Führungen durchs Dorf
Kommen Sie mit und besuchen Sie Blankenese!
Anregungen für einen Spaziergang (einige Bilder aus einer Führung im September 2021)
Dauer: ca. 2 Stunden
1. HALT
Blankenese:
Gerade sind Sie aus dem von Wilhelm Semper (Bruder des Stararchitekt Gottfried Semper) gebauten Bahnhofsgebäude getreten, das zur Eröffnung der Bahnlinie Blankenese – Altona 1867 fertiggestellt wurde.
Nun erfahren Sie, dass das Fähr- und Fischerdorf Blankenese 1301 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Es lag geschützt in den kuscheligen Tälern des Elbe-Urstromtals, eingebettet in die vier Hügel Kiekeberg, Süllberg, Waseberg und Kösterberg. (Übrigens: Der Kösterberg heißt seit Ende des 19. Jahrhunderts „Bismarckstein“, weil der Mitinhaber der Holsten-Brauerei das Grundstück erwarb, den Hügel umbenannte und dort eine überdimensionierte Bismarckstatue errichten lassen wollte. Letzteres wurde zum Glück nicht verwirklicht.)
Blankenese ist auch heute Ausflugsziel und privilegierter Stadtteil Hamburgs mit seinem Treppengewirr, den Fischer- und Kapitänshäusern, den Parks, sowie den Villen und Landhäusern.
Die neue Bahnverbindung löste zum Ende des 19. Jahrhunderts einen Bauboom aus. Dafür zeugen viele Gründerzeithäuser, besonders im heutigen Ortskern von Blankenese.
Gehen Sie vom Bahnhof zur Blankeneser Bahnhofsstraße!
2. HALT
Blankeneser Bahnhofsstraße, gegenüber der Kirche.
Der Gedenkstein auf dem Rasenstück zwischen Mühlenberger Weg und Bahnhofsstraße erzählt eine Episode aus der Blankeneser Geschichte.
Die Grafschaft Pinneberg, zu der Blankenese gehörte, stand ab 1640 unter dänischer Verwaltung, nachdem ihr Landesherr, der Schauenburger Graf, einem Giftanschlag zum Opfer gefallen war.
Die vergebliche Erhebung Schleswig-Holsteins von 1848 – 1851 verteidigte das Ergebnis des Vertrags von Ripen (1460). In ihm hatte der schleswig-holsteinische Adel festzulegen versucht, dass das von ihnen regierte Land „up ewig ungedeelt“ sein solle. Auslöser der Erhebung war, dass das Herzogtum Schleswig, getrennt von Holstein, ganz in den dänischen Staat eingegliedert und die deutsche Sprache und Kultur durch die dänische ersetzt werden sollte. Nach dem Krieg von 1864 kamen beide Herzogtümer kurzzeitig unter die Verwaltung der Sieger über Dänemark: Preußen und Österreich.
1866 wurde Blankenese, das zwei Jahre österreichisch war, preußisch, 1927 erfolgte die Eingemeindung zu Altona und seit 1937 ist es ein Vorort Hamburgs.
3. HALT
Überqueren Sie den Mühlenberger Weg und gehen zum Portal der Kirche.
Die evangelisch-lutherische Blankeneser Kirche am Markt wurde 1896 im neogotischen Stil mit Spenden errichtet. Bis dahin gehörten die Blankeneser zur Gemeinde der Nienstedtener Kirche. Der im Blankeneser Altarraum stehende Taufkessel aus der Mitte des 13. Jahrhunderts mit der spiegelverkehrten Inschrift gilt als ältestes Kulturgut des Hamburger Westens und wegen der besonderen Akustik im Kirchenschiff finden jährlich Konzerte des Schleswig-Holstein Musikfestivals statt.
Gehen Sie bitte weiter durch die Bahnhofstraße Richtung Elbe.
4. HALT
Der Hesse-Park liegt auf der rechten Seite der Blankeneser Bahnhofstrasse hinter einer kleinen Stichstraße gleichen Namens.
Friederike und Rütger Klünder legten den Park 1799 – 1802 auf der Schafsdrift des Dorfs an. Neben dem um 1800 errichteten schlichten Landhaus entstand während der Notzeit der Kontinentalsperre (1807 und 1814) obendrein ihre Oelmühle und eine Flachsspinnerei, die der ebenfalls darbenden Klünder-Familie Lohn und Brot gab.
Friederike Klünder war ein außergewöhnlicher Mensch. Sie impfte zwischen 1805 und 1832 ehrenamtlich mehr als 2000 Menschen gegen Pocken und regte die Blankeneserinnen während der napoleonischen Notzeit zur Hilfe durch Selbsthilfe an. Ihr wurde vor ein paar Jahren ein Weg durch den Hesse-Park gewidmet. Letzter Besitzer ihres Anwesens war Herr Hesse, der Gebäude und Park 1926 an die Gemeinde Blankenese verkaufte.
Verlassen Sie den Hessepark und begeben Sie sich zur Straße Am Kiekeberg.
5. HALT
Kiekeberg Nr. 22:
Die Straße ‚Am Kiekeberg‘ erreichen Sie
entweder vom Hessepark
oder von der Blankeneser Bahnhofstraße.
In Nummer 22 entstand um 1862 die erste private Knabenschule von Blankenese, aus der 1892 eine Realschule hervorging, die nach dem Umzug in die neu erbaute Schule in der Lindenstraße (heute Kirschtenstraße) Realgymnasium wurde.
Eine Brücke überspannte den Kiekeberg, die beide Grundstückteile des Klünderschen Parks verband. Angeblich soll der Blankeneser Bestatter Klindwordt neben anderen einen Leichenwagen besessen haben, der allein die abgebildete Brücke ohne Schwierigkeiten unterfahren konnte.
6. HALT
Sehenswert ist Steiler Weg. Er geht vom Am Kiekeberg ab.
Neben dem Jugendstilhaus Steiler Weg 4 befindet sich einer der schönsten Ausblicke auf den Strom bis ins Alte Land und über das Blankeneser Tal. Von hier kann man die südländisch anmutende Bebauung sowie die „Gastwirtsburg“ auf dem Süllberg bewundern. Ab 1837 gab es auf ihm einen Milchausschank, in den an Sonntagen bis zu 1000 Gäste einkehrten.
Doch der weite Weg vom Bahnhof oder der atemberaubende Anstieg vom Anleger hinauf zum Ausschank war beschwerlich.
Der Wirt versuchte deshalb, Gäste von Eseln bergan tragen zu lassen – ohne Erfolg.
Heute erreicht man die Hügelkuppe zu Fuß, per Bus oder mit dem PKW, um die Aussicht auf den breiten Strom von verschiedenen Terrassen oder aus einem der Restaurants unterschiedlicher Preisklassen zu genießen.
Wir gehen nach Osten durch das Tal zum Bandts Weg.
Ab 1837 gab es einen Milchausschank auf dem Süllberg – sonntags kamen bis zu 1000 Gäste.
Um den Aufstieg angenehmer zu gestalten, wurden Esel angeschafft, die die Gäste hinauftrugen. Heute erreicht man die Hügelkuppe zu Fuß, per Bus oder PKW, um im Sommer auf den verschiedenen Terrassen oder von den Restaurants unterschiedlicher Preisklassen aus die Aussicht auf den großen Strom genießen zu können.
7. HALT
Brandts Weg Nr. 3 ist über die Krögers Treppe zu erreichen.
In diesem um 1825 erbauten Kapitänshaus hatte sich im Mai 1863 Johannes Brahms eingemietet, denn die Hausbesitzerin verfügte über ein Piano. Hier plante er längere Zeit zu wohnen und zu komponieren. Doch vier Wochen später erreichte ihn ein Angebot aus Wien, dass er nicht ausschlagen mochte, womit er Blankenese für immer verloren ging.
Vom Brandts Weg kann man die Vielfalt unterschiedlichster Baustile besonders gut bestaunen. Auf engstem Raum kleben Häuser wie hingeworfen neben und übereinander.
Wir gehen die Krögers Treppe wieder nach rechts hinunter, überqueren die Blankeneser Hauptstraße, um in die Hans-Lange-Straße nach links einzubiegen und die Elbterrasse hinaufzusteigen.
8. HALT
Elbterrasse 2
Das Tweehaus (Doppelhaus) von 1698 kaufte der Schlosser Bernhard Schuback 1920 seiner Großmutter ab, um es umfassend zu renovieren.
Im Zuge dieser Arbeiten ließ er das undicht gewordene Reetdach durch ein Hartdach ersetzen.
Anschließend wurde es weiter liebevoll gepflegt.
Interessant ist die runde Brandversicherungsmarke am Haus. Sie zeugt von der Brandversicherungsplicht, die der dänische König Frederik V. 1765 eingeführt hat.
Aber sein Drost in Pinneberg ließ sich mit der Umsetzung der Anordnung viel Zeit, denn die Versicherungspflicht wurde in der Grafschaft Pinneberg erst um 1800 eingeführt.
9. HALT
Elbterrasse 4 – 6
Das typische Blankeneser Fischerhaus wurde um 1580 mit Balken aus dem Spreewald erbaut. Damit ist es das älteste Wohnhaus im Bezirk Altona. Konzipiert wurde es ebenfalls als „Tweehus“, wobei die Zahl „zwei“ für die Anzahl der Besitzer steht, jedoch jede Kammer im Haus von einer anderen Familie oder Altenteilern angemietet wurde. Das war in Blankenese bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich.
Bis 2017 betreute die evangelisch-lutherische Kirche in diesem Haus eine Altentagesstätte mit Museumsstube.
10. HALT
Blick zur Elbe:
Schauen wir von dem seit Urzeiten genannten „Blickberg“ über das Wasser.
Zunächst entdecken wir die unter Naturschutz stehenden Insel Neßsand und das dahinter liegende Obstanbaugebiet „Altes Land“. In der Ferne erkennen wir den Kirchturm von Buxtehude. Daher stammt das Märchen „vom Wettlauf zwischen Hasen und Igel auf der Heide zu Buxtehude“. Auch sagt man gern, dass in Buxtehude „die Hunde mit dem Schwanze bellen“. Aber das eine sehr komplizierte Geschichte.
Links davon – hier unten im Bild – liegt das Gelände von Airbus, der Flugzeugwerft, auf dem Anfang der 2000er Jahre aufgespülten Mühlenberger Loch (vorgelagerte Wasserfläche) und dem gleichfalls zugeschütteten Mündungsgebiet der Süder-Elbe.
Hier wurden in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als 7.000 Maschinen der Typen A 319/320/321 gebaut.
Von manchen Punkten aus kann man dann auch auf den Strand sehen,
wo übrigens 1877 ein Badeverbot verhängt wurde –
wegen Unsittlichkeit und verbreiteter Nacktbaderei.
11. HALT
Manch einer erhält bei seinem Blankenese-Besuch den Ratschlag, besser die Treppen zu nutzen, als über Straßen zum Ziel zu laufen. Dahinter verbirgt sich ein wichtiger Grund. Das ist kein Schabernack Einheimischer. Denn in Blankenese weiß ein jeder, dass tägliches Treppensteigen das Leben verlängert. Nicht nur Ärzte raten – unabhängig davon – dazu.
Auf Blankenese, auf Ihr langes Leben also.
12. HALT
Sie folgen jetzt der Elbterrasse Richtung Westen bis zur Treppe „Rutsch“.
Im Rutsch 1 wohnte Reichsminister Prof. Adolf Köster, Golo Mann zur Untermiete, der berühmte Taucher Dr. Hans Hass und der Ufa-Star Hannelore Schroth ebenso. Im Rutsch 2 der international bekannte Maler Eduard Bargheer.
Vom Rutsch biegen Sie nach rechts in die „Sechslingstreppe“ und gehen bis zum „Krumdal“.
Hier können Sie entscheiden, ob Sie nach rechts bergan zum Bahnhof oder nach links hinunter zum Strandweg gehen. Sofern Sie sich für den Weg hinunter entschieden haben, sollten Sie unbedingt nach Westen bis zu den Wracks spazieren.
Das sind Überbleibsel der Taucherfirma Harmstorf.
Dort finden Sie das Hinweisschild „Römischer Garten“. Es handelt sich dabei um die mediteran anmutende Parkanlage der Familie Warburg, die ein Blankeneser Besichtigungs-Muss ist.
Im Anschluss daran schlendern Sie zurück zum Falkentaler Weg. Dort finden Sie die Haltestelle des Kleinbusses 488, der zum Blankeneser Bahnhof fährt.
13. HALT
Falls Sie jetzt noch über Kraftreserven verfügen, sollten Sie den Strandweg zurück zum Schiffsanleger „Bulln“ gehen (Ein Schiff vom Typ „Bulln“ war der erste Schiffsanleger).
In jedem Fall lohnt eine Pause auf dem Anleger, um sich in die Zeit der riesigen Rinderzüge (1470 bis 1720) sowie der historischen Blankeneser Schifffahrt hineinzuträumen.
Wer weiß schon, dass in manchem Frühjahr bis zu 40.000 Rindviecher bei Wedel und Blankenese über den Strom gesetzt wurden oder dass 1866 42 Blankeneser Schiffe am gleichen Tag im Hafen von Rio de Janeiro lagen. (Die Blütezeit der Blankeneser Frachtschifffahrt mit 112 Frachtseglern war 1867.) Für sie gab es drei Werften. Ein paar Jahre später lag vor dem Strand Breckwoldts Badeschiff, schicklich getrennt nach einem Damen- und Herrenbereich.
Doch auch in Blankenese waren die Zeiten nicht immer glücklich, so während des 30-jährigen Krieges, als Tillys und Wallensteins Truppen in Blankenese über den Strom setzten, nicht ohne vorher den Ort geplündert zu haben oder Dänen und Schweden die Bewohner in mehreren Kriegen drangsalierten, während gleichzeitig die Pest herrschte.
Wer am Bulln das alte Zollhaus sucht, sollte zu dem kleinen Haus links neben der Treppe, die zu Sagebiels führte, gehen. Das Zollhaus diente in früher Jahrhunderten der Grenzüberwachung und Abfertigung, denn die andere Seite des Stroms gehörte zu einem anderen Staat.
Sagebiels Fährhaus hat seit 1867 viele Besucher empfangen, so auch mehrmals Kaiser Wilhelm I., der hier gern weilte.
14. HALT
Strandweg
Auf dem Weg Richtung Hamburg liegt das Jugendstilgebäude des Strandhotels, einem Symbol für die Entwicklung Blankeneses vom Fähr- und Fischerdorf zur Ausflugs- und Sommerfrische. Ein wenig später stoßen Sie auf den Baurs Weg, eine der längsten und steilsten Treppen nach oben. Sie führt durch den Baurs Park und weiter zur Blankeneser Bahnhofsstraße und zum Markt. Wenn Sie den Aufstieg gemütlicher gestalten wollen, empfehlen wir den ein Stück weiter links abgehenden Mühlenberger Weg. Auf ihm kommen sie nicht so schnell aus der Puste.
Zum guten Ende noch einen Vers aus dem Hans-Leip-Gedicht „Blankenese“:
Blankenese von Hans Leip
Ein Dorf, das wie ein Eden liegt
Und sanft nach Grog und Flundern riecht.
Von angenehmen Parks verschönt,
von einer Gastwirtsburg gekrönt.







