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Cathrina Wichhorst geb. Schade, 1855 – 1918

Cathrina Wichhorst geb. Schade, 1855 – 1918

Cathrina Wichhorst geb. Schade, 1855 – 1918

Hätte sich nicht einer ihrer Briefe erhalten, wäre die Geschichte dieser gebürtigen Blankeneserin ganz in Vergessenheit geraten. Denn ihr Leben verlief unspektakulär. 

Cathrina Schade wächst am Strandweg auf, heiratet mit 18 den sechs Jahre älteren Wilhelm Wichhorst von der Veddel. Er ist Schiffbaumeister und Miterbe der väterlichen Werft. Warum er 1878 seinen Firmenanteil an den Bruder verkauft, ist unbekannt. Im selben Jahr aber übernimmt er die Firma Eydeler Wwe., Handel mit Mauersteinen, die 1883 in Konkurs geht. Wieso das geschehen konnte, ist unverständlich. Denn gegen Ende des 19. Jahrhunderts boomt die Bauindustrie in ganz Deutschland – und natürlich auch in Hamburg. Selbst im ärmsten Winkel des Reichs werden Mietskasernen errichtet, Privathäuser straßenweise gebaut, Postgebäude, Schulen, Bahnhöfe, Kasernen zu Tausenden hochgezogen.

Weiter erfahren wir von ihren zwei Söhnen: Carl Wilhelm Johannes, geb. 1873 in Blankenese, und Wilhelm Matthias Friedrich, geboren 1878 in Hamburg.

Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns Wilhelm im Jahr 1888 zieht Cathrina Wichhorst mit ihren Söhnen zurück ins Elternhaus an den Strandweg 14.

Das alles wäre nicht bemerkenswert, wenn es nicht noch diesen Brief gäbe.

Ihr Sohn Carl Wilhelm Johannes, später John  genannt, lebt während des Ersten Weltkrieges in Buffalo, USA. Auch sein Bruder Wilhelm Matthias Friedrich, mehr als Willy Wichhorst bekannt, hält sich im Ersten Weltkrieg in Amerika auf.

Da die Vereinigten Staaten bis 1917 als neutral gelten, können Mutter Cathrina und ihre Söhne den Briefkontakt trotz des Weltbrandes bis zum Kriegseintritt der USA weiterführen.

BF.Wichhorst

Der Brief gibt einen interessanten Einblick in das Leben dieser Frau, die zu Anfang des Weltkrieges Mitglied des „Vaterländischen Frauenvereins“ ist und für „Kriegerfrauen“ und deren Kinder kocht.

Darüber hinaus sammelt sie Geld und Sachspenden für bedürftige Blankeneserinnen. In diesem Zusammenhang berichtet sie auch, dass „Frau Postdirektor Lehmann“ und „Frau Werftbesitzer Harmstorf“ großzügig gespendet haben. Bezeichnungen wie diese waren bei „höheren Ständen“ um 1900 absolut üblich. Auch die Frau eines Arztes redete man mit „Frau Doktor“ an, auch wenn sie nur die Volksschule besucht hatte.

Blankenese, den 10. September 1916

Anmerkung:
Cathrina Wichhorst schreibt diesen Brief an ihren ältesten Sohn John, der nach dem Krieg die im Brief erwähnte Marianna heiratet. Willy ist der 2. Sohn und Ehemann von Alma.

Cathrina Alwine Wichhorst geb. Schade stirbt am 23. November 1918 in Kiel. Sie wird auf dem Nienstedtener Friedhof begraben. Sie hat ihre beiden Söhne nicht wieder gesehen.


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