Blankenese im Gespräch

mOIN! Das Buch zum Gelobten Land

Blankenese ist norddeutsch. Sehr norddeutsch sogar. Und so wie Hamburg eine der großen Mointropolen ist, öffnen sich auch in Blankenese mit einem schlichten „Moin“ Türen und Herzen. Über den richtigen Umgang mit dieser zutiefst norddeutschen Grußformel hat Olaf Nett nun ein mehr als nettes Buch geschrieben. „Das Buch Moin“. Unser Gastautor (Name der Redaktion bekannt) hat das höchst amüsante Werk gelesen

Möwe am Hamburger Elbstrand © pixabay_Karsten Bergmann

Die allgegenwärtige Präsenz der regional typischen Grußformel ,,Moin” ist aus Gründen der Effizienz, Tradition und omnipräsenten Erinnerungen seiner Nutzung aufgrund von zahlreichen Teetassen, die dringlich zu seiner (korrekten) Verwendung ( ,,Moin Moin ist schon Gesabbel”) aufrufen, nicht aus dem aktiven Wortschatz der ortsansässigen Bevölkerung wegzudenken.

Das dieses Charakteristikum nicht nur den Hamburger Raum, sondern tatsächlich ganz Norddeutschland leicht zu identifizieren macht, ist ebenfalls keine bahnbrechende Erkenntnis. Dennoch bezieht sich das neue Werk des Autors Olaf Nett auf eben dieses Gebiet, das sich nicht nur geografisch, sondern auch linguistisch in seiner Einzigartigkeit hervortut: Das ,,Moinland”, zentrales Objekt der Diskussion im Buch ,,Moin”.

Smalltalk vom Feinsten

Dessen Eigenheiten werden in allen ihren bemerkenswerten Facetten knapp und auf das Nötigste beschränkt zusammengefasst: Hilfreiche Kenntnisse werden nicht nur über bekannte ,,Mointropolen” wie Hamburg, Kiel oder Bremen auf minimalen Seitenformaten dargelegt, sondern auch in der Allgemeinbildung bisher unrechtmäßig vernachlässigte Orte wie Fickmühlen dem dankbaren Leser und der geneigten Leserin zur Kenntnis unterbreitet, die die etablierten Orte der allgemeinen Belustigung wie Vögelsen, Hodenhagen oder Poppenbüttel in ihrem aktiven Gebrauch erheiterten Smalltalks abzulösen würdig sind.

Welche Teile dieses vielseitig informativen Reiseführers könnten also für die Bewohner und Bewohnerinnen des hier beschriebenen gelobten Landes von Interesse sein?

Das meiste, tatsächlich. Ob nun bereits bekannte oder überraschend neue Traditionen und Gegebenheiten der lokalen (und bisher als vertraut wahrgenommenen) Kultur diskutiert werden, hat das Buch einen originellen lernpädagogischen Stil, der sich aus der Effizienz kurzer Sätze, prägnanter Aussagen, pseudomythologischer Evidenzuntermauerung und herausragender Komik zusammensetzt.

Verschiedene Formen des Genitiv

Nicht-Ortsansässige laufen Gefahr, das Werk verwirrter wegzulegen als sie es angefangen haben, und die in Norddeutschland verweilende Zielgruppe wird mit zahlreichen Opportunen zu familienspaltenden Kontroversen versorgt, ob spezifische Inhalte nun norddeutsch sind oder nicht (Ich möchte kurz beispielhaft anführen, dass sich die Nutzung der erweiterten Genitivformen „ihm seine Freundin“ zu meinen aktiven Wortschatz verhält wie die Bereitschaft meines näheren und erweiterten Bekanntenkreises dazu, Karneval zu feiern. Die Unterstellung des etymologischen Ursprungs dieser Genitivform im allgemeinen Umkreis Hamburgs und der Ringe A-E empfinde ich als beleidigend und verleumdend. Die Klarstellung dessen ist mir ein Anliegen.)

Einigkeit herrscht vermutlich in der unumgänglichen Feststellung, dass das Buch ungewöhnlich witzig ist. Die Themenaufstellung ist breit und die jeweilige Diskussion der dargelegten Kulturphänomene minimal. Über die Inhalte von Spiegel-Bestsellerautor Theodor Storm bis zu der allgemein gültigen chronologischen Auflistung verschiedener Strandabschnitte, sortiert nach geographischer Entfernung (Textilstrand, Bootsstrand, FKK-Strand, Hundestrand, Schwulenstrand, Hippiestrand) über die berechtigte Frage, warum die gestreiften Polster in Strandkörben eine solch unbehagliche Ähnlichkeit zu Inkontinenzmatratzen aufweisen, lässt sich hervorragend streiten oder zustimmend kichern.

Die übersichtliche Größe des Buches reicht für 30 Minuten, bei Enthusiasmus 20 Minuten Lesezeit. Ob als Stehrumchen auf dem Couchtisch oder als Geschenk für nichtsahnende Gäste aus südlichen Breiten: Es amüsiert effektiv.

(Persönlich hege ich die Absicht, von meinen neu erworbenen geographischen Kenntnissen überschwänglich Gebrauch zu machen und sie bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit zu erwähnen.)

Olaf Nett
Das Buch MOIN – Na denn man tau
Das Geschenkbuch für alle Norddeutschen
128 Seiten
ISBN-10:3830363788
10 Euro
Lappan Verlag

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