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Erna Schaper geb. Heberling, 1889 – 1972

Erna Schaper geb. Heberling, 1889 – 1972

Erna Schaper geb. Heberling, 1889 – 1972

Höhere Tochter

Eigentlich war Erna Schaper geborene Heberling eine „höhere Tochter aus gutem Haus“, wie es viele um 1900 gab. Vater Heberling besaß eine gut gehende Maschinenfabrik in der Langen Reihe,  obendrein die Wohn-, Laden- und Fabrikations-Immobilie, in der der Betrieb untergebracht war, so dass  die Familie sehr gut von den Einnahmen leben konnte. Auch durch den Tod  des Vaters wurde das Familieneinkommen nicht geschmälert.

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1909 – links :Alma Heberling mit Familie

Alma Heberling, Erna Schapers Mutter, erwarb 1908 die südliche Hälfte des Fischerhauses Elbterrasse 7 als Sommerhaus. Erna war die älteste der sechs Heberling-Kinder, die alle kulturell höchst interessiert waren, ins Theater gingen, in die Oper, zu Vorträgen und Lesungen. Mutter Heberling und ihre Töchter spielten Klavier, Tochter Erna hervorragend Geige. Man ging gern auswärts Essen, machte weite Reisen, gab Gesellschaften. Ständig waren Besucher im Haus, wurden Feste arrangiert und Freunde bewirtet.

1939

Als der II. Weltkrieg ausbricht ist Alma Heberling schon 82 Jahre alt, doch immer noch aktiv. Wieder fällt ein Richard am zweiten Tag seines Kriegseinsatzes. Den Tod ihres geliebten Enkels hat Mutter Heberling nicht lange überlebt. Sie stirbt im Dezember 1941 im Alter von 84 Jahren.

Seele des Hauses: Erna Schaper

Schon eine ganz Weile hatte die Heberling-Tochter Erna Schaper ganz selbstverständlich die Rolle des treu-sorgenden Familien-Oberhaupts, der gastfreien Hausmutter übernommen. Erna spielt Klavier, hat Gesangsunterricht sowie eine Ausbildung in Harmonielehre genossen. Sie musizierte lange Zeit mit ihrer Geige im Orchesterverein. Sie kann kochen, schneidern, spinnen und weben. Als Vorbereitung ihrer politischen Tätigkeit hat sie noch einen Rednerkurs absolviert. Sie muss ungeheuer einsatzfreudig, fleißig, warmherzig und gastfreundlich gewesen sein. Unterstützt wurde sie schon bald von ihrer Nicht Gotlinde Jäger, die als Webmeisterin die Leitung der „Eigene Hand“ übernahm.

BF.SchaperLebensformtag
Lebensformtagung 1948 im Garten

Wiener Sängerknaben im Fischerhaus

Die Gästebücher und Fotoalben zeugen auch nach dem Krieg von vielen Geselligkeiten und Veranstaltungen in der Elbterrasse: Webwochen, eine Backmodel-Ausstellung, die große Lebensreform-Tagung. Der Jugendbund traf sich hier. In den 1950er Jahren besuchten sogar die Wiener Sängerknaben das Haus in der Elbterrasse und ließen ihre Lieder weit über die Elbe klingen.

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Wiener Sängerknaben an der Elbe

Weil öfter mehr Gäste kamen als erwartet, war die stehende Redensart der alten Frau Heberling: „Schütt Waser in die Suppe, Besuch kommt!“ geflügeltes Wort bei den nachfolgenden Heberling-Generationen, die inzwischen – im Jahr 2010 – Tempel heißen. Welch sinniger Familienname für Bewohner dieses romantischen Hauses mit einer atemberaubenden Lage.

Kaum Braut – schon Witwe

Im Sommer 1914 heiratete Erna den Kapitän Hans Schaper und zog mit ihm nach Kiel. Zwei Wochen nach Kriegsausbruch fiel ihr Bruder Richard in Frankreich. Ein Jahr später verunglückte Ernas Ehemann Hans Schaper mit einem Luftschiff in der Nähe von Stolp, Hinterpommern. Durch die Aufregungen erlitt Erna eine Fehlgeburt. Neben dem Verlust des geliebten Ehepartners, musste sie auch die verlorene Hoffnung auf ein gemeinsames Kind verkraften. Sie kehrte aus Kiel zurück in die Elbterrasse.

Ein paar Monate später lernte die junge Witwe Erna die 10-jährige Kriegswaise Lina kennen und bot ihr an, sie in Pflege zu nehmen. Lina – und bald auch ihr älterer Bruder – gehörten von da an zur großen Heberling-Familie. Erna sorgte dafür, dass die Kinder den Lernanschluss in der Schule fanden, half bei den Aufgaben, bot Klavierunterricht an.

BF.3 Schaper Klavierspiel Erna Heberling im Gartenhaus 1909
Klavierspielende Helene Heberling im Gartenhaus. 1909

Abgeordnete

Es war eine kleine Sensation, dass Erna sich bei den Reichstagswahlen 1921 um ein Mandat der (konservativen) Deutschnationalen Partei bewarb. Erst seit zwei Jahren gab es ein Wahlrecht für Frauen. Obwohl sie von Natur aus redegewandt war, hatte sie vorher einen Rednerkurs absolviert, so dass sie eloquent ihre politischen Überzeugungen vertreten konnte. Tatsächlich wurde sie für vier Jahre in den Kreistag Pinneberg gewählt. 
Und wir können davon ausgehen, dass sie sich zum Wohle der Frauen tatkräftig eingesetzt hat.

Familienoberhaupt

Erna war inzwischen Familienoberhaupt der Heberlings geworden,  sorgte für Firma, Immobilien und Familie.  1922 entschied sie, eine Freundin  aus Brasilien mit ihren fünf Kindern in der Elbterrasse aufzunehmen, eine andere Bekannte hatte vorher ihren Lungenkatarrh bei den Heberlings kuriert. Die Brasilianerin und ihre Kinder durften übrigens volle zwei Jahre gegen einen geringen Unkostenbeitrag als Gäste des Hauses bleiben.

Doch die Inflation zehrte das Vermögen auch dieser Familie auf. Außerdem starb Ernas ältester Bruder Walter, der Frau und Kinder mittellos hinterließ. Mutter Alma und Erna überlegten gemeinsam, über welche Fähigkeiten und Möglichkeiten sie verfügten, mit deren Hilfe sie für sich und möglichst auch für andere eine Existenzgrundlage aufbauen könnten. Als ersten Schritt bewarb sich Erna beim Blankeneser Konservatorium als Geigenlehrerin und wurde engagiert.

Unternehmerin

Bald darauf gründeten Mutter und Tochter die „Werkgemeinschaft eigene Hand“ mit einer Webwerkstatt im familieneigenen Haus in der Langen Reihe. 1930 gehörten ein Maskeraden- und Kostümgeschäft, eine Schneiderwerkstatt und der Verkauf von Kunstgewerbe, Schmuck und Webarbeiten zum Firmenkonglomerat. Mit diesem Unternehmenspaket wollten sie nicht nur Geld verdienen. Ihr Hauptanliegen war, arbeitslose junge Frauen von der Straße zu holen, sie anzulernen und ihnen eine dauerhafte Erwerbsmöglichkeit zu beschaffen.

Dieses Angebot war hoch willkommen – nicht nur in der kritischen Phase der Weimarer Republik, auch während der Weltwirtschaftskrise und ihrer Folgezeit, als die Arbeitslosenzahlen immer dramatischer in die Höhe stiegen, als sich Rotfront und Nazis Saalschlachten lieferten, die Auseinandersetzungen auch immer wieder in Schießereien mit Toten und Verwundeten mündeten und die demokratischen Parteien nicht mehr wussten, wie sie die Situation noch in den Griff bekommen konnten –  außer mit weiteren Spar-Erlassen.

Die Werkstätten der beiden Damen wurden später um eine gewinnbringende Hemdennäherei und Ernas Hand-Weberei ergänzt.

Musikerin

BF.5 Erna Schaper

Erna war nicht nur Geschäftsfrau, sondern auch treu sorgende Hausmutter, spielte viel Klavier, nahm Gesangsunterricht, sowie eine Ausbildung in Harmonielehre.

Obendrein musizierte sie mit ihrer Geige im Orchesterverein. Kurz: Sie war ungeheuer fleißig, einsatzfreudig, warmherzig und gastfrei.
Unterstützt wurde sie bald von ihrer Nichte Gotlinde Jäger, die als Webmeisterin die Leitung der „Eigenen Hand“ übernahm.

Erna schaffte es, die Familie durch die Wirren des 2. Weltkriegs  und der Nachkriegszeit zu bringen.

Schon bald nach der Kapitulation kamen wieder Gäste ins Haus, Ausstellungen und Tagungen wurden in den winzigen Fischerhausräumen angeboten und hatten eine große Strahlkraft.

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Quellenangabe:

Blankeneser Frauen

Maike und Ronald Holst „Stille Häuser – stürmische Geschichten“, S. 50 ff, Klaus Schümann-Verlag, 2010,

Stille Häuser S. 59 –

Wiener Sängerknapen … nach dem Krieg … – Webwochen – … Lebensformtagung…. Heberling… …. Tempel …..

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