Eigentlich sollte jedes Hamburger Unternehmen die Hamburger Arbeitsassistenz kennen: Entstanden aus einer kleinen Elterninitiative ist die gemeinnützige GmbH heute eine Unternehmens- und Personalberatung für besondere Menschen. Und Unternehmen, die diese besonderen Menschen schätzen. Dabei schaut der „Fachdienst für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung“ ganz genau darauf, dass Mensch und Unternehmen ein Match sind. Und sorgt darüber hinaus für viel Unterstützung. Denn nur so entsteht eine Win-Win-Situation: Unternehmen bekommen motivierte Mitarbeitende, und ein Mensch mit Handicap eine neue berufliche Zukunft.
Und das klappt: „Über 1.500 Menschen haben durch uns bis 2025 schon Arbeit gefunden etwa 80 Prozent der Suchenden bekommen wir vermittelt. Das ist viel und ist bundesweit vorbildlich“, freut sich Achim Ciolek, einer der Geschäftsführer der Hamburger Arbeitsassistenz, kurz HAA. Grund ist sicher die große Erfahrung und das entstandene Netzwerk an Unternehmen. „Viele, die uns kennen, schätzen unsere Arbeit.“ Die gemeinnützige GmbH wurde 1992 von einer Elterninitiative als Modellprojekt mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds gegründet. „Damals waren wir acht Mitarbeitende, heute sind wir rund 160, davon arbeiten etwa 80 Kolleginnen und Kollegen als Jobcoaches, d.h. sie unterstützen die zukünftigen Mitarbeitenden als Paten, bis sie den Arbeitsalltag vor Ort allein bewältigen“, erklärt Ciolek.

Vorbildlich: Volle Unterstützung
Eine solche Arbeitsassistentin ist Marion Nieth (siehe auch BeitragXXXLINK einfügen). Sie ist seit 14 Jahren bei der HAA und hat in dieser Zeit etliche Menschen mit Behinderung in ihren neuen Tätigkeiten begleitet. Das Patensystem ist bundesweit einmalig. „Gerade diese intensive Unterstützung, die wir leisten – und die das Unternehmen, egal ob klein oder groß, sehr entlastet –, wird immer wieder positiv von allen hervorgehoben, die uns kennenlernen“, sagt Marion Nieth. Zu uns kommen Menschen mit Behinderung, die gerne arbeiten möchten und eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt brauchen. „Wir suchen dann passende Unternehmen und vor allem auch die passende Nische in diesem Unternehmen – passgenau für diesen Menschen.“ Was viele Unternehmen nicht wissen: Arbeitsassistentinnen und Arbeitsassistenten sind dauerhafter Ansprechpartner für beide, Jobsuchende, Arbeitnehmende und Vorgesetzte und Kollegen in den Betrieben. Das gilt sowohl während der Suche als auch der beruflichen Orientierung, und dann während der Erprobungszeit und beim Anlernen. „Wir unterstützen so lange, bis das Arbeitsverhältnis stabil ist.“ Ihre Zielgruppe sind Menschen, die zum Beispiel nicht mehr in Werkstätten für Menschen mit Behinderung arbeiten möchten, aber auch Menschen, die aufgrund von Krankheiten und Rehabilitationsmaßnahmen ihren alten Job nicht mehr ausüben können.
Die Nische finden
Gemeinsam mit ihrer Kollegin Iris Kastens, einer Vermittlungsberaterin, macht sie sich dann auf die Suche nach dem passenden Job. Iris Kastens ist das Bindeglied zwischen den Jobcoaches und den Unternehmen. „Meine Aufgabe ist es, Kontakte zu knüpfen. Meine vier Kolleginnen und ich sind dafür bei Unternehmen vor Ort, aber auch auf Jobmessen und anderen Veranstaltungen, bei denen man potenzielle Arbeitgebende trifft“, so Iris Kastens. Auch in Blankenese kennt man sie und ihre Arbeit schon, ob in der Hamburger Sparkasse, im Kirchenkindergarten oder bei der Spielvereinigung Blankenese. Immer dabei: Viel Aufklärungs- und Informations-, manchmal auch Überzeugungsarbeit. Denn natürlich gibt es viele Gespräche über Ängste oder Vorbehalte. „Wir schauen uns Arbeitsbilder und -umfelder an, wir sprechen über Fördermöglichkeiten, und den Prozess, jemanden über uns in Arbeit zu vermitteln.“

Schauen, ob es passt
Denn der unterscheidet sich: Vor jeder Einstellung gibt es eine lange Erprobungszeit in Form eines begleiteten Praktikums – zur Sicherheit und Entscheidungsfindung für beide Seiten. „Das ist uns ganz wichtig: Kein Unternehmen muss einstellen! Aber die Chance, jemanden kennenzulernen und einem Teilnehmenden Einblicke zu ermöglichen, die zu geben, wäre schon sinnvoll – dazu möchten wir ermutigen!“, betonen beide. Ein Prozess ohne Risiko: Im Rahmen der unterstützten Beschäftigung haben Unternehmen zwei Jahre Zeit, herauszubekommen, ob es passt. Und eine weitere Besonderheit hat die Arbeit der HAA: „Was wir machen, ist oft die Suche nach der ‚Nische‘, also individuellen Anpassungen des Anforderungsprofils “, erklärt Iris Kastens. Nischen, die zum Beispiel ohne eine langfristige Lohnkostenforderung für Unternehmen manchmal nicht mehr zu erschließen wären: Seien es die Patientenlotsen im UKE oder Helfertätigkeiten, z.B. als Alltagsbegleitung in Altenheimen, in Kindergärten, aber auch als Küchenhelfer in Restaurants und Hotels.
Ein wenig mehr Mut und Neugier auf Erfahrungen – das wünschen sich beide Kolleginnen von Betrieben und Unternehmen: Offenheit, die Tür für Jobsuchende mit Handicap zu öffnen.
Übrigens: Eine gute Gelegenheit zum Kennenlernen ist der internationale DUOday, der am 28. Mai 2026 wieder in Hamburg stattfindet. Der Tag bringt Menschen mit Behinderung und Mitarbeitende aus Unternehmen zusammen.
HAMBURGER ARBEITSASSISTENZ
HAA gGmbH
Schulterblatt 36, 20357 Hamburg – Tel. 040/431339-0
www.hamburger-arbeitsassistenz.de
Die HAA bietet Unternehmen unter anderem
Individuelle Arbeitsvermittlung
Erprobungspraktika vor der Übernahme in ein Arbeitsverhältnis
Individuelle Qualifizierung und Betreuung von Arbeitnehmer:innen mit Behinderung zur Sicherung der betrieblichen Integration
Beratung und Hilfe in Konfliktsituationen
Beratung und Organisation von finanziellen Förderungen (Lohnkosten und Arbeitsplatzausstattung)
Die HAA bietet Arbeitsuchenden Menschen mit Behinderung
– Unterstützung in berufsorientierenden und berufsqualifizierenden Maßnahmen
– Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz
– Hilfe bei der Vorbereitung auf den Arbeitsplatz
– Individuelle Qualifizierung und Begleitung am Arbeitsplatz, bis eine Selbstständigkeit erreicht ist
– Beratung und Unterstützung bei der sozialen Eingliederung in den Betrieb
Sabine Müntze, Febr. 2026


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