Dreißg Jahre Orgel im Gottesdienst, dreißig Jahre Chorleitung, dreißig Jahre große Oratorien. Davon nahm Stefan Scharff in einem großen Gottesdienst am 11. Januar Abschied.
Draußen herrschte Eiseskälte und der Schnee machte das Laufen anstrengend. Trotzdem füllte sich die Kirche am Blankeneser Markt, um Stefan Scharff in den Ruhestand zu verabschieden mit beruflichen Wegbegleitern, Chormitgliedern und vielen aus der Gemeinde, um mit ihrem Kantor die Hürde in ein arbeitsfreies Leben zu nehmen.
Zwei Chöre trafen sich schon früh zu einer letzten Übungsrunde, zum Einsingen – die Capella Vocale und der Niendorfer Kammerchor mit seinem Leiter Finnegan Schulz. An der Orgel saß – nicht Stefan Scharff, sondern Professor Arvid Gast. Die Kirche hatte ihr Spitzenpersonal aufgefahren in Gestalt von Probst Frie Bräsen, Pastor Frank Engelbrecht und Pastorin Julia Karera-Hirth.
Die beiden Chöre brachten Stücke von Josef Rheinberger und Johann Sebastian Bach zu Gehör. Auch für ungeübte Ohren stand die hohe Qualität des Gesangs außer Frage. Stefan Scharfff saß nicht auf einem Ehrenplatz in der ersten Reihe, sondern stand mitsingend im Chor. So hatte er es sich gewünscht. Als aktiver Musiker und nicht als Zuhörer diesen Schritt zu tun.
Die Predigt von Pastor Engelbrecht bezog sich auf Matthäus 3,13-17. Die Würdigung des scheidenden Kantors nahm Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf vor. Neben seinen hohen musikalischen Fähigkeiten, die er zum Wohl der Blankeneser Gremeinde in unzähligen Gottesdiensten und Konzerten eingesetzt hat, stellte er auch die umfangreiche Arbeit im Hintergrund als Kreiskantor dar. Denn auch dieses Amt bekleidete Stefan Scharff. Stellen zu besetzen, organisatorische Strukturen neu zu gestalten, im Konfliktfall zu vermitteln – all das sind Aufgaben, die kaum jemand wahrnimmt, die aber eine hohe Kompetenz und viel Zeit erfordern. Der Landeskirchenmusikdirektor dankte Stefan Scharff für seinen unermüdlichen Einsatz in den vergangenen Jahrzehnten für die Sakralmusik und die Blankeneser Gemeinde.
Schließlich folgte das endgültige Abschiedsritual durch Probst Frie Bräsen. Auch er würdigte Stefan Scharff als herausragenden Kirchenmusiker, betonte auch sein hohes Engagement im Hintergrund als Kirchenkreiskantor. Mit einem Segensspruch am Altar entließ er Kantor Scharff in seinen neunen Lebensabschnitt. Langer Applaus und „standing Ovations“ begleiteten den neuen Ruheständler auf seinem Weg zurück zur Empore in den Chor.
Sollte ihm ein wenig wehmütig ums Herz gewesen sein, waren die Worte des Landeskirchenmusikdirektor ihm hoffentlich noch im Ohr. „Als Kirchenmusiker wird man verabschiedet, aber Musiker bleibt man sein Leben lang“. Die sakrale Musik wird Stefan Scharff auch im Ruhestand nicht loslassen.
Den Abschluss eines sehr würdigen Gottesdienstes, der große Dankbarkeit zum Ausdruck brachte, bildete das geradezu laut jubelnde „Gloria sei dir gesungen“ von Max Reger – aber hier dann doch – eine „Etage“ höher…
Vera Klischan


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