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Hirschpark künftig ohne Hirsche

Hirschpark künftig ohne Hirsche

Hirschpark künftig ohne Hirsche

Der Hirschpark zwischen Blankenese und Nienstedten verliert seine namensgebenden Bewohner. Auf Anordnung des Bezirksamtes Altona werden die dort lebenden in den kommenden Tagen aus dem Gehege abgezogen und in das Wildgehege Klövensteen gebracht. Künftig sollen auf dem Areal keine Tiere mehr gehalten werden. Das Bezirksamt begründet die Entscheidung mit Tierschutzgründen. Der Verein Freunde des Hirschparks zeigt sich überrascht und kritisiert das Vorgehen.

Historische Tradition endet

Wo Johan Cesar Godeffroy bereits um 1860 ein Hirschgatter errichten ließ, gehören Hirsche nun der Vergangenheit an. Laut Bezirksamt kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu Problemen bei der Tierhaltung. Besonders während der Brunftzeit kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den Damhirschen. In einem Fall verendete ein Tier, ein weiteres musste aufgrund schwerer Verletzungen eingeschläfert werden. Trotz Umbauten in den Jahren 2023 und 2024 habe sich die Situation nicht verbessert.

Bezirksamt betont Tierschutz

Das Bezirksamt verweist außerdem darauf, dass die Tiere durch die vielen Besucher, auch in den Abend- und Nachtstunden, sowie durch Lärm und unangeleinte Hunde dauerhaft unter Stress gestanden hätten.

„Das Wohl der Tiere steht für uns an oberster Stelle – auch wenn dies bedeutet, langjährige Traditionen zu hinterfragen“, erklärte Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth. Mit der Umsiedlung in den Klövensteen habe man den Damhirschen eine artgerechte und sichere Umgebung geschaffen. Dort leben die Tiere künftig in einem größeren Herdenverband mit weiblichen Tieren, was zu einem ruhigeren Sozialgefüge führt und aggressive Brunftkämpfe reduziert.

Verein kritisiert Entscheidung

Kritik kommt vom Verein der Freunde des Hirschparks. Dessen Sprecherin Beate Hülsen äußerte Unverständnis: „Mit Unverständnis reagieren wir darauf, dass einer der beliebtesten Parks Hamburgs seiner Attraktion beraubt werden soll.“ Zugleich begrüßt der Verein, dass die bisherige, nicht artgerechte Haltung einer reinen Männergruppe beendet werde. Aus Sicht des Vereins sei es jedoch möglich, das Damwild im Hirschpark wieder in einem Familienverband zu halten. Das Gehege verfüge über ausreichende Größe und müsse erhalten bleiben.

Hirschpark.07.07.2012
Hirschpark.07.07.2012

Hülsen äußerte die Vermutung, dass finanzielle und personelle Gründe eine Rolle gespielt haben könnten. Hirschpark und Klövensteen würden vom gleichen Personal betreut. Das Wildgehege Klövensteen fällt wegen der Anzahl der gehaltenen Tierarten unter die Gesetzgebung von Zoos. Hier sind u.a. erhebliche bauliche Maßnahmen zwingend vorgeschrieben. Für das Wildgehege im Hirschpark reicht dagegen ein einfacher Zaun wie im Wildgehege Niendorf und es ist jederzeit frei zugänglich.

Auch Nachfrage von blankenese.de beim Bezirksamt heißt, es, die Entscheidung sei aus Gründen des Tierschutzes und Berücksichtigung der artgerechten Haltung der Tiere, die oberste Priorität habe, getroffen worden. Ein personeller Engpass im Klövensteen spielt nach Aussage des Bezirksamtes dabei keine Rolle. Auch sei der Verein der Freunde des Hirschparks nicht in die Entscheidung einbezogen worden, da die Verantwortung für das Wohlergehen der Tiere beim Bezirksamt liegt.

Hirschpark4.2008
Hirschpark4.2008


„Eine Schließung des Geheges im Hirschpark wollen wir nicht hinnehmen“, sagte Hülsen. „Ich hoffe, dass alle Blankeneser unseren Verein in dem Bestreben unterstützen, dass im Hirschpark wieder ein Rudel Damwild einziehen kann.“

Nach Angaben des Bezirksamtes soll über die künftige Nutzung des ehemaligen Wildgeheges gemeinsam mit der Bezirkspolitik und den zuständigen Fachbehörden entschieden werden.

Sandra-Valeska Bruhns

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