Blankenese im Gespräch

Kinder – was habt Ihr geleistet!

Lockdown, Homeschooling, Abstandsregel, Hygienemaßnahmen – Corona hat den Kindern und Jugendlichen im letzten Jahr viel abverlangt. Vera Klischan hat sich mit Eliza und Marie, beide 10 Jahre, Arno, 9 Jahre, und Caspar, 10 Jahre, über Lernen mit Computer, Freundschaft und Spielen im Regen unterhalten und dabei sehr reflektierte, ehrliche und kluge Kinder erlebt, die als Viertklässlerinnen und Viertklässler von der Gorch-Fock-Schule Abschied nehmen und zu neuen schulischen Ufern aufbrechen.

Freut Ihr Euch auf die Ferien?

Alle: Auf jeden Fall! Endlich mal wieder rauskommen! Das ist toll!

Ihr habt sehr lange keinen normalen Unterricht gehabt. Aber seit Mitte Mai seid Ihr wieder alle zusammen im Unterricht. Wie ist das für Euch?

Eliza: Es ist sehr schön, alle wiederzusehen. 

Marie: Toll, alle zu sehen und normalen Unterricht mit der ganzen Klasse zu erleben. Alles war fremd, manche Mitschüler habe ich kaum erkannt, weil sie eine Brille hatten oder einen anderen Haarschnitt.

Wie habt Ihr die Zeit erlebt, als Ihr gar nicht in der Schule wart? Habt Ihr am Computer gearbeitet oder habt Ihr Arbeitsblätter von der Schule bekommen?

Arno: Erst mal habe ich ausgeschlafen. Dann kam die Videokonferenz. Über Padlet haben wir die Arbeitsblätter bekommen. Manchmal hat es nicht richtig funktioniert. 

Die wunderbaren Interviewpartnerinnen und- partner mit ihrer Lehrerin Frau Beiersdorfer ©Vera Klischan

Marie: Aber alle fanden es gut, wenn es nicht funktionierte und dass man dann nicht arbeiten musste. Das war eine gute Ausrede.

Caspar: Jeden Morgen gab es um 8.30 eine halbe Stunde lang eine Zoomkonferenz mit der ganzen Klasse und Frau Beiersdorfer. Da haben manche in den Chat blöde Sachen reingeschrieben. Das wichtigste Thema war: Wie geht es mir? Aber wir haben auch Buchvorstellungen gemacht. Technische Probleme gab es manchmal.

Frau Beiersdorfer: Die Kinder, die keinen Zugang zu einem PC hatten, waren in der Schule, um online zu lernen. Ich habe die Konferenz immer so eingerichtet, dass einige Kinder nach dem Ende weiterarbeiten konnten. Ohne Lehrerin entstand dabei viel Kommunikation.

Die Kinder halten die Regeln besser ein als wir im Kollegium. Dazwischenreden war kein Problem!! Sie haben sich gegenseitig auf die Regeln hingewiesen. Am Anfang habe ich mich sehr gegen Video gewehrt, aber ich bin eines Besseren belehrt worden. Ich habe alle wiedergesehen und es ging mir danach viel besser. Ich habe meine Meinung komplett geändert.

Gorch-Fock-Schule ©Vera Klischan

Wie das Homeschooling? Schwierig? Oder gab es auch Vorteile?

Casper: Ich stehe immer um 7 Uhr auf und habe dann direkt losgearbeitet. Um 10.30 war ich meistens fertig. Für mich war es gut, es hat mehr Spaß gemacht und ging schneller. Ich konnte mich viel besser konzentrieren. Um 12 Uhr konnte ich manchmal schon Tennis spielen. 

Marie: Ich fand es auch gut, war schnell fertig und hatte Zeit für meine Freundin in der Nachbarschaft. Ein Nachteil war, dass ich meine Klasse nicht gesehen habe. 

Eliza: Ich konnte ausschlafen, das war gut, und ich war schnell fertig.

Arno: Das Homeschooling war viel entspannter für mich. In der Schule haben die anderen geredet und mich abgelenkt.

Casper: Am Dienstag habe ich oft schon die Aufgaben für die ganze Woche fertig gehabt. Meine große Schwester saß oft neben mir.

Frau Beiersdorfer: Für einige Kinder ohne Geschwister war es einsam. Es ging nicht allen gut. Es war ein breites Bild an Befinden bei den Kindern. Manche berichteten auch von mehr Streit.

Haben Eure Eltern Euch mehr geholfen als sonst?

Arno: Ja, ich bekam mehr Hilfe als früher in der Schule. Sie haben mir Fragen beantwortet. Denn es wurde nichts besprochen so wie in der Schule.

Marie. Bei mir war das auch so. 

Marie und Eliza: Meine Eltern haben mir bei der Technik geholfen. 

Was hat Euch am meisten in der schulfreien Zeit gefehlt?

Eliza: Meine Freunde.

Casper: Das Tennis-und Fußballtraining.

Arno: Dass es kaum Verabredungen mit Freunden gab, kein Sport, den ganzen Tag auf der Couch.  Es war oft langweilig.

Marie: Ich durfte nur draußen spielen. Im Regen mussten wir nass werden. 

Haben sich Freundschaften verändert durch den langen Lockdown?

Eliza: Ja, eine Freundschaft ist nicht mehr so eng.

Arno: Ein Seil von zwei Seilen ist zerrissen. Ich meine, Freundschaften sind nicht mehr so wie früher. 

Marie: Durch das Spielen in der Nachbarschaft ist für mich eine neue Freundschaft entstanden. Das ist schön.

Wie waren die Pausen? Konntet Ihr Fußballspielen oder gab es dafür auch besondere Regeln? Was ist heute noch anders als vor Corona?

Casper: Fußball in der Pause ist verboten. 

Marie: Wir dürfen immer noch nicht überall auf dem Pausenhof sein. Es gibt bestimmte Plätze für die Klassen. 

Arno: Nicht alle Areale sind gleich groß. 

Casper: Wir tragen Masken.

Marie: Montag und Mittwoch müssen wir uns testen. Wir machen das selbst. Wir machen viel öfter Sport, das ist cool.

Gab es auch Dinge, die sich in den letzten Monaten für Euch verbessert haben?

Arno: Bei mir nix!

Marie: Meine Freundschaft mit Milla. Ich habe viel mehr mit meinem Hund gespielt, überhaupt mit den Haustieren.

Eliza: Eigentlich nichts.

Caspar: Ich durfte jedes Champion League-Spiel schauen. Aber sonst ist nichts besser geworden. Ich bin viel öfter spazieren gegangen. 

Liebe Kinder, ich danke Euch für Eure Zeit, für Eure ehrlichen Antworten. Ich bin sehr beeindruckt, mit welcher Klarheit Ihr Eure Situation, die für alle einmalig war, beschreiben konntet. Im letzten Jahr seid Ihr enorm selbständig geworden und vielleicht ein wenig vernünftiger und älter als nur ein Jahr. 

Ich wünsche Euch einen gelungenen Schulstart in Euren neuen Schulen ohne Maske und ohne Abstand. Ganz besonders danke ich Frau Beiersdorfer, Eurer Lehrerin, die trotz „Schuljahrsendstress“ das Interview möglich gemacht hat.

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