Blankenese im Gespräch

Musik gibt kraft ¬ Singen macht glücklich

Karin Klose aus Blankenese ist Sängerin, Chorleiterin, Stimmcoach und Musiklehrerin. Die engagierte Künstlerin und Pädagogin kommentiert in einem offenen Brief an blankenese.de die besondere Rolle der Musik in besonderen Zeiten wie diesen.

Karin Klose ist in Blankenese seit Jahrzehnten als Musiklehrerin, Chorleiterin und Sängerin bekannt © privat
Karin Klose ist in Blankenese seit Jahrzehnten als Musiklehrerin, Chorleiterin und Sängerin bekannt © privat

Sie gehören auch zu den Menschen, die Musik lieben?

Egal, ob Profi oder Laie: Alle Menschen, die Musik lieben und machen, sind in der Zeit von Corona auf ihre ganz besondere Art und Weise besonders betroffen. Viele Einschränkungen berühren gerade den Kulturbereich und damit auch die Musik. Allem voran den Gesang. Wie gefährlich ist Singen, besonders das Chorsingen? Diese Frage hält die Welt in diesem Jahr neben all den vielen anderen Themen in Atem. Die Meinungen der Experten gehen dabei nach wie vor auseinander. Wie viel Meter Abstand sind nötig, um eine Gefahr der ausgeatmeten Luft samt der Aerosole auszuschließen? Darf man überhaupt singen? Was ist erlaubt, was nicht?

Wissenschaftlich zweifelsfrei bewiesen ist allerdings schon lange: Musik und vor allen Dingen das Singen macht glücklich und gesund. Jede Menge verschiedener Hormone werden dabei produziert und ausgeschüttet. Zu viele, um sie hier alle aufzuzählen.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und aller damit verbundenen Verunsicherungen und Verbote empfand ich es als wirklich erstaunlich und positiv, wie viele Möglichkeiten von Musikerinnen und Musikern geschaffen wurden, um auch im Jahr 2020 weiterhin verantwortungsvoll musizieren und singen zu können. Und ich danke an dieser Stelle allen Menschen, die beherzt und mutig voller Verantwortung dazu beigetragen haben, diese Ideen und Konzepte zu unterstützen.

Musik gibt Kraft, Trost und den Blick nach vorn

Die Bedeutung der Musik und des Singens ist eine ganz besondere. Wie oft schon beschrieben und erfahren: Man merkt die Bedeutung mancher Dinge erst, wenn man sie nicht mehr hat. Die Musik hat in all den vielen Krisenzeiten der Evolution uns Menschen Kraft, Trost und den Blick nach vorn gegeben. Auch der Ausdruck und das Verarbeiten eigener Erfahrungen passiert durch und mit Musik. Dies gilt sowohl für den, der Musik macht, als auch für den, der Musik hört.

Mir persönlich ging und geht es ebenso. Deshalb war es mir ein großes Bedürfnis für mich selbst und für alle Menschen, mit denen ich Musik mache, die Musik in diesem Jahr am Leben zu halten. Sie hat mich, gerade in diesen Zeiten, immer wieder hoffnungsvoll gestimmt und mir Energie gegeben. Ob es meinen Chor, den Montagschor Blankenese betrifft, oder mein Jazzduo „Meer&Rausch“ gemeinsam mit dem Pianisten Nis Kötting. Die Arbeit an einem Chorvideo und das Einspielen einer neuen CD von „Meer&Rausch“, trägt mich gerade durch eine Adventszeit ohne die Möglichkeit von Auftritten.

Umso dankbarer bin ich, dass ich die Möglichkeit hatte, auch im so speziellen Jahr 2020 Musik auf die Bühne zu bringen. Dafür galt es, in den letzten Monaten viel Improvisation und Kreativität aufzubringen.

Ich erinnere mich an viele besondere Proben in diesem Jahr mit meinem Chor. Draußen im Garten, bei Wind und Wetter, der Pianist unterm Heizstrahler, ich mit kalten Fingern. Deutlich längere Probezeiten waren nötig, weil wir alle dabeihaben wollten und ja nur in kleinen Gruppen nacheinander singen konnten. Später im Sommer dann die erste Gesamtprobe auf dem Schulhof der Gorch Fock Schule: Was für ein wunderbares Gefühl, nach so vielen Wochen endlich wieder einen vollen Chorklang zu hören!

Besonders schön waren unsere Chorauftritte am Blankeneser Strandweg aus dem Garten von Chormitgliedern heraus sowie vor den Alteneinrichtungen der Schmilinsky Stiftung und des Schilling Stifts. Wir haben dort in kleinen Gruppen die Musik zu den Bewohnern gebracht, als sie dort keinen Besuch empfangen durften. Sie waren so dankbar! Es war für uns eine ganz besondere Freude, dort singen zu dürfen.

Die heilsame Kraft der Musik, das unbeschreibliche Gefühl, Gemeinsamkeit in diesen Zeiten von Abstand und Isolation zu erleben, die strahlenden und gerührten Augen meiner Chorsängerinnen und Chorsänger, all das würde mich jederzeit genauso handeln lassen. Denn: Es ist wichtig, gerade in diesen Zeiten kulturell alles zu tun, was geht. Voraussetzung ist natürlich, auch weiterhin vernünftig und verantwortungsvoll zu bleiben.

Musik verbindet ­ Kontakt zum Publikum trotz mehr Abstand noch intensiver

Unvergessen sind für mich auch die leicht angefeuchteten Augen der Zuhörer hier im Blankeneser Gemeindehaus bei der musikalischen Lesung mit der Schriftstellerin Katharina Hagena zu ihrem neuen Buch „Mein Spiekeroog“, die ich mit meinem Jazzduo „ Meer&Rausch“ im Rahmen der Evangelischen GemeideAkademie mitgestalten durfte. Intensive Momente gab es auch bei einem Konzert in Göttingen kurz vor dem zweiten Lockdown. Denn allen vor und auf der Bühne bereits bewusst, dass dieser Abend ein sehr besonderer sein wird und danach wieder für lange Zeit Schweigen auf der Bühne einkehrt. Alles, was Musik Positives bewirken kann, wollten wir dem Publikum mitgeben. Und ich hatte den Eindruck, dass all dieses in sehr besonderer Weise von unseren Zuhörerinnen und Zuhörern geradezu aufgesogen wurde.

Auch wenn jetzt im zweiten Lockdown gerade „nur“ Online-Proben mit meinem Chor möglich sind, tragen und verbinden uns all diese gemeinsamen Erfahrungen durch diese Zeit. Leider können wir nicht wie letztes Jahr mit einem Adventskonzert Teil des lebendigen Adventskalenders Blankenese sein. Aber wir freuen uns, mit unserem Chor-Video diesmal das virtuelle Türchen am 24.12. sein zu dürfen. Und wir freuen uns auf alles, was in 2021 musikalisch kommt!

Ich wünsche Ihnen allen von Herzen, dass die Kraft der Musik auch Sie zu Hause erreichen und durch diese besonderen Zeiten tragen möge.

Machen Sie Musik, hören Sie Musik!

Lüften Sie, halten Sie Abstand! Und singen Sie!

Mit den besten Grüßen für eine gesegnete Weihnachtszeit und ein gesundes 2021,

Karin Klose

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