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„Hidden Disabilities Sunflower“

„Hidden Disabilities Sunflower“

„Hidden Disabilities Sunflower“

Löwenzahn-Symbol für unsichtbare Behinderung

Freitag, 24. April 2026
Flughafen Hamburg. Ein junger Mann, Mitte 20, Bart, groß, kräftig, packt sein Gepäck vorschriftsmäßig in die dafür vorgesehenen Wannen. Eine ganz normale Flughafen-Situation, wenn… ja, wenn der Teddy in seinem Arm nicht wäre. Und sein Gemurmel. Leise, kaum verständlich, schimpft er vor sich hin. Die Umstehenden mustern ihn kritisch, der Gesichtsausdruck des Sicherheitspersonals wechselt von mittelmäßig freundlich zu genervt.

Der junge Mann nimmt das alles durchaus wahr, vielleicht sogar mehr als andere Menschen – er ist Autist.
Die Situation ist unangenehm für ihn, aber aufgrund seiner Beeinträchtigung ist es ihm nicht möglich, sein Verhalten zu ändern bzw. den Erwartungen der Umstehenden anzupassen.
Ich, seine Mutter, kenne diese Situationen schon lange.
Es ist für mich nicht mehr überraschend, eher vorhersehbar, dass andere Menschen ihn (und mich) anstarren oder auch mal Bemerkungen machen. Und ich habe gelernt, dass es wenig Sinn macht, immer wieder auf seine nicht sofort sichtbare Behinderung aufmerksam zu machen.

Dabei ließe sich die Reaktion der Außenwelt steuern: mit dem Zeichen der „Hidden Disabilities Sunflower.“
Diese Sonnenblume, als Karte oder Aufnäher irgendwo angebracht, besagt, dass der betreffende Mensch eine nicht sichtbare Behinderung hat. Besonders bei Behinderten, die alleine reisen (können), könnte dieses Zeichen sehr nützlich sein, vorausgesetzt, die Mitreisenden oder das Personal kennen es auch. Weltweit haben sich schon 300 Flughäfen (darunter Hamburg, zumindest theoretisch) der Hidden Disabilities-Initiative angeschlossen. Besonders in asiatischen Ländern funktioniert die Idee auch.

Natürlich ist das Tragen eines solchen Zeichens auch eine Stigmatisierung
und damit nicht wirklich Inklusions-tauglich.
Aber könnte es nicht helfen,
zumindest das Verständnis zu erhöhen
oder zumindest die Wahrnehmung zu schärfen?
Könnte es uns vielleicht ab und zu daran erinnern,
wie unterschiedlich Menschen sind,
wie unterschiedlich sie handeln und reagieren?

Ich meine ja!
Es wäre ein guter Anfang und vielleicht, ganz vielleicht sind solche Zeichen dann irgendwann nicht mehr nötig.

Isod Bötzel

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