Manchmal gibt es unter der Alten im Dorf hitzige Diskussionen, wer wohl echter Blankeneser sei. „Drei Generationen“, hört man dann als Stichwort, oder „Breckwoldts“, oder „wer segelt, Osterfeuer baut und Kreek fährt“.
Ich habe da meine ganz private Sicht der Dinge, nah an der dritten Definition: Blankeneser ist, wer hier mitmacht und wer den Gemeinsinn im Dorf stärkt. Denn das ist es, warum Blankenese ganz gut funktioniert. Die Vereine, die Initiativen und die Ideen machen das Dorf erlebbar und liebenswert.
Eine diese Initiativen wird immer um den 09. November eines jeden Jahres aktiv. Dann kümmern sich alle Schulen, die Jugendabteilungen aller Vereine und viele Blankeneser Organisationen um die etwa 35 jüdischen Stolpersteine in Blankenese.
Man trifft sich, um sie zu pflegen und um an die Schicksale zu erinnern, die sich mit ihnen verbinden. Dies fing vor vielen Jahren in der Jugendabteilung des BSC an, am Stolperstein von Julius Asch am Strand. Und nun sind alle interessierten Jugendlichen Blankeneses aktiv, wieder am geschichtsträchtigen 09. November, der diesmal ein Montag ist.
Nach der Pflege der Steine trifft sich die Jugend, und auch deren Eltern und Erwachsene, um 16:30 Uhr in unserer schönen Kirche am Markt. Diese gibt sich an diesem Tag weitgehend religionsreduziert, eher als zentraler Treffpunkt im Herzen der Dorfgemeinschaft, um den 35 Blankeneser Schicksalen hinter den Stolpersteinen ein sehr verdientes und würdiges Gedenken zu bieten.
Es sind nur 60 gemeinsame Minuten, aber diese sind so angelegt, dass jedem einzelnen Schicksal sein/ihr verdienter Platz in der Blankeneser Dorfgemeinschaft zurückgegeben wird. Ich finde das wichtig.

Ich würde mich freuen, viele Menschen an dem Tag zu treffen.
Es geht dabei nicht um Weltpolitik oder die große Zahl 6 Millionen.
Es geht darum, was damals bei uns los war, und was wir daraus lernen können.
Und es geht um 35 jüdische Blankeneser, die es meines Erachtens verdient haben.
Beste Grüße
Sören C. Sörensen


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