(Freitag, 10. Juli 2026)
Herausfordernde Zeiten – in der Gegenwart multipler Krisen bleibt uns derzeit wenig Freudvolles zu berichten. Das gilt auch für die eigene Branche. Wirft man einen Blick auf die aktuellen Zahlen des Buchhandels, ist ein deutlicher Umsatzrückgang zu verzeichnen. Die Konsequenzen sind spürbar: Viele Buchhandlungen schließen, Übernahmen werden seltener, und auch wir sind sehen uns dieser Tage mit einschneidenden Einbußen konfrontiert. In solchen Situationen notfalls auch einmal auf das eigene Gehalt zu verzichten, ist als junger Unternehmer bestenfalls noch eine als Ausnahme zu beschreibende Normalität. Sprechen wir mit anderen, erfahren wir ähnliches – nicht nur im Buchhandel. Das ist also die Lage.
Und doch sind wir trotzige Neustarter, haben Lust, unsere Ideen wachsen zu sehen und die Buchhandlung zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs zu machen, in Kontakt zu stehen. Wir glauben auch in krisenhaften Zeiten nach wie vor an den Zauber und die Wichtigkeit des Lesens, an die Kraft von Kreativität und den Willen zur Veränderung – denn Wechsel und Wandel liebt, wer lebt.

Vor vier Jahren sind Pascal und ich hier in Blankenese gelandet, wurden warm empfangen und sind heimisch geworden. Mit so zahlreichen Menschen in und um diesen Ort haben wir gemeinsame Projekte angestoßen, Ideen getauscht, manches begonnen, anderes unterwegs verloren und mit vielen Freundschaft geschlossen. Die Herbstlese Blankenese ist eines dieser kollektiven Projekte, dass ohne die vielen hier, die das Festival mit ihrer eigenen Begeisterung tragen gar nicht möglich wäre. All das machten die vergangenen Jahre zu einer anstiftenden und Mut spendenden Erfahrung.
Deshalb machen sich Pascal und ich nun erneut auf den Weg:
Nur ein paar Türen von unserem Geschäft entfernt, wird im Oktober ein Kleiner Wassermann entstehen. Eine Buchhandlung ganz und gar für Kinder.
Gleichzeitig werfen wir unseren Hut in Eppendorfs Erikastraße in den Ring, wollen auch dort, das literarische Leben mit einer neuen Buchhandlung, schönen Büchern und unseren Events ein bisschen reicher machen.
In Sieseby an der Schlei werden wir in diesem Jahr zum ersten Mal die Jurek Becker Festspiele veranstalten. Und die Herbstlese Blankenese beginnt am 1. September.
(Foto: Florian Wernicke (links) und Pascal Mathéus)
Warum ich das alles erzähle?
Nicht nur um für das eine oder andere zu werben; sondern um zu zeigen, was uns am Herzen liegt.
Und auch, dass Aufbruch und Wagnis auch einen Zauber in sich tragen.
Ob das alles klappt, das wird sich zeigen. Ob die Zeiten dafür günstige sind, wir werden sehen. Dass Buchhandel kein hochprofitables „Businessmodell“ ist, mag manchmal wirklichen Stress verursachen. Aber genau das ist es, was uns das Selbstbewusstsein gibt, um eigene Ideen zu ringen und jene in die Welt zu setzen, die vielleicht so manche Krise überstehen mögen.
Ich bin dankbar, dass so viele uns bei unseren Wagnissen begleiten und unterstützen.
Das ist ein Geschenk.
Daran denke ich heute.
Florian Wernicke


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