Vor 28 Jahren bin ich nach Hamburg gezogen und wohnte zwecks Studium am Mittelweg, d.h. unweit des Philosophenturms und (für mich persönlich und privat noch viel wichtiger) nahe der Hochschule für Musik und Theater, weil ich privat Unterricht in klassischem Gesang nahm, erst bei einer Studentin, dann bei deren Professorin. 83 Jahre alt, unterrichtete sie (eigentlich aus Blankenese und vom Kiekeberg kommend) bald auch in Klein Flottbek. Der Grundstein für den Weg gen Westen war gelegt.
Zusätzlich hatte ich von meinen Eltern zum Umzug nach Hamburg ein kleines Buch geschenkt bekommen: Brunchen & CO in Hamburg. Lühmanns Teestube in Blankenese, das klang mehr als verheißungsvoll und schon bald waren eine anglophile Kommilitonin und ich an den Wochenenden Stammgast im Lühmanns bei Scones und Cream Tea.
Heute ist der Afternoon Tea ja ein wahrer Verkaufsschlager geworden und zumal in der Adventszeit wird man selbst in den Luxushotels der Stadt im Schichtbetrieb für astronomische Summen abgefertigt. Aber damals kannte man Scones nur aus England selbst, Afternoon Tea vielleicht noch aus dem Hotel Vierjahreszeiten und bekam ansonsten Scones wirklich nur im Lühmanns. (Und Clotted Cream im British Shop in der Hegestraße.)
Nach jedem Ausflug nach Blankenese mit dem 36er (ich vermisse ihn!) fühlten wir uns erholt wie nach einem wochenlangen Urlaub an der See. Man kam richtig raus aus dem Alltag, obwohl man das damals noch gar nicht so nötig hatte. Körper, Geist und Seele hatten aufgetankt, die Schönheit dieses Kleinods an der Elbe, das Treppenviertel, der Markt in Blankenese und die Blankeneser Bahnhofstraße – ein Traum!
Und noch heute geht es mir so. Vergangenes Jahr habe ich meinen 50. Geburtstag bei einem Frühstück im Lühmanns gefeiert. Jeden Samstag hole ich meine Mutter in Nienstedten ab und wir gehen in Blankenese auf den Markt und auf ein Käffchen und ein Croissant in die kleine Patisserie, ins Backhus oder ins Café Marmelade, ins Roederer oder eins der vielen anderen Cafés. Und mindestens ein kleiner Gang durch Baurs Park muss sein – immer ein wohltuender Gang durch üppigstes Grün und eine Bank mit Blick in das erholsame Grün und auf die Elbe lässt sich auch stets finden. Erstaunlicherweise entdeckt man auch immer neue kleine Wege, immer wieder viel Neues und Wunderschönes an Natur und auch Architektur, was Körper, Geist und Seele auftanken lässt.
Es ist und bleibt ein Traum, ein Kleinod, ein Land der Seligen, ein Stück heile Welt, ein Ort der Ruhe und des Friedens, der Geborgenheit und vor allem auch Ort eines unvergleichlichen Zusammenhalts und einer einzigartigen Gemeinschaft! Wer würde nicht gern in dieser Oase leben und sich in die Gemeinschaft einbringen wollen, um dazu beizutragen diese Einzigartigkeit zu schützen und zu erhalten.

Und so zieht es mich nach 28 Jahren dahin, wo nach all den Jahren in Hamburg in meiner freien Zeit mehr und mehr mein privater Mittelpunkt ist, zieht es mich zunehmend von der Alster and die Elbe, von Mittelweg und Milchstraße nach Blankenese. Auch wenn der Arbeitsweg länger und die S1 nicht immer verlässlich ist: das nehme ich als die Dornröschenhecke, die das Schloss schützt. Ein Schloss muss es wirklich nicht sein, aber nur zu gerne eine kleine, aber feine Ein- bis Zweizimmer Wohnung. Für Hinwiese auf eine solche bin ich jederzeit dankbar!
…und bis ich mich endgültig und dauerhaft durch die Dornröschenhecke gekämpft habe, bleibt es bei dankbaren Wochenendausflügen nach Blankensee auf den Markt, in die Kirche, ins Café, zum Italiener, in Baurs Park sowie auf und ab durchs Treppenviertel.
Happy Weekend, Blankenese, mon amour!
Friederike Patt


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