Blankenese im Gespräch

1. Advent: Glaube, Hoffnung, Liebe

Diesen Sonntag zünden wir die erste Kerze am Adventskranz an. Die ehrenamtlichen Bürgerredakteure von blankenese.de stellen an jedem der vier Adventssonntage einen persönlichen Beitrag zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest auf diese Seite. Den Anfang macht Vera Klischan mit dem Gedicht von Elsbeth Bieler „Vier Kerzen“

Vier Kerzen

Am Adventskranz brannten vier Kerzen. Draußen lag Schnee und es war ganz still. So still, dass man hören konnte, wie die Kerzen miteinander zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte: „Ich heiße FRIEDEN. Mein Licht gibt Sicherheit, doch auf der Welt gibt es so viele Kriege. Die Menschen wollen mich nicht.“ Ihr Licht wurde kleiner und kleiner und verglomm schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: „Ich heiße GLAUBEN. Aber ich fühle mich überflüssig. Die Menschen glauben an gar nichts mehr. Was macht es für einen Sinn, ob ich brenne oder nicht?“ Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze verlosch.

Leise und sehr zaghaft meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: „Ich heiße LIEBE. Mir fehlt die Kraft weiter zu brennen; Egoismus beherrscht die Welt. Die Menschen sehen nur sich selbst, und sie sind nicht bereit, einander glücklich zu machen.“ Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind ins Zimmer. Erstaunt schaute es die Kerzen an und sagte: „Warum brennt ihr nicht? Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein.“ Betrübt ließ es den Blick über die drei verloschenen Kerzen schweifen.

Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: „Sei nicht traurig, mein Kind. So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen immer wieder anzünden. Ich heiße HOFFNUNG.“

Mit einem kleinen Stück Holz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und erweckte Frieden, Glauben und die Liebe wieder zu Leben.

Elsbeth Bieler, 1997

Aber die Hoffnung ist die größte unter ihnen

Frieden, Glaube, Liebe – dafür brennen stellvertretend drei der vier Kerzen am Adventskranz in diesem Gedicht. 

Für Frieden bitten wir Jahr um Jahr, nicht nur in den Krisenregionen und Kriegsgebieten weltweit wird er innig erhofft. Aber auch in unserem eigenen Land steht der innere Frieden dieses Jahr auf schmalen, zerbrechlichen Füßen.

Der Glaube, er wird in einer Welt der schnellen Medien immer unpopulärer. 

Die Liebe stellt die vielleicht stärkste Sehnsucht der Menschen dar. Aufrichtig geliebt zu werden heißt, Stunden höchsten Glücks zu erfahren. Zu lieben und einander zu vertrauen ist eines der größten Geschenke, das wir uns gegenseitig machen können. 

Aber in diesem Jahr eint uns alle -wirklich alle Menschen weltweit – die Hoffnung! Hoffnung auf ein Ende der weltumspannenden Krise, die Leben und Existenzen vernichtet, die Familien nicht zueinander finden lässt und Kindern Bildung vorenthält. Hoffnung auf Überwindung der Pandemie, aber auch auf Chancen für unsere Gesellschaft, in der vielleicht auch Frieden, Glaube und Liebe wieder stärker verankert werden. Hoffnung, die wir nicht verlieren dürfen! Gerade jetzt im Advent und zu Weihnachten! 
Vera Klischan

Jetzt sind Sie dran, liebe Leser von blankenese.de!

Welches Gedicht, welche Episode oder welche Kurzgeschichte gehört für Sie untrennbar zur Advents- und Weihnachtszeit dazu? Welche kleine Perle lohnt sich, wiederentdeckt und einer größeren Leserschaft vorgestellt zu werden? Gibt es weihnachtliche Gedanken, die gerade in diesem besonderen, von der Corona-Pandemie geprägten Jahr eine neue Bedeutung bekommen? Wir freuen uns über Ihre Zuschriften per Mail an redaktion@blankenese.de und werden sie in loser Folge hier auf dieser Seite veröffentlichen.

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