
Das Ehepaar Maike und Ronald Holst hat sich viele Jahre mit der Geschichte Blankeneses beschäftigt, sich engagiert für Historisches im Zusammenhang mit der Arbeit des Fischerhauses, haben Vorträge gehalten, Ausstellungen durchgeführt und Bücher mit profiliertem Rückblick auf die Geschichte Blankeneses geschrieben. Eins dieser Bücher „Blankeneser Frauen“ haben sie uns zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Wesentliche Texte daraus sollen hier vorgestellt werden: Ehepaar Holst hat uns die Text- und Bildrechte zugesprochen. (DANKE!)
Blankeneser Frauen aus zwei Jahrhunderten“
Vom Fischernetz zum Doktorhut
Das Buch ist 2013 erschienen.
Im Epilog heißt es: „Die geschilderten Schicksale stehen stellvertretend für Frauen ihrer Zeit, ihres Umfelds, in ähnlicher Lebens- und Familienkonstellation. Sie zeigen, dass eine Vielzahl Blankeneser Frauen selbst in schwierigster Zeit die Herausforderungen annahmen und bewältigten, dass sie ihre Familien mit Kinder und Alten ernährten, Familienoberhaupt wurden, Kranke aufopferungsvoll pflegten, erwerbstätig wurden, für das Gemeinwohl sorgten, Unternehmen gründeten und zur Blüte führten, Reedereien erfolgreich übernahmen, künstlerisch hervorstachen, für Gleichberechtigung der Frauen kämpften, immer aber die ihnen vom Leben diktierten Aufgaben meisterten.
Gesellschaftliche Veränderungen setzten sich im Fischerdörfchen Blankenese an der Elbe immer nur schleppend durch, denn im Fähr- und Seefahrerort mussten ganz andere Prioritäten gesetzt werden. In Blankenese ging es beinahe täglich ums nackte Überleben. Sei es zu Hause, erst recht aber auf See.

Der Mangel an Veränderung lag aber auch daran, dass das Dorf während der 224 jährigen dänischen Vorherrschaft (1640 – 1864) viel zu weit vom Machtzentrum Kopenhagen entfernt lag, wo Gesetze und Entscheidungen für den dänischen Gesamtstaat getroffen wurden – auch für die Grafschaft Pinneberg, zu der Blankenese gehörte.
So führte man die allgemeine Schulpflicht in Dänemark schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein, während sie in Blankenese erst 100 Jahre später vollständig umgesetzt wurde. Ähnlich verlief es mit der Brandversicherung, die sich erst 50 Jahre nach dem Gesetzeserlass in Kopenhagen im südlichen Holstein durchsetzte.
Da Blankenese ein Fähr-, Fischer- und Seefahrerdorf war, befanden sich die Männer meist auf dem Wasser. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts gingen 92% der männlichen Bevölkerung über 14 Jahre Seefahrerberufen nach. Während die Männer häufig abwesend waren, mussten deren Frauen die Rolle der Familienoberhäupter und Ernährer übernehmen.
Da 13% der Fischer im 18. und 19. Jahrhundert auf See blieben, fiel den Frauen die Ernährerrolle bei Todesfällen zu, es sei denn, sie heirateten wieder. Viel dramatischer sah es bei den Frachtfahrern aus, die zwischen 1820 bis 1880 die Sieben Weltmeere befuhren. Von ihnen kehrten 42% nicht wieder heim.
Da Blankeneser Frachtschiffe in der Küstenschifffahrt von Lateinamerika und China eingesetzt wurden, ließen Schiffe und Mannschaften manchmal erst nach fünf, sechs oder gar sieben Jahren die Anker wieder vor Blankenese fallen.

Wenn ein Seemann nach so langer Abwesenheit heimkehrte, war das für seine Familie, die Freunde und Nachbarn ein ganz besonderer Festtag. Die Großfamilie tischte auf, was nur möglich war, um seine glückliche Rückkehr zu feiern.
Doch oft zeigte sich, dass der lang Herbeigesehnte – gezeichnet von entbehrungsreicher Fahrenszeit, von Krankheiten und Unfällen – seinen Beruf nur noch bedingt oder überhaupt nicht mehr ausüben konnte. So mancher hatte auch ein „Andenken“ aus einem überseeischen Bordell mitgebracht, worüber nur unter der Hand gesprochen werden durfte.
Mancher Seelord hatte Teile seiner Heuer auf der langen Reise durchgebracht, andere kamen gänzlich abgebrannt nach Hause. Dann hatte die Familie nichts zu beißen. Genau so schlimm war es, wenn die Hausfrau während der Abwesenheit ihres Mannes nicht ordentlich wirtschaftete.

Siegfried D. Bendix
Selbst Schiffseigner konnten in dieser Zeit keine Reichtümer sammeln, obwohl Frachtfahrten außerordentlich profitabel waren. Der Verdienst der Reeder/Eigner war so exorbitant hoch, dass sie spätestens nach der fünften Fahrt ein neues Schiff aus den erwirtschafteten Erträgen hätten bezahlen können. Doch die Mehrzahl der Schiffe ging lange vorher verloren bzw. war längst schwer havariert und abgewrackt.
Den glücklichen Kapitänen, die mit ihrem Schiff wieder in die Heimat zurückkehrten, nahm die „Schiffsversicherung auf Gegenseitigkeit“ den größten Teil der Erträge wieder ab, weil abermals viele Schiffe gesunken oder schwer havariert waren.

Immer waren deshalb die Frauen gefordert, ihre Familien über Wasser zu halten. Notgedrungen lernten sie, die Lebenshaltungskosten auf ein Minimum zu drücken, indem sie alle Möglichkeiten ausschöpften, die Haus, Garten, Elbe und Umgebung boten. Dazu nutzten sie die von ihren Müttern erlernten Fähigkeiten zur Herstellung von Kleidung, Haus- und Bootsausstattung.
Doch bei allem Fleiß, dem helfenden Einsatz der Alten und Kinder, bei aller Bescheidenheit blieben Bedürfnisse offen, die nur mit klingender Münze zu befriedigen waren.
Aber bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Blankenese kaum Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Denn nur die wenigen Landhausbesitzer konnten sich eine Waschfrau, Köchin oder Gartenhilfe leisten.
Das änderte sich zur Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem das Fischerdorf als Sommerfrische entdeckt worden war und sich auch für Frauen eine Reihe neuer Einkommensmöglichkeiten auftat. Als Blankenese 1867 durch die Vorortsbahn mit Altona und Hamburg verbunden wurde, gab es dann endlich einen Schub vielfältiger neuer Arbeitsmöglichkeiten.

Die neue Bahnverbindung verlockte von nun an besser Gestellte aus den dicht besiedelten Städten ins Grüne zu ziehen. Villenanlagen entstanden beiderseits der Bahnlinie in Bahrenfeld, Groß-Flottbek und Othmarschen, Klein-Flottbek und Hochkamp, natürlich auch in Blankenese, dem vorläufigen Ende der Eisenbahn. Zu diesen „besser gestellten Kreisen“ gehörten Reeder, Banker, Prokuristen und leitende Angestellte, Politiker, aber auch Schauspieler, Schriftsteller und Maler, kurz alle, die über das notwendige Kleingeld verfügten, sich ein zeitgemäßes Heim in der Nähe eines Vorortsbahnhofs (die Bahn wird erst seit 1938 S-Bahn genannt) zu bauen. Für Blankenese bedeutete es, dass sich das Zentrum des Ortes vom Hanggebiet immer mehr auf das Oberland, hin zum Bahnhof, verlagerte.
Gleichzeitig befuhren immer öfter Dampfschiffe die Meere. Sie waren schnell, kamen zur vereinbarten Zeit im Bestimmungshafen an und boten eine wesentlich größere Ladekapazität als kleine Frachtsegler. Wegen der großen Warenmengen besaßen selbst Häfen in Übersee Eisenbahn-Anbindungen, um die Gütermengen ab zu transportieren.
Bis auf eine Ausnahme wehrten sich Blankeneser Reeder, die Zeichen der Zeit zu akzeptieren und auf Dampfantrieb umzusteigen. Schließlich mussten sie ihre Frachtsegelei ganz aufgeben und – falls möglich als Lotsen – oder als angestellte Seefahrer und Kapitäne arbeiten.
Auch in der Fischerei gab es eine ähnliche Strukturkrise. Denn auch hier ging der Trend – zwar zeitversetzt – vom simplen Fischewer zum Fischdampfer. Deshalb mussten sich die Blankeneser Fischer ebenfalls neu orientieren. Sie wandten sich beispielsweise dem Altonaer oder Hamburger Arbeitsmarkt zu, um auf einem der neuen Fischdampfer anzuheuern.

Für die Frauen bedeutete der Umbruch eine gewaltige Verbesserung. Blieben ihre Männer der Seefahrt treu, dann fuhren sie jetzt auf größeren sicheren Schiffen. Die Fahrten dauerten nicht mehr so extrem lange und die Reedereien zahlten eine monatliche Heuer an daheim gebliebene Familien. Erst recht entlastet wurden Frauen, wenn ihre Männer die Seefahrt aufgaben und einem Broterwerb an Land nachgingen. Dann konnten sie sich endlich auch der Erziehung der Kinder und dem Erhalt von Haus, Hof und Garten voll widmen.

„Die Frauen seien untertan ihren Männern als dem Herrn. Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus ist das Haupt der Gemeinde, die er als seinen Leib erlöset hat. Aber wie nun der Gemeinde untertan, so seien es auch die Frauen ihren Männern in allen Dingen. (Eph.5, 22 ff)“
Diese biblischen Worte spiegelten über Jahrhunderte das Weltbild wieder, wenn es um die Stellung der Frau in Ehe und Gesellschaft ging.
Im Zuge der französischen Revolution (1789) entwickelte sich erstmals die Forderung nach einer Gleichberechtigung von Mann und Frau – in Frankreich.
Blankenese war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts von einer homogenen Schicht armer Leute bewohnt.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts mangelte es erheblich an Hygiene und medizinischer Versorgung. Die in allen Fischerhäusern benutzten Alkoven waren Bakterien-Brutstätten. Viele Frauen starben im Kindbett. Auch bei den schlecht ernährten und medizinisch unterversorgten Kindern war die Mortalitätsrate über Jahrhunderte dramatisch hoch. Ende des 18. Jahrhunderts lag sie bei Kindern bis zum 10. Lebensjahr für Jungen bei 41% und für Mädchen bei 38%. (Beispielrechnung für die Zeit zwischen 1768 und 1799 nach den Nienstedtener Kirchenbüchern)
(Blankeneserinnen am Brunnen, Jacob Gensler; 1841)
Der früher übliche Generationenvertrag verpflichtete die Jüngeren zur Versorgung der Alten. Hatten die ihren Besitzanteil am Fischerboot auf die nächste Generation übertragen und waren in die „Lüttwohnung“, ins „Abschiedszimmer“ gezogen, mussten ihre Kinder „lebenslanges Wohnrecht und Heizmaterial“ garantieren. Da die Blankeneser Männer praktisch immer auf See waren, mussten ihre daheim gebliebenen Frauen den Vertrag erfüllen.
Wann immer es das Wetter zuließ zog es die Männer auf die Elbe, um im Strom oder der Deutschen Bucht auf Fang zu gehen. Wie oft warnten ihre Frauen, mit dem Auslaufen zu warten. Wie häufig warteten sie voller Bangen auf die Rückkehr ihrer Männer – manchmal vergebens.


Deshalb war die Sorge um Haus und Hof, die Erziehung der Kinder, die Versorgung der Alten, die Bestellung des Kohlhofs (Nutzgartens), sowie der Unterhalt des Kleinviehs, die Beschaffung des Heizmaterials (Treibholz) aus der Elbe, das Spinnen von Garnen für Wollsachen, Netze, Taue und Leinwand, das Weben von Segeln, das Stricken und Flicken der Netze usw. Aufgabe der Frauen und ihrer Familien.
Wegen der Armut war es dringend notwendig, dass Alte und Kinder im Haushalt mitarbeiteten. Regie führte notgedrungen immer die Frau, deren Mann auf See war. Doch bei allem Einsatz der Familie blieben viele Bereiche, die Geldmittel verlangten, offen. Dazu gehörten Reparaturen für das Schiff, Krankheiten, Taufen und Beerdigungen, Hochzeiten und die Aussteuer der Töchter, Ausstattung und Ersatz von Geschirr und Inventar, von Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker, Salz und vieles mehr.
Wenn dann kriegerische Heerscharen plündernd, mordend, vergewaltigend durch den Fährort Blankenese zogen, war die Not unendlich groß. Und das passierte bei einem Fährplatz häufig. So zum Beispiel während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648.
Der Pastor und Dichter Johannes Rist aus der Nachbargemeinde Wedel (ebenfalls ein Fährort) fasste diese Schrecknisse in erschütternde Verse:
Das vormals volle Land ist gänzlich ausgezehret,
Das Vieh hinweg gebracht, die Dörfer stehn verheeret,
Die Flecken ohn Gebäu, die Äcker voller Dorn,
Die Wiesen sonder Heu, die Scheuren ohne Korn.
Die Städte sind verbrannt, die Mannschaft ist erschlagen.
Nur arme Waislein sind noch übrig, die da klagen,
Mit Tränen für und für der liebsten Eltern Tod.


Der sich an den Dreißigjährigen Krieg anschließende schwedisch-dänische Krieg von 1657 bis 1660 brachte neue Drangsalierungen. Und zwischen 1678 bis 1721 gab es nur wenige Jahre, in denen die Grafschaft Pinneberg – wie auch Blankenese – nicht von durchziehenden Truppen und Einquartierungen ausgelaugt wurde.
Ein schwedisches Kürassierregiment lag vom 8. bis 15. Juli 1712 in Blankenese und Umgebung. Es verbrauchte bei seinem 8-tägigen Aufenthalt 4.300 Pfund Brot (pro Mann pro Tag 2 Pfund), 274 Tonnen Hafer und 60.000 Pfund Heu. Die Lasten der Einquartierung hatten die Blankeneser zu tragen.
Nach dem großen Nordischen Krieg (1700 – 1721)hob sich der Lebensstandard der Blankeneser Bevölkerung langsam, da die Fischer ertragreiche Fanggründe vor der holländischen Küste entdeckt und gleichzeitig lukrative Absatzmärkte in Holland eroberten. Allerdings bedeutete es auch, dass die Männer die volle Fangperiode nutzten und nicht zwischendurch nach Blankenese zurückkehrten. In dieser Zeit also auch kein Geld ins Haus kam.
Während der napoleonischen Kriege zwischen 1806 und 1815 lagen erneut dänische, französische aber auch russische Truppen in Blankenese – mit entsprechenden Belastungen für die Menschen. Hinzu kam, dass Blankeneser Fischer weder vor Holland fischen noch ihre Fänge dort verkaufen durften. Sie mussten sich mit den Gründen in der Elbe oder vor Sylt, Amrum und Röm begnügen – ohne Absatzmärkte zu haben. Vielen Familien ging es daraufhin so katastrophal, dass ihre Kinder betteln gingen, wie Zeitgenossen erschüttert berichteten.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es blieb den Blankeneser Fischerfrauen gar nichts anderes übrig, als stark zu sein. So wie es ihnen Mütter und Großmütter vorgelebt hatten. Was sollte aus ihren Kindern und den Alten werden, wenn sie nicht durchhielten, wenn sie nicht den Ernährer, den Erzieher und Beschützer ersetzten?
Eine besondere Frau aus dieser Zeit

(Abbildung: Sitzender Herr von Riegen mit seiner hinter ihm stehenden Frau)
Nach 1848 war politischen Vereinen die Aufnahme von Frauenspersonen, Schülern und Lehrlingen verboten. Auch durften diese Personen nicht an Veranstaltungen und Sitzungen teilnehmen, bei denen politische Themen behandelt wurden.
1865 gründeten einige Damen den „Allgemeinen Deutschen Frauenverein“. Sie forderten die Erschließung aller Bildungsmöglichkeiten für Frauen, Recht und Anspruch auf Arbeit und das Recht der freien Berufswahl.
Trauertracht zum Hochzeitsfest
Während der Frachtfahrerzeit (ca.1820 – 1870) stiegen viele Blankeneser Fischer ins sehr lukrative Transportgeschäft ein. Das heißt, sie segelten zunächst mit ihren kleinen Ewern über die Weltmeere, durchlitten die Umrundung von Cap Horn, wurden bei Sturm über Bord gewaschen, verhungerten oder verdursteten bei Flauten. Sie ertranken oder starben durch Unfälle und Brände an Bord, an Gelbfieber oder anderen tropischen Krankheiten. Beinahe jeder Zweite ließ auf diese Weise sein Leben in der Fremde. Seemannsbräuten schenkte man deshalb schon zur Hochzeit eine Trauertracht.
Da es üblich war, mindestens zwei Jahre lang Trauer zu tragen, wunderten sich Reisende dieser Epoche über die vielen schwarz gekleideten Frauen. Überhaupt, im Dorf Blankenese schienen nur Frauen und Kinder zu leben.
Aus Not wird Tugend:
Blankeneserinnen müssen selbst Geld verdienen
Wegen der hohen Mortalitätsrate und der vielen Krankheiten und Blessuren bei Seeleuten hielten Blankeneser Familien notgedrungen eng zusammen. Denn noch waren Alters-, Invaliden-, Witwen- oder Waisenrenten nicht erfunden.
Wenn irgend möglich, heiratete ein Bruder des zu Tode gekommenen (egal ob er der Schwägerin sympathisch oder unsympathisch war) dessen Witwe und übernahm so die Fürsorge für die Familie. Das war Witwen- und Waisenversorgung auf Blankeneser Art. Doch nicht immer gab es einen ledigen Bruder. In solchen Fällen versuchte die Witwe Arbeit zu bekommen, während ihre Kinder bei Verwandten, Freunden oder Nachbarn Unterschlupf finden mussten.
Zum ersten Mal boten sich den Frauen Verdienstmöglichkeiten gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die ersten wohlhabende Kaufleute aus Altona und Hamburg nach Blankenese zogen und die Sommer auf ihren Landsitzen verlebten. Sie benötigten Dienstpersonal für Haus, Garten und Park.
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Blankenese langsam zur Sommerfrische. Die Bewohner der nahen Städte entdeckten das Fischerdorf als reizvolles Sonntagsausflugsziel. Manche wollten sogar länger bleiben und suchten Sommerfrische-Quartiere.
Für Not leidende Seemannsfrauen taten sich ganz neue Verdienstmöglichkeiten auf. Sie vermieteten Zimmer an „Inloschierers ut fremde Natschonen“, zu denen natürlich auch die Hamburger zählten, während sie selbst und ihre Familien ins Waschhaus oder auf den Dachboden zogen. Diese Art Geschäft betrieben viele. Der Nachteil war, dass man damit nur ein kleineres Zubrot verdienen konnte, weil die Zimmerzahl und die Kürze der Saison schnell Grenzen setzte.
Eine weitere Geschäftsmöglichkeit war der ambulante Handel. Dabei ging man entweder von Haus zu Haus und bot Waren feil. Oder man offerierte sie da, wo Menschenmassen zu finden waren, z.B. am Strand, auf den Anlegebrücken oder nach 1867 am neu entstandenen Bahnhof. Eine Steigerung dieser Art des Warenverkaufs war der feste Kiosk oder das Behelfsgeschäft, beispielsweise im Hausflur.
Ergab sich die Gelegenheit, hatte man das nötige Kleingeld, wurde sogar ein Einzelhandelsgeschäft eröffnet, das Touristen und die nähere Umgebung versorgte. So entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert allein in den 162 Häusern der Blankeneser Hauptstraße mehr als 80 Läden. Dazu boten die zahlreichen Lokale, die vor allem am Elbufer und an interessanten Aussichtspunkten eröffneten, vielfältige Arbeitsplätze für einsatzfreudige Frauen. Denn neben Kellnerinnen waren Kräfte für Küche und Keller gefragt, Putz- und Waschfrauen, Büglerinnen bis hin zur Klofrau.

Kapitänswitwe und Vermieterin
Gesa von Ehren geb. Meier
1805 – 1866 Brandts Weg 3
Foto: Mittagsstündchen vor Brandts Weg 3
