„Gesegneter Ramadan“ – wir könnten auch sagen „Gesegnete Fastenzeit“. In diesem Jahr fällt das christliche Fasten mit dem muslimischen Ramadan zusammen. Allerdings fasten die Christen – wenn überhaupt – sieben Wochen bis Ostern, während Muslime nach einem Monat Fastenbrechen feiern. Wenn bei uns gefastet wird, ist es in der Regel gesundheitlich motiviert. „Sieben Wochen ohne…“. Den Verzicht kann jeder für sich definieren. Hoch im Kurs stehen Süßigkeiten und Alkohol. Man kann sich auch der evangelischen Fastenaktion anschließen mit dem Leitgedanken „Sieben Wochen ohne Härte“. In Zeiten zunehmender Gewalt sicher ein sinnvolles Ziel. Mehr Miteinander, mehr Freundlichkeit.
Wie sieht es bei den Muslimen aus? In Deutschland leben 5,3 bis 5.6 Millionen Muslime. Das entspricht 6,4 bis 6,7 % der Gesamtbevölkerung. Laut der Deutschen Islam Konferenz (eine repräsentative Studie zur muslimischen Bevölkerung in Deutschland) befolgen etwa 75 % derMuslime die islamischen Regeln im Ramadan vollständig oder teilweise. Etwa 56 % fasten vollständig und 20% teilweise.
Vera Klischan hat sich mit Ras unterhalten, der im Cafe Riva die Gäste mit Kaffee, Tee und anderen Köstlichkeiten versorgt.
Lieber Ras, Sie leben als Muslim in Deutschland. Was bedeutet Ihnen der Fastenmonat?
Ich komme aus Afganistan und folge auch hier in Hamburg den Regeln des Ramadan.
Wie sehen diese Regeln aus?
Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang soll weder gegessen noch getrunken werden.
Um diese Zeiten zu kennen, die sich täglich verschieben, gibt es eine spezielle App, die mir jeden Tag die Uhrzeiten ansagt.
Das heißt, dass Sie essen und trinken dürfen, sobald die Sonne untergangen ist oder die App Ihnen das ansagt?
Ja, das ist richtig.
Einen Tag ohne zu essen kann ich mir vorstellen, aber wie sieht es mit Trinken aus? Ist das gesund?
Es dauert ein paar Tage, bis der Körper sich an die tägliche Fastenzeit gewöhnt hat. Dann macht es mir nichts mehr aus, den ganzen Tag nichts zu trinken. Es ist wichtig, dass ich während der erlaubten Zeiten genug trinke.
Schreibt der Koran vor, dass alle Muslime fasten sollen?
Nein. Kinder sollen nicht fasten und alte Leute nur dann, wenn sie es sich zutrauen und unbedingt möchten. Auch schwangere Frauen und kranke Menschen sollen nicht auf Essen und Trinken verzichten.
Der Koran schreibt das Fasten nicht vor. In den meisten muslimischen Ländern ist das Einhalten der Fastenregeln freiwillig. Nur in meinem Land zwingen die Taliban die Bevölkerung, den Regeln zu folgen. Andernfalls droht Gefängnis.
Warum fasten Muslime?
Es gibt mehrere Gründe. In den 30 Tagen sollen wir erleben, wie es ist, Hunger zu leiden wie viele Menschen auf der Welt. Wir sollen diese Situation besser verstehen können. Ein anderer Grund ist Disziplin – zu lernen, einen ganzen Tag ohne Essen und Getränke auszukommen. Aber auch die Reinigung des Körpers ist wichtig.
Bei uns fasten immer weniger Menschen und wenn, vor allem aus gesundheitlichen Gründen, indem sie Schokolade oder Alkohol meiden. Wie ist es in Ihrer Gemeinschaft? Folgen die jungen Leute dem Ramadan – dem strengen Fasten – noch?
Ja, es gibt sehr viel junge Leute – auch hier in Deutschland – die den strengen Regeln des Ramadan folgen. Das ist vielen jungen Leuten noch sehr wichtig. Am Abend wird dann im großen Familienkreis das Fastenbrechen zelebriert.
Gibt es ein bestimmtes Essen beim abendlichen Fastenbrechen?
Datteln und Suppe sind für die meisten das erste, was sie nach einem langen Fastentag zu sich nehmen. Aber danach darf es auch Lamm, Couscous und andere Hauptspeisen geben.
Wie wird das Ende des Ramadan gefeiert?
Das Zuckerfest steht am Ende des Ramadan. Drei Tage lang wird im großen Familien– und Freundeskreis gefeiert. Alle kommen zusammen, bringen köstliche Speisen mit und feiern das Ende der Fastenzeit. Für Familie, Nachbarn und Freunde ist das ein wichtiges Zeichen der Zusammengehörigkeit.
Lieber Ras, ich danke Ihnen herzlich für den Einblick in Ihre Welt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie den Fastenmonat gut und gesund durchstehen, Ich komme bald auf einen Capucchino wieder.
Vera Klischan


0 Kommentare