Luisa Rebien (18) hat gerade ihr Abitur am Gymnasium Blankenese bestanden. Für blankenese.de hat sie ihre Gedanken zum Ende ihrer Schulzeit sowie zu den Unsicherheiten, Hoffnungen und der Neugier auf das, was vor ihr liegt, aufgeschrieben.
Vor 12 Jahren ging es los. Der sogenannte „Ernst des Lebens“. Was für eine Angst ich und wohl auch jedes andere Schulkind damals verspürten, da uns eingeprägt wurde, nun würde das echte Leben losgehen. Nach dem ersten Tag erschien die Grundschule dann doch nicht so schlimm. Auch die ersten Tage der fünften Klasse waren damals nur halb so wild. Mehr als ein Jahrzehnt bestimmte die Schule unseren Alltag. Jeden Tag am gleichen Ort, zur gleichen Zeit, mit den gleichen Menschen und den gleichen Lehrern. Dieser Ablauf scheint irgendwann selbstverständlich, aber wie im Wimpernschlag sind 12 Jahre plötzlich vorbei.
Zwölf Jahre im Rückspiegel
Lange habe ich mir vorgestellt, wie es sich anfühlen würde, endlich mit der Schule fertig zu sein. Während der stressigen Klausuren oder an stressigen Schultagen, an denen man am liebsten einfach nach Hause gehen möchte.
Ein Gefühl zwischen Erleichterung und Unsicherheit erfasste mich am letzten Schultag. Was macht man nach so vielen Jahren mit dem gleichen Ablauf? Diese Frage stelle ich mir seit über einem Jahr. Und meine Antwort darauf: Ich weiß es nicht. Im Gegensatz zu den meisten meiner Freunde bin ich die Einzige, die nicht weiß, was sie nach der Schule machen will. Angst und Unsicherheit füllen meine Gedanken, wenn ich an die Zukunft denke. Auch wenn ich erst 18 bin und meine Eltern mir sagen, dass ich noch so jung bin und Zeit habe, mich zu entscheiden, fühlt es sich an, als würde mir die Zeit weglaufen.
Der Abschied von einem vertrauten Alltag
Wenn ich auf die Schulzeit zurückblicke, erinnere ich mich vor allem an die Freundschaften, die entstanden sind. Ohne meine besten Freundinnen hätte ich die Schulzeit wahrscheinlich nicht überstanden. Study Dates im Café, obwohl man dabei eher mehr geredet als gelernt hat – hinterher hat man sich trotzdem produktiv gefühlt.
Freundschaften, die bleiben
Nicht jeder Tag war einfach. Tatsächlich gab es bei mir sogar viel mehr anstrengende Tage als einfache. Nicht nur wegen des Leistungsdrucks, sondern auch manchmal wegen der Menschen. Vor allem die Lehrer spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch wenn immer behauptet wird, dass Lehrer nichts damit zu tun haben, welche Noten man bekommt, oder dass sie keine Lieblinge in der Klasse haben, ist das leider nicht die ganze Wahrheit. Damit muss man lernen umzugehen, auch wenn es frustrierend ist. Allerdings ist das natürlich nicht bei jedem Lehrer so!
Viele meiner Lehrer haben einem auch das Gefühl vermittelt, verstanden zu werden. Bei diesen Lehrern hat der Unterricht auch Spaß gemacht (was man auch an den Notenspiegeln erkannt hat).
Mit dem Schulabschluss endet auch eine Zeit, in der vieles vorgegeben war. Genau das macht den Übergang ins Erwachsenenleben so schwierig. Zum ersten Mal muss ich aktiv Entscheidungen treffen, die meine Zukunft dieses Mal wirklich beeinflussen. Ausbildung, Studium, Freiwilligendienst oder vielleicht doch erst einmal arbeiten. Plötzlich stehen unzählige Möglichkeiten offen. Eigentlich klingt Freiheit nach etwas Positivem. Doch in diesem Fall fühlt es sich eher wie eine Last an. Denn je mehr Möglichkeiten es gibt, desto größer wird die Angst, die falsche Entscheidung zu treffen.
Die Freiheit der Entscheidung
Diese Angst kennen wahrscheinlich viele Menschen. Was ist, wenn ich den falschen Studiengang wähle? Was ist, wenn ich doch vorher eine Ausbildung hätte machen sollen? Nicht nur dadurch, sondern auch durch den ständigen Vergleich mit anderen entstehen Zweifel. Besonders heute, wo soziale Medien oft nur die Erfolge anderer zeigen, entsteht schnell der Eindruck, jeder hätte sein Leben perfekt geplant. Während andere scheinbar genau wissen, was sie wollen, fühlt man sich selbst verloren.
Der Vergleich mit anderen
Aber mit genau diesem Mindset sabotieren wir uns selbst. Denn hinter jeder Person stehen Zweifel und Fehler, egal wie erfolgreich sie ist.
Eine der größten Herausforderungen nach der Schule ist das Gefühl, plötzlich selbst verantwortlich zu sein. Während der Schulzeit gab es klare Regeln und Strukturen. Nach dem Abschluss muss man seinen eigenen Weg finden. Niemand kann einem genau sagen, welche Entscheidung richtig ist. Dieses Gefühl kann Angst machen. Gleichzeitig bietet es aber auch die Chance, sich selbst besser kennenzulernen. Vielleicht entdeckt man Interessen, die man vorher nie hatte, oder merkt, dass sich Ziele im Laufe der Zeit verändern.
Besonders schwierig finde ich den Gedanken, Erwartungen erfüllen zu müssen. Eltern haben Anforderungen an ihre Kinder. Freunde haben ihre eigenen Pläne. Auch die Gesellschaft vermittelt das Bild, dass man möglichst schnell wissen sollte, was man später machen möchte. Doch die Realität sieht oft (auch bei mir) anders aus. Nicht jeder Mensch kennt mit achtzehn Jahren seinen Traumjob.
Zwischen Erwartungen und Selbstfindung
Trotz aller Unsicherheiten gibt es auch Hoffnung. Jeder neue Tag bringt neue Erkenntnisse und eventuelle Zukunftsmöglichkeiten. Wahrscheinlich wird nicht alles so laufen, wie man es sich vorstellt und erhofft, denn das Leben ist nicht vollständig planbar. Aber auch das bringt neue Erfahrungen, aus denen man lernt. Das ist das Ziel: neue Dinge zu lernen und somit herauszufinden, wer man ist und wie man sein möchte.
Ich glaube, dass Hoffnung nicht bedeutet, keine Angst mehr zu haben. Es bedeutet vielmehr, mit diesem Gefühl umzugehen und trotz der Angst weiterzumachen.
Den eigenen Weg finden
Wenn ich an meine Zukunft denke, habe ich noch längst nicht auf jede Frage eine Antwort. Manchmal wünsche ich mir einen Plan, der mir genau sagt, was in den nächsten Jahren passieren wird. Doch wahrscheinlich wäre das Leben dann auch weniger spannend. Gerade weil wir nicht wissen, was kommt, haben wir die Möglichkeit, unser Leben selbst zu gestalten. Man darf seine Träume entwickeln, Ziele verändern und aus Fehlern lernen. Wenn einem das bewusst ist, kann man sein Leben erst richtig ausleben. Vielleicht ist es sogar in Ordnung, keinen perfekten Plan zu haben. Nicht jeder Weg verläuft gerade. Manche Menschen brauchen Zeit, um herauszufinden, was sie wirklich möchten. Andere entdecken ihre Leidenschaft erst durch Zufall.

Am Ende wird wahrscheinlich niemand sagen können, dass der Weg immer einfach war. Doch vielleicht ist genau das der Sinn des Lebens: Erfahrungen zu sammeln, Fehler zu machen, daraus zu lernen und Schritt für Schritt seinen Platz in der Welt zu finden.
Zwölf Jahre Schule haben mich geprägt, aber sie definieren nicht meine gesamte Zukunft. Diese zwölf Jahre sind die Basis, auf der wir nun unsere Zukunft aufbauen und gestalten können.
Deshalb möchte ich nicht nur mit Angst auf die kommenden Jahre blicken, sondern auch mit Neugier. Denn jede Entscheidung eröffnet neue Möglichkeiten. Jeder Fehler kann eine Lektion sein, und jede Herausforderung kann mich stärker machen.
Ich weiß nicht genau, wohin mein Weg führen wird. Aber ich weiß, dass ich ihn selbst gehen werde und muss. Denn niemand sonst kann meinen Weg für mich gehen.


Liebe Luisa,
Du hast wunderbare, offene und ehrliche Worte für Deinen momentanen inneren Zustand gefunden. Der Druck auf Euch ist groß, Erwartungen des Umfeldes oder die eigenen zu erfüllen. Aber es ist egal, in welcher Zeit wir Leben. Auch wir Eltern hatten diesen Druck, als wir jung waren. Und wie Du Dich auch entscheiden magst: Du wirst IMMER das Richtige tun. Es ist Dein Lebensweg, Dein Lebensplan. Manchmal endet so eine Entscheidung in der Sackgasse. Aber das ist auch in Ordnung. Denn nun weißt Du, was nicht zu Deinem Leben gehört. Auf Deinem Weg werden sich Türen öffnen, Möglichkeiten finden, unvorhergesehene Begegnungen und Änderungen stattfinden. Das Wichtigste jedoch ist: Gehe den ersten Schritt! Ganz gleich wohin. Das Leben findet nach vorne statt! Alles Gute für Dich!