Hamburg, 21. Januar 2026: Am vergangenen Abend erlebten wir einen tiefgehenden und nachdenklichen Abend im Rahmen unseres „Evangelischen Forums – Kirche & Schule“. Unter dem Leitmotiv „St. Pauli bleibt widerständig“ diskutierten rund 30 Besucher*innen mit Pastor Sieghard Wilm, der 2013 bundesweit bekannt wurde, als seine Kirche Geflüchteten Zuflucht gewährte.
Die Veranstaltung griff zentrale Themen wie Widerstand, die Rolle der Kirche als Zufluchtsort und die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft auf.
Im Zentrum stand die Frage, ob und wie Widerstand in der heutigen Zeit notwendig ist und welche Verantwortung dabei sowohl die Kirche als auch jede*r Einzelne von uns trägt.

Pastor Sieghard Wilm beschrieb den (heiligen) Widerstand als eine zentrale christliche Haltung. Widerstand bedeutet nicht nur, gegen etwas (friedlich) zu kämpfen, sondern vor allem, für etwas einzutreten: für Gerechtigkeit, für den Schutz der Schwachen, für den Frieden. Wir besprachen, dass der christliche Glaube gerade in Zeiten der Krise dazu aufrufe, aktiv zu werden und sich nicht mit dem Status Quo abzufinden. Die Bibel ist voll von Beispielen für Widerstand.
Sacred Resistance ist nicht nur eine theologische Reflexion, sondern auch ein praktischer Aufruf, in der Welt von heute aktiv zu werden, sei es im Kontext der Flüchtlingskrise oder angesichts anderer globaler Herausforderungen. Die Erinnerung an Lampedusa und die anhaltende Flüchtlingssituation wurde von vielen Teilnehmer*innen als ein dringlicher Aufruf verstanden, sich für Menschenwürde und Gerechtigkeit einzusetzen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die Frage nach der Rolle der Kirche als Zufluchtsort.
Im Fall von Sieghard Wilm und seiner Gemeinde wird dieser Aspekt besonders deutlich: 2013 öffnete die St. Pauli-Kirche ihre Türen für Lampedusa-Geflüchtete. Dieser Akt der Gastfreundschaft, Nächstenliebe und Humanitären Nothilfe wurde in der Diskussion als Beispiel für die Verantwortung der Kirche in sozialen Krisen hervorgehoben.
Kirche diene nicht nur als spiritueller Ort, sondern auch als ein Ort des Widerstands, der Solidarität und insbesondere der Hoffnung. Um diesen Punkt zu betonen, wurde die „Embassy of Hope“ (Botschaft der Hoffnung) auf dem Kirchengelände eröffnet.

Ein weiterer interessanter Punkt, der kurz angesprochen wurde, war die Verbindung von Glaube und Fankultur im sozialen Spannungsfeld des Hamburger Stadtteils.
Das Millerntor-Stadion, Heimat des FC St. Pauli, gilt als Ort, an dem Fußball und politische Haltung untrennbar miteinander verbunden sind. In der Diskussion wurde angeschnitten, wie wichtig es ist, dass die Werte des Widerstands, der Solidarität und des Engagements im Fußball genauso präsent sind wie in der Kirche.
Der FC St. Pauli steht nicht nur für sportliche Erfolge, sondern auch für die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen. 2014 wurde der FC Lampedusa von Geflüchteten gegründet. Der Verein ist heute ein Teil der St. Pauli Gemeinschaft und eng mit dem FC St. Pauli verbunden.
Der Abend bot nicht nur theologische und gesellschaftliche Reflexionen, sondern auch konkrete Anstöße, wie Widerstand heute aussehen kann und muss. In Zeiten globaler und politischer Herausforderungen und zunehmender sozialer Spaltung bleibt die Frage: Was bedeutet Widerstand für uns als Kirche, als Gesellschaft und als Einzelne? Die Antworten waren vielfältig, doch eines war klar: Die Werte von Solidarität, Gerechtigkeit, Glaube, Liebe, Hoffnung und der Wunsch nach Frieden sind zeitlos und Kirche sowie Schule und andere Bildungsorte haben nach wie vor eine wichtige Rolle, diese Werte zu vertreten und aktiv in die Gesellschaft einzubringen.
Verena Brodowski
(Lehrkraft für Religion, Schulseelsorgerin,
zuständig für das Evangelisches Profil, Sozialpädagogin)


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