Im Juli haben viele Blankeneser Schüler*innen der Stadtteilschulen ihre Abschlüsse erworben. Nach der zehnten Klasse erreichen manche den Ersten Schulabschluss (ESA), andere den Mittleren Schulabschluss (MSA) und weitere die Berechtigung, in die gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Dort können sie dann nach drei weiteren Schuljahren an den Abiturprüfungen teilnehmen.
Wir haben vier Zehntklässler*innen zwischen MSA und Oberstufe nach ihren Erlebnissen in den letzten Jahren sowie ihren Zukunftsperspektiven gefragt.
Blankenese.de: Welche Schul- und Freizeiterfahrung hat dich in der bisherigen Schulzeit am meisten geprägt?
- Laurin: Ich würde sagen, die Phase des Übergangs von der 4. in die 5. Klasse hat mich am meisten geprägt, weil natürlich viel Neues auf einen zukam und man nicht so darauf eingestellt war und nicht genau wusste, wie das wird. Ich habe das als sehr positiv empfunden, den Übergang, weil es auch direkt los ging hier. Aber natürlich hat das einen irgendwie geprägt und auch beschäftigt.
- Raphael: Gut fand ich, dass es bei uns direkt losging. Wir hatten so eine Woche Eingewöhnung. Da wurde nicht darauf geachtet, dass wir nur 2 Stunden pro Tag haben, sondern es ging direkt von 8 bis 16 Uhr. Das habe ich im Nachhinein als angenehm empfunden, weil man dann direkt an die Struktur gewöhnt wurde. Auch der Übergang von der 4. in die 5. Klasse, aber auch der Übergang von der Unterstufe in die Mittelstufe. Da wurde spürbar mehr der Unterricht und das Tempo angezogen. In der 9. Klasse war dann der erste Schulabschluss — da habe ich gedacht, damit könnte ich jetzt theoretisch einen Job machen. Das hat mich ziemlich geprägt. Es gibt nur wenige, die nach der 9. Klasse abgehen und einen Job finden — das kommt vielleicht einmal im Jahr oder alle zwei Jahre vor. Damals hätte ich mir das überhaupt nicht vorstellen können.
- Levke: Ich finde, was die anderen erzählt haben, trifft es gut. Für mich war auch prägend, dass unsere Klasse seit der 5. zusammen ist. Als ich in die 5. kam, habe ich mit den meisten Hobbys aufgehört — dadurch hatte ich das Schulumfeld stärker. In der 5. Klasse sind direkt zwei Leute gegangen, insgesamt kamen sechs dazu. Die Klasse bleibt generell gleich, aber Leute kommen und gehen — das hat mich geprägt. Das neue Umfeld, die neuen Lehrer, die neuen Freunde, mit denen man sehr viel Kontakt hat.
- Julia: Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt. Als ich von der Grundschule in die 5. ging, wollte ich nicht alleine sein — ich hatte meine beste Freundin dabei. Das hat mir geholfen, nie komplett alleine zu stehen, weil ich schon jemanden kannte.
Blankenese.de: Auf welche Leistung oder Errungenschaft in der Schulzeit bist du besonders stolz?
- Laurin: Ich bin stolz auf die jetzige Situation — dass man den MSA überspringen konnte. Für mich wäre es sehr schwierig gewesen, den mitzuschreiben, das hätte mich emotional gestresst. Ich habe mich angestrengt, um den nicht mitschreiben zu müssen.
- Blankenese.de: Du hast die Gymnasialprognose direkt erreicht und musstest die Prüfung nicht mitmachen. Andererseits wird früher oder später doch eine Prüfung kommen.
- Laurin: Ich würde das als Mittelding beschreiben — man musste schon etwas tun, aber sich das Ziel setzen und darauf hinarbeiten ist eine Leistung, auf die ich stolz bin.
- Raphael: Ich bin stolz auf meine Entwicklung in den Noten seit der 4. Klasse. Damals hatte ich hauptsächlich Vierer und Fünfer. Jetzt habe ich die Gymnasialempfehlung und konnte den MSA überspringen. Ich habe mich echt angestrengt und mich notentechnisch verbessert.
- Levke: In meiner bisherigen Laufbahn musste ich sehr hart mit meiner LRS und meiner Konzentrationsschwäche kämpfen. Das war sehr schwierig. Wenn ich jetzt alte Arbeitshefte sehe, bin ich fasziniert, wie sehr ich mich verbessert habe. In der 8. Klasse hatte ich überwiegend G-Noten; in der 9. bekam ich wieder eine MSA-Prognose und begann, mich stark zu verbessern. Jetzt habe ich eine Gymnasialprognose und nur E-Noten — darauf bin ich stolz.

Blankenese.de: Wie hast du das geschafft?
- Levke: Ich war in der Sprachförderung bei Frau G. — das hat sehr geholfen. Ich habe Arbeitshefte gemacht. Ich kämpfe noch mit Rechtschreibung und Kommasetzung, aber es ist deutlich besser. Viele Jugendliche nutzen Autokorrektur am Handy, das macht vieles leichter. In der Grundschule war es bei mir schon sehr stark.
- Julia: Ich bin stolz, von einer MSA-Prognose im letzten Halbjahr wieder auf eine Gymnasialprognose gekommen zu sein. Das MSA-Schreiben hat mir gezeigt, dass ich mehr tun muss, besonders in der mündlichen Beteiligung. Ich habe einen Kurs besucht, um meine mündliche Beteiligung zu verbessern — das hat geholfen.
- Laurin: Viele finden das Klassenklima sehr angenehm: Konflikte werden oft direkt untereinander geklärt und nicht sofort mit Lehrern besprochen. Das trägt jeder ein Stück weit zur guten Atmosphäre bei.
Blankenese.de: Gab es etwas aus der Vergangenheit, etwa Erlebnisse, Personen, Hobbys, die deine aktuellen Ziele beeinflusst hat?
- Raphael: Ich möchte später gern etwas mit Flugzeugen machen. Mein Vater arbeitet bei Airbus — das hat mich beeinflusst. Früher bin ich viel geflogen und fand das cool; so hat sich der Wunsch mit der Zeit entwickelt.
Blankenese.de: Wie würdest du deine jetzige Situation kurz beschreiben? Was läuft gut? Was ist noch offen? Was sind die konkreten Pläne für die Zeit nach dem Schulabschluss?
- Laurin: Die jetzige Situation ist eine Phase des Übergangs. Man macht sich Gedanken über das, was auf einen zukommt — neues Tempo, neue Lehrer. Wir haben alle unsere Ziele erreicht und freuen uns größtenteils auf die Oberstufe. Es war eine Erleichterung, als die Noten feststanden. Trotzdem bleiben Veränderungen durch neue Lehrer und mögliche neue Mitschüler offen.
- Levke: Ich gehe in die Oberstufe und versuche, das Abi zu machen. Zuvor hätte ich nicht gedacht, dass ich so weit kommen würde. Meine Zukunftspläne sind noch offen; momentan steht das Abi im Vordergrund. Positiv ist, dass viele aus der Klasse weitermachen — das bietet ein bekanntes Umfeld. Offenheit besteht bei Lehrern, neuen Mitschülern und möglichen Auslandsaufenthalten.
- Julia: Ich bin froh, weiterzukommen — ich hätte mir viel Stress gemacht, wenn es nicht geklappt hätte, weil ich keinen Plan gehabt hätte. Ich habe mich mit KI über meine Stärken und Schwächen unterhalten, das half bei der Berufsideenfindung.
Blankenese.de: Habt ihr Sorgen oder Ängste in Bezug auf die Oberstufe?
- Raphael: Ja — die Oberstufe ist auf einem anderen, höheren Niveau. In manchen Fächern habe ich zwar eine positive Note, aber ich habe Dinge nicht verstanden, die für die Oberstufe relevant sind. Ich muss jetzt nachholen, damit ich Anschluss finde. Außerdem könnte die Bewertung strenger sein. Neue Kolleginnen und Kollegen sind auch eine Unbekannte.
- Laurin: Ich habe starke Dyskalkulie (Mathe-Schwäche). Da mache ich mir Sorgen, wie das in der Oberstufe wird, denn vieles baut aufeinander auf, gerade in Mathe und naturwissenschaftlichen Fächern.
- Levke: Genauso sehe ich es — wir haben manche Themen nicht gut oder gar nicht behandelt, die für die Oberstufe nötig sind. Ich plane, in den Sommerferien Themen nachzuholen. Bio könnte schwierig werden, weil unsere Lehrerin längere Zeit nicht da war.
Blankenese.de: In der Oberstufe wird Selbstmanagement wichtiger. Ihr seid freiwillig in der Schule und müsst Aufgaben selbstständig abliefern — früher wurde vieles nachgetragen, jetzt müsst ihr aktiver sein. Das Vorhaben, in den Sommerferien Stoff nachzuarbeiten, ist deshalb ein guter Ansatz.
Wo seht ihr euch ein paar Jahre nach dem Abitur — beruflich, persönlich, Wohnort?
- Julia: In fünf Jahren möchte ich entweder studieren oder eine sichere Einkommensquelle haben. Ich könnte mir vorstellen, in einer eigenen Wohnung zu leben oder für einige Jahre im Ausland zu sein — das reizt mich sehr.
- Levke: Ich bin mir nicht sicher, ob ich Abi mache — ich werde es versuchen. Je nachdem, wie weit ich komme, will ich studieren oder ein Auslandsjahr machen (Au-pair o. Ä.). Wenn ich in Hamburg bleibe, würde ich wahrscheinlich bei meinen Eltern wohnen, sonst würde ich umziehen.
- Raphael: Ich sehe mich auch studierend. Wenn ich in Hamburg studiere, bleibe ich wahrscheinlich bei meinen Eltern; wenn ich z. B. in Aachen studiere, würde ich in eine Studentenwohnung ziehen.
- Laurin: Ich möchte nach der Schule ein Jahr nach Australien (Work and Travel), z. B. auf einer Solarplattform arbeiten. Dort würde ich Geld verdienen, das ich dann fürs Studium anlegen möchte. Die Idee kam über Kontakte des Vaters — eventuell vermitteln die jemanden.
Blankenese.de: Liebe Schüler*innen, vielen Dank für eure die Antworten und die Bereitschaft zum Interview. Wir wünschen euch alles Gute für die Zukunft!
Tino


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