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Lya Bendorff, geb. Seifert, 1914 – 2008

Lya Bendorff, geb. Seifert, 1914 – 2008

Lya Bendorff, geb. Seifert, 1914 – 2008

  

Endlich auftreten

Sommer 1930 in Budapest. Kleider über dem Arm tanzt ein junges Mädchen zwischen Schrank und Umzugskisten hin und her. Springt zwischendurch zum Klavier, schlägt auf die Tasten und zwitschert einen Schlager. Dreht sich dazu im Kreis und jubelt: „Endlich! Endlich geschafft! Übermorgen geht es nach Berlin. Dann darf auch ich endlich auftreten – mit Vater, mit Clarissa und Gisela!“

Es war Lya, die jüngste Tochter des aus dem (damaligen) ungarischen Siebenbürgen stammenden Musikers Desider Seifert und seiner Frau Katharina, die es kaum abwarten konnte, das Familien-Ensemble in Berlin zu unterstützen.

Amalia, genannt Lya, 1914 in Budapest geboren, war die musikalisch begabteste der drei Töchter. Schon mit zwei Jahren spielte sie Klavier. Mit vier Jahren gab sie ihr erstes öffentliches Konzert. Ihr Vater, Desider Seifert (1883 – 1973), war selbst Musiker und sorgte bei allen drei Töchtern für eine klassische Musik- und Gesangsausbildung. Da die Familie in einfachen Verhältnissen lebte,  war dies nur unter großen Opfern möglich.

Desider Seifert war ein damals in Ungarn bekannter Berufsmusiker und Schlagerkomponist. Als er eines Tages im Ballsaal seiner späteren Frau Katharina aufspielte, funkte es zwischen dem feurigen und umschwärmten Gitarristen und der Witwe Katharina. Obwohl sie neun Jahre älter war, wurden die beiden schnell ein Paar, dem zwischen 1907 und 1914 drei Töchter geboren wurden.

Der 1. Weltkrieg, der Zerfall des österreich-ungarischen Vielvölkerstaates, die Astern- und die kommunistische Béla Kun-Revolution  hatten das wieder erstandene Ungarn  in tiefe Abgründe gestürzt. Heere umliegender Völker waren über Ungarn hergefallen und hatten große Teile okkupiert. Dann kam der Aufbau des neuen „weißen“ Ungarn unter Admiral Horthy. Die dadurch entstehende schwierige Wirtschaftssituation lähmte selbst die Unterhaltungsbranche. Konzert- und Ballsäle blieben leer.

BF.Lya.Ostsee
1929 an der Ostsee

Deshalb verlagerte der Berufsmusiker Seifert unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg seinen Einsatz. In Wien, Prag, Pressburg, dann in Berlin sorgte er mit wechselnden Musiker-Kollegen für Bar- bzw. Tanzmusik. Immer erfolgreicher, weil er in seinen Liedern ungarisch-wienerischen Charme verband. Beifallstürme und klopfende Damenherzen unter Rüschenblusen gab es, wenn er schmelzend sang: „Ich küsse Ihre Hand Madame…“

In Wirklichkeit küsste Vater Seifert am liebsten seine drei Töchter: Klari, Giesi und Lya. Sie waren seine Gold-Mädels. 

Sisters Rialto

Als seine beiden älteren Töchter 1928 die Schule abgeschlossen hatten, kam Desider auf eine geniale Idee. Er gründete mit seinen Töchtern Clarissa und Gisela eine eigene Formation und nannte  sie „Sisters Rialto“. Namen gebend war das „Rialto Café“ in Dresden, in dem die neue Gruppe ihren ersten Auftritt hatte. Die jungen hübschen Damen spielten an je einem Flügel. Sie sangen, tanzten und wurden vom Vater  mit Gitarre und/oder Schlagzeug begleitet. Diese ungewöhnliche Konstellation, ihr mitreißender Auftritt, der Charme der jungen Mädchen kam überall gut an.

Doch zu Hause in Budapest litt die jüngste Schwester. Lya musste weiter zur Schule gehen. Weil sie noch nicht 16 Jahre alt war, durfte sie sowieso noch nicht in Bars oder Nachtclubs auftreten. Dabei hatte sie schon mit 13 Jahren eigene Kompositionen geschrieben, darunter auch den Schlager  „Summer is here“, den sie sogar für die Schallplatten-Aufnahme arrangiert hatte.

Sie fühlte sich gelangweilt, benachteiligt, konnte die Zeit nicht abwarten. Sie wollte endlich auch mitspielen.

BF.Lya.Ausflug
1930, Familienausflug

Das Ensemble wird komplett

Als die Gruppe zum 1. Januar 1930 ein Jahres-Engagement  im „Femina“ bekam, einer ersten Adresse Berlins, stand Lya kurz vor dem Schulabschluss. Die Gruppe wurde als „Geschwister Seifert“ im Januarprogramm angekündigt. Die lange Dauer des Engagements war ungewöhnlich und spricht für die musikalische Qualität der Geschwister. Vater Seifert nutzte die Gelegenheit, ganz in der Nähe des Lokals eine Wohnung für die Familie zu mieten.

Endlich – im Sommer 1930 – war die lange Geduldsprobe überstanden. Mit ihrer Mutter Katharina folgte die nun 16jährige Lya dem Rest der Familie nach Berlin.

Und endlich durfte sie die Auftritte der Geschwister vervollständigen.

BF.Lya.Geschwister

In einem Artikel der Berliner Morgenpost vom 7. Dezember 1930 heißt es: „Eine reizvolle Unterhaltungsmusik bietet die Kapelle der Geschwister Seifert in der Femina-Bar. Die drei jungen, anmutigen Schwestern, sind nicht nur hervorragende Pianistinnen, sie sind auch stimmlich außerordentlich begabt, singen Schlager aus aller Welt, in allen Sprachen, immer liebenswürdig, graziös und ohne Pause.  Manager ist der Vater der drei jungen Damen, der bescheiden mit seinem Schlagzeug im Hintergrund sitzt und, wenn nötig, Trommel und Becken rührt.“

Lya genoss das begeistert klatschende Publikum. Von 20 Uhr bis 4 Uhr morgens musste sie mit ihren Schwestern die Finger über weiße und schwarze Tasten tanzen lassen. Kunst ist eben ein hartes Geschäft, auch wenn die jungen Ungarinnen dabei stundenlang lächelten. Wenn sich Herren in die Künstlergarderobe vorwagten, wurden sie von „Zerberus“ Desider verjagt. Denn der Vater bewachte seine Töchter, wann und wo immer es ging. Damit die Herren nicht das machten, wovon er nur auf der Bühne sang: „Ich brech´ die Herzen der stolzesten Frauen…“

Von Erfolg zu Erfolg

Das Engagement in der „Femina-Bar“ lief zum 31. Dezember 1930 aus und die Kapelle, eine „bewährte Attraktion auf drei Flügeln für Bühne und Bar“, suchte nach neuen Auftraggebern. Tatsächlich wurde sie schon im Januar 1931 im Breslauer „Night-Club“ zu einer Gage von 120 RM pro Abend verpflichtet.

Das Lokal avancierte binnen weniger Tage zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Stadt. Ein Chronist sprach gar vom „Neidclub“, in dem die „Breslauer (Ehe)frauen leicht Konkurrenz bekommen“. Über den musikalischen Vortrag der Geschwister äußerte sich eine Breslauer Zeitung: „Sie spielen einen fabelhaften Jazz eigener und fremder Komposition, bringen eigene Hot-Variationen. Weiterhin plätschert diese Musik leise und mühelos dahin, es wird ein bisschen dazu gesungen. Halblaut und charmant pointiert, das Schlagzeug in Bewegung gesetzt“.

Ihre Dauerbrenner „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ fanden immer mehr Fans. Neben Eigenkompositionen, Tages- oder Saisonschlagern und Jazztiteln umfasste das Repertoire der Geschwister Seifert auch Salonstücke. Nebenbei machte es den Mädchen Spaß, sich kleine akrobatische Einlagen auszudenken. Dazu wurden die drei Flügel  so dicht zu einander gestellt, dass die Mädchen auf zwei Flügeln gleichzeitig spielen konnten. Oder sie „pfuschten“ sich gegenseitig ins Spiel, während sie sich bäuchlings über den Flügel warfen. Daneben wurden sie für Filmeinlagen verpflichtet und traten gelegentlich im Rundfunk auf. Lyas Eigenkompositionen wurden übrigens von ihrer Schwester Clarissa illustriert und dann verlegt.

In Breslau sollen sie mit dem damals berühmten Hellseher „Knud Hallerström“ zusammen getroffen sein, der sich zur Zukunft der jungen Damen äußerte. Gisi (Gisela) würde einen Gelehrten heiraten und Klara (Clarissa) einen Schlossbesitzer.

Die Tourneen der Gruppe führten von Breslau nach Prag, Dresden, Leipzig, Berlin und an viele andere Plätze des Reichs. Im Haus „Vaterland“, dem „Boccaccio“ und der „Femina Bar“ traten sie auf. Und überall waren die drei hübschen Damen an ihren drei Flügeln eine große Attraktion – auch ganz besonders für die Männerwelt. Doch Vater Seifert verstand es, seine „girlgroup“  mit Diplomatie und Geschick noch eine Weile zusammen zu halten.

Das Quartett löst sich auf

Doch 1934 begann die Gruppe auseinander zu brechen. Bei den wunderhübschen und begabten drei Mädels ahnte man, Ursache waren die Männer. Eine Tochter nach der anderen wurde dem väterlichen Ensemble durch Heirat entrissen.

Das Quartett hatte inzwischen aber so viel Geld eingespielt, dass Desider Seifert eine stattliche Familienbleibe in Blankenese bei Hamburg erwerben konnte. Dabei handelte es sich um einen alten Gasthof, der neben den Gasträumen viel Platz für die Familie und deren musikalische Ambitionen bot. Da sich die Eltern nun aber ohne Trubel und Tourneen langweilten,  begannen sie im Lokal „Jägereck“ (heute „Café Lühmann“) der Kleinkunst eine Heimstätte zu bieten

Ein glänzende Partie

1935 heiratete Lya den 20 Jahre älteren Hamburger Unternehmer Egon Brandt-von-Fackh (Spross einer deutsch-ungarischen Familie). Eine glänzende Partie – ganz in Vater Seiferts Sinn.

BF.Lya.Tournee
1932 auf Tournee

Man hatte sich bei einem von Lyas Auftritten im Hamburger „Boccaccio“ kennengelernt. Nach der Hochzeit zog  Lya zu ihrem Mann Egon in die elterliche Villa am Feenteich 11, eine Nobeladresse an der Alster. Ihr Mann hatte im afrikanischen Glimmer-Business sein Vermögen gemacht. Auch nach der Heirat musste er immer wieder geschäftlich nach Afrika reisen. Die junge Ehefrau hätte ihren Mann gern in den Schwarzen Erdteil begleitet. Stattdessen musste sie bei der Schwiegermutter im „goldenen Feenteich-Käfig“ zurück bleiben. Schon nach kurzer Zeit merkte Lya, dass dies nicht ihre Welt war.

BF.Lya.Brandt
1932: .Lya.mit ihrem ersten Mann Egon Brandt von Fackh

Hinzu kam, dass die Schwiegermutter jeden öffentlichen Auftritt, selbst Gesangsdarbietungen, als nicht standesgemäß zu verhindern wusste. Wie sollte Lya das aushalten? Das war ja schlimmer als damals die letzten Jahre in Budapest! Sie brauchte die Bühne, schmachtete nach Publikum!

Sie packte nach anderthalb Jahren ihre Koffer und verschwand. Entkam nach Hagen, wo sie ein Gesangsstudium zur Koloratursopranistin absolvierte und schnell Karriere machte. Bald häuften sich Titelrollen nicht nur in Hagen, sondern auch in Weimar, Kassel, Lübeck usw. „So eine Butterfly haben wir lange nicht erlebt“ hörte man immer wieder aus berufenem Mund.

Lyas große Liebe

Wahrscheinlich hatte Vater Desider das Geld zum Gesangsstudium vorgestreckt, doch jetzt musste sich Lya den Lebensunterhalt wieder selbst verdienen.  Das wurde übrigens immer leichter, denn sie nahm eine Sprosse nach der anderen auf der Erfolgsleiter.

BF.Lya..Desider.Seifert

Bei einem Gastspiel am Weimarer Nationaltheater begegnete ihr der 1913 geborene Operettenbuffo Siegfried Bendorff-Leis. Er war als Tänzer und Ballettmeister sogar zusammen mit Dieter Borsche aufgetreten und lebte zu diesem Zeitpunkt noch in kinderloser Ehe mit einer anderen Frau. Bendorff wurde Lyas große Liebe und schließlich auch ihr zweiter Ehemann.

Nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht wurde das Paar zur Truppenbetreuung nach Lille kommandiert. 1943 wurde Tochter Monika geboren, die jedoch wegen der zahlreichen Tourneen und Auftritte ihrer Eltern in einem belgischen Kinderheim untergebracht war. Bis dann die Landung der Alliierten im Sommer 1944 auch für Bendorffs eine total neue Situation schuf.

Alle Truppenbetreuer wurden  aus dem gefährdeten Frankreich zurück ins Reich beordert. Siegfried gelang der schwierige Umweg über Belgien, um seine kleine Monika  aus dem Kinderheim zu holen und mit  nach Hamburg zu nehmen.  Lya war zu diesem Zeitpunkt abermals schwanger, erlitt durch die Aufregungen und den chaotischen Rückzug aber eine Fehlgeburt. Schließlich gelangte sie doch nach Blankenese. Im Rollstuhl und von einer Rotkreuzschwester begleitet. Und dabei immer wieder Tiefflieger- und Bombenangriffen ausgesetzt.

Foto: Desider Seifert

Siegfried kam später in französische Kriegsgefangenschaft, hatte jedoch das Glück, schon im Sommer 1945 entlassen zu werden. Natürlich führte ihn sein Weg zu Frau und Kind nach Hamburg – ins Haus seines Schwiegervaters, in dem jetzt 15 Seifert-Familienangehörige Unterschlupf gefunden hatten. Sie alle hatten den Krieg überlebt. Und das Haus in Blankenese war glücklicherweise unbeschädigt geblieben. 1946 wurde den Bendorffs  Sohn Joachim geboren.

Desider bleibt Mittelpunkt der Familie

In den nächsten Jahren begann die Kunst langsam wieder Fuß zu fassen. Zunächst wurde in der „Jägerecke“ für britische Besatzungssoldaten aufgespielt, dann folgten erste Auftritte in Musikkneipen. Lya und Siegfried Bendorff brillierten mit Chansons und Kabarett. Und das sowohl in Westdeutschland wie in der Ostzone. In Hamburg waren sie immer wieder im „Rendezvous“ von Peter Ahrweiler zu bewundern. Hin und wieder gab es sogar Auftritte im NWDR, dem Vorgänger des NDR. Bis, ja bis Vater Seifert 1956 auf die Idee kam, den beiden Bendorffs im Westteil seines Blankeneser Grundstücks einen Anbau zu errichten, der eine Künstlerkneipe beherbergen sollte. Denn die Bendorffs mussten endlich häuslich werden. Ihre Kinder vermissten die immer auf Achse befindlichen Eltern zu sehr. Manchmal krabbelten sie in deren Kleiderschrank, beschnüffelten Röcke, Blusen, Kostüme und Anzüge wie kleine Hunde, weil sie sich so nach ihnen sehnten.

Desider war nach wie vor Mittelpunkt seiner immer größer werdenden Familie, stand über seiner strengen Frau Katharina , führte seine unterschiedlichen Töchter, die sich nicht besonders gut verstanden, wieder und wieder zusammen, nahm die wechselnden Schwiegersöhne bzw. Partner auf und wurde seinen Enkeln ein warmherziger Großvater.

Natürlich sprach die  Seifert-Familie deutsch miteinander – allerdings bis ins hohe Alter mit diesem feinen ungarischen Akzent, der so viele Künstler aus dem Land der Magyaren in der Zwischenkriegszeit unverwechselbar gemacht hat. Barnabás von Géczy beispielsweise oder Marika Rökk und viele, viele andere. Der Akzent blieb auch Lyas Markenzeichen.

Lya komponierte weiter. Vater Siegfried „scharrrrrte“ dazu auf der Gitarre, so jedenfalls nannte Großmutter Katharina sein Gitarrenspiel auf „Ungarndeitsch“. Aus Tochter Monika wurde mit 16 Jahren eine „Topsy“, mit ersten Soloauftritten, während ihr Bruder Joachim, genannt Benny seine facettenreiche Musikalität auf der Trompete, später dem E-Bass bewies, dazu sang und komponierte. Natürlich probierte man auch das Zusammenspiel. Und – siehe da – es gelang gar nicht schlecht.  Ein Programm wurde zusammengestellt, fleißig geprobt und schließlich ein gemeinsamer Auftritt gewagt. Unter dem Namen „Die vier Bendorffs“  schafften sie es sogar bis zu einem Konzert in der Dortmunder Westfalenhalle.

Lya – Vollblutmusikerin

Doch auch als Alleinunterhalterin war Lya erfolgreich. Im neuen Gasthaus-Anbau, der den Namen „… bei Bendorffs“ bekam, gab Lya „Bunte Abende“ am Flügel. Jede Vorstellung war gut besucht. Doch wenn sich Gäste bei Spiel oder Vortrag unterhielten, gab es giftige Blicke der Hausherrin. Während Lya das Publikum mit Musik und Gesang unterhielt, grillte Siegfried im Garten Würstchen. Dabei sprach er dem Alkohol allerdings so zu, dass er 1966 verstarb.

BF.Lya.Jaegerecke
„Zur Jägerecke“ . später: Lühmanns Teestube

Bei allem musikalischen Engagement kamen die Bendorffs nie auf einen „grünen Zweig“. Immer wieder wurden sie von ihren Angestellten betrogen. Das nahm noch zu, nachdem Siegfried verstorben war, denn Lya konnte nicht überall ihre Augen haben. Hinzu kam, dass sie für ihre beiden kleinen Wohnräume, sowie für das Lokal eine monatliche Miete an den Vater entrichten musste. Ordnung in Gelddingen war Desider wichtig.

Schließlich verpachtete Lya 1979 ihr Etablissement an verschiedene Bewirtungen, trat aber weiter dort auf. Dazu gastierte sie dreimal pro Woche im „Batavia“, Wedel oder im „Oevelgönner Fischerhaus“.

In reiferen Jahren gründete Lya mit zwei anderen Damen das Kabarett-Ensemble „Die drei Frivoldies“, die, wie der Name schon sagt, freche Texte und Chansons zum Besten gab. Wann immer die Drei auftraten, war das jeweilige Lokal voll. Ohne Tischreservierung lief an solchen Abenden gar nichts.

Lya war lebenslange Vollblutmusikerin, genoss das Publikum und den Erfolg. Sie arbeitete immer wieder an sich und ihrer musikalischen Vervollkommnung, teilte diese Erkenntnisse  jedoch nie ihren Schwestern mit. Die hatten ohnehin andere Lebenswege eingeschlagen, die nichts mit Musik zu tun hatten.

Heimathafen Blankenese

BF.LyaB

Allen blieb das Elternhaus in der Blankeneser Landstraße Heimat und Ankerplatz. Lya lebte in ihrer eher praktisch ausgestatteten Dachwohnung, in der viele Bilder ihrer ältesten Schwester, der Malerin Clarissa Grandeit, an die Vergangenheit erinnerten.
Ein Flügel dominierte die Einrichtung.
Über eine Treppe war sie mit der Wohnung ihrer vier Jahre älteren Schwester Gisela verbunden, die bis zur Umstellung der Mark auf Euro ein Papierwarengeschäft im gleichen Haus betrieb.
Damals wurde Gisela 90 Jahre alt.

Tochter Monika hatte eine bürgerliche Berufsbahn eingeschlagen. Sie verstarb  leider schon  2010. Während Sohn Benny als Bassist über Jahrzehnte mit James Last auftrat.

Lya nahm mit 88 Jahren noch eine hinreißende CD auf, spielte und sang – selbst mit über 90 Jahren.
Wann immer es sich machen ließ, suchte sie nach Publikum. Kaum hatte sie dann auf einem Klavierhocker Platz genommen,  fühlte sie sich in alte Zeiten versetzt. Noten benutzte sie nur in den seltensten Fällen. Die Finger bewegten sich wie von allein über die Tasten. Und auch die Stimme behauptete sich bis zuletzt.

Im gesegneten Alter von 94 Jahren verstarb sie.

Erfreulich, dass dieses Künstlerleben eigenen Gesetzen folgte. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Wer wusste das besser, als die singende, lachende, temperamentvoll Klavier spielende Lya Bendorff aus Budapest, die in Blankenese ihre wahre Heimat fand? 

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