Tomm-Ole Hopp (19) ist erfolgreich in einer Sportart, die in Deutschland längst nicht den Stellenwert hat wie in ihrem Mutterland, den USA. Während bei uns der Fußball als Königssport gilt, ist es in den Vereinigten Staaten der American Football.
Neben der großen NFL, die ihren Meister jedes Jahr im umjubelten Super Bowl ermittelt, haben nahezu alle Colleges eigene Mannschaften, die in nationalen Ligen spielen. Tomm-Ole Hopp gehört fest zum Team des Dickinson College in Pennsylvania. Sein sportliches Talent ermöglicht ihm dort ein Stipendium. Über den Jahreswechsel war er zu Besuch bei seiner Familie in Hamburg. In einem ausführlichen Interview berichtet er über sein Leben zwischen Leistungssport und Studium.
Du wirst am 27. Januar 20 Jahre alt. Damit wärst du in Deutschland eigentlich mitten in der Ausbildung oder im Studium. Wann kam der Moment, in dem sich dein Weg verändert hat und das Football-Mutterland USA für dich attraktiv wurde?
Bis einschließlich der elften Klasse lief bei mir alles ganz normal, wie bei den meisten anderen auch. Ich bin in Blankenese erst in den Kindergarten und dann zur Grundschule und zur weiterführenden Schule gegangen. 2023 kam das Angebot auf eine Highschool in den USA zu wechseln, um noch intensiver und besser American Football zu spielen. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass das Ende meiner Schulzeit und auch die Berufsausbildung anders verlaufen werden.
Wie kommt es, dass du American Football spielst? Zu den vorherrschenden Sportarten hier in den Elbvororten gehören viele Ballsportarten wie Fußball, Handball, Hockey oder auch Tennis, nicht aber Football. Wie bist du auf die Idee gekommen, in Hamburg in einen Football Verein einzutreten?
Football war bei uns zu Hause schon immer ein Thema. Mein Vater hat früher Football gespielt, mein großer Bruder auch. Und von seinen Geschäftsreisen in die USA hat uns mein Vater oft etwas mitgebracht, auch Fanartikel der NFL. So kamen der Sport und die Begeisterung dafür zu uns nach Hause und wir sind zu einer Football Familie geworden.
Wie bist du vom Football in Deutschland an eine Highschool in den USA gekommen?
Ich habe in Hamburg bei den Blue Devils angefangen. Meine Trainer haben schnell gemerkt, dass ich Talent habe, und mir geraten, den Schritt in die USA zu wagen. Nach fünf Jahren Entwicklung und Training habe ich über eine Organisation, die europäische Footballspieler an Highschools und Colleges vermittelt, habe ich ein Highlight Video eingeschickt und daraufhin mehrere Angebote bekommen.
Nach Gesprächen mit mehreren Schulen hast du dich für die Salisbury School in Connecticut entschieden. Warum gerade diese?
Ich habe mit etwa zehn Schulen gesprochen und die Auswahl dann auf drei reduziert. Am Ende habe ich mich für die Schule entschieden, die sportlich, schulisch und finanziell am meisten Sinn gemacht hat. Die Salisbury School ist eine Prep School, vergleichbar mit einem Internat, etwa zweieinhalb Stunden von New York entfernt.

Wie sah dein Alltag dort aus?
Die Schule lag mitten im Nirgendwo, hatte rund 300 Schüler und war eine reine Jungenschule. Ich habe zweieinhalb Jahre dort gelebt, meinen Highschool Abschluss gemacht und natürlich Football gespielt. Wir haben alle auf dem Campus gewohnt, was sehr zusammengeschweißt hat.
Wie funktioniert der Übergang von der Highschool zum College für einen Footballspieler?
Als Athlet wird man aktiv von Colleges rekrutiert. In den Sommerferien war ich etwa sechs Wochen auf Football Camps in den USA, bei denen Colleges scouten. Wenn ein College Interesse hat, bekommt man ein Angebot. So bin ich schließlich am Dickinson College in Pennsylvania gelandet.
Du studierst dort im medizinischen Bereich und möchtest Physiotherapeut werden. Wie lässt sich Studium und Leistungssport vereinbaren?
Es ist anspruchsvoll, aber machbar. Ich studiere im sogenannten Pre-med Bereich, also eine medizinische Grundausbildung. Da wir in der Division 3 spielen, gibt es keine reinen Sportstipendien, sondern akademische. Trotzdem ist das Angebot sehr gut und man wird auf dem Campus komplett versorgt.
In welcher Liga spielst du aktuell und was bedeutet das für deine sportlichen Perspektiven?
Wir spielen in der dritten Liga, vergleichbar mit der dritten Bundesliga. Man kann vier Jahre aktiv spielen und danach noch vier Jahre studieren. Danach entscheidet sich, ob man den Schritt Richtung Profi geht oder sich voll auf die berufliche Laufbahn konzentriert.
Du spielst als Guard und Center in der Offensive Line. Was genau ist deine Aufgabe auf dem Feld?
Meine Hauptaufgabe ist es, den Quarterback zu schützen und Räume für das Laufspiel zu schaffen. Es ist eine sehr körperliche Position.
Siehst du eine Chance für dich in den USA Football-Profi zu werden?
Für Profifootball bin ich mit 130 Kilogramm bei einer Größe von 1,88 Metern zu klein – ideal wären eher zwei Meter und 140 Kilo. Ich mache so lange weiter, wie es Spaß macht und ich zusammen mit dem Team Erfolg habe.
In der NFL jubelst du für die Green Bay Packers. Wie unterscheidet sich das von College Football?
Die NFL-Spiel live mitzuerleben ist eine großartige Erfahrung. Trotzdem finde ich College Football oft noch spannender. Die Atmosphäre ist intensiver, die Stadien sind laut und voll und es entsteht zwischen den Mannschaften und den Teams ein echtes „Wir“-Gefühl.
Wie sieht ein typischer Tag während der Saison aus?
Der Tag beginnt gegen 5.30 Uhr mit Krafttraining im Gym. Danach gibt es Frühstück und Vorlesungen. Mittags haben wir Team Meetings, in denen Spielzüge und der Gegner fürs Wochenende besprochen werden. Am Nachmittag folgen weitere Vorlesungen und anschließend das Football Training für zwei bis drei Stunden.
Bleibt bei diesem Pensum noch Zeit für Freizeit und Freunde?
Nicht viel, aber es geht. Abends essen wir zusammen, lernen und verbringen etwas Zeit mit Freunden. Ich habe sowohl in der Highschool als auch im College enge Freundschaften geschlossen.
Wie oft kommst du nach Hamburg zurück und welche Programmpunkte müssen hier sofort abgehakt werden?
Während der Highschool war ich dreimal im Jahr hier, inzwischen eher zweimal. Dann freue ich mich vor allem auf Spaghetti Bolognese von meiner Mutter, so richtig lecker selbstgekochtes Essen. Und dann verbringe ich möglichst viel Zeit mit der Familie und meinen Freunden.
Was sind für dich die größten Unterschiede zwischen Blankenese und dem Leben auf einem amerikanischen College Campus?
Blankenese ist wie ein Dorf. Jeder kennt jeden, es ist eine Gemeinschaft, hier bin ich zu Hause. Das gibt es am College so nicht. Die Menschen sind freundlich, aber es ist anonymer und kulturell etwas schwieriger, aber es lassen sich dennoch tiefe Freundschaften knüpfen.

Wie trainierst du in den Ferien, wenn du in Hamburg bist?
Ich habe einen Trainingsplan als App auf dem Handy und gehe etwa viermal pro Woche ins ins Shaping Up. Da habe ich schon immer trainiert und es liegt so praktisch um die Ecke. In den Ferien legen die Coaches aber viel Wert auf Regeneration. Die Saison ist hart, da braucht der Körper auch mal eine Pause.
Wo siehst du dich in etwa zehn Jahren?
Das ist schwer zu sagen. Im Moment kann ich mir gut vorstellen, wieder nach Hause zu kommen und als Physiotherapeut zu arbeiten. Diese Entscheidung wird sich in den nächsten dreieinhalb Jahren zeigen.
Welche Rolle könnte Football in Deutschland für dich spielen?
Football ist in Deutschland durchaus realistisch, auch professionell, etwa bei Teams wie den Sea Devils. Allerdings braucht man hier zusätzlich einen normalen Beruf. Ich könnte mir auch vorstellen, später als Coach zu arbeiten.


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