Lichterketten an der Blankeneser Landstraße in Höhe der Gorch-Fock-Schule, flatternde Fähnchen, Biertische mit Blumenschmuck in Ginflaschen. Dieser bunte Flachbau will sich nicht so recht ins Blankeneser Bild einpassen. Vera Klischan hat dem illustren Ort einen Besuch abgestattet.

Herz und Kopf dieses ungewöhnlichen Lokals ist Paul – Inhaber, Chef, begeisterter Gastronom, dazu Familienvater. Ein bisschen Familie ist für ihn aber auch seine Bar. Hier wird nur getrunken, was Herz und Gaumen begehren, nicht gegessen. Bier, Wein, Cocktails, aber natürlich auch Wasser und „Virgin Drinks“. Da kein Essen angeboten wird, darf geraucht werden. Eine der wenigen übrig gebliebenen „Raucherkneipen“. Schon umweht das Häuschen ein wenig Nostalgie. Innen ist es von gemütlicher Enge. Schickimicki weit entfernt. Das rustikale Ambiente läßt sofort ahnen: Hier geht es nicht um Design, um besonderen Style, hier geht es um Nähe, um Begegnung.

So ist es auch von Paul gewollt. Zweier- oder Vierertische sucht man vergeblich. Man sitzt zusammen auf langen Bänken oder an der Bar. Wer sich noch nicht kennt, ändert diesen Zustand nach kurzer Zeit.
Man kommt ins Gespräch, lernt sich kennen. Manchmal nur für einen Abend, manchmal entsteht eine solide Kneipenfreundschaft, die man Abend für Abend auffrischen kann. Die Bar lebt von Stammkundschaft, von eingeschworenen Fans, die genau den Charme des Einfachen, des Bodenständigen lieben. Hier zählt nicht der große Auftritt, vielmehr das Miteinander, das Vertraute.
Auf die Frage nach der Zielgruppe kommt es von Paul fast ohne nachzudenken. „Alle! Junge und Ältere, quer durch alle Schichten.“ Man trifft sich und redet.
In diesen Tagen gibt es ein vorherrschendes Thema: Wer wird Fußballweltmeister? Wie ist die Aufstellung? Spielt Undav – der Held im Spiel gegen die Ivorer – von Anfang an? Hier sitzen viele selbst ernannte Bundestrainer, die diskutieren, wetten, jubeln oder auch gemeinsam leiden, wenn aus dem Sechzehntelfinale ein Endspiel wird.

„Wir sind keine Fußballkneipe.“ Das ist Paul wichtig zu sagen. Fußball darf einen großen Raum einnehmen, aber es ist nicht alles. „Kein Gegröle, keine aggressiven Töne“ Auch das ist ihm – dem Chef – sehr wichtig, der auch nach 18 Jahren für sein Lokal brennt, jeden Abend mit seinen Gästen genießt. „Da verschwimmen Beruf und Freizeit.“
Auf den hölzernen Bänken am Rand der Blankeneser Landstraße unter den Lichterketten oder im gemütlich-engen Häuschen geht es um die Menschen, die kommen, um sich zu unterhalten, zu lachen, vielleicht um auch mal um ein paar sorgenvolle Gedanken hinter sich zu lassen.
Am Ende geht es nicht um Fußball, um Politik oder andere relevante Themen der Zeit. Es geht um Gemeinschaft. Vielleicht ist genau das der eigentliche Grund, warum die Menschen immer wiederkommen.
Geöffnet: Di – Sa ab 18 Uhr


0 Kommentare