.de/kirchen  - Quelle: Kirchenkreis Newsletter

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Am Montag, 30. September, 11 Uhr wird der Militärdekan Dr. Hartwig von Schubert in der Führungsakademie der Bundeswehr im Rahmen eines Gottesdienstes verabschiedet. Der 65-Jährige ist seit 2004 in dieser Position. Seine berufliche Vita war vielfältig: zwei Jahre in der Evangelischen Akademie Nordelbien, davor zehn Jahre im Vorstand des Diakonischen Werks Hamburg, davor fünf Jahre in Heidelberg an der Forschungsstätte der Ev. Studiengemeinschaft und davor ebenfalls fünf Jahre Gemeindepastor in Hamburg St. Georg. Was er seiner Kirche mitgeben möchte? „Mehr Mut und Realismus in Fragen der politischen Ethik.“ -  Ort: Manteuffelstraße 20, 22587 Hamburg  - Quelle: Kirchenkreis Newsletter