In großen bunten Buchstaben steht es seit Jahren am Eingang der Gorch-Fock-Schule. Unübersehbar!
Das Transparent soll die chauffierenden Eltern erinnern, wie sinnvoll ein Schulweg sein kann, der ganz oder teilweise zu Fuß zurückgelegt wird. Vera Klischan hat die Gorch-Fock-Schule von 1998 bis 2015 geleitet und kennt das Thema aus eigener Erfahrung.
Erst gestern ist vor der Gorch-Fock-Schule im morgendlichen Anliefertrubel ein Unfall passiert. Eine 75-jährige Großmutter, die ihre Enkel zur Schule brachte, ist mit ihrem SUV beim Ausparken über die Karstenstraße auf das Schulgelände geschossen. Zwei Brüder, die hinter dem Wagen standen, wurden leicht verletzt. Der kleinere, der unter dem Wagen lag, kam wie durch ein Wunder mit Schürfwunden davon, der große Bruder mit einem gebrochenen Arm. Sehr viel schwerwiegender ist der Schock zu bewerten, der die Augenzeugen, das Kollegium und viele Kinder noch lange beschäftigen wird.
Für die Schule und den neuen Schulleiter Carsten Wandtke-Rumpf war es eine Herausforderung, in einer solchen Situation umsichtig und angemessen zu handeln. Sofort wurden alle Eltern per Mail benachrichtigt. Eltern unter Schock wurden im Schulbüro betreut und am Ende des Unterrichttages standen Lehrerinnen und Schulleiter vor der Schule, um besorgte Eltern „aufzufangen“.
„Wir kümmern uns gemeinsam mit dem Elternrat intensiv um die Sicherheitslage vor unserer Schule. Erst gestern haben wir zusammengesessen.“ So der Schulleiter.
Glück gehabt! Es hätte viel schlimmer kommen können! Wollen wir weiter auf Glück hoffen? Seit vielen Jahren ist das morgendliche Verkehrsaufkommen vor der Schule ein nicht nachhaltig zu lösendes Problem. In letzter Minute fahren einige Eltern noch vor, entlassen nicht selten ihre Kinder in der Zone des absoluten Halteverbots. Schnell in die Schule! Es ist kurz vor acht! Da bleibt keine Zeit mehr einen geeigneten Parkplatz zu suchen. Aber auch die nicht so Gehetzten verursachen eine sehr unübersichtliche Situation in der kleinen Karstenstraße. Das absolute Halteverbot vor der Schule soll den Kindern die Überquerung mit einem freien Blick über die Verkehrslage ermöglichen. Wie oft ist dieser Blick durch riesengroße SUV’s verstellt. Das Problem ist nicht die Lage der Schule an der Straße, das Problem sind die Eltern, die diese Straße jeden Morgen verstopfen.
Was ist zu tun? Worüber sprechen wir seit Jahren(zehnten)? Eben zu Fuß gehen! Es ist gesund, sich vor dem Unterricht zu bewegen. Es macht Spaß, sich mit Mitschülern und Mitschülerinnen zum gemeinsamen Weg zu verabreden. Und es macht selbständig. Vielleicht ist der Schulweg, den ein Kind allein oder mit Freunden zurücklegt, die einzig unbeobachtete Zeit im ansonsten oft durchgetakteten Tag.
Sehr verständlich, wenn Eltern kleinerer Kinder oder mit einem langen Weg ihr Kind nicht allein laufen lassen. In diesem Fall gibt es feste Laufgruppen, denen ein Kind sich anschließen kann. Oder ein Teil des Weges wird mit dem Auto zurückgelgt, die letzten Meter aus einer umliegenden Seitenstraße wird das Kind zu Fuß begleitet. Auf diese Weise wird die Karstenstraße entlastet, das Kind an ein umsichtiges Verkehrtsverhalten herangeführt und vielleicht ergibt sich noch ein kleines Gespräch auf den letzten Metern entspannt zu Fuß.
Aber dafür ist ein gutes Zeitmangement die Voraussetzung!
Ich habe mich als Schulleiterin oft gefragt, warum viele Eltern mich – zu Recht – so oft nach Sicherheitskonzepten im Schulalltag oder auf Klassenfahrten gefragt haben, diesen Aspekt aber morgens komplett außer Acht lassen. Einige, nicht alle!
Es ist die Aufgabe aller Eltern, die Gefahrenlage vor der Schule zu entschärfen!


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