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Eine Reise gegen das Vergessen

Eine Reise gegen das Vergessen

Eine Reise gegen das Vergessen

Eine starke Konfrontation mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte suchten Schüler und Schülerinnen aus den Elbvororten. Sie reisten nach Auschwitz, gut vorbereitet vom ehemaligen Schulleiter der Stadtteilschule Mathias Morgenroth-Marwedel und Pastor Frank Engelbrecht.

Kurz vor den Sommerferien ging es los. 25 Schüler und Schülerinnen vom Gymnasium Blankenese, der Stadtteilschule Blankenese, dem Marion Dönhoff Gymnasium und dem Christianeum machten sich auf den Weg nach Krakau, begleitet von vier polnischen Schülern. Pastor Engelbrecht brachte die Idee dieser Reise bereits mit nach Blankenese, als er aus der Katharinenkirche in unser Dorf wechselte. Mit Unterstützung von Mathias Morgenroth-Marwedel wurde der großartige Plan Ende Juni 2026 Wirklichkeit. Zuvor mussten sich die interessierten Jugendlichen mit einem Motivationsschreiben bewerben, mit dem sie ihr ernsthaftes Interesse bekundeten.

Auschwitz 2
Nachtreffen im Elsa Brändström Haus

Die jungen Menschen starteten am 29.6. mit dem Zug Richtung Krakau und Oświęcim, wie Auschwitz auf polnisch heißt. Zunächst blieb die Gruppe in Krakau, wo sie das lebendige Leben auf dem Marktplatz genoss, sich unter die vielen Jugendlichen mischte, mittanzte und Brücken im Gespräch schlug. Sie erlebten eine lebendige Stadt, in der gefeiert, gesungen und getanzt wird. Krakau war vor dem zweiten Weltkrieg eine der größten jüdischen Gemeinden in Europa, die von den Nationalsozialisten nahezu gänzlich zerstört wurde. Seit Jahren wächst jüdisches Leben zusehends und entwickelt wieder eine eigene Identität in der Nachbarschaft des Ortes eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte.

Diesen Ort besuchte die Gruppe nach den Krakauer Tagen. Durch viele Gespräche vorbereitet stellte sie sich in Ausschwitz und Birkenau einem Stück deutscher Vergangenheit, das die Schüler und Schülerinnen tief beeindruckte. Besonders die sichtbaren Zeichen – Brillen, Schuhe, Kleidung – machten deutlich, dass es sich bei dieser Massenvernichtung um Menschen handelte mit einer eigenen Geschichte, mit einer Familie und mit Träumen für ihr eigenes Leben. 

Reise Auschwitz 1
Nachlese ©blankenese.de

Warum bewerben sich junge Menschen kurz vor den Sommerferien, vor dem Aufbruch in eine unbeschwerte Ferienzeit für eine Reise mit einer derart erschütternden Konfrontation? Bei einem Nachtreffen mit ihren begleitenden Erwachsenen im Elsa-Brändström Haus gaben sie Antworten auf diese Fragen. „Mein Vater ist Historiker. Meine Eltern waren mit uns auch in Israel. Es ist ein Thema in unserer Familie.“ Ein Junge sprach von der Verantwortung, die wir tragen, auch schon in seinem jungen Alter. Auch der aktuelle Bezug zum wachsenden Antisemitismus in unserem Land war für die Jugendlichen ein Beweggrund für diese Reise. Allen war gemeinsam, dass sie sich ernsthaft mit Auschwitz auseinandergesetzt hatten, dass sie wussten, welche Begegnungen und Erfahrungen diese Reise mit sich bringen würde.

Wie haben sie es vor Ort erlebt? Alle berichteten ausnahmslos von den tiefen Eindrücken, die vor allem die Darstellung individueller Schicksale betraf. Jüdische Menschen glücklich im Kreise ihrer Familie auf Fotos zu sehen mit dem Wissen, dass dieses Leben bald ein Ende haben würde, war ein prägendes Erlebnis für die jungen Menschen. In Birkenau mit seiner großen Weite und beklemmenden Ruhe war ihnen das Grauen und die Angst, in der die Menschen lebten, besonders nahe. „Wir konnten gar nicht sprechen, haben ganz viel geschwiegen. Uns fehlten einfach die Worte.“ Diese fanden sie erst in den abendlichen Gesprächsrunden wieder, als sie mit ihren Betreuern  – auch ein polnischer Lehrer – das Erlebte aufarbeiten konnten. 

Jeder einzelne hat diese Reise als unglaublich bereichernd empfunden, nicht zuletzt deshalb, weil schulübergreifende Kontakte, sogar Freundschaften entstanden sind.

Den Auftrag Andersartigkeit in Kultur, Religion oder privatem Lebensstil als bereicherndes Element einer Gesellschaft zu erleben und mutig für Toleranz einzutreten, haben alle mitgenommen. Eine großartige Führung durch Birkenau endete mit dem Appell der Leiterin an die jungen Menschen:“Jetzt seid ihr, dran, jetzt ist es an euch… .“ Ja, jetzt ist es auch die junge Generation, die sich für Demokratie, Toleranz und Respekt stark machen muss. Wie wichtig und kostar waren diese Erfahrungen für den großen Zukunftsauftrag!

Vera Klischan

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