Freitag, 13.2.2026: War das schön! Schon Wochen vorher stand für alle in den karnevalistischen Hochburgen die Frage im Raum „Was wirst du?“ Nein, nicht so existenziell relevant wie der einzuschlagende Berufsweg, aber mindestens so bedeutungsschwer. Was werden wir zu Karneval? Die Frage meiner Jahre in Düsseldorf! Hier in Hamburg heißt es Fasching. Aber hier stellt sich die Frage auch fast gar nicht.
Wenn man aus Düsseldorf – oder Köln – kommt, dreht sich etwa ab Weihnachten alles um die Frage des Kostüms. „Als was gehe ich“. Früher war das alles so einfach. Die Jungs wurden Indianer und die Mädchen Zigeunerin. Beide Bezeichnungen sind absolut tabu, nicht nur aus dem Sprachgebrauch als politisch unkorrekt gestrichen, auch als Verkleidung undenkbar. Geht eigentlich Cowboy noch oder Japanerin? Lieber nicht! Ganz unverfänglich Clown oder Prinzessin, wobei auch die royale Berufsgruppe leicht angeschlagen ist. Aber noch zeitgemäß? Ist das nicht von vorgestern? Richtig hip bin ich als Serienfigur. Villeicht Wednesday Addams oder Homer Simpson. Oder lieber traditionell als Ken oder Barbie, die Unsterblichen? Für die Kleinen sind Bibi und Tina, die Eisprinzessin oder Feuerwehrmann Sam unschlagbar.

All diese schwerwiegenden Fragen muss man sich in Hamburg gar nicht stellen. Gut, in Schule und Kita findet ein stundenweiser Fasching statt, der sich aber in keinem öffentlichen Raum niederschlägt, eher völlig unterm hanseatischen Radar fliegt.
Während in Düsseldorf und Hamburg schon am Weiberfastnacht-Donnerstag ab mittags nur noch die absolut systemrelevanten Betriebe eine Notbetreuung aufrechterhalten, geht das gesamte Geschehen an dieser großen Hansestadt geräuschlos vorbei.
Der lokale Feiertag in Düsseldorf, Köln und Mainz – der Rosenmontag – ist hier ein solider Arbeitstag. Nur wer per Zufall um die Mittagsstunde den Fernseher anschaltet, gerät in die entsprechenden Karnevalsumzüge und wird erschrocken auf unverfängliche Sender wie Arte oder 3sat umschwenken.

Nein, das hanseatische Gemüt ist nicht karnevalswillig. Stimmt das eigentlich? Nicht so ganz! Denn hier wird sogar noch nach Aschermittwoch gefeiert. Dann ist im Rheinland längst der Hoppeditz zu Grabe getragen und jegliches närrisches Treiben liegt danieder bis zum 11.11. 2026, der Tag, an dem Hoppeditz erwacht. Am Aschermittwoch beginnt schließlich die Fastenzeit. Schluss mit Exzess und Maßlosgkeit. Nicht so in Hamburg! Mit hanseatischem Understatement feiert man natürlich im geschlossenen Kreis gern auch noch ausgelassen, wenn die anderen längst fasten.
Vera Klischan
Redakteurin bei blankenese.de – (Der Kopfhörer dient hier nicht als Verkleidung!!)


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