„Ach Odessa“ – Ein Stadtporträt in Bildern und Geschichten

Als kosmopolitischer Hort der Aufklärung bot Odessa besonders den russischen Juden Chancen, die ihnen im übrigen Russland verwehrt waren. Sie wurden zum Schwungrad des schwindelerregenden wirtschaftlichen Aufschwungs der Hafenstadt, deren Hauptgeschäft der Weizenexport war. Beispielhaft dafür steht die Dynastie der Ephrussis. Odessaer Juden gründeten Schulen, Selbsthilfegruppen, Kultur- und Sportvereine. Und sie trieben die Idee eines jüdischen Staates voran. Odessa nimmt für sich in Anspruch, der eigentliche Geburtsort des modernen Israel zu sein.
Jüdische Schriftsteller wie Mendele Moicher Sforim, Vladimir Jabotinsky, Isaak Babel und das Autorenduo Ilf und Petrow strickten mit am odessitischen Mythengespinst. Odessaer Lieder und Filme, die in der Sowjetunion jeder kannte, machten die Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg zur folkloristischen Marke, zum Sehnsuchtsort.
Heute ist Odessa eine ukrainische Stadt im Krieg, die um ihr Überleben kämpft – und sich vielfach von ihrer russischen Vergangenheit lösen will.
Brigitte van Kann, Autorin und Übersetzerin moderiert und berichtet von ihrer Reise nach Odessa im Oktober 2025,
Sonja Szylowicki, Schauspielerin, liest aus der Odessa-Literatur.
