Auffällig orange-türkis-weiß-gelb leuchtete am 28. Januar ein Linienbus auf dem ansonsten leeren Marktplatz in Blankenese. Beim neugierigen Näherkommen war an der Front die Leuchtschrift zu erkennen: GoBanyo – der Duschbus. Hinter dem bunten Äußeren verbergen sich drei mobile Badezimmer, das Menschen ohne festen Wohnsitz in Hamburg die Möglichkeit bietet, sich in Ruhe zu duschen und zu pflegen.
Der zum Duschmobil umgebaute Bus war zuvor im regulären Linienbetrieb der Hamburger Hochbahn unterwegs. Nach seiner Außerdienststellung wurde er der gemeinnützigen Organisation GoBanyo gespendet, die diesen dann mithilfe von Spendengeldern mit drei Duschkabinen ausgestattet hat: zwei im vorderen Bereich sowie eine größere, barrierefreie Kabine, die über die mittlere Bustür zugänglich ist. Jede Kabine verfügt über eine Dusche, ein Waschbecken, einen Spiegel sowie einen wasserfesten Schrank.
„Der Duschbus wird als gemeinnützige Organisation an drei Standorten in Hamburg an fünf Tagen in der Woche betrieben“, berichtet Gülay Ulas, Mitgründerin von GoBanyo, die für Pressearbeit und Marketing des Projekts verantwortlich ist. „Heute sind wir nach Blankenese gekommen, um unser Angebot dort vorzustellen, wo viele Menschen im Alltag nur selten mit dem Thema Wohnungslosigkeit in Berührung kommen. Gleichzeitig sammeln wir Spenden.“
Spenden für Menschen, für die der tägliche Gang ins eigene Badezimmer genauso wenig selbstverständlich ist wie ein ausreichender Vorrat an frischen, trockenen Handtüchern und sauberer Unterwäsche. „Waschen ist Würde“, verdeutlicht Gülay Ulas. Wer zum Duschen zum GoBanyo kommt, erhält unter einem Pavillon vor der vorderen Bustür Hygieneartikel, Handtücher und frische Unterwäsche. „Unsere Gäste können bei uns so lange duschen, wie sie es brauchen“, erklärt Gülay Ulas. Das Wasser wird über Hydranten an den jeweiligen Standorten entnommen und im hinteren Teil des Busses aufbereitet und erwärmt. Dort befindet sich auch der Abwassertank für die spätere Entsorgung.

Seit 2019 ist GoBanyo in Hamburg unterwegs. In dieser Zeit wurden bereits über 33.000 Duschen ermöglicht. Finanziert wurde der Umbau des Busses durch eine Crowdfunding-Kampagne, die innerhalb von sechs Wochen rund 168.000 Euro einbrachte.
In den kommenden Monaten soll ein zweiter Bus hinzukommen, dessen Umbau kurz vor Fertigstellung ist. Der erste Bus wird dann vorübergehend außer Betrieb gehen, um sich nach fast sieben Jahren intensiver Nutzung selbst eine „Reha“ zu gönnen. „Unser Ziel ist es, langfristig beide Busse parallel einzusetzen. Dafür sind wir weiterhin auf Spenden angewiesen“, sagt Gülay Ulas.
Der bunte Bus auf dem Blankeneser Marktplatz zog zahlreiche Neugierige an, die sich spontan über die Arbeit informierten, Kleiderspenden vorbeibrachten oder im nahegelegenen Drogeriemarkt fehlende Artikel besorgten. „Duschgel und Shampoo haben wir aktuell ausreichend“, erklärt Gülay Ulas. „Besonders freuen wir uns über kleine Feuchttuchpackungen, Zahnbürsten und Zahnpasta. Auch warme Jacken und Hosen sind bei den derzeitigen Temperaturen sehr willkommen.“
Ausführliche Informationen zum Projekt finden sich auf gobanyo.org. Aktuelle Aktionen, Standorte und Spendenaufrufe werden zudem über die Social-Media-Kanäle auf Facebook und Instagram kommuniziert. Darüber hinaus engagiert sich das rund 100 Personen starke Freiwilligenteam von GoBanyo in der Bildungsarbeit an Schulen. Finanziert wird das Projekt ausschließlich durch Spenden von Unternehmen und Privatpersonen.
Sandra-Valeska Bruhns


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