Blankenese im Gespräch

Buchhandlung Kortes – das kleine Juwel in Blankenese

Ist der Lockdown nicht auch eine Chance neben allen unbestreitbaren Härten? Eine Chance zur Muße, zum guten Buch? Da ab zu Kortes! Frau Klose und ihre Mitarbeiterinnen stehen bereit. Die Wahl in der gut sortierten Buchhandlung fällt schwer. Romane, Biographien, Kinderbücher, Historisches, Koch- und Reisebücher – jeder wird hier fündig. Vera Klischan hat sich mit Frau Klose unterhalten – über Blankeneser Geschmack, Handel in Coronazeiten und vieles mehr.

Die Buchhandlung Kortes an der Elbchaussee ist ein Blankeneser Juwel ©Vera Klischan

Liebe Frau Klose, Sie sind die Inhaberin der Buchhandlung Kortes in Blankenese. Wann haben Sie die Buchhandlung übernommen und warum ausgerechnet diese?

Es gibt einen ganz einfachen Grund. Ich bin 2005 nach Blankenese gezogen. 2006 habe ich die Buchhandlung Kortes übernommen. Damals habe ich in einer Buchhandlung in der Innenstadt gearbeitet, die aber aus Altersgründen geschlossen werden sollte. Ich war immer gewohnt, verantwortlich zu arbeiten. Im Fachblatt habe ich vom Verkauf der Buchhandlung gelesen. Ich wollte da arbeiten, wo ich gern lebe. Es gab viele Bewerbungen. Ich habe dann Gespräche mit Herrn Völker geführt und es hat geklappt.

Hiltrud Klose ©Vera Klischan

Ist es mutig eine Buchhandlung zu übernehmen, wenn man E-Books und Amazon als Konkurrenz hat?

Ehrlich gesagt war es für mich mutiger, mich mit 53 Jahren selbständig zu machen. Der Kredit war damals eine Entscheidung der Bank, die abgewägt hat, ob ich das Geld in meinem Alter noch bekommen soll. 

E-Books hat man nicht zum Geld verdienenDie verpflichtenden Verträge sind nicht lohnend für kleine Buchhandlungen. Amazon gegenüber steht der persönliche Kontakt mit den Kunden. Das hat sich hier bewährt. Amazon macht die ganze Buchwelt kaputt, auch die großen Buchhandlungen. Bei der Übernahme der Buchhandlung habe ich keine Angst gehabt, weil ich die Erfahrung hatte, dass ich es kann. Der kaufmännische Bereich war mir nicht vertraut. Das habe ich nach und nach gelernt. Ein mutiger Schritt, das habe ich für mich so empfunden. 

Ein Buchhändler hat gesagt:“ Es wird weniger gelesen?“ Würden Sie das bestätigen?

Nein! Das Buch wird bleiben. Aber Bücher kaufen hat mit Geld zu tun. Wir sind hier in einem bevorteilten Stadtteil. 

Wie sieht Ihre Kundschaft aus? Sind es überwiegend Stammkunden? Wissen Sie von einigen bereits, was Sie empfehlen können und was auch nicht?

Das dauerte! Aber nach einem Dreivierteljahr kannten wir viele Namen und Vorlieben unserer Kunden. Das ist ein großes Plus. „Sie kennen doch Frau… Haben Sie ein Buch für sie?“ Das hören wir oft.  Manchmal rate ich auch vom Kauf ab, weil es nicht zu dem Menschen passt. 

Gerade in diesen Coronazeiten kommen neue Kunden. Vielleicht liegt es am Homeoffice, dass einige plötzlich den eigenen Stadtteil entdecken und die lokalen Geschäfte. Dazu wächst die Skepsis gegenüber Amazon.  

Gibt es bestimmte „Stoßzeiten“ im Buchgeschäft, z.B. vor großen Ferien oder im Advent?

Weihnachten! Davon lebt der Einzelhandel im ganzen Jahr! Deswegen habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie wir in diesem Jahr das Weihnachtsgeschäft überstehen. Vom Weihnachtsgeschäft bezahlen wir im Jahr die Miete und die Gehälter. Es ist das wichtigste Geschäft des Jahres. Vor den Ferien wird Reiselektür gekauft, aber danach sind alle ein paar Wochen weg und kaufen gar nichts. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Wenn 30 Grad Hitze herrschen und gleichzeitig Fußballweltmeisterschaft ist, brauche ich hier keine zusätzliche Arbeitskraft. 

Wie hat sich Corona mit dem Lockdown ausgewirkt? Vor allem mit dem aktuellen?

Im März konnte ich nicht klagen. Wir haben sehr viel Unterstützung und Zuwendung bekommen. Die Leute haben Gutscheine gekauft. So haben wir diese Zeit gut überstanden. Das war kein Problem. Jetzt im Weihnachtsgeschäft müssen wir sehen, wie es sich entwickelt.  Die beiden letzten Tage vor dem Lockdown waren sehr gut. Viele kommen und sagen, sie wollen versorgt sein mit Lesestoff. Ich höre es immer wieder, dass viele Lektüre für die Zeit zu Hause benötigen.

Mal schauen, wie die Leute sich in der letzten Woche vor Weihnachten verhalten werden. Hier können weiterhin Bücher telefonisch oder per Mail bestellt und abgeholt werden. Das Abholfach ist voll. Im Moment sehe ich wirtschaftlich kein Problem für uns. Ich bedauere die Restaurants und den Kulturbetrieb, die lahm gelegt sind. 

Nehmen Sie alles in Ihr Sortiment auf, gibt es Schwerpunkte oder auch Bücher, die Sie in Ihrem Geschäft nicht verkaufen möchten?

Alles, was rassistisch ist, die Menschenwürde untergräbt und frauenfeindlich ist, will ich hier nicht ausstellen. Ich möchte keine Ecke mit rechtsradikaler Literatur. Meinungsfreiheit besteht für mich darin, dass ich es bestellen würde für jemanden, der es wünscht. Ich würde aber nicht in meinem Geschäft dafür werben.

Ein Blick ins Schaufenster lohnt sich immer – oft sind es schon die künstlerischen Cover, die zum Lesen und Blättern animieren ©Vera Klischan

Wie ist denn so der Blankeneser Geschmack? Was geht besonders gut?

Sehr individuell! Auch hier! Frau Stenzel und ich sind froh, dass unser Angebot auf ein großes Interesse bei den Blankenesern trifft. Das, was wir einkaufen, wird sehr gut angenommen. Romane und geschichtliche Sachbücher gehen am besten. Besonders gut geht alles, was mit Blankenese zu tun hat. 

Wie sieht es mit Kinderbüchern aus? Lesen Kinder weniger als früher?

Das hängt vom Elternhaus ab. Wenn das Buch selbstverständlich ist wie die Tasse oder der Teller im Schrank, wird gelesen. Schwierig wird es, wenn Eltern sich nur mit elektronischen Geräten beschäftigen. Insgesamt ist das Kinderbuch im deutschsprachigen Raum aufsteigend. Lesen hängt davon ab, wie Kinder herangeführt werden, ob man als Eltern selbst liest, den Kindern vorliest oder ihnen ein elektronisches Gerät in die Hand gibt. 

Liebe Frau Klose, verraten Sie uns zum Schluss, welches Ihr Lieblingsbuch ist?

Christa Wolf! Sie ist eine großartige Autorin. „Nachdenken über Christa T.“ habe ich fünf Mal gelesen. Sie ist eine solche bedeutende Schriftstellerin. Als Buchhändlerin muss ich anders lesen, viel mehr, professionell, um zu beurteilen, welche Bücher, welche Neuerscheinungen unsere Kunden interessieren.

Liebe Frau Klose, ich danke Ihnen sehr, dass Sie mir hier inmitten all der herrlichen Bücher in der Abendstunde Rede und Antwort gestanden haben. Ich wünsche Ihnen und allen Blankeneser Einzelhändlern, dass Sie diese belastende Zeit gut überstehen und dass Sie uns weiterhin so gut mit Lesestoff versorgen.

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1 Kommentar

  • Antworten
    Barbara Slotta
    17. Dezember 2020 at 21:05

    Danke für diesen Artikel und danke, dass wir hier solche individuellen Läden haben. Das ist die Lebensqualität in unserem „Dorf“

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