Der Schrei – Edvard Munch – undatierte Federzeichnung Kunstmuseum Bergen – Wikipedia
6. März 2026: Passion – die jetzige Kirchenjahreszeit. Es geht um das Leiden Jesu, um das Leid in der Welt. Um unser Leid.
Wir sind von dem, was „Leid“ beschreibt, geradezu umzingelt. Ich erspare mir die Aufzählung. Das Leid neben mir lässt mich verzagen – aber auch das in der Ferne – gerade jetzt zusätzlich bis in den Nahen! Osten. Warum muss das alles so sein? Fragt sich auch einer wie ich, ein Pastor, einer der Gott vertraut.
Und??
Für Manchen kann es eine große Hilfe sein, wenn er oder sie sagen kann: „Diese Last legt mir Gott auf“ – oder „Er weiß den Sinn“. Punkt.
Wenn ich aber mir selbst, wenn ich anderen eine Antwort schuldig bin, dann finde ich nur ein radikales Bild von dieser Dimension „Gott“:
Gott bewahrt uns vor gar nichts.
Auch den Glaubenden nicht, den Unschuldigen nicht. Auch Jesus nicht.
Oft nicht auszuhalten – dieses Bild. Einige Namen, die mir weitergeholfen haben – s.u..
Wenn ich für mich nicht diesen Weg finde und mich „in Gottes Willen“ füge kann und ich sage: „Wenn es einen Gott gibt, muss er (zumindest) mir helfen!“, der steht in der Gefahr, beim Fehlen von Hilfe, den Glauben über Bord zu werfen. Enttäuschungs-Atheismus.
Mein Vertrauen habe ich noch behalten dürfen, will es behalten. Gott bewahrt auch mich nicht vor„Leid“, aber ich setze darauf, dass er mich / uns hindurch begleiten will.
Ich habe einen sterbenden Menschen vor mir. Und ich sehe um ihn herum eine große Fürsorge. Ob der Sterbende das noch erspüren kann – kann ich nur hoffen. Menschen sind da, die mittragen. Die Bibel würde von Engeln sprechen. Engel müssen nicht Männer mit Flügeln sein.
Es gibt auch das schreckliche, einsame Leiden und Sterben. Corona und die Altersheime fallen mir ein, wo vonZuwendung eher wenig zu sehen war. Hoffentlich war da auch Begleitung – wenn auch für uns unsichtbar. Hoffentlich.
Gegen allen Schein vertraue ich darauf, dass wir am Ende nicht einfach nur weg sind, vergehen, sondern aufgehoben bleiben in dieser Größe „Gott“. Wie auch immer – aber geborgen. Wir – Wir alle!

Die Frage, warum es auf dem Weg zu diesem Ziel soviel Leid geben muss
– für so viele –
bleibt ohne Antwort.
Geradezu kindlich stelle ich mir vor, dass wir am Ende, am Ziel „Gott“ befragen werden: „Warum musste es diesen Umweg über das Leid geben?‘
Auf die Antwort bin ich gespannt.
Davor halte ich Ausschau nach den Engeln. Vielleicht kann ich ja auch mal einer von denen sein.
Mitantwortende:
Eugen Drewermann, Rudolf-Otto Wiemer, Elie Wiesel, Romano Guardini
Helmut Plank


Auf die Beantwortung der Frage, warum es diesen Umweg über das Leid geben muss, wäre ich ebenfalls gespannt. Ich fürchte, sie bleibt unbeantwortet. Dass das Leben durch Freud und Leid reich wird, kann ich als einer, dem mehr Freud als Leid begegnet ist, leicht sagen. Ich fürchte, dass ich es nicht mehr sagen werde, wenn die Hiobsbotschaften die Freude überschatten. Dass mich Gott davor nicht bewahrt, glaube ich auch. Was dann? Ich weiß es nicht. Kann sein, dass meine diesseitige Hoffnung dann ein upgrade benötigt…