Da hat sich das unschlagbare Kreativteam der Buchhandlung Wassermann – Pascal Mathéus und Florian Wernicke – aber etwas ganz besonderes einfallen lassen. Ein junges Paar betrat am 11. Oktober die Bühne des Gymnasiums Blankenese.
Staatsminister Philipp Amthor und seine Partnerin Dr. Carlotta Voß, politische Referentin und Publizistin in Berlin, nahmen bestens gelaunt neben Pascal Mathéus Platz. Für den jungen Minister muss es die reine Erholung gewesen sein, denn Politik, seine angeschlagene Partei und bedenkliche Wahlergebnisse blieben draußen. Es ging – natürlich um Bücher. Da die Schüler des Gymnasiums mit freiem Eintritt motiviert wurden, was tatsächlich einige wahrgenommen haben, sollte an diesem Abend die Verlockung der Bücher im Vordergrund stehen.
Als Einstieg verriet Philipp Amthor sein zuletzt gelesens Buch „Träume aus Feuer“ von Florian Illies. Es geht dabei um den Alchimisten und erfolgreichen Glasmacher Johannes Kunkel.
Amthor liebt Bücher im historischen Kontext mit starkem Geschichtsbezug. Da er sich ansonsten immer in der Tagespolitik mit hochaktuellen Situationen befassen muss, bieten ihm Bücher ein breiter angelegtes Themenfeld. Lesen zum Vergnügen? Das bleibt die Ausnahme für den viel beschäftigten Spitzenpolitiker.
Nicht für seine Partnerin Carlotta, die ständig vier Bücher parallel liest und Lesen durchaus auch als Arbeit versteht. Sich durch ein anspruchsvolles Buch zu kämpfen, sich Inhalte zu erschließen, ist für sie ein Vergnügen im Sinn von belohnter Anstrengung.

An einem solchen Abend darf die Pisa-Studie nicht außen vor bleiben. Warum lesen viele unserer Kinder so schlecht? Philipp Amthor sieht den Ursprung nicht in der Schule. Viel früher beginnt die Problematik. Kleine Kinder müssen früh an altersgerechte Literatur durch Vorlesen herangeführt werden. Ihm wurden früher Märchen vorgelesen. So bekam das Buch für ihn sehr früh eine große Bedeutung. Im Schulalter spielt social media eine zentrale Rolle, was bei den Jugendlichen eine Konsumhaltung bewirkt. Entertainment ohne große Anstrengung – da kann das Buch nicht mithalten.
Carlotta Voß bezeichnet das große Bücherregal von früher als soziales Aufstiegskapital in vielen Familien. Da sieht sie heute einen deutlichen Bedeutungsverlust in der jungen Generation.
Sehr souverän reagiert Philipp Amthor auf die unvermeidliche Anspielung von Pascal Mathéus auf die „Strandkorbaffaire“. Ob das sein Leseplatz sei… ? Nein, lacht er diese Frage weg. Das Skandalobjekt sei längst in einem Pflegeheim in seiner Heimat.
Natürlich muss auch KI auf den Diskussionstisch. Der Politiker sieht die Gefahr in seinem beruflichen Kontext zwar gegeben, aber nicht bedrohlich. Politische Entscheidungen können nur von Menschen getroffen werden.
Wie beurteilen die beiden jene Menschen, die gar nicht lesen? Für Carlotta ist Lesebegeisterung kein moralischer Index, aber ein Indikator für Neugier und Wissensdurst. Philipp Amthor versucht durch Buchgeschenke Lust auf Literatur zu machen.
Zum Schluss muss es noch um Lieblingsbücher gehen. Der Minister ist als Junge über die Märchen bei Harry Potter gelandet. Carlotta ist durch ihr religiöses Elternhaus als Kind oft in der Bibel versunken, die dann aber von Cornelia Funke und Astrid Lindgren abgelöst wurde. Heute gehört zu ihren Lieblingsbüchern „Angst vorm Fliegen“ von Erica Jong, „Giovannis Traum“ und „Schande“.
Philipp Amthor gesteht sehr ehrlich, dass er auch aufgrund von Zeitmangel schlechten Zugang zu Belletristik findet. Sein Lieblingsbuch der letzten Zeit war „Klasse: Die Entstehung von Oben und Unten“ von Hanno Sauer.
Nach einem eigenen Buch gefragt siegt auch hier die Ehrlichkeit: „Bevor das kommt, muss ich erstmal meine Dissertation fertigstellen.“
Großer Applaus für ein interessantes Interview – klug geführt von Pascal Mathéus – mit einem jungen, ambitionierten Paar, das trotz aller bereits erzielten Erfolge mit bemerkenswerter Bodenhaftung, sympathischer Offenheit und lockerem Humor überzeugt. Die vielen Selfies im Anschluss mit den Schülern und Schülerinnen, die sich um die beiden scharten, zeigen, dass auch die junge Generation von Erfolg und Ehrgeiz inspiriert waren.
Vera Klischan


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