Home 9 Allgemein 9 Halloween & Reformationstag

Halloween & Reformationstag

Halloween & Reformationstag

Halloween & Reformationstag

30. Oktober 2026: Vermutlich wissen es die Kinder längst. Wenn man am 31.10 bei Krauß-Brandi in der Hasenhöhe klingelt, kommt immer meine Frage: „Und was ist heute noch?“ Sie sagen dann immer ganz artig: „Reformationstag“, vermutlich ohne zu wissen, was damit gemeint ist. Natürlich weiß ich, Süßigkeiten und ein ausgehöhlter Kürbis mit einer Kerze drin und einer ausgeschnittenen Fratze ist schlichtweg attraktive als die Bibel im Lutherdeutsch. 

Dabei könnte der Reformationstag gerade für die Kinder eine wunderbare Rolle spielen. Wenn sie wieder mal mit einer Fünf oder einem gerade mal Ausreichend von der Schule nach Hause schleichen, weil sie Angst vor der verärgerten Miene der Eltern haben, dann könnte Luthers Grundgedanke auch für die Kinder und Jugendlichen höchst attraktiv sein. Denn Martin Luther meinte damals – und eigentlich heute immer noch –, dass es in unserem Leben eben nicht allein auf die Leistung ankommt, sondern allein darauf, dass wir geliebte Geschöpfe Gottes sind.

Mit dem Urteil einer Klassenarbeit ist nichts über den Menschen gesagt, sondern es wird nur die Leistung bewertet. Diese Unterscheidung vergessen viele Kinder, weil sie dermaßen vom Schulalltag beherrscht sind, dass sie immer denken, die Note sage etwas über sie und ihren Wert aus. Dabei ist entscheidend, so Luther, dass jeder Mensch ein geliebtes Geschöpf Gottes ist. Allein darauf kommt es an. Klar, wir müssen in unserer Gesellschaft etwas leisten, aber das sagt nichts über mich und meinen Selbstwert..

Nun ist das mit „Gott“ ja so ne Sache. Keiner hat eine klare Vorstellung von Gott, und – wie ich finde – die sollte er oder sie auch gar nicht haben. Denn Gott ist mehr, als wir begreifen können. Wenn Luther von Gott sprach, sagte er oft, „Gott, wer immer das ist“. Gott, so sage ich gerne, ist kein Ausrufezeichen, sondern ein Fragezeichen. Und genau deswegen ist so wichtig, sich mit dem, der höher ist als unsre Vernunft begreifen kann, auseinanderzusetzen. Die Beziehung zu Gott muss gelernt werden.

Kinder brauchen das Grundgefühl, geliebte Geschöpfe zu sein. Eltern, Großeltern und Paten sind da so etwas wie Gottes Bodenpersonal. Durch sie entsteht ein Grundgefühl für Gott, und das kann im Alltag und bei der Bewältigung des Lebens helfen.

Luther, der ja nun wahrlich kein leichtes Leben gehabt und mit vielen Feinden innerhalb und außerhalb der Kirche zu kämpfen hatte, soll in kritischen Situationen mit der Faust auf den Tische geschlagen und sich gesagt haben: „Ich bin getauft!“ Er lebte nämlich aus der Grundüberzeugung, dass er mit der Taufe ein unerschütterliches Selbstbewusstsein eingepflanzt bekommen hat, das ihn gegen alle Übel der Welt und gegen jede Abwertung von anderen immun gemacht hat. Die Taufe, manchmal längst vergessen, sagt vor allem eins: Du bist geliebt von Gott. Nicht was der Fürst sagt, ist mein Lebensglück, auch nicht was die Lehrerin von mir meint, ist für mich entscheidend, sondern das Wissen darum, dass ich ein geliebtes Geschöpf Gottes bin.  

Für die Halloween-Kinder heißt das:

„Nicht wie dieser oder jener Mensch mich bewertet, ist entscheidend, sondern
allein das Wissen:
Ich bin geliebt.“

Dr. Friedrich Brandi
mailto: f-brandi@hamburg.de

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Barrierefreiheit